Es mag paradox klingen, aber dieses Paddel macht wenig, aber doch erstaunlich viel.
Die Verarbeitung ist erstklassig. Hier gibt es gar nichts auszusetzen. Das fängt bei der Optik an und hört bei Potis und Fußschaltern auf, die sich bei der Bedienung insgesamt einfach nur wertig anfühlen.
Features und Bedienung sind genial. Ich persönlich bin kein großer Soundtüftler. Verstärker, Gitarren und Effektgeräte müssen bei mir Plug and Play funktionieren. Das geniale an dem Deco ist, dass es intuitiv genug für Puristen wie mich ist, aber es eine Menge versteckter Einstellmöglichkeiten gibt, über die sich richtige Soundtüftler freuen dürften.
Der Sound ist grandios, das Deco ist extrem vielseitig einsetzbar.
Zur Einordnung: ich nutze es vor Vintage-Style Amps wie Fender, Marshall, Vox - nicht in einem digitalen Rig.
Fangen wir mit der Tape Saturation-Seite an:
Final zum Kauf inspiriert wurde ich durch Barrie Cadogan. In seinem Rig-Rundown beschreibt er, dass er bei den Black Keys, die Verstärker häufig etwas leiser spielen muss. Dann fehlt die Sättigung der Endstufe, was er mit dem Deco wieder ausgleichen kann.
Ich finde, das funktioniert perfekt. Im Gegensatz zu linearen beziehungsweise neutralen Boostern, hat man hier wirklich das Gefühl das nicht unbedingt Gain sondern tatsächlich eine Art Sättigung passiert. Liebhaber von puristischen Röhren und Endstufen zerre werden, wissen, was ich meine. Ein sehr wichtiger Punkt für mich ist, dass ich trotz Pedal weiterhin gut mit dem Volume Poti der Gitarre abregeln kann. Hier hatte ich anfangs etwas Sorge, dass das eventuell nicht mehr so gut funktioniert. Nach testen muss ich aber sagen, es funktioniert einwandfrei.
Das Deco kann hier also als Always-On die Funktion eines Attenuators erfüllen. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn man keinen Attenuator findet, der gut zum jeweiligen Amps passt. Mein Vox AC15 HW verliert über den Master deutlich an Sättigung. Diese kann ich dem Amp über das Deco wieder geben - bei jeder Lautstärke. Ich würde für diese Anwendung immer erst Attenuatoren ausprobieren, das Deco funktioniert aber auf jeden Fall super. Die Aussage von Barrie Cadogan, dass sich die Sättigung wirklich „echt“ und Amp-Like anfühlt, kann ich nur bestätigen. Interessant dabei ist, um es am Vox zu erläutern:
Der Normal Kanal kann etwas Grit gebrauchen und kommt etwas mumpfig daher, während der Top Boost Kanal schnell zu harsch wird. Durch das Deco bekomme ich beide Kanäle bei jeder Lautstärke zum klingen, obwohl die Herangehensweise eigentlich komplett entgegengesetzt sein müsste.
Die Tape-Saturation-Seite eignet sich auch sehr gut als Solo-Boost. Auch hier merkt man die Sättigung. Die hohen Saiten bekommen etwas mehr „Futter“, ohne dass man viel Gain hinzufügt und ohne dass die Basssaiten zu überladen wären. So bleiben Solo-Sounds „musikalisch“. Man neigt aber schnell dazu die Seite als Always-On zu nutzen, weil sie wirklich verdammt gut klingt.
Bei entsprechender Einstellung ist ein Gain-Boost aber möglich.
Die eigentliche Doubletracker-Seite ist ebenso vielseitig einsetzbar. Sie ist so konzipiert, dass das Signal gedoppelt wird und dann über den Lag-Regler zeitlich versetzt werden kann. Über den Wobble-Regler kann man eine Modulation erreichen. Ich persönlich nutze es als Slapback. Theoretisch kann man für ein Slapback-Effekt jedes Delay nehmen. Die Unterschiede sind oft klein aber später im Band-Kontext signifikant. Ich habe es nicht gegen ein echtes Tape gespielt, von daher kann ich nicht final beurteilen, ob es ein „echtes“ Spielgefühl bietet. Es kommt aber sehr sehr nah an das heran, was ich von Aufnahmen kenne. Als Delay kann man das Deco nicht verwenden, da man maximal 2 Wiederholungen erreichen kann.
Zusammenfassend muss ich sagen, die Genialität dieses Pedals liegt darin, dass es Strymon hier gelungen, ist ein vielseitiges Pedal mit vielen Funktionen in ein absolut nutzerfreundliches, intuitives Layout zu packen.
Mir fällt kein vergleichbares Pedal am Markt ein. Der Preis ist aus meiner Sicht angemessen.