Erstmal zur Einordnung: Ich habe bisher noch nicht viele Bässe besessen (Erst recht nicht von den großen Marken Fender, MusicMan, usw.). Deshalb kann ich den Bass nur mit denen Vergleichen, die ich habe (Sire V3 und Sire P5).
Insgesamt gefällt mir der Bass sehr gut. Der Bass ist sehr leicht, erst recht für einen Fünfsaiter (Mein V3-4 ist deutlich schwerer). An die Multiscale-Mensur gewöhnt man sich relativ schnell. Die Stimmmechaniken funktionieren super, sobald man weiß, an welchem Ende der Bass gestimmt wird. Der Korpus ist im Vergleich zu den klassischen Fender-Shapes recht klein. Der Hals ist super angenehm zu spielen. Breite, Profil und Finish sind für mich perfekt.
Trotz Headless funktioniert der Saitenwechsel problemlos, wenn man die richtigen Saiten hat. Leider haben die Harley Benton HQS 45-130 bei mir nicht gepasst, weil das Ball-End zu groß ist und nicht in die Stimmmechanik passt. Markbass und DR Saiten passen aber.
Features hat der Bass eigentlich alle. Über den Preamp muss ich glaube ich nicht viel schreiben, der ist ja bei allen Sires der Gleiche und wird immer hoch gelobt. Bei mir ist nur leider der Volume-Poti etwas sehr leichtgängig (wie auch bei meinem V3 der Fall).
Die Mini-Schalter, die die Humbucker seriell, parallel oder im coil-split betreiben, sind super. Hier lassen sich von Preci über Jazz bis zum Stingray fast alle Sounds einigermaßen nachbilden.
Die Multiscale-Geschichte ist gewöhnungsbedürftig und sieht ein bisschen wild aus, wirkt aber Wunder was die Saitenspannung angeht. Die tiefe H-Saite ist nicht so schlaff, wie bei normaler 34"-Mensur und die hohen Saiten fühlen sich meiner Meinung nach auch ein bisschen besser an. Da man aber auf der E-Saite immernoch eine 34,5" Mensur hat, werden hier die Notensprünge doch recht groß.
Beim Thema Sound kommt mein einziges Problem mit dem Bass auf: Auf der G und der D-Saite fängt der Ton ab ungefähr dem 7. Bund an zu schweben. Je höher man greift, desto deutlicher wird der unangenehm chorusähnliche Effekt (mit Zerrer wird der entstehende Klang sogar nochmal deutlich schlimmer). Ich weiß natürlich, dass ein Bassist in den oberen Lagen eigentlich nichts verloren hat, aber für Oktav-Baselines muss ich da schon ab- und zu mal hin.
Stört mich im Alltag zum glück selten. Trotzdem finde ich es ein bisschen schwach, wenn Sire ein Instrument mit 24 Bünden produziert, welches ab dem 12 Bund schon sehr anstrengend klingt.
Ansonsten ist der Sound top. Obwohl der Bass sehr nach Metal aussieht, kriegt man mithilfe der ganzen Elektronik für eigentlich jeden Stil einen passenden Sound eingestellt. Nur beim Spielen mit Plektrum und Palm-Mute, kommen einem die kleinen Schalter ein bisschen in die Quere.
Die Verarbeitung ist Top. Ich habe bis auf den leichtgängigen Volume Poti, am ganzen Bass keine Mängel finden können. Über die Mitgelieferte Gigbag kann man sich auf jeden Fall freuen. Die ist nämlich super gepolstert und ziemlich stabil.
Alles in Allem ein top "Arbeitstier". Dank der ganzen Elektronik, kann man fast alle erdenklichen Sounds nachbilden und der Bass ist leicht genug, dass es nicht stört, wenn man die fünfte Saite über eine vier-Stunden Auftritt mit sich herum schleppt. Wie schon erwähnt, gibt es das Problem mit den höheren Lagen, das stört im normalen Cover-Band-Betrieb aber wenig.