Musik­video: Theo Rio

29.06.2016
Musikvideo und Interview mit Theo Rio

Interview

Hej, Theo! "Mit einem Schnurrbart in der Fresse - alles leicht". Wow, das ist doch mal ein Statement! Wie kommst du zu dieser Erkenntnis?

THEO RIO: Ich trage jetzt seit circa 7 Jahren fast durchgehend Schnurrbart und seitdem läuft es bei mir einfach besser. Das dies wahrscheinlich rein gar nichts mit dem Schnurrbart zutun hat, will ich aber aus Liebe zum Schnurrbart nicht wahrhaben.


"Mit etwas Pflege und Liebe ist er ein Dietrich für vieles". Welche Türen öffnen sich mit einem Schnurrbart wesentlich leichter als ohne?

THEO RIO: Also, wenn man dann noch einen Hut und 'ne schlecht gedrehten kippe im Mundwinkel trägt, dann
denken manche Kinder zumindest schonmal man wäre ein Cowboy oder Bandit. Dann sind die schonmal nicht so frech, weil sie nicht wissen, ob ich vielleicht jeden Moment wild um mich schieße...


Der Schnurrbart-Song: Geile Farben, Berlin pur, sommerliche Gefühle, lustiger Clip. Erzähl uns bitte, wo und wann das Teil gedreht wurde?

THEO RIO: Das "Berlin pur" würde ich jetzt mal streichen, es ist Kreuzberg36 pur! Gedreht haben wir das letzten Sommer während eines circa dreistündigen Kiezspaziergangs rund um den Görlitzer Park. Funfact: Jonas, also die andere Hälfte von "Onkel Berni", hat gefilmt und dabei zum ersten Mal eine Kamera in der Hand gehalten!!! Also eine Zero-Budget-Produktion. Und ich kann es heute immer noch nicht fassen, dass er das fast Alles scharf bekommen hat!


Beim betrachten des Clips hat man das Gefühl, dass du die halbe Stadt kennst! Du agierst vor der Kamera, als ob du jeden potentiellen Passanten hinter der Kamera mit Handschlag begrüßen könntest... Täuscht der Eindruck, oder bist du schwer beliebt in deinem Kiez?

THEO RIO: Scheinbar nimmt meine Beliebtheit im Kiez seit ein paar Jahren aber etwas ab... Das wird wohl daran liegen, dass es in Kreuzberg nicht mehr so dörflich ist. Man trifft bei den vielen Menschen automatisch nicht mehr so viele, die man kennt. Das ist schon etwas Schade zumal dieser mittlerweile sehr dominante Hipster-Trend-Scheiß und die Vermarktung des "coolen sexy Berlins" recht zerstörerisch scheint. Da ziehen Leute von einem trendigen Fastfood-Laden zum nächsten, in der Hand das hippe "Wegbier" und das Ganze wirkt teilweise nur noch wie eine GZSZ-Kulisse. Vor gar nicht so vielen Jahren war es hier eher ein Paradies für Loser und Verrückte, als ein Paradies für gut gebildete urbane Feinschmecker.


Deine Vielseitigkeit und dein Variantenreichtum ist grandios, denn als KØRPERKLAUS hast du ein weiteres Alter Ego auf den heißen Sandboden des Grunewald- oder Müggelsee zum Verrenken gesendet. In welchem Verhältnis steht dieses Projekt zu deinen anderen Aktivitäten, wie eben THEO RIO oder ONKEL BERNI? Ist das elektronischer, experimenteller, etc.? Auf Letzteren kommen wir später noch zu sprechen...

THEO RIO: Ich habe wohl einfach den natürlichen Drang bzw. immer Bock neue Dinge und Sounds auszuprobieren. Da entstehen manchmal diese alter Egos ganz selbstverständlich zur Musik, ohne das ich mir da tagelang den Kopf zerbreche. KØRPERKLAUS ist einfach der Charakter, der meine aktuelle Interpretation von elektronischer Tanzmusik 2016 am besten "verKØRPERn" kann. Sorry wegen des kleinen Wortspiels, aber so ist es... Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass schon eine mittelmäßig etablierte Band oder Künstler/in meist schon so stark in eine Schublade gepresst wird, so dass wenn man den Style oder Sound radikal ändert, der Mehrheit seiner Fanbase eher vor dem Kopf stößt, als sie zu erfreuen. So ist halt der Mensch einfach, er hasst Veränderungen. Deshalb ist die erfolgreichste Band der Welt wohl auch die, die sich am wenigsten über einen langen Zeitraum verändert hat... Rolling Stones. Der "heiße Sandboden" ist übrigens die noch aus der Eiszeit stammende Dünenlandschaft "Baumberge" im nördlichsten Berlin, ganz in der Nähe vom Flughafen Tegel. Da wollte ich schon immer mal ein Video drehen.


Auf c-tube sind zwei Spitzen-Clips von ONKEL BERNI zu sehen, "Zu klein" und "Ein Wintertraum". Die Jury war begeistert, Top-Bewertungen, Synthi-Pop mit einem großen Hang zu Humor und Entertainment. Selten so zwei Rampensäue vor der Kamera gesehen, die sich selbst so glaubwürdig auf den Arm nehmen können! Wa ist aus ONKEL BERNI geworden?

