Rode Stereo VideoMic X

Stereomikrofon zur Blitzschuh-Kameramontage

  • Eigenrauschen: 12 dBA
  • Grenzschalldruckpegel: 143 dB
  • Empfindlichkeit: 25 mV
  • Vollmetallgehäuse aus Aluminiumguss
  • hohe HF-Abschirmung
  • zwei selektierte 1/2"-Echtkondensatorkapseln in XY-Anordnung
  • Körperschallentkopplung der Kapseln durch Miniatur-Lyres von Rycote
  • elektronische Tastschalter mit Status-LEDs
  • schaltbares Hochpassfilter: 75 Hz / 150 Hz
  • schaltbare Pegelanpassung: -10 dB / +20 dB
  • schaltbare Präsenzanhebung: 5 kHz / +6 dB
  • Betriebstaster mit Ein- / Ausschaltverzögerung und Kontroll-LED
  • TRS-Miniklinkenbuchse plus 2 symmetrische Mini-XLR-Buchsen - auch simultan nutzbar
  • Batteriefach für 9V-Block
  • Laufzeit mit Qualitätsbatterie > 30 Stunden
  • über XLR-Anschlüsse auch mit 48V-Phantomspeisung zu betreiben
  • im Blitzschuhadapter eingelassenes 3/8"-Gewinde zur Stativ- oder Tonangelmontage
  • Maße: 102 x 118 x 100 mm
  • Gewicht (ohne Batterie): 300 g
  • inkl. Korbwindschutz, Fellwindschutz und Spiralkabel (TRS-Miniklinke)

Weitere Infos

Charakteristik X/Y
Zubehör Windkorb, Windschutz

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4.7 / 5.0
  • Features
  • Sound
  • Verarbeitung
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Gesamt
Features
Sound
Verarbeitung

Vergleich Rode Videomic X versus Neumann KM184

Wernie, 18.12.2017
Ich habe mir das Videomic X geholt, um Musikvideos mit meiner Sony Alpha 6500 zu machen. Das Mikrofon wird in einer stabilen Pappschachtel geliefert, in der auch die beiden Windschutze Platz finden. Die Schachtel ist aber leider nicht roadtauglich, eine Reißverschlusstasche wäre auch in Anbetracht des Preises besser gewesen.

Bei der ersten Benutzung fiel mir negativ auf, dass die Befestigungsmutter des Mikros am Blitzschuh meiner teuren Kamera Kratzer hinterließ. Das sollte nicht sein! Außerdem berührt der große kugelförmige Windschutz das Objektiv und stört beim Zoomen. Allerdings ist meine Systemkamera ziemlich klein. Bei einer großen Spiegelreflexkamera dürfte das nicht der Fall sein. Nach einigen Tagen Benutzung machte sich bemerkbar, dass die Bedienungsknöpfe aus schwarz überlackiertem, transparentem Plastik gefertigt sind: Die Farbe am Einschaltknopf begann schon abzublättern.

Positiv fiel mir auf, dass der Klang auffallend gut ist, beinahe so gut wie mit meinem Neumann KM184 Stereo-Set, das allerdings an einer Kamera kaum zu befestigen ist. Dieses Set ist rund doppelt so teuer wie das Videomic und kann nicht ohne weiteres Zubehör mit Batterie betrieben werden.

