Viele Gitarristen kennen es: Am Anfang ist es nur das Stimmgerät, dann das erste Overdrive-Pedal. Später kommen Delay und Chorus dazu. Wäre ein Phaser nicht auch nett? Irgendwann wandern die Bodentreter aufs Pedalboard … und das wächst und wächst und wächst. Was am Anfang noch mit Batterien, Einzelnetzteilen oder Verteilerkabeln zu bewerkstelligen war, wird irgendwann zum Albtraum. Dann stellt sich die Frage: Brauche ich ein Multinetzteil? Ein leidiges Thema, denn fĂĽr den Preis einiger professioneller Stromversorgungen könnte man sich gleich mehrere neue Pedale kaufen.
Stromstärke, Stromverbrauch, Spannung und Polarität – eine Begriffserklärung
Stromstärke und Stromverbrauch gehören zu den wichtigsten Parametern bei der Wahl eines Netzteils. Jedes Pedal hat einen spezifischen Stromverbrauch (engl.: power consumption bzw. current draw), der in Milliampere (mA) angegeben wird und in der Regel auf dem Gehäuse oder im Manual zu finden ist. Die benötigte Stromstärke eines Netzteils (ebenfalls in mA angegeben) richtet sich nach dem Stromverbrauch des Pedals (oder der Summe mehrerer Pedale) und darf diesen nicht unterschreiten.
Gängige Stromverbrauchsbereiche:
- 5–70 mA bei analogen Pedalen (Wah, Overdrive, Distortion, viele Modulationseffekte),
- 70–250 mA bei digitalen Effekten (Digital Delay, Reverb, Looper, digitale Modulation),
- 250–1000+ mA bei aufwendigen Digitaleffekten (Multieffekte, Modeling-Amps).
Die Spannung von Pedalen und Netzteilen wird in Volt angegeben und sollte in jedem Fall auf beiden Seiten übereinstimmen. Ein Großteil der Gitarren- und Bass-Effekte wird heutzutage mit 9 V betrieben. Einige Effekte benötigen aber auch 12 V, 15 V oder 18 V. Außerdem bieten einige Verzerrer und Kompressoren einen Spannungsbereich für verschiedene Klangoptionen an (z. B. 9–18 V).
Bei der Polarität konnten sich die meisten Hersteller von Effektpedalen auf das Prinzip „center negative“ (Minuspol innen) einigen. Doch auch hier gibt es Ausreißer, die ein eigenes Netzteil bzw. eine Polaritätsumkehrung benötigen.
Am Anfang war die Daisy Chain
Die Daisy Chain ist eine Methode zur Stromversorgung von mehreren Effektpedalen, bei der nur ein einfaches Netzteil vorhanden sein muss. Über ein Verteilerkabel können hier mehrere Pedale angeschlossen werden, die sich den Strom des Netzteils „teilen“. Wer nur eine geringe Zahl (analoger) Pedale zu versorgen hat, kann mit einer Daisy-Chain-Lösung absolut glücklich werden. Ein hochwertiges Einzelnetzteil für stabile Spannung und minimale Störgeräuschentwicklung sollte allerdings vorhanden sein.
the sssnake
DC3 Cable
(eine Daisy Chain fĂĽr bis zu drei Pedale)
Welches Multinetzteil ist das richtige fĂĽr mich?
Multinetzteile können mehrere Pedale gleichzeitig mit Strom versorgen und sind in unterschiedlichen Größen und mit verschiedenen Ausstattungsmerkmalen erhältlich. Die meisten von ihnen verfügen über isolierte bzw. galvanisch getrennte Ausgänge. So können keine Erdschleifen oder Störströme entstehen, womit ein optimaler Betrieb von analogen und digitalen Effekten gewährleistet ist. Die Ausgänge eines Multinetzteils kann man sich vorstellen wie viele nebeneinander liegende Einzelnetzteile. Bei der Wahl des Multinetzteils solltet ihr auf die folgenden Dinge achten:
Harley Benton
PowerPlant ISO-2 Pro
(ein günstiges Rundum-Sorglos-Netzteil mit isolierten Ausgängen, das Harley Benton PowerPlant Iso-2 Pro)
Anzahl der Ausgänge
Eine simple Angelegenheit. Anzahl der Pedale = benötigte Anzahl der Ausgänge. Hier könnt ihr allerdings auch Platz und Geld sparen, indem ihr mehrere unkritische analoge Pedale wie Verzerrer über denselben Ausgang mit einer Daisy Chain verbindet.
