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Schecter Sunset -7 Extreme SB

3 Kundenbewertungen

4.7 / 5

Features

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Schecter Sunset -7 Extreme SB
1.138 €
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1 Rezension

SI
Ebenholz + Indonesien = Fret Sprout
Strato Incendus 11.07.2026
Ich muss jetzt auch mal die Bewertung der Scarlet Burst-Variante der Sunset Extreme etwas nach unten ziehen - wer sich die Bewertungen zum anderen Finish (Grey Ghost) durchliest, erhält bereits einen Überblick, welche Probleme potenziell auftreten können.

Ich habe viele andere Schecters aus Korea, die zwar gelegentlich Probleme mit einzelnen schnarrenden Bünden hatten, aber nie Fret Sprout (=überstehende Bundenden, an denen man sich beim Spielen schneiden kann - bedingt durch Schrumpfen des Griffbrett-Holzes, wenn die Luftfeuchtigkeit sinkt, da die Bundstäbchen nicht schrumpfen). Selbst dann, wenn sie Ebenholz-Griffbretter hatten, die laut der Erklärung eines Gitarrenbauers, bei dem ich war, besonders anfällig fürs Schrumpfen sind. Zumindest, wenn das Holz vor der Verarbeitung nicht ausreichend lang getrocknet wurde.

Da die Sunset Extreme jedoch aus Indonesien kommt - wo erst einmal höhere Luftfeuchtigkeit herrscht als in Korea, aber eben auch eine sehr hohe Masse an Gitarren gefertigt wird - war diese hier die erste, die mich gelehrt hat, konkret bei der Kombination Ebenholzgriffbrett + Made in Indonesia vorsichtig zu sein.
(Meine indonesischen Gitarren mit Palisander- oder Richlite-Griffbrett etwa hatten nie Probleme mit überstehenden Bünden, auch nach vielen Jahren nicht - diese Griffbrett-Materialien scheinen mir also weniger anfällig für klimatische Schwankungen. Leider verbauen zuletzt gerade im Metal-Bereich viele Hersteller mehr Ebenholz-Griffbretter - auch in Preisklassen, wo das eher zu Nachteilen als Vorteilen führen kann, siehe unten.)

Ich habe die Sunset Extreme seit bald einem Jahr, und der Fret Sprout war nicht direkt von Anfang an zu bemerken, da ich sie ja im Sommer gekauft habe - im Winter bei Heizungsluft kamen die Bundstäbchen dann raus und die Gitarre war unspielbar, ohne dass man sich die Finger aufraut, wenn man den Hals auf- und abfährt. Mal standen sie mehr über, mal weniger - teilweise hat da einmal kurz Fenster öffnen und lüften schon einen Unterschied gemacht, was nahelegt, dass das Holz aus Zeitmangel nicht genug getrocknet wurde, wenn es so sehr auf kleinste kurzfristige Klimaveränderungen reagierte.

Was ich beim Auspacken bemerkt hatte, war, dass die Saiten bereits leicht korrodiert schienen - kann natürlich ebenfalls mit der Luftfeuchtigkeit zusammenhängen. Insgesamt entstand also bereits schnell der spürbare Eindruck, dass die Verarbeitungsqualität von manchen Schecters aus den indonesischen Fabriken nicht ganz mit den koreanischen Schecters aus der World Music Factory mithalten kann. Was nicht unbedingt für schlechteres Handwerk in Indonesien spricht, sondern eben vor allem auf die unterschiedliche Luftfeuchtigkeit und die geforderten Produktionsmengen zurückgehen dürfte.

Die unterschiedlichen Herstellungsländer sollte man jedoch bedenken, da man für den Preis von fast 1200 € durchaus auch schon in Korea gefertigte Schecters (wie etwa die Hellraiser-Serie) bekommt - auch heutzutage noch. In den USA wurde die Sunset Extreme eher als knapp unter 1000 $ angepriesen, so wie z.B. die Schecter Omen-Serie. Qualitativ gehört sie meiner Erfahrung nach eher in diese Kategorie.