Vergleichstest: Ich wollte es genau wissen und habe das Videomic mit dem Neumann KM184 eng nebeneinander aufgebaut und verglichen. Der Vergleich ist etwas tricky, man muss aufpassen, dass man da nichts falsch macht. Da das KM184 mono ist, habe ich den rechten Kanal des Videomic mit dem KM184 verglichen, wobei ich die Lautstärke beider Mikrofone möglichst gleich eingestellt und die Mikrofonachsen sorgfältig ausgerichtet habe wegen der Richtcharakteristik (Niere bei beiden). Als Preamp/Mixer habe ich einen Mackie 402-VLZ3 verwendet. Das Ergebnis erstaunt, man muss schon genau hinhören, um den Unterschied auszumachen. Das KM184 klingt insgesamt etwas ausgeglichener, während das Videomic eine etwas stärkere Höhenanhebung und Bassabsenkung zu haben scheint als das KM184, das aber auch nicht ganz linear ist. Bezüglich Rauschen ist der Unterschied minimal, das Rauschen liegt weit unter dem, was man von Elektretmikrofonen gewohnt ist. Es ist in normaler Umgebung fast nicht wahrnehmbar. Das Videomic in der +20dB Einstellung ist geringfügig lauter als das KM184, allerdings ist dessen Richtwirkung anscheinend etwas ausgeprägter, d.h. das KM184 holt die Stimmen etwas näher ran. Auch hier ist der Unterschied gering, weil das Videomic dafür etwas präsenter klingt. Ich habe auch Tests mit Akustikgitarre gemacht, wobei ich hier zwei KM184 in XY-Anordnung zum Vergleich herangezogen habe. Der Unterschied war hier etwas deutlicher, die Gitarre klang etwas weicher und natürlicher mit den KM184.

Nun zur Technik: Beim Rode Videomic X handelt sich um ein Stereo-Mikrofon, bestehend aus 2 Kleinmembran-Kondensatormikrofonen mit 20 mm Durchmesser in XY-Anordnung. Dabei handelt es sich nicht um Elektret-Mikrofone, sondern um Kondensatorkapseln mit einer hohen Polarisationsspannung, die im Mikrofon mit einer Dioden-Kondensator-Kaskadenschaltung erzeugt wird. Das Gehäuse ist aus massivem Aluminium und relativ schwer, allerdings nicht wasser- und staubdicht. Es enthält die 9 Volt-Batterie und einen sehr rauscharmen Vorverstärker mit wahlweise unsymmetrischem Klinkenausgang (3,5 mm) oder symmetrischen Mini-XLR-Buchsen. Die Elektronik ist recht aufwendig und enthält hochwertige Operationsverstärker vom Typ LT6234, einige "Vielfüßler-Chips" und sogar einen ATMEL-Mikroprozessor. Das lässt vermuten, dass das Mikrofon eine digitale Signalverarbeitung enthält, was mich eigentlich nicht so begeistern würde, wenn es stimmt. Was trotz dieses Aufwands leider vergessen wurde, ist eine Übersteuerungsanzeige! Die Impedanzwandler für die Kondensatormikrofone befinden sich in den Kapseln selbst. Diese sind schwingungsisoliert aufgehängt. Die Entkopplung vom Gehäuse ist ziemlich gut, Griffgeräusche werden stark bedämpft.

Das Videomic X spielt ganz klar in der oberen Qualitätsklasse mit, vergleichbar mit den besten Kleinmembranmikros von Rode. An das KM184 von Neumann kommt es natürlich nicht ganz heran. Toll an dem Mikrofon ist, dass das alles in Stereo und mit einer 9 Volt-Batterie funktioniert, das sogar noch recht lange, und sogar wahlweise symmetrisch über XLR. In der +20dB-Einstellung ist es laut genug, um das Rauschen des Kameramikrofon-Vorverstärkers verschwinden zu lassen. Man muss allerdings aufpassen, dass dieser nicht übersteuert wird.

Die Einsatzmöglichkeiten gehen sicher weit hinaus über die Verwendung als Kameramikrofon. Auf jeden Fall eignet sich das Videomic X außer für Stimmen und Geräusche auch sehr gut als Gitarrenmikrofon. Hier kommt zugute, dass das Mikrofon recht kompakt ist und vor der Gitarre nicht so stört wie z.B. ein KM184 Stereoset. Durch die Bassabsenkung ist es auch etwas weniger popempfindlich als das KM184, und lässt die Korpusresonanz nicht so stark boomen. Der Grenzschalldruck ist bei beiden ähnlich hoch.

