Ein Kompressor macht ein Signal lauter! Diesen Satz hört man von Anfängern oft, doch eigentlich ist er komplett falsch. Denn tatsächlich macht ein Kompressor das eingehende Signal leiser! Keine Panik, am Ende wird dann doch alles lauter, wie du gleich lesen wirst. 💥
Kompression verstehen: die unterschiedlichen Kompressortypen
Grundsätzlich unterscheidet man zwischen vier verschiedenen Kompressortypen, die zwar die gleichen Parameter haben können, aber die Kompression unterschiedlich angehen.
Die älteste Bauart sind die Röhrenkompressoren, die in den 50er-Jahren für den Rundfunk entstanden. Bei der Röhrenkompression wird durch eine sich ändernde Bias-Spannung die Verstärkung einer Röhre in Abhängigkeit des Eingangsmaterials geregelt. Das Ganze erfolgt aber nicht linear, also wird die Ratio größer, je lauter das Signal ist. Und klar, Röhren haben großen Einfluss auf den Klang. Legendärster Vertreter dieser Bauart ist sicher der Fairchild 670. Heute setzt man Röhrenkompressoren zum Beispiel gerne auf Gruppen ein, wenn man mehrere Signale zu einer Einheit zusammenschweißen will.
Klark Teknik
2A-KT
Heritage Audio
Tubesessor
Die am häufigsten verwendeten Kompressoren sind die VCA-Kompressoren. Sie haben einen spannungsgesteuerten Verstärker, also regelt eine Steuerspannung den Verstärkungsfaktor in Abhängigkeit des Eingangssignals. Vorteil ist, dass diese Kompressoren sehr präzise einzustellen und damit sehr flexibel sind. Sie gelten meist als klangneutral und kommen nahezu überall zum Einsatz. Die beiden bekanntesten Vertreter sind der dbx 160 und der SSL Bus-Compressor.
SSL
BUS+
Die schnellsten Kompressoren sind die FET-Kompressoren. Sie kamen als Nachfolger der Röhrenkompressoren auf den Markt und ihr Feldeffekttransistor sollte die Arbeitsweise einer Röhre imitieren, doch ohne die Nachteile wie hohe Spannungen, Hitzeentwicklung und kurze Lebensdauer einer Röhre auskommen. Das hat funktioniert, dafür färben sie den Sound auch recht stark. Und schnell sind sie: Der legendäre Urei 1176 erreicht Attack-Werte von sagenhaften 20 Mikrosekunden. Eine Mikrosekunde ist der millionste Teil einer Sekunde! Das ist perfekt zum Einfangen schneller Transienten.
Klark Teknik
76-KT
Warm Audio
WA76-A2
Zum Schluss kommen wir zu den Optokompressoren. Bei denen leuchtet eine Lampe heller, je stärker das Audiosignal ist. Ein Fototransistor registriert die Lichtmenge und regelt den Widerstand gegen das Signal. Mehr Licht führt zu weniger Widerstand, das führt zu mehr Kompression. Optokompressoren kommen gerne bei Signalen zum Einsatz, die einen größeren Dynamikumfang haben sollen, etwa Vocals oder Bass. Bekanntestes Beispiel ist der Teletronix LA-2A.
ART
Pro VLA II
Kompression verstehen: Wann man einen Kompressor einsetzt
Grundsätzlich kommt ein Kompressor immer dann zum Einsatz, wenn der Dynamikumfang eines Signals zu groß ist. Das kann bei Vocals sein, wenn es laute und leise Passagen im Song gibt oder Sängerin oder Sänger einfach nicht immer in der gleichen Lautstärke singen, sich aber gegen den Rest der Band behaupten müssen. Auch Drums sind ein gutes Beispiel, wenn einzelne Schläge zu laut herausstechen und eingefangen werden müssen. Eine meisterhaft gespielte Violine bei einem Solokonzert dagegen wirst du nicht mit einem Kompressor bearbeiten, da ist ein großer Dynamikumfang ja gewollt.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist das Zusammenführen von mehreren Signalen, die einzeln aufgenommen wurden, doch wie eine Einheit klingen sollen. Diese Signale routest du im Mixer oder in der DAW auf einen Bus und komprimierst sie. Auf einmal klingen sie, als ob sie schon immer zusammengehörten. Das funktioniert übrigens auch sehr gut mit Software-Instrumenten.
