Chester Bennington wurde als Sänger mit immensem Stimmumfang und Frontmann von Linkin Park zum Superstar und zur tragischen Figur zugleich.
Gesungen wie ein Engel, gekreischt wie seine eigenen Dämonen: Heute hätte Chester seinen 50. Geburtstag gefeiert. Wir sagen posthum herzlichen Glückwunsch, wo immer du jetzt auch bist.
Chester Bennington definierte den Sound von Linkin Park
Im Jahr 1999 schloss sich Chester Bennington Linkin Park an, die sich damals noch Xero und kurz darauf Hybrid Theory nannten. Der Durchbruch sollte nicht lange auf sich warten lassen. Bereits ein Jahr später legte Linkin Park das Debütalbum „Hybrid Theory“ hin, das mit Hit-Songs wie „In the End“, „Crawling“ und „One Step Closer“ global ein riesiger Erfolg wurde.
Vermutlich lag das auch und gerade an der Identifizierbarkeit und Einzigartigkeit von Chester Benningtons Stimme. Geradezu als Markenzeichen wechselte er zwischen melodischem Gesang und kraftvollen Screams, wodurch er dem Sound der Band einen äußerst besonderen Stempel aufdrückte; einen, mit dem er dem Publikum gewissermaßen aus der Seele schrie. Die Musik war Chester Benningtons Ventil für seine Verzweiflung.
Chester Bennington: Immenser Tonumfang und berüchtigte Schreie
Bekannt und berüchtigt war der langjährige Frontmann von Linkin Park für seinen extremen Tonumfang. So war Chester Bennington imstande, mit kraftvoller Bruststimme bis in die fünfte Oktave zu singen, also sogar noch mehr als Freddie Mercury. Nicht zu vergessen, seine teils exzentrischen, rohen und emotionalen Gesangspassagen. Zu den besonders berüchtigten Augenblicken gehört sein Schrei in der Bridge von „Giving Up“, der dauerte nämlich satte 17 Sekunden und das live.
Chester Benningtons lebenslanger Kampf
Chester Bennington war als Missbrauchsopfer seelisch zeitlebens schwer gezeichnet. Seinen lebenslangen Kampf verlor er am 20. Juli 2017 durch Suizid. Die Musikwelt war zutiefst schockiert, hatte sie doch eine Identifikationsfigur verloren, einen Rocksänger, der mit seiner Offenheit und Ehrlichkeit zahlreiche Menschen inspiriert hatte und ihnen zumindest ein Stück weit geholfen hat.
Linkin Park als niemals stillstehende Crossover-Pioniere
Linkin Park waren echte Vorreiter und hatten von Anfang an eine prägende Rolle im Nu Metal, Alternative Rock und Metal eingenommen. Kennzeichnend war und ist die Musik durch den Crossover aus Rock, Hip-Hop und elektronischen Elementen. Stillstand schien ihnen ein Fremdwort zu sein. Vielmehr entwickelten sie sich im Laufe der Jahre von harten Klängen zu experimentelleren, elektronischen und poppigen Sounds. Damit gehören Linkin Park seit der Millenniumswende zu den erfolgreichsten Bands aller (bisherigen) Zeiten.
Während Chester Bennington die Vocals über Jahre hinweg mit seiner Stimme und Performance prägte, sind die weiteren Bandmitglieder für ihr hochgradiges Können an ihren Instrumenten und ihren speziellen Sound bekannt. Und die Band macht weiter: Seit 2024 ist Emily Armstrong von der Band Dead Sara offiziell die neue Sängerin von Linkin Park.
Gear: Zwischen geheimnisumwoben und öffentlich bekannt
Beim kreativen Mastermind Mike Shinoda ist über sein bevorzugtes Equipment zwischen Keyboard, Gitarre und Gesang nicht allzu viel bekannt. Er hält sich in dieser Thematik meist etwas bedeckt. Nicht so der ikonische Gitarrist Brad Delson. Dass der auf E-Gitarren von Paul Reed Smith steht, insbesondere die Custom 24, ist kein Geheimnis.
