8 kuriose Basslinien, die trotzdem funktionