AC/DC aus Sicht ihrer Gitarren und Verstärker! 🎸 Welche Ausrüstung ist für diese Band unverzichtbar? Anlässlich ihres Auftritts in Europa sprachen wir mit dem französischen Gitarren-Experten Julien Bitoun 🎶
Ein Blick auf die Verstärker und Gitarren von AC/DC! Nach dem Auftakt ihrer „Power Up“-Tour im Jahr 2024 kehrt die australische Rockmaschine AC/DC zurück, um in Karlsruhe ihr Publikum zu begeistern. Am 17. August können wir wieder mit dem Fuß mitstampfen und headbangen. Da haben wir doch jetzt die perfekte Gelegenheit, ein Erfolgsrezept zu beleuchten, das seit einem halben Jahrhundert funktioniert.
Denn im Gegensatz zu vielen anderen Bands, die in 50 Jahren Karriere zahlreiche Equipment-Modetrends mitgemacht haben, ist die Ausrüstung von AC/DC seit 1975 nahezu unverändert geblieben. Freunde einfacher, aber effektiver Lösungen – das ist etwas für euch!
Gitarren und Equipment: Die Institution AC/DC
AC/DC wurde 1973 in Sydney von den Brüdern Young gegründet – dem erst 18-jährigen Leadgitarristen Angus und seinem drei Jahre älteren Bruder Malcolm. Malcolm war nicht nur der Rhythmusgitarrist, sondern auch Komponist der meisten Riffs und der Kapitän des Schiffs mit einer klaren Vorstellung davon, wie die Band klingen sollte.
1975 stabilisierte sich die Besetzung mit Sänger Bon Scott und Phil Rudd am Schlagzeug. Das Rezept ist bis heute simpel, aber unwiderstehlich: Blues/Rock à la Free, Rolling Stones und T. Rex, mit einem unvergleichlichen Groove und Riff-Instinkt. Ein halbes Jahrhundert später hat die Band ihren Sänger verloren (Brian Johnson übernahm bereits 1980), ebenso den Schlagzeuger und vor allem ihren Bandleader (Malcolm musste 2014 durch seinen Neffen Stevie ersetzt werden). Doch mit 200 Millionen verkauften Alben und dem Status als größte Hardrock-Band aller Zeiten ging AC/DC 2024 wieder auf Tour – fest entschlossen, die Fans weltweit weiter zu begeistern.
Gitarren, Verstärker und Equipment von AC/DC ▷ Minimalistisch
Was das Equipment angeht, ist das Rezept heute noch dasselbe wie damals. Der Übergang von Malcolm zu Stevie Young verlief reibungslos, da der Neue nahezu dasselbe Setup nutzt. Sein Spiel und Klang sind dem seines Onkels äußerst ähnlich.
Der Sound von AC/DC lebt vor allem von der Ergänzung der beiden Gitarren: auf der einen Seite der trockene, raue Ton von Malcolm, auf der anderen der fettere Klang von Angus. In beiden Fällen ist die Verzerrung weit weniger stark, als man erwarten würde – der Großteil des Sounds kommt von der Anschlagtechnik der rechten Hand und hoher Lautstärke. Einfach zu kopieren ist das nicht, zumal dieser Sound keine Fehler verzeiht.
AC/DC ▷ SG-Gitarren, so weit das Auge reicht
Beginnen wir mit dem „Schüler“ an der Spitze der Bühne. Angus Young ist einer der Gitarristen, die der Gibson SG zu Kultstatus verholfen haben, und blieb diesem doppelhornigen Modell seine gesamte Karriere über treu – in einer Zeit, in der viele Gitarrenhelden die Les Paul bevorzugten. Er besitzt natürlich zahlreiche Modelle, kehrt aber immer wieder zu einigen Favoriten zurück. Am bekanntesten ist seine SG Standard Walnut von 1970 mit Vibrola-Vibrato, die in den Anfangsjahren seine Hauptgitarre war, sowie ein baugleiches Cherry-Red-Modell aus derselben Zeit. In den 1990er-Jahren sah man ihn oft mit einer schwarzen SG Standard mit fester Brücke, diesmal mit kleiner Schlagplatte im Pre-1966-Stil.
Zur Zeit von „Highway to Hell“ (1979) und „Back in Black“ (1980) spielte er häufig eine schwarze SG mit großer weißer Schlagplatte, zwei Humbuckern, goldener Hardware und Binding.
Effektgeräte benutzt Angus kaum – in den 1970ern lediglich ein kabelloses Schaffer-Vega-Funksystem, das er auch wegen des eingebauten Vorverstärker-Kompressors nutzte. Heute greift er auf Repliken dieses Preamps zurück, da moderne Funksysteme hochwertiger und stabiler bei der Übertragung sind.
Bei den Verstärkern gibt es keine Geheimnisse: britische Vollröhren-Kraftpakete. Angus liebt Plexi-Modelle, also Marshall Super Lead mit 100 oder 50 Watt, ist aber auch Fan des seltenen JTM-50, einem nahen Verwandten des JTM-45.
Um den Angus-Sound zu Hause zu erreichen, empfiehlt sich eine Pedal-Lösung, z. B. das Crazy Tube Circuits Heatseeker, das sowohl den „Marshall in a Box“ als auch eine Emulation des Schaffer-Systems bietet – passender geht es kaum.
Gitarre und Verstärker von AC/DC ▷ So einfach wie möglich
Malcolm war noch puristischer – ohne Funksystem, und praktisch ein Ein-Gitarren-Mann. Seine treue Gretsch Duo Jet Firebird Jet von 1963, genannt „The Beast“, begleitete ihn von Anfang bis Ende. Sie durchlief mehrere Umbauten (u. a. mit drittem Humbucker in der Mitte), bevor sie in ihrer simpelsten Form endete – abgeschliffen, nur mit einem Steg-Pickup. Gretsch reproduzierte für das Malcolm-Young-Signature-Modell G6131MY sogar die Spuren der ausgebauten Humbucker.
Nur selten spielte Malcolm ein anderes Instrument, etwa während „Back in Black“, als er zur riesigen Gretsch White Falcon griff, hinter der er fast verschwand.
Für maximalen Headroom wählte Malcolm den Marshall Super Bass, doch ein ähnlicher Sound lässt sich mit jeder Marshall-ähnlichen Low-Gain-Topteil-Kombination bei hoher Lautstärke erreichen – entsprechend verständnisvolle Nachbarn setzen wir dabei mal voraus.
Ein wesentlicher Bestandteil seines Sounds war auch der extrem dicke Saitensatz 12–56 (Standard-Tuning!), der nicht wirklich für Bendings gemacht war.
Fazit: Es gibt kein großes Geheimnis im AC/DC-Sound – es sind geschulte Finger, Gitarren direkt in Marshall-Amps und viel Lautstärke! Und natürlich eine Band, die ihren Riffs den unverwechselbaren Groove der Young-Brüder verleiht – das wohl am schwersten nachzumachende Element.
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