Der Fret Sprout ließ sich dann nach einigen Wochen Frust zum Glück von einem Gitarrenbauer relativ schnell und auch preisgünstig beheben (wenn auch etwas "husch-husch"; ich habe bei einem anderen Gitarrenbauer und einer anderen Gitarre aus der gleichen Fabrik mit stärkerem Fret Sprout deutlich mehr gezahlt - es hängt also immer daran, wie viele Gitarrenbauer es in eurer Nähe gibt und was für Preise die verlangen).
Mittlerweile preise ich aber bei indonesischen Gitarren mit Ebenholz-Griffbrett ein Abschleifen der Bünde gedanklich schon mit ein, genau aufgrund dieser wiederholten Erfahrung. Es gibt Ausnahmen ohne Fret Sprout (z.B. bei einer LTD von mir), aber die sind in der Minderheit.

Ich betone das so stark, weil Fret Sprout einer der störendsten Verarbeitungsfehler ist, wenn man eine Gitarre gerade neu hat und einfach losspielen will. Insbesondere falls man sie im Winter anschafft (zu Weihnachten etwa) und der Fret Sprout dann durch die Heizungsluft bedingt recht schnell auftritt.


Ansonsten gibt es aber viel Positives zu sagen:
- Die Pickups klingen super - ggf. nicht "obwohl" sie in-house Pickups sind, sondern gerade deswegen, da Schecter ja bei der Pickup-Entwicklung auf langjährige eigene Erfahrung setzt (im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern)
- Der Hals mit dem ultra-thin C-Profil ist flacher und schneller als z.B. bei einer Schecter Hellraiser, die nur ein thin C-Profil hat
- Wegen der 27"-Mensur habe ich diese Gitarre bewusst und gezielt gekauft, um sie einen Ganzton runterzustimmen auf A-Standard. Dafür passt diese Mensurlänge mit der Werksbesaitung (.009 - .062) mMn perfekt. Drop G packt sie auch noch, auch wenn die tiefste Saite dann schon relativ locker wird. (Viele 8-Saiter haben ja auch nur eine 27"-Mensur, dann aber mit höherer Saitenstärke als einer .062).

Wer hingegen Drop A spielen möchte, wo die übrigen Saiten ja in Standard-Stimmung bleiben - oder alternativ H-Standard oder Bb-Standard - dem wird die hohe e-Saite beim Bending wahrscheinlich zu "steif" sein. Da empfiehlt sich entweder eine Multiscale-Gitarre (Schecter hat einige mit 27 - 25.5"), oder eine der vielen Schecters mit 26.5"-Mensur (wobei das in Standard-Tuning immer noch schwieriger zu benden ist, das ist eher optimal für Halbton runter); oder man muss dünnere Saiten aufziehen, .0085er oder .008er.

Bei den Features habe ich noch einen Stern abgezogen, da es hier weder einen Tone-Regler noch einen Push/Pull-Poti für einen Coil Split gibt. Den Tone-Regler braucht man zwar im Metal fast nie, doch ein Single Coil-Split könnte gelegentlich in den Tiefen mehr Klarheit bringen, gerade wenn man runterstimmt.


TL;DR: Seitdem die überstehenden Bundenden abgeschliffen wurden, spielt die Gitarre sich gut, und ich hoffe, die Bundstäbchen sind damit kurz genug, dass sie weiterhin gut spielbar bleibt, egal, ob das Griffbrettholz sich bei tropischen Temperaturen im Sommer ausdehnt und im Winter wieder schrumpft.
Rechnet bloß damit, dass evtl. ein Trip zum Gitarrenbauer für diese kleine Korrektur notwendig sein könnte, denn nicht alle Instrumentenhändler trauen sich, an Gitarren irgendetwas abzuschleifen.
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