Begrenzt wird der Einsatz vor allem durch die nicht verstellbare XY-Anordnung ohne Richtwirkung. Der Stereoeffekt ist bei einer XY-Anordnung deutlich zurückhaltender als bei einer AB-Anordnung. Gegenüber einem Mid-Side-Stereomic ist das Panorama nicht verstellbar und die Stereomitte etwas schwächer. Also diesbezüglich keine Wundererwarten. Weiter entfernte Sprecher werden mit einem Richtmikro besser erfasst. Auch für Chöre oder Orchester ist das Mikrofon nicht die erste Wahl, aber für überzeugende Ambience-Aufnahmen jederzeit. Wegen dem hohen Grenzschallpegel ist es durchaus auch bei Rockkonzerten einsetzbar. Sehr zu begrüßen sind beim Außeneinsatz die beiden Windschutze (Schaumstoff und Fell).

Fazit: Abgesehen von den erwähnten Einschränkungen (kleinere Mängel an der Verarbeitung, fehlende Übersteuerungsanzeige und nicht verstellbaren XY-Anordnung ohne Richtwirkung) kann man das Videomic X eigentlich nur wärmstens empfehlen. Der Klang ist super und der Preis ist mittlerweile auch einigermaßen stimmig.
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Sehr durchdachtes Konzept

AudioCG, 04.05.2018
Das Rode Stereo VideoMic X habe ich mir in erster Linie für Ton-Atmos gekauft, eher weniger, um es auf die Kamera zu schrauben. Grundsätzlich ist es aber halt für Auf-die-Kamera gedacht, um eben die Umgebung aufzunehmen. Sollte man beachten, dass man dieses Mikrofon natürlich eher nicht für Interviews und szenisches Arbeiten einsetzt. 9V-Batterie rein, Mini-Klinken-Adapter-Kabel in die Kamera und los gehts! Der Sound klingt super, das Mikrofon selbst ist relativ schwer, aber auch sehr klein und kompakt. Die Mikrofone sind einzelnt aufgehangen und überhaupt macht alles einen sehr wertigen und stabilen Eindruck. Im Gegensatz zu anderen Stereo-Konstruktionen passt es in jede Tasche, ein Windaufsatz ist auch dabei, was alleine schon riesiges Plus ist. Klein und handlich war mir sehr wichtig, um es einfach dabei zu haben für spontane Stereo-Atmos. Persönlich hätte ich mir gewünscht, dass das Mikrofon mit AA-Batterien laufen würde, die ich ohnehin für zig Geräte immer dabei, aber es benötigt halt eine 9-Volt-Block-Batterie. Ich wollte es aber ohnehin meist über mein Sounddevices-Gerät über die Mini-XLR-Ausgänge und dann mit Phantomspannung laufen lassen, weil an dem Gerät die PreAmps einfach so viel besser sind. Und hier sind wir auch schon bei dem einzig wirklich gravierenden Kritikpunkt, den ich an diesem Gerät habe. Die Mini-XLR-Anschlüsse gehen nach oben hin ab. Kauft man filigrane Mini-XLR-auf-XLR-Kabel, muss man sich hier irgendwas basteln, damit die Kabel nicht gleich abknicken oder gegen das Gehäuse klappern. Vor allem, dass es nichts fertiges von Rode gibt was beide Kanäle über ein verbundenes Kabel schickt, ist irgendwie schade. Ich habe mir zwei Kabel mit vielen Klebestücken zu quasi einem gemacht, das funktioniert und vertüddelt dann auch nicht dauernd. Auch die zwei passenden langen Kabel günstig zu erstehen, war nicht ganz einfach, wenn man sie sich nicht selbst zusammen löten mag/kann. Und dann sollte man noch erwähnen, dass man einen Rode Pivot Adapter dazu kaufen sollte, wenn man das Mikrofon auf einer Angel betreiben möchte. Persönlich hätte ich mir auch gewünscht, dass ein solcher Neiger bereits Teil des Gerätes wäre, aber das ist dann auch schon Jammern auf hohem Niveau. Der Preis ist nicht ganz niedrig, aber gerade gestern habe ich mal eine Gitarre damit aufgenommen, die klang schon ziemlich super. Und wie gesagt, die Größe, Flexibilität und Klangqualität sprechen für sich. Wenn man den richtigen Einsatzzweck für das Mikrofon hat, hat man viel Freude damit.
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