Um die bekannten "Geburtsfehler" des ursprünglichen Designs der Tele-Reiter zu beheben, werden seit Jahren zahlreiche Lösungen angeboten. (Reiter mit schrägen Bohrungen, Reiter mit und ohne Saitenführung, Materialien von Messing, Stahl bis Titan, etc.)
Die Gotoh-Brückchen haben eine Saitenführung in Form zweier kleiner Rillen, sowie zwei spitze Auflagekanten, die je Brücke versetzt sind, um das Ausschwingverhalten von Saiten mit unterschiedlicher Masse zu kompensieren. Bei der weiter hinten sitzenden Auflagekante verbreitert sich die Saitenführungsrille, um einen Kontakt mit der schwingenden Saite zu verhindern.
Ich habe eines dieser Gotoh-Brückchen eingebaut und gegen ein anderes Produkt (schräge Bohrung aber ohne Saitenführungsrille) getestet. Beide Brückchen waren gleichzeitig im selben Instrument eingebaut, beide wurden mit einer hohen E und einer B Saite bespannt, alle vier Saiten liefen durch den Korpus. Ich bin froh, dass ich sie gleichzeitig auf dem Instrument hatte und direkt vergleichen konnte. So wurden die eklatanten Unterschiede umso deutlicher:
Was bei beiden Produkten hervorragend geklappt hat, war die Kompensation. Ich konnte die Mensuren für jede Saite bis auf eine Fehlertoleranz von ca. 1 ct präzise einstellen (gemessen mit einem Strobe-Tuner). Bei dem Gotoh-Brückchen fiel allerdings auf, dass mein Tuner in den ersten zwei Sekunden nach Anschlag ziemlich starke Schwankungen (ca. 20 ct rauf und runter) aufwies, bevor er sich dann auf einen Wert "festlegte". Das andere Brückchen (ohne Führungsrille) lieferte deutlich ruhigere Töne, selbst unmittelbar nach harten Anschlägen.
Der Hauptgrund, warum ich die Gotoh-Brückchen nicht verwende, ist aber der Klang.
Vor allem die E Saite hat einen deutlichen Buzz in der ersten Sekunde nach Anschlag, fast einen Sitar-Effekt. Bei der B-Saite gibt es ebenfalls diesen Sitar-Effekt, lediglich schwächer ausgeprägt. Andere Ursachen (Sattel, Bundstäbchen, Saitenlage) kann ich ausschließen, denn selbst mit hochgeschraubter Saitenlage tritt das Störgeräusch ein, bei Leersaiten und gegriffenen Tönen gleichermaßen. Ganz anders das glatte Brückchen des anderen Herstellers: Klarer Ton mit etwas "Snap" im Anschlag, wie man es von einer Tele erwartet.
Ein genauerer Blick auf die Konstruktion der Gotoh Brückchen erklärt einiges: Hinter dem Auflagepunkt der Saite läuft die Saitenführungs-Rille weiter, die schwingende Saite bekommt also Kontakt mit der Rillenwand. Im Falle der E-Saite verengt sich die Führungsrille sogar noch nach dem Auflagepunkt. Hier entsteht offenbar ein "Buzzing".
Fazit: Die Gotoh-Brückchen kommen mir nicht aufs Instrument.