* Der unverbindlicher Verkaufspreis (UVP) ist der Preis, den der Hersteller als Verkaufspreis Kunden empfiehlt.
Und auch bei Hybrid Theory hatte er bereits eine PRS in den Fingern, nämlich eine CE24. Beim Verstärker setzt Brad Delson auf den Dual Rectifier von Mesa Boogie, den es bereits seit 2001 auch als dreikanaligen Triple Rectifier gibt. Und er bevorzugt robuste und zuverlässige Pedale, hauptsächlich von Boss. Mit dem Noise Gate NS-2 unterdrückt er unerwünschte Hintergrundgeräusche des Amps. Zusätzlich nutzt er zwei unterschiedlich eingestellte CS-3 Compressor- und punktuell diverse weitere Pedale.
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Immer wieder die Grenzen gesprengt
Chester Bennington und Linkin Park haben immer wieder die Grenzen der Genres gesprengt. Das reicht von eindrucksvollen Rap-Metal-Hits bis zu Ausflügen in den Pop. Ganz offensichtlich wollten sie sich in kein Korsett zwängen lassen. Eigentlich war keins ihrer Alben mit den vorherigen absolut vergleichbar. Zuweilen rief das Kritiker aufs Tableau; die meisten Fans waren aber froh, dass sie nicht der ewigen Kommerz-Monotonie unterwarfen. Wie sie mit Perfektion auf dem musikalischen Drahtseil balancierten, zeigen einige der besten Songs von Linkin Park mit Chester Bennington.
„One Step Closer“ – 2000
Bereits mit der Debütsingle wurde die Band zu einer Rap-Rock-Sensation. Von Anfang an hielten sie sich an keinerlei Konventionen. Stattdessen gab es einen wilden Mix aus kratzenden Turntables und verstimmten Gitarren, gesungenen und gerappten Passagen, die sich irgendwo auf der Grenze zwischen Wut und Verletzlichkeit bewegten. Die Band fühlte sich damals ausgelaugt und am Ende ihrer Kräfte.
One Step Closer [Official HD Music Video] – Linkin Park
„Crawling“ – 2001
Zu „Crawling“ nahm Chester Bennington selbst deutlich Stellung. Bereits 2002 erklärte er, es gehe in dem Text darum, Verantwortung für die eigenen Handlungen zu übernehmen. Auch und gerade dann, wenn man sich selbst nicht ertragen kann. „Es geht darum, dass ich selbst der Grund dafür bin, dass ich mich so fühle (…)“
Linkin Park – 04 – Crawling (Milan 19.09.2001)
„Papercut“ – 2001
„Papercut“ war nach Chester Benningtons Meinung „die Identität der Band“, und er empfand ihn als seinen Lieblingssong von Linkin Park. Der explosive Eröffnungstrack ihres bahnbrechenden Debütalbums Hybrid Theory hatte neue Maßstäbe für den Metal im neuen Jahrtausend gesetzt. „Am Anfang war es mein Ziel, so viel Melodie wie möglich in die Musik zu bringen“, sagte Chester Bennington.
Papercut [Official HD Music Video] – Linkin Park
„In the End“ – 2001
Von „In The End“, einer Auskopplung aus „Hybrid Theory“ war Chester Bennington nie überzeugt. Und eigentlich wollte er auch gar nicht, dass es auf dem Album erscheint. Glücklicherweise konnte er sich mit seiner Meinung nicht durchsetzen. Der Song schaffte es auf Platz zwei der Billboard-Charts und sorgte damit für die beste Platzierung von Linkin Park in den Hot 100.
In The End [Official HD Music Video] – Linkin Park
„Faint“ – 2003
Filigrane Streicher reichen knallharten Riffs bei „Faint“, der zweiten Single aus „Meteora“, die Hand und mit den Lyrics von Chester Bennington wird der Song imposant und tieffühlend zugleich: „Dreh mir nicht den Rücken zu. Ich werde mich nicht ignorieren lassen. Dabei geht es um eine zerbrochene Beziehung von Mastermind Mike Shinoda.
