4. E-Gitarren Grundtypen

Stratocaster

Fender Stratocaster

Als solche bezeichnet man heute alle Gitarren, welche die wirklich legendäre Form einer Fender Stratocaster haben.
Nehmen wir vorerst einmal die klassische Variante (3 Single-Coils, Esche- oder Erlenkorpus) unter die Lupe. Halsmäßig kann man meistens zwischen einem Ahornhals pur (hell) oder einem Rosewood-Griffbrett (dunkel) wählen. Es gibt vermutlich keine Gitarre, die sich dem Körper besser anpasst (Bierbauchfräsung!) und vielseitiger ist – von der neueren Version, die später als Superstrat behandelt wird, einmal abgesehen.

Mit dem Stegtonabnehmer hat man den absoluten Beißsound, mit dem Halspickup wird es wundervoll bluesig (mittels Tonepoti können noch nach Bedarf Höhen weggenommen werden) und die Zwischenstellungen (Hals und Mitte, Steg und Mitte) bieten perlende, mitunter fast akustisch wirkende Cleansounds, die man wirklich nur von der Stratocaster kennt.

Zudem hat man natürlich auch noch den tollen Vibratohebel, mit dem man wirklich lustige Dinge anstellen kann. Im Vergleich zu Gibson-Type-Gitarren lässt sich generell sagen, dass die typischen Fenders (eben Strat und Tele) perkussiver und knalliger klingen, die Gibsons dafür eher "singen" und es dem Gitarristen leichter machen ...

Les Paul

Gibson Les Paul (Paula)

Typisch: Humbucker und ein dicker schwerer Korpus. So klingt sie dann auch tendenzmäßig fett, aber immer mit einer ordentlichen Portion Höhen und Biss. Dafür sorgt die üblicherweise auf den Mahagonikorpus aufgeleimte Ahorndecke, die an der höchsten Stelle immerhin etwa 2 cm dick ist. Der Stegpickup liefert den klassischen Rocksound, am Hals wird es ziemlich bluesig (weniger Gain am Amp, bitte), und die Zwischenstellung eignet sich mit ihrem eigenwillig hohlen Charakter ebenso für klare wie auch verzerrte Sounds. Zur Les Paul passen übrigens nach wie vor die nicht so kräftigen PAF-Tonabnehmer (die nahezu alle Firmen unter verschiedenen Bezeichnungen im Programm haben) am besten, obwohl die Firma Gibson in den letzten Jahren auch lautere Kaliber einbaut. Ob eine Gitarre dieses Typs wirklich so viel eingeschränkter in ihren Möglichkeiten als andere ist, liegt wohl eher im Auge/Ohr des Betrachters.

Manchmal wird der Les Paul vorgeworfen, sie sei nicht so vielseitig wie andere Gitarren (warum, sind sie doch auch?), aber mit ihren 3 Tonabnehmerstellungen und der mithilfe der pro Tonabnehmer getrennten Klang- und Lautstärkeregelung (die quasi eine einfache Presetmöglichkeit bietet, sollte man –vor allem live –nicht verachten), lassen sich schon einige verschiedene Sounds machen.

Außerdem: Der klassische Rocksound (zumindest eine wichtige Variante davon) wird eben mit einer Les Paul und einem aufgerissenen Röhrenstack gemacht.

SG

SG-Gitarrenform

Eine in den 80ern und 90ern fast in Vergessenheit geratene Variante der Les Paul (wäre da nicht immer Angus Young von AC/DC gewesen) ist die SG, die in ihren ersten Jahren auch einmal Les Paul hieß. Sie ist im Gegensatz zur Les Paul, aber auch zur Strat, eine ziemlich leichte Gitarre. Nicht ganz so stark im Bassbereich wie die Les Paul, aber sehr dynamisch und fetzig, was sie zu einer hervorragenden Blues- und Rockgitarre macht. Trotz Les Paul- Schaltung hat die SG einen interessanten, durchaus eigenen Sound, der vor allem durch den Mahagonikorpus zustande kommt. In den letzten Jahren sieht man wieder sehr viele SGs, gerade bei den jüngeren Bands.

Telecaster

Fender Telecaster

Nicht nur eine Countrygitarre, aber natürlich bestens für diese Musikrichtung geeignet. Wie bei der Strat sind auch hier Single-Coils eigentlich obligatorisch. Der bekannte Treblesound des Stegtonabnehmers kann angezerrt auch sehr gut rocken und mit dem Halstonabnehmer hat man auch eine bluesige Variante. Wenn man will, gibt es für den Hals auch einen Humbucker, siehe Keith Richards (es müssen aber nicht unbedingt 5 Saiten sein). Die pedal-steel-ähnlichen country- aber auch stonestypischen Doublestops klingen auf so einer Gitarre wirklich am besten. Der berühmte Twang-Sound ist eine Mischung aus Stegtonabnehmer samt der dazugehörigen Metallplatte, langer Mensur und dem typischen Eschekorpus und Ahornhals.

