Mein erstes Banjo

Mein erstes Banjo

Banjo? Ist das nicht das Ding, das von unseren Eltern – ach, was sage ich – unseren Urgroßeltern in Dixi-Combos gespielt wurde, im besten Fall? Oder im Country & Western? Aber spätestens seit dem Erfolg von Bands wie Mumford & Sons oder dem deutschen Songpoeten Stefan Stoppok geht auch hierzulande das Interesse an diesem uramerikanischen Instrument durch die Decke.

Wer mit dem Banjo liebäugelt, hat zuerst einmal die Qual der Wahl:
Welches Banjo soll es denn sein? Ein Fivestring? Ein Tenor? Ein Gitarrenbanjo? Oder eine der anderen Spielarten? Banjos sind weniger klar definiert als Gitarren. Wenn es ein Fell besitzt und einen Hals mit Saiten, ist es ein Banjo.

Ein Banjo besteht aus einem Kessel, der aus Holz oder aus Metall gefertigt sein kann. Er ist ähnlich wie eine Trommel mit einem Fell bespannt. An einem Ende des Kessels setzt ein Hals an, am anderen sind die Saiten befestigt. Die Schwingungsübertragung erfolgt über einen hölzernen Steg, der in der Nähe des unteren Kesselrandes auf dem Fell steht und durch den Saitendruck gehalten wird. Dadurch wird sehr schnell sehr viel Energie auf das Fell übertragen, was das Sustain zwar verkürzt, aber den Schallpegel enorm erhöht.


 

Achtung: Ein Banjo ist laut!

Einigen findigen Instrumentenbauern war das noch immer zu leise, und sie haben zwei Bauteile erfunden, die es noch lauter machen: den Resonator und den Tone-Ring. Der Resonator ist eine Art Schüssel, der auf der Rückseite des eigentlich offenen Banjos befestigt wird. Er reflektiert den nach hinten abgestrahlten Schall nach vorn. Der Tone Ring ist ein massiver Metallring, der zwischen Holzkessel und Fell montiert ist. Ein so ausgestattetes Banjo tönt wesentlich lauter und präsenter als ein traditionelles „open back“ – kann aber auch bis zu sechs Kilogramm oder noch schwerer sein. Ob man das will, steht auf einem anderen Blatt. Und deswegen gibt es nach wie vor Banjos ohne Tone Ring und ohne Resonator.

 

Fünf Saiten: das Traditionelle

Trotz der vielen Varianten gibt es einen Favoriten. Für viele Musiker gilt das fünfsaitige Banjo als das einzig wahre und echte. Und tatsächlich ist es auch die erste Entwicklungsstufe des modernen Banjos. Allerdings war es damals – vor beinahe 200 Jahren – mit Darmsaiten ausgestattet und verfügte über keine Bünde. Tatsächlich werden solche Banjos noch heute gespielt, allerdings nur von Spezialisten.

„Fünfsaitig“ ist es nicht in dem Sinne, wie beispielsweise Keith Richards Telecaster fünfsaitig ist. Zwar besitzt es fünf Saiten, aber die fünfte ist verkürzt – sie setzt erst am fünften Bund an. Sie ist direkt neben der tiefsten Saite angeordnet, wird aber am höchsten gestimmt! Meist schwingt sie leer mit. Wenn sie gegriffen wird, dann oft mit dem Daumen der Greifhand. Mein alter Gitarrenlehrer würde sich im Grabe umdrehen!

 

Stimmungssache

In Sachen Stimmung hat sich mit der Bluegrass-Stimmung (g’-d-g-b-d’) ein Quasi-Standard eingebürgert. Das ist erstaunlich nah an der Standardstimmung der Gitarre. Wer es nicht glaubt, braucht nur die hohe d-Saite einen Ganzton nach e zu stimmen und normale Gitarrengriffe zu versuchen. Es ist also gar nicht so schwer, sich als Gitarrist auf das fünfsaitige Banjo einzulassen.

Wer es versuchen will, wird aber schnell feststellen, dass ein Banjo ganz schön teuer sein kann. Viel Zeit bei der Herstellung geht dabei in die oft sehr aufwendigen Perlmutteinlagen. Es geht aber auch schlichter und billiger, wie beispielsweise das Recording King Dirty 30s Open Back Banjo oder das Epiphone MB-100 belegen, die auf solche Einlagen fast völlig verzichten. Einen sehr genauen Blick ist auch das Deering Goodtime Banjo Starter Package wert. Hier wird dem hoffnungsvollen Einsteiger ein Rundum-Sorglos-Paket geboten, welches neben dem sehr schicken Instrument selbst – Made in USA – auch Gigbag, Gurt, Stimmgerät, Fingerpicks und sogar eine Lern-DVD enthält.

 

 

Laut? Lauter!

Hier sticht uns ein Begriff ins Auge: Open Back. Gibt es denn auch ein Closed Back? Das gibt es tatsächlich, wenn auch nicht unter diesem Namen. Am Anfang dieses Artikels habe ich vom Resonator gesprochen, der das Banjo nach hinten abschließt und den Schall nach vorn umlenkt – und es so noch lauter macht, als es ohnehin schon ist. Auch ein solches Instrument muss nicht die Welt kosten – seht euch einmal das Harley Benton HBJ-25 an! In dieser Ausführung ist es das ultimative Bluegrass-Werkzeug mit enormer Durchschlagskraft!

