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Röhrenamp im sweet spot der Endstufenverzerrung in Pedalformat
Ich hatte schon viel von dem Pedal gehört und gelesen bevor ich es dann doch mal ausprobieren wollte. Eines ganz klar vorweg, das Pedal ist ungeeignet für schwere Verzerrungsorgien. Und noch etwas, es interagiert mit dem Setup, soll heißen, es verhält sich in unterschiedlichen Umgebungen auch unterschiedlich. Genau das macht es zu einem ganz besonderen Overdrivepedal, sorgt aber auch für unterschiedliche Sounds je nach Umgebung. Ich habe das Pedal inzwischen vor einem 1965er Marshall JTM45-Topteil-Boutiquenachbau, Fender Custom 57er Tweed Deluxe und Fender Rivera Concert II gespielt (Strat+ES-335). Mein Eindruck: Spielt man es vor einem cleanen Röhrenamp, der auch noch einiges an Headroom hat (z. B. typische Fenderamps des letzten Jahrhunderts mit 20 - 100 Watt), so zeigt es ein ganz mildes Overdrive; aber das ist besonders: Je nach Einstellung fühlt es sich so an, als würde die Endstufe im sweet spot des Overdrive gehen. Amps ohne Mastervolume haben in diesem Punkt eine ganz besondere schimmernde Sensibilität. Der Anschlag der Saiten bekommt eine besondere Dynamik. Genau das bietet dieses Pedal, aber bei weit geringeren Lautstärken. Mit einer Strat bekommt man so sehr schöne süsslich-(Honig-)schimmernde Begleitsounds, gewürzt mit leichtem Overdrive hin. Man möchte es gar nicht mehr ausstellen und nicht mehr aufhören zu spielen - dieses Pedal fängt nach einer gewissen Zeit nicht an zu nerven, wie andere Pedale es können, weil jene dominanter agieren. Ich habe oft gelesen, dass der dabei zu hörende „growl“ in den tiefen Frequenzen stören würde. Ja, den gibt es, aber genau der macht dieses Pedal besonders, denn es reagiert so, wie auch ein Röhrenendstufenoverdrive reagieren würde. Topp! Vor einem Tweed Deluxe mit einer ES-335 ist dann schon deutlich mehr an Overdrive möglich, sehr bluesig bis rockig. Sogar ein mittig-singendes Bluesrocksolo, wie man es z. B. vom Vemuram Jan Ray oder OKKO GR-Pedal kennt ist möglich. Gleiches gilt vor einer leicht angezerrten Röhrenvorstufe. Es bleibt dabei immer anschlagsdynamisch im Overdrive. Mein Fazit: Es ist mein erstes Pedal, das so sensibel auf die Spielweise und das jeweilige Setup reagiert. Dabei liefert es immer einen leicht süsslichen Schimmer im Sound. Dabei reagiert es je nach Einstellung und Setup so dezent, dass es nie besonders nervig wird. Mir war schnell klar, dass ich dieses Pedal so schnell nicht wieder abgeben werde. Glückwunsch an die Finnländer für dieses besondere Pedal. Topp!
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