Homerecording mit Profi-Sound – 5 Fehler, die du vermeiden solltest!

Homerecording mit Profi-Sound – 5 Fehler, die du vermeiden solltest!

„Profi-Sound im Homestudio“ klingt für dich wie ein Widerspruch? Dann ist dieser Blog-Artikel genau das Richtige für dich. Denn er zeigt dir, welche fünf Fehler du beim Homerecording unbedingt vermeiden solltest, damit deine Tracks so fett klingen wie deine Lieblingssongs von bekannten Künstlern. 🎙🔊⛔


Einen guten Einstieg ins Thema bietet dir Philipp auf in seinem YouTube-Kanal abmischenlernen.

Möchtest du mehr erfahren, haben wir für dich in den folgenden Zeilen ergänzende hilfreiche Praxis- und Equipment-Tipps zusammengestellt.

1. Verschieberitis

„Fix it in the Mix“ ist eine Strategie, bei der die Unzulänglichkeiten einer Aufnahme zu einem späteren Zeitpunkt (nämlich beim Abmischen) behoben werden sollen. Beliebte Schwächen einer Aufnahme, deren Lösung gern auf später verschoben wird, sind Nebengeräusche in der Aufnahme, schräge Gesangstöne oder Knackser im Audiomaterial. Leider stellt sich dann in vielen Fällen zu spät heraus, dass das vorliegende Problem nur mit großen Kompromissen wie hörbaren Schnitten oder auffälliger Pitch-Korrektur gelöst werden kann.

Wenn du der „Auf-später-verschieben“-Falle entgehen möchtest, gibt es eine einfache Lösung: Sorge bereits während der Aufnahme für das bestmögliche Ergebnis. Das fällt dir vielleicht nicht immer leicht, weil du am liebsten möglichst schnell ein hörbares Ergebnis haben möchtest. Damit deine Musik nach dem Abmischen professionell klingt, benötigst du aber Erfahrung und Wissen. Als Einsteiger hast du zwar beides nur rudimentär, doch du kannst über Zeit und Mühe vieles wettmachen. Wichtig ist, dass du schon bei der Aufnahme viele Details hören kannst. Dabei können dir ohrumschließende, geschlossene Studiokopfhörer wie die beyerdynamic DT-770 Pro helfen. Wenn du nach einiger Zeit auf einen gewachsenen Erfahrungsschatz und bewährte Arbeitsroutinen zurückgreifen kannst, wirst du sehen, dass sich dieser Aufwand lohnt. Das ist der Moment, ab dem „Fix it in the Mix“ für dich keine Rolle mehr spielen wird.


2. Rivalisierende Instrumentierung

Trotz optimaler EQ-Settings, ultrafetter Komprimierung und einer Armada von teuren Plugins klingt dein Mix noch immer nicht professionell? Dann solltest du einmal genauer hinhören, ob vielleicht Instrumente im Mix miteinander kämpfen. Denn Profis perfektionieren das Zusammenspiel von Instrumenten, um zu ihrem Sound zu gelangen. Einige Produzenten setzen sogar nur die notwendigsten Instrumente ein, um einen möglichst differenzierten Sound zu erzielen. Bei dieser Technik ergänzt sich dann nicht nur der Klang der wenigen verschiedenen Instrumente. Auch eine gegenseitig komplettierende Spielweise kann wahre Wunder wirken. Dabei können sich Instrumente sowohl in der Auswahl der Tonhöhe als auch in der Rhythmik ergänzen.

Eine andere Technik ist das Stacken von Sounds. Hierbei werden unterschiedlich klingende Instrumente zeitgleich abgespielt. Viele sehr dicht klingende EDM-Lead-Sounds entstehen auf diese Weise. Fehlt es dem einen Instrument an Höhen, kann ein anderes zu Hilfe genommen werden. Wichtig ist dabei, dass du ein klangliches Ziel für deine Produktion vor Ohren hast. Suche dir also zwei oder drei professionelle Produktionen als Referenz und höre genau hin, welche Instrumenten- und Soundauswahl dort am Start ist. Den besten Eindruck bekommst du dabei mit Hilfe von Monitor-Lautsprechern, die ausreichend fein auflösend sind, wie den Genelec 8010 AP oder mit entsprechenden Studio-Kopfhörern, wie dem AKG K-701.