THEO RIO: Mit ONKEL BERNI haben wir ja vor Allem jahrelang als Elektroclowns auf feuchtfröhlichen Partys in ganz Deutschland gespielt. Das war sehr großer Spaß, aber der damit verbundene Alkohol- und Drogenkonsum und dessen Nebenwirkungen haben uns die Entscheidung leichter gemacht, uns noch viel mehr der Arbeit vor der Kamera zu widmen. Und dann kam zeitgleich mit den ersten "Tour-Ermüdungserscheinungen" das Angebot von YouTube und Partnern, die Gastgeber einer Late-Night-Show zu werden. Das war vor etwas mehr als drei Jahren, seitdem machen wir auch Moderationen und anderen Quatsch und spielen als ONKEL BERNI nur noch zu ganz besonderen Anlässen Live-Konzerte. Aktuell sind wir sind wir in der ARD bei der Comedy Show "Nuhr ab 18" die Hofbarden. Was sich vielleicht erstmal 'lame' anhört, ist durchaus interessant und lustig, da drehen wir aktuell die 2. Staffel.


Ist das euer erster 'fester' Job? Und verdient ihr jetzt endlich mal vernünftig?

THEO RIO: Naja, der festeste Job den wir als ONKEL BERNI wohl je hatten, war dann doch eher unsere Late-Night-Show "Onkel Berni's Butze", da haben wir über ein Jahr lang jede Woche eine Show und hunderte bescheuerte Einspieler gedreht, das konnte man fast richtig harte Arbeit nennen. Aber "vernünftiger" Verdienst ist immer Ansichtssache, da ich unter anderem auch mal in einem Altenheim gearbeitet habe, weiß ich wie schwer mancher Euro verdient sein kann.


Was macht eigentlich die zweite Hälfte von ONKEL BERNI namens Jonas, wenn er nicht an dem Storyboard für die TV-Show puzzelt?

THEO RIO: Jonas macht Radio, bei Energy hat er eine wöchentliche Sendung. Habe ich allerdings noch nie gehört, da ich aus Prinzip kein Auto fahre und deshalb auch kein Radio höre.


Auf dem YouTube-Profil von ONKEL BERNI kann man sich eure Show "Let's write a Söng" anschauen, neun Folgen habt ihr davon mittlerweile produziert. Wie seid ihr darauf gekommen? Was wollt ihr damit? Und wie realisiert man solche Feuerwerke an Ideen? Bastelt ihr wochenlang an möglichen Sketches oder setzt ihr euch vor die Kamera, drückt auf den Record-Button und dann plätschert es nur so aus euch raus?

THEO RIO: "Let's write a Söng" ist ein Versuch, Musik und Unterhaltung auf moderne Weise zu verknüpfen, sprich mit Beteiligung der "Community" bzw. der "User". Ohne die geht es ja heutzutage nicht mehr. Also die Idee ist einfach: wir geben ein Thema vor und die Leute posten Textfragmente bzw. alles was einfällt und in einen Song passen könnte und wir fügen dann vor der Kamera alles zusammen und performen dann live den Song am Ende der Sendung. Genial, oder? Wochenlanges Basteln ist dafür nicht nötig und mit etwas Freude an der Sache kommen da teilweise ganz witzige Songs bzw. Songtexte heraus.


Bekommt ihr das Feedback, die Anerkennung und die Reichweite die ihr euch wünscht? Oder ist euch das Wurscht? Gibt es manchmal Momente der echten Niedergeschlagenheit, an denen ihr euch fragt: "Wozu der ganze Scheiß!?, Was soll das?! Ich will nicht mehr, das war's!"

THEO RIO: Prinzipiell ordne ich Alles dem Streben nach größtmöglicher künstlerischer und menschlicher Freiheit unter und nicht dem Erfolg, welchen ich mit diesem oder jenem Projekt habe. Ich habe auch früh gemerkt, dass ich jetzt nicht so der Typ für den absoluten Mainstream bin, und ich besitze auch nicht wirklich das Verlangen den Leuten nur zu geben was sie wollen. Deshalb ist das gar nicht so ein Thema für mich. Aber natürlich freue ich mich, wenn mir jemand zum Beispiel schreibt, dass er oder sie gute Laune bekommt, wenn sie meine Musik hört oder eine Show anguckt.


Kommen wir zum Abschluss nochmal auf THEO RIO: "Alles wird gut". Brannte dir ein solcher Herzschmerz-Song im Stile eines Country-Schlagers schon lange auf dem Herzen? Denn: wenn man nicht den galligen Humor von ONKEL BERNI und Co. kennen würde, könnten Peter Maffay- und Wolfgang Petri-Fans bei einem solchen Kracher - Slide Guitar, fette Chöre am Ende, die Botschaft des Refrains - glatt die Tränen kommen. Andererseits kommt man aus dem Schenkelklopfen nicht mehr heraus, trotz der blassen Herbstbilder im trüben Berlin...

THEO RIO: Wenn ich ehrlich bin, hatte dieser Song eine recht egoistische Natur. Ich wollte da im letzten Herbst kurz vor dem Winter mir selbst nochmal einbläuen, dass dieser düstere lange Berliner Winter ja dann doch am Ende zu einen blühenden Frühling mutieren wird. Da habe ich gedacht, dass die Harley Benton Slide Guitar und Country-Schlager die richtigen Werkzeuge dafür sind. Billig aber effektiv!! Haha!


Theo, was steht in nächster Zeit an? Auf welche Highlights mit deiner/eurer Beteiligung können wir uns in der zweiten Jahreshälfte freuen?

THEO RIO: Glücklicherweise kann ich die Frage nicht ganz konkret beantworten, so bleibt es auch für mich etwas spannend, was genau realisiert wird. Es sind einige Sachen im Köcher, aber noch nicht Spruchreif. KØRPERKLAUS aber, soviel kann ich verraten, wird im Herbst seine Bühnenpremiere feiern können. Sofern er sich keinen Kreuzbandriss zuzieht...!


LINK: c-tube Profil von ONKEL BERNI

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