Harley Benton HBJ-25 5-String-Banjo

 

Vier Saiten: das Jazzige

Die hohe Lautstärke des Banjos ist natürlich ideal, um in einem ebenfalls lauten Umfeld zu bestehen. Daher wurde es häufig als Rhythmusinstrument eingesetzt, als es noch keine Verstärkung gab. Allerdings wurde dafür vor allem das viersaitige Tenor-Banjo benutzt. Es besitzt eine kürzere Mensur und wird höher und in Quinten gestimmt. Hier kommt je nach Instrument die Tenorstimmung c-g-d’-a’ oder die tiefere „irische“ Stimmung G-d-a-e’ eine Oktave unter der Mandoline zur Anwendung.

Dieser Banjo-Typ ist in den 1920er-Jahren das am weitesten verbreitete Modell gewesen! Heutzutage führt es zumindest hierzulande eher ein Nischendasein und wird hauptsächlich von Dixi-Kapellen und irischen Bands im Fahrtwasser der „Dubliners“ benutzt. Wer jedoch diese Musik spielt (speziell Irish Folk ist wieder schwer im Kommen), wird sich ein solches Instrument wie beispielsweise das Deering Goodtime Openback Tenor zulegen wollen.

Deering Goodtime Openback Tenor

Eine zunehmend populäre Variante des viersaitigen Banjos ist das Ukulelenbanjo wie beispielsweise das Harley Benton BJU-10 Banjo Ukulele. Hier wird ein entsprechend kurzer Hals mit einem passenden verkleinerten Kessel kombiniert, was einen sehr knackigen Ukulelen-Sound liefert. Manche Hersteller verwenden auch einen normal großen Kessel, wodurch der Klang weicher wird.

 

Sechs Saiten: das Unterschätzte

Was geschieht wohl, wenn man eine Gitarre mit einer Trommel kreuzt? Dann erhält man ein sechssaitiges oder Gitarren-Banjo – so genannt, da die Saiten in der gebräuchlichsten Bauart wie bei einer Gitarre gestimmt sind, also E-A-d-g-b-e’. Dieser Banjotyp wird häufig von Gitarristen gespielt, denen man nachsagt, sie wollen die abweichenden Griffe eines „richtigen“ Banjos nicht lernen. Jedoch befinden sie sich in bester Gesellschaft, denn schon in der Kapelle von Louis Armstrong wurde das sechssaitige Banjo gespielt.

Für Gitarristen bietet das sechssaitige Banjo eine willkommene Abwechslung und eine Inspirationsquelle, denn mit dem völlig anderen Klang gehen neue Ideen und Spieltechniken einher. Gleichzeitig sind „Feel“ und Bespielbarkeit sehr ähnlich, wenn das Banjo eine Gitarren-Mensur besitzt, so wie es das Harley Benton HBJ-26 6-String Banjo aufweist. Soll es jedoch eher den traditionellen Banjoklang liefern, sollte man zu einem Instrument mit längerer Mensur wie dem Harley Benton BJ-65Pro 6 String Banjo greifen.

 

 

Worauf muss ich achten?

Wer schon einmal ein Instrument ausgesucht hat, kennt die wichtigsten Punkte: Zuerst einmal muss sich das Banjo gut anfühlen. Der Hals sollte schlank in der Hand liegen, es sollten keine scharfen Kanten zu spüren sein. Speziell an der Griffbrettkante können die Bundstäbchen herausstehen, wenn das Holz etwas geschrumpft ist – was üblicherweise kein Fehler bei der Holzauswahl ist, sondern eine Folge trockener Luft. Das kann aber jede Werkstatt schnell in Ordnung bringen.

Außerdem muss das Instrument perfekt eingestellt sein. Halskrümmung, Sattelkerben, Saitenlage, Fellspannung und Stegposition sind die wichtigen Stichworte. Diese Punkte sind in unserer Werkstatt natürlich schon gecheckt, sodass ihr von uns ein spielfähiges Instrument „out of the box“ bekommt.

 

Was fehlt nun noch?

Wenn ihr euch ein Banjo kauft, solltet ihr ein paar Zubehörteile gleich mit ordern, sofern ihr euch nicht gleich ein Bundle besorgt. Ein Instrument möchte geschützt werden. Gönnt euch also gleich einen Koffer oder ein Gigbag dazu. Auch ein Stimmgerät ist eine sinnvolle Investition. Wie ich weiter oben schon angemerkt habe, kann ein Banjo recht schwer sein. Ein schön breiter, weich gepolsterter Gurt ist daher kein Luxus. Liebäugelt ihr mit der traditionellen Clawhammer-Spielweise eines Pete Seeger, seid ihr nun gut ausgerüstet. Solltet ihr es jedoch mehr mit Bluegrass haben, fehlt euch nun noch ein Satz Fingerpicks. So ausgestattet könnt ihr endlich loslegen – yee-haw!


Beratung & Produkte

Falls du noch Fragen hast oder beraten werden möchtest, dann sind wir gerne als Ansprechpartner für dich da! Komm bei uns in der Gitarrenabteilung in Treppendorf vorbei oder melde dich per E-Mail oder telefonisch unter (09546) 9223 20 bei uns!

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Vom 3. bis 9. April 2018 steigen unsere #ThomannFolkDays, insbesondere auf Facebook und Instagram. Es dreht sich alles rund um Folk, Bluegrass und die dazugehörenden Instrumente.

Für Folk- und Bluegrassbegeisterte haben wir exklusive DealsVIP-Artist-Videos, hilfreiche Artikel hier auf dem t.blog und allerlei Unterhaltsames im Gepäck.

 

Author’s gravatar
Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

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