3. Arrangement ohne Abwechslung

Wer hört schon gerne einem Redner zu, der 3 bis 4 Minuten lang eintönig auf demselben Level schreit? Wer schaut schon gern einen Film an, der von Anfang bis Ende ohne jede Atempause aus Explosionen und „Haudrauf“ besteht? Ganz genau: kaum jemand. Dasselbe gilt für deine Songs. Wenn du den Zuhörer fesseln möchtest, solltest du zwischen den verschiedenen Parts deines Songs für Abwechslung sorgen. Dadurch wird dir später auch das Abmischen umso leichter fallen. Je sparsamer du beispielsweise die Strophen instrumentierst, desto einfacher wird es klanglich imposant in den Chorus einzusteigen. Du wirst sehen: Mit einem guten Arrangement der Instrumente mixt es sich beinahe wie von selbst.


4. Falsche Equipmentwahl

Das perfekte Mikrofon ist nicht das teuerste, sondern dasjenige, das am besten zu einer Stimme passt. Dasselbe gilt für Mikrofonvorverstärker, den Klang von Kompressoren und Equalizern und so weiter und so fort. Wenn du in deinem Homestudio mit verschiedenen Sängern und Sängerinnen aufnimmst, lohnt es sich deshalb z. B. eine kleine Auswahl von Mikrofonen am Start zu haben, die für unterschiedlichen Sound sorgen. So kannst du dann beispielsweise für dumpfere, belegte Stimmen ein Mikrofon verwenden, das den Klang deutlich heller färbt, wie das Behringer B2 Pro. Bei Stimmen, die eher schrill klingen, setzt du dann vielleicht stattdessen ein Bändchenmikrofon ein wie das the t.bone RB 500. Die richtige Equipmentwahl sorgt rechtzeitig für einen entspannten Mix und eine gut klingende Produktion.


5. Kein Gain Staging

Was zum Henker ist „Gain Staging“? Darunter verstehen Tontechniker das optimale Einrichten der Signalpegel an verschiedenen Recording- und Mix-Punkten. Die Pegelabstimmung beginnt bei der passenden Vorverstärkung für ein Mikrofonsignal, über den optimalen Pegel für dessen A/D-Wandlung und die Eingangs‑/Ausgangspegel diverser Plugins, bis hin zu Gruppenspuren und der Stereosumme im Master-Kanal.

Beispielsweise solltest du nicht jedes Plug-in an dessen Eingang zwangsläufig mit demselben Signalpegel versorgen. Einige (wenige) Hersteller weisen in ihren Handbüchern und Dokumentationen auf die optimalen Eingangspegel für ihre Plug-ins hin. Solche Angaben findest du zum Beispiel bei Plu-ins von Slate Digital, wie der Virtual Tube Collection, und auch bei vielen Plug-ins von UAD, die du u. a. über ein Apollo Twin MKII Duo in die DAW einbinden kannst.


Fazit

Für einen profimäßigen Sound gilt es also deutlich mehr zu beachten als „nur“ die besten Mix-Techniken zu kennen. Bringst du das Durchhaltevermögen auf, um ohne Verschieberitis zu arbeiten? Machst du dir die Mühe rivalisierende Instrumentierungen zu vermeiden? Sorgst du mit deinem Arrangement für genügend Abwechslung und suchst schon beim Recording das passende Equipment aus? Und achtest du an jeder Stelle deines Recording-Projekts auf eine optimale Aussteuerung der Audiosignale? Dann vermeidest du fünf typische Homerecording-Fehler und bist auf einem guten Weg zu deinem eigenen Profi-Sound.


Habt ihr noch Tipps? Wir freuen uns auf eure Kommentare! ✍

Author’s gravatar
Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

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