Maximale Stromstärke
Hierfür müsst ihr herausfinden, welches die stromhungrigsten Kandidaten auf eurem Board sind (alles ab etwa 150 mA) und ob das Multinetzteil genügend stromstarke Einzelausgänge für sie bereithält. Bei einem Multinetzteil ohne isolierte Ausgänge müsst ihr den Stromverbrauch all eurer Pedale addieren und mit seiner Gesamtleistung vergleichen. Unisolierte Multinetzteile kann man sich vorstellen wie eine Daisy Chain in einem Gehäuse.
Spannung und Polarität
Gibt es unter euren Pedalen „Ausreißer“ abseits der Standardwerte 9 V, Minuspol innen? Dann müssen hierfür die entsprechenden Optionen (12/15/18-V-Ausgänge bzw. Polaritätswandler) bereitstehen. Polaritätswandler gibt es auch als unauffällige Adapterkabel, genauso wie Y-Adapter zum Kombinieren von zwei Ausgangsspannungen (Voltage Doubler), oder zwei Stromstärken (Current Doubler).
Rockboard
Power Ace Polarity Converter
(Adapterstecker für „center positive“-Effekte)
(ein Voltage Doubler kann die Spannung von zwei isolierten Ausgängen „addieren“, z. B. von 9 V auf 18 V)
Rockboard
Ace Voltage Doubler Cable
Größe und Gewicht
NatĂĽrlich ist ein Multinetzteil auch ein weiteres Bauteil auf eurem Pedalboard. Gibt es genĂĽgend Platz (mit eingesteckten Kabeln) und ist das Board mit Netzteil noch gut zu transportieren? Wenn ja, dann los!
Akkubetriebene Netzteile
Mittlerweile gibt es Netzteile (und sogar Multinetzteile) auch als akkubetriebene Powerbanks mit entsprechenden 9-V-Ausgängen. Wer es noch unkomplizierter haben möchte findet auch spezielle Adapterkabel (5 V -> 9 V), die mit einer handelsüblichen Powerbank oder einem Handyladegerät verwendet werden können. Akkubetriebene Netzteile haben viele Vorteile, kommen mit sehr stromhungrigen Effekten aber auch schnell an ihre Grenzen.
Harley Benton
PowerPlant PowerBank+ mk2
(ein akkubetriebenes Multinetzteil, die Harley Benton PowerPlant PowerBank+)
myVolts
Ripcord 9V DC center negative
(das myVolts Ripcord verwandelt Handyladegeräte und Powerbanks in Gitarrennetzteile)
Wie befestige ich mein Multinetzteil auf dem Pedalboard?
Für die Befestigung eines Multinetzteils auf dem Pedalboard gibt es mehrere Optionen. In jedem Fall solltet ihr die gewünschte Position vorher auf Herz und Nieren prüfen, da die Nähe zu einigen Effekten (besonders Wah Wahs) zu Problemen führen kann (Stichwort: Nebengeräusche).
Die einfachste Möglichkeit ein Netzteil zu befestigen, ist natürlich das gute alte Klettband, mit dem auch die meisten Effektpedale auf dem Board halten. Weil das Netzteil eine relativ große „ungenutzte“ Fläche einnimmt, gibt es aber auch elegantere Lösungen. Viele Boards haben genügend Platz unter der Oberfläche, um ein Netzteil zu befestigen.
Einige Hersteller bieten passende Netzteile zu ihren Pedalboards an (z. B. Rockboard) oder haben die Maße ihrer Produkte mit denen einer anderen Firma abgeglichen (z. B. Cioks und Pedaltrain). In diesem Fall kann das Netzteil mit Klett, Klammern oder einem Schraubsystem unter dem Board befestigt und die Kabel zwischen den Streben hindurchgeführt werden. Einem „cleanen“ Pedalboard steht so nichts mehr im Wege.
Cioks
Sol
(das Cioks Sol passt unter alle Pedaltrain Boards …)
Pedaltrain
Nano+
(… wie z. B. das Pedaltrain Nano+)
Harley Benton
Spaceship Power 60
(das Harley Benton Spaceship Power 60 hat das Multinetzteil gleich integriert)
Was ist ein Pedalboard-Multinetzteil: euer Feedback
Welche Netzteile nutzt ihr? Und habt ihr Tipps und Tricks zur Befestigung am Board? Schreibt es uns in den Kommentaren!
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