Semiakustikgitarren

Semiakustikgitarre

heißen die flachen Teile, die hohl sind. Wesentliche Unterscheidungen: Gitarren mit Sustainblock (massiver Block im Inneren, der vom Hals bis zum Steg durchgeht, z .B. Gibson ES 335 oder Epiphone Riviera) oder ohne (z. B. ES 175, Rickenbacker oder Epiphone Casino). Während erstere ähnlich wie Solidbodys klingen (etwas mehr Dynamik, vielleicht etwas weniger Aggressivität), tut sich bei der zweiten Gruppe eine ganz neue Welt auf: extreme Dynamik, offener Sound mit Akustiktendenz, „Klingeln“. Wer z. B. auf die Sounds der Beatles oder Brit-Pop steht, braucht so etwas. High-Gain-Leadsounds erzeugen allerdings ein lautes Hupen im Lautsprecher, sprich unkontrollierbare Rückkopplungen, aber dafür nimmt man sowieso lieber andere Gitarren. Für cleane oder leicht angezerrte Rhythmussounds, aber auch für Bluesiges der absolute Geheimtipp!

Superstrats

Superstrat

Von der Idee her genial! Eddie Van Halen war zwar nicht der erste, der den Single-Coil am Steg seiner Strat herausnahm, das Loch vergrößerte und durch einen alten PAF ersetzte, aber er machte diesen "Brown" (er meinte das sicher nie politisch) -Sound populär und die nächsten Jahre sah man nur noch wenige Junggitarristen, die noch eine Les Paul oder eine "normale" Strat spielten und zudem noch gelegentlich den Halspickup einzuschalten wagten. Im Gegensatz zu Ed ließen die meisten die anderen Tonabnehmer drinnen, so war die Superstrat geboren. Tolle Varianten: Für Rocksounds der Humbucker am Steg, für filigraneres Mittel- und Hals-Single-Coil. Die nächste Variante war die mit HB in Hals und Steg und SC in der Mitte, meist so verschaltet, dass bei Zwischenstellungen nur jeweils eine Spule der HB an war und daher ein reiner SC-Sound erklang (z. B. Steve Vai’s Ibanez-Modelle). Äußerst vielseitig. Die meisten Modelle haben heute eine nach dem Floyd-Rose-Prinzip gebaute, verstimmungsfreie Vibratoeinheit.

Eines darf man natürlich nicht erwarten: Dass diese Gitarre wirklich alle Sounds liefern kann: Dank der längeren Mensur und der anderen Holzarten klingt der HB am Steg nie ganz so wie bei einer Les Paul, und den Steg-SC-Sound der Strat wird man (trotz diverser Schaltungsvarianten) auch nicht mehr 100%ig erreichen. Wer jedoch nicht gerade auf diese Sounds fixiert ist, für den übertrumpft die Superstrat mit ihrer Vielseitigkeit fast alle anderen Gitarrentypen.

Eine tolle Variante ist übrigens auch die Eric Clapton Strat: 3 moderne, nebengeräuscharme Tonabnehmer, die ziemlich authentisch klingen mit dem eingebauten Midboost, aber auch humbuckermäßig daherkommen können.

Was es sonst noch gäbe

Nicht weniger geeignet, nur nicht ganz so verbreitet!

Flying V

Flying V- und Explorertypen sind nach wie vor für härtere Gangarten beliebt, grundsätzlich kommen sie aus der Les-Paul-Ecke.

Paul Reed Smith (PRS) Gitarre

Paul Reed Smith baut Gitarren, die wirklich am ehesten das Loch zwischen Gibson und Fender ausfüllen können. Auch ihre Mensur ist irgendwo dazwischen. Mittlerweile gibt es auch günstigere Kopien dieser immer beliebter werdenden recht eigenständigen Gitarren.

Dann gibt es eben noch etliche Firmen, die ausgezeichnete Varianten oder Kopien der obengenannten Typen bauen: Epiphone, Yamaha, Squier, Musicman, Peavy, Washburn, Hamer, Guild, ... bauen allesamt ausgezeichnete Gitarren, viele davon erschwinglicher als diverse Originale. Übrigens: Die in Japan oder (noch billiger) Mexiko hergestellten Fenders sind sehr gut und wesentlich günstiger als USA-Modelle.

Harley Benton Gitarre

An dieser Stelle sollen auch die Harley Benton Modelle nicht unerwähnt bleiben. Die ausschließlich vom Musikhaus Thomann vertriebenen Modelle haben aufgrund des Direktvertriebs – Hersteller -> Einzelhändler – ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Die mehrfach getesteten Modelle machen keine Abstriche in der Qualität – sind aber vor allem für Einsteiger die ideale Alternative, ein hochwertiges Instrument zum kleinen Preis zu erhalten.

Parker Gitarre

Parker baut die möglicherweise fortschrittlichsten Gitarren: extremleichter Kunststoffkorpus, Piezo für zusätzliche Akustiksounds, neue Form, dazu ein wirklicher edler Sound ...

Außerdem stellt jede renommierte Firma mittlerweile sogenannte Signature-Modelle her, Gitarren, die für einen Star praktisch maßgeschneidert werden: Toll, wenn man seinen Lieblingsgitarristen nacheifert, aber aufgepasst: Dasselbe Equipment garantiert natürlich keineswegs den gleichen Sound und irgendwann gefällt einem plötzlich ein anderes Vorbild, oder man will total eigene Soundvorstellungen verwirklichen, dann ist oft viel Geld ausgegeben und das Teil steht traurig in einer Ecke ...

Ich konnte mir in meiner Anfangszeit nur Gurken leisten, so etwas sieht man heute kaum noch. Dagegen ist die Qual der Wahl heute ein relativ kleines Problem. Auch im unteren Preissektor finden sich durchaus gut bespielbare und auch klingende Instrumente, die später durch Austausch diverser Teile (Pickups, Hardware) noch deutlich verbessert werden können. Gerade in unseren Thomann Hot Deals finden sich viele erschwingliche Gitarren, nicht nur für Einsteiger!

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