Faint (Official Music Video) [4K UPGRADE] – Linkin Park
Linkin Park und Chester Bennington: Sieben Erfolgsalben eingespielt
Chester Bennington blieb nach „Hybrid Theory“ auch auf den nächsten sechs Studioalben der Band, von Meteora (2003) bis One More Light (2017) der Leadsänger, die sich alle unter den ersten drei Plätzen der Billboard 200 platzierten. Hier die gemeinsamen Alben:
- Hybrid Theory – 2000
- Meteora – 2003
- Minutes to Midnight – 2007
- A Thousand Suns – 2010
- Living Things – 2012
- The Hunting Party – 2014
- One More Light – 2017
Emotionale Hymne, live nicht mehr spielbar
„Good Goodbye“ vom Album „One More Light“ kletterte erst nach Chester Benningtons Tod in die Charts. Eigentlich war der Song für eine verstorbene Mitarbeiterin des Plattenlabels geschrieben. Dann aber entwickelte er sich nach dem Suizid von Chester Bennington zu einer Hymne für ihn und alle, die jemanden verloren haben.
Mike Shinoda hatte damals erklärt, „Good Goodbye“ wurde dadurch zu emotional für Live-Auftritte. Schließlich war die Botschaft der Liebe eigentlich an Trauernde gerichtet. Nun waren sie selbst die Trauernden.
Good Goodbye [Official Music Video] – Linkin Park (feat. Pusha T and Stormzy)
Sein letztes Konzert mit den beiden finalen Songs
Das letzte Konzert mit Chester Bennington als Sänger von Linkin Park fand am 06. Juli 2017 in Birmingham statt. Ein Fan hatte damals einen Mitschnitt der beiden finalen Songs auf YouTube hochgeladen, die Chester für seine Fans gesungen hat. Als Zugaben spielten Linkin Park damals „Papercut“ und „Bleed It Out“.
Linkin Park Papercut, Bleed It Out (live) Birmingham 2017
Dieses Jahr sind Linkin Park mit neuer Sängerin auf Tour in Deutschland. Ihre „From Zero To World Tour 2026“ bringt sie auf die Festivals Rock am Ring / Rock im Park und in die Städte München und Hamburg.
„Chester’s Wall“ soll nachhaltig restauriert werden
Zu Chester Benningtons Gedenken findet beispielsweise am 21. März 2026 unter dem Namen „Rock für Chester’s Wall“ in Hagen ein Benefizkonzert zum Erhalt der Gedenkstätte von Chester Bennington im Kaiser-Wilhelm-Park in Essen statt. Der Erlös aus den Eintrittskarten und weitere Spenden gehen in die Sanierung der Gedenkstätte, die ein Treffpunkt für große und kleine Linkin-Park-Fans ist.

Dabei handelt es sich um einen alten Musikpavillon, dessen Innenwände mit einem großen Graffiti-Porträt von Chester Bennington und Schriftzügen versehen wurden.
Bekannt ist die Gedenkstätte als „Chester’s Wall“, eine Begegnungsstätte für Fans und Menschen, die sich mit dem Thema Depressionen auseinandersetzen. Leider hat die Witterung dem Pavillon zugesetzt, doch die Fans wollen den Verfall nicht zulassen und das Andenken weiterhin pflegen.
Hilfe bei Suizid-Gedanken gibt – auch anonym – die Telefonseelsorge unter 0800/111 01 11.
Was ist für dich das Vermächtnis von Chester Bennington?
Was hat dich an Chester Bennington besonders beeindruckt? Ist es seine Persönlichkeit, sind es seine Songs mit Linkin Park oder mit den Bands Dead by Sunrise, Stone Temple Pilots und Grey Daze? Schreibe es uns gerne in die Kommentare!
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