Auch im Summensignal kommt meist ein Kompressor zum Einsatz. Damit kannst du einen Song sanft lauter machen und alle Signale noch einmal zusammenschweißen. Mit einer Einstellung als Limiter fängst du schließlich einzelne Pegelspitzen ein, damit die Summe nicht übersteuert.
Behringer
MDX2600 V2
Kompression verstehen: die Arbeitsweise eines Kompressors
Schauen wir uns an, was du bei einem Kompressor einstellen kannst. Direkt vorweg: Nicht alle Modelle haben auch alle Parameter im direkten Zugriff. Aber wir gehen sie alle einmal durch, denn so verstehst du im Handumdrehen, welcher Knopf für was zuständig ist und was passiert, wenn du an einem Regler drehst.
Ein Kompressor empfängt zunächst mal ein Eingangssignal. Dessen Lautstärke wird meist über einen Eingangsverstärker geregelt, oft mit einem Regler namens Input Gain. Nun kommt der nächste Wert, der bestimmt, ab welchem Signalpegel der Kompressor mit seiner Arbeit loslegen soll: der Threshold, dessen Wert in dB angegeben wird. Erst wenn ein Signal diesen Wert erreicht, wird auch komprimiert. Signale, die leiser als der Threshold-Wert sind, werden dagegen nicht bearbeitet.
Die Kompression wird in einem Verhältnis angegeben, der sogenannten Ratio. Bei einem Ratio-Wert von 1:1 passiert – genau! – gar nichts. Zumindest nicht bei der Kompression, wenn es dir aber um die Klangfärbung geht, kann so ein Wert trotzdem praktisch sein. Bei einem Wert von 2:1 wird ein Signal, das 2 dB lauter als der Threshold-Wert ist, nur noch 1 dB lauter. Bei einem Wert von 8:1 wird das Signal um den Faktor 8 abgesenkt. Ab einem Faktor von 10 und mehr spricht man dann von einem Limiter. Du siehst also, das Signal wird tatsächlich zunächst mal einfach nur leiser.
Behringer
369-KT
Weiter geht’s mit zwei Werten, die bestimmen, wie schnell ein Kompressor arbeiten soll: Attack bestimmt, wie schnell der Kompressor den mit der Ratio festgelegten Wert erreichen soll, ab dem Moment, an dem der Threshold erreicht wird. Mit Release wiederum bestimmst du, wie schnell die Kompression beendet wird, sobald der Threshold wieder unterschritten wird.
Einige Kompressoren haben außerdem die Möglichkeit zu bestimmen, wie stark der Zugriff auf das Signal ist, sobald der Threshold erreicht wird. Dieser Wert wird Knee genannt. Bei einem „Hard Knee“ wird das Signal direkt „abgeknickt“, während bei einem „Soft Knee“ die Kompression sanfter erfolgt.
Kompression verstehen: Und dann wird das Signal lauter
Du hast nun durch Kompression die lauten Pegelspitzen leiser gemacht, während die leisen Anteile des Signals unbearbeitet geblieben sind. Und wenn du nun mit dem Verstärker am Ausgang, dessen Wert oft auch Make-up Gain genannt wird, das Signal wieder lauter machst, wird das gesamte Signal lauter, da der Abstand zwischen den lauten Spitzen und den leiseren Signalen nun geringer ist – Ziel erreicht.
Kompression verstehen: Kompressor einstellen
Manchmal werden in Tutorials feste Werte zum Kompressor einstellen angegeben. Aber bereits die Abhängigkeit zwischen Input Gain und Threshold sollte dir klarmachen, dass solche Angaben nichts bringen. Zu unterschiedlich sind auch die zu bearbeitenden Signale. Hier ist Hören und Ausprobieren angesagt! Und das Großartige an Kompressoren ist, dass du sehr schnell hörst, was passiert, wenn du an einem Regler drehst. Zumindest jetzt, wo du ja weißt, was die unterschiedlichen Regler machen.
Mit dem Wissen, wie verschiedene Kompressoren funktionieren und was die einzelnen Parameter machen, wirst du dich jetzt sicher schnell an die perfekte Kompression herantasten können.
Kompression verstehen: dein Feedback
Hast du noch Fragen oder Anregungen zur Arbeit mit Kompressoren? Schreib uns gerne einen Kommentar, wir freuen uns darauf!
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