Da ich mehrere 7-Strings der Schecter SLS Elite-Serie habe, inklusive des Evil Twin, und diese Gitarren bis auf das Finish baugleich sind, erlaube ich mir aufgrund meiner persönlichen Erfahrung eine kleine potenzielle Verallgemeinerung:
Alle meine SLS Elite 7-Strings haben einen Dead Spot - also eine bestimmte Note auf dem Griffbrett, die deutlich weniger Sustain hat als die darüber oder darunter, und ggf. auch schneller in die Obertöne "kippt". Bei meinen Hardtail-Versionen wie dem Evil Twin ist es F4, bei meiner Floyd-Rose SLS Elite Eb4, bei meiner Multiscale-Version F#4. Am stärksten betrifft es immer die Töne auf der g-Saite, aber logischerweise passiert es auch bei gleicher Tonhöhe auf anderen Saiten in schwächerer Form:
Dead Spots treten auf, wenn die Frequenz der gespielten Note genau zur natürlichen Frequenz der Resonanzmasse passt (also Gitarrenkorpus + Hals + Kopfplatte etc.). Beide Schwingungen canceln sich gegenseitig aus. Das ist also eine inhärente Eigenschaft der Gitarre, ggf. aufgrund der Bauform, der Dicke des Halses etc.
Dass das in meinem Fall nicht an den Bundstäbchen oder dem Setup liegt, konnte ich dadurch bestätigen, dass ich die Kopfplatte an eine Wand oder eine Tischplatte angelegt habe - und auf einmal hatten diese Töne mehr Sustain, denn die Resonanzmasse erhöht sich dadurch ja.
Weitere Tests zur Verifizierung:
- den Ton am Dead Spot-Bund benden = mehr Sustain, da andere Frequenz, obwohl man am gleichen Bund spielt
- 1-2 Bünde unter dem Dead Spot-Bund benden auf die Frequenz des Dead Spots = weniger Sustain, da man nun ebenfalls die betroffene Tonhöhe spielt
Zum Glück lässt sich so etwas leicht durch Hinzufügen einer "tragbaren" Resonanzmasse beheben - man will ja nicht auf der Bühne oder im Studio ständig die Kopfplatte an eine Wand halten. Also braucht es nur ein leichtes Extra-Gewicht an der Kopfplatte - manche schwören auf den Fender Fat Finger, der wirklich nur ein Gewicht ist; ein günstiges Kopfplatten-Stimmgerät tut es auch, das hat zumindest noch einen zusätzlichen Zweck.
Dann muss man das Kopfplatten-Stimmgerät so platzieren, dass der Dead Spot zwischen zwei Töne verschoben wird - wenn man ihn um einen Halbton oder Ganzton verschiebt, wandert der Dead Spot bloß den Hals rauf oder runter und ein anderer Ton hat jetzt weniger Sustain. Damit hat man das Problem also bloß verschoben. Sprich, es braucht etwas Trial and Error, bis man das Kopfplatten-Stimmgerät an der richtigen Position hat. Für mich funktioniert es direkt über dem "-te" des Schecter-Logos gut, und nach Möglichkeit lasse ich das Stimmgerät dann einfach immer dort.
Deswegen am besten ein eigenes Kopfplatten-Stimmgerät direkt mit der Gitarre mitbestellen - falls man einen Dead Spot hat, kann man diesen direkt beheben und das Gerät einfach dranlassen. :)
Ansonsten packt der Evil Twin alles von Standard-Tuning über Drop A und Halbton runter bis A Standard. Die .062-Saite ist durch die 26.5"-Mensur auf A runtergestimmt an der unteren Grenze des noch brauchbaren Bereichs an Saitenspannung (meine Referenz sind mindestens 16 Pfund Saitenspannung, bei diesen Parametern sind es 16,4 Pfund).
Ein tiefes A ist meiner Erfahrung zugleich die Grenze, bis wohin Power Chords noch gut klingen, und bis wohin die Fishman Fluence Modern-Pickups gut klingen - auf 8-Saitern bin ich weniger ein Fan von ihnen.
Auf 7-Saitern hingegen haben die Fishman Modern-Pickups im Alleingang meine Spielgeschwindigkeit deutlich erhöht - und meinem Bruder geht es ähnlich - was natürlich sehr belohnend ist (und der Grund, warum ich mehrere Gitarren dieser Bauform habe trotz der Dead Spots).
Es heißt, eine neue Gitarre macht einen nicht zu einem besseren Spieler - aber in dem Fall ist meine Erfahrung eine andere. Die Fishmans scheinen mehr Output / mehr eingebautes Gain zu haben als EMGs, und verzeihen dadurch sowohl schnelle Soli als auch schnelle Riffs mehr. In den tiefsten Tiefen (8- und 9-Saiter, siehe oben) will ich eher weniger Gain, um die Klarheit zu erhalten, deshalb gefallen mir dort EMGs besser (siehe oben). Aber für 6- und 7-Strings bis Drop A / A Standard verwende ich Fishman Moderns immer gerne.
Die 26.5"-Mensur ist meiner Erfahrung nach optimal für Bb Standard, also einen Halbton runter - die tiefste Saite ist noch nicht zu lose, und die hohen Saiten nicht mehr so "steif" beim Bending. In Standard H-Tuning könnte man die hohe .009-e-Saite gegen eine .0085 tauschen für den gleichen Effekt.
Mein Evil Twin ist in A Standard gestimmt, da fühlt sich sowohl die hohe .009 auf d als auch die tiefe .046 auf D und die .062 auf A etwas locker an, wenn auch immer noch brauchbar (Werksbesaitung ist Ernie Ball Hybrid Slinky 009-046 + eine 062). Beim nächsten Saitenwechsel werde ich also wahrscheinlich minimal die Saitenstärke erhöhen (010-048 + 064 z.B.).
Den Halsstab kann man für solche Anpassungen durch das Rädchen am Fuße des Halses leicht einstellen, ohne irgendetwas an der Kopfplatte abschrauben zu müssen.
Einen Stern Abzug gibt es bei den Features wie immer dafür, dass Schecter bei der SLS Elite-Serie leider nicht die Coil Split-Option eingebaut haben, welche die Fishman Fluence Modern-Pickups eigentlich ermöglichen (die haben 3 Voicings, aber auf dieser Gitarre hat man nur Zugriff auf 2 - aktiv und passiv). Evtl. könnte einem das aber ein Gitarren-Techniker einbauen, wenn man dieses Feature haben möchte, denn die Pickups sollten es hergeben.
TL;DR: Eine gut verarbeitete Shred- und Djent-Maschine, auf der ihr wahrscheinlich schneller spielen werdet als auf euren passiven oder mit EMGs ausgestatteten Gitarren, für alles von H-Standard über Drop A bis A-Standard. Bestellt euch einfach ein günstiges Kopfplatten-Stimmgerät mit, dann seid ihr auf der sicheren Seite, falls auch bei euch ein bestimmter Ton weniger Sustain haben sollte. :)