Eins vorweg - das Pedal klingt super und in Sachen Sound sucht es seinesgleichen. Man darf keine großartigen Zerrreserven erwarten. Das Lightspeed ist darauf ausgelegt, wie ein Amp zu klingen, der grade in die Sättigung fährt und anfängt schöne, individuelle Verzerrungen zu entwickeln.
Das hat wirklich etwas von diesem App-Gefühl, sowohl was den Sound als auch das Spielgefühl betrifft. Am besten klingt es an meinen Fender Tube-Amps und ich nutze es hier als always on Pedal, um den clean Kanal etwas zu boosten und um diesen perfekten sparkle-crunch zu erhalten. Das ist ein Traum und rechtfertigt für diesen Einsatz den zugegebenermaßen happigen Preis. Das Pedal klingt sehr transparent und verfälscht den Charakter des Ampsounds in keiner Weise.
Ebenso habe ich das Pedal an diversen Modelern und einem Tonex getestet. Auch hier kann es sein Potenzial entfalten. Bis hier hin ist alles vorzüglich!
Nun zum negativen: vor einem guten Jahr hat Nick Greer seine Produktion von den klassischen Gussgehäusen auf neue Faltgehäuse umgestellt (kann man an der seitlichen Positionierung der Gehäuseschrauben erkennen), weil es Probleme mit den Lieferketten gibt. Eigentlich funktioniert diese Bauweise auch gut und viele Boutique-Pedal-Hersteller aus den USA fahren z.Z. dieselbe Strategie. Allerdings sollte man nach dem Biegen der Gehäuse und finaler Montage dann auch die Metallkanten brechen und die kurz die Ecken anschleifen. Beim Lightspeed war das leider nicht der Fall. Die Kanten sind messerscharf und die Ecken extrem spitz. Vereinzelt kann man auch noch Metallfasern an der Gehäusekante spüren. Das Pedal ist dadurch nicht nur „unhandlich“, sondern auch extrem unpraktisch für den Transport geeignet, wenn man es nicht im Karton lässt. Wie meine anderen Pedals, würde ich es nicht lose mit ins Gigbag oder den Rucksack schmeißen, weil es diese beim Transport sofort beschädigen würde. Ich hab mir die Metallecken kurz selbst entgratet und leicht angeschliffen. Aufgrund des roughen Designs des Pedals kann man das durchaus machen. Allerdings sollte so eine kleine Maßnahme bei einem Pedal dieser Preiskategorie direkt bei der Endmontage seitens des Herstellers erfolgen. Dann würde ich der Verarbeitung direkt die 5 Sterne der Bewertung verpassen und das Lightspeed hätte unmittelbar die volle Punktzahl erreicht.
Auch wenn ich lieber ein Lightspeed im alten, eleganteren Druckgussgehäuse gekauft hätte, bleibt das Pedal wegen seiner unschlagbaren Klangeigenschaften hier. Wenn ich es fest auf dem Board montiere, spielt das handling eh keine große Rolle mehr. Und ansonsten ist die „handgemachte“ Hardware Greer-mäßig sehr charmant, weswegen es auch nicht sonderlich ins Gewicht fällt, dass die Knöpfe bei der Auswahl ihrer Dimension alle zu nah aneinander positioniert sind. Aber das ist nur eine (unnötige) Randnotiz, die ich mir als professioneller Designer und Produktgestalter nicht verkneifen konnte - Ich liebe das Pedal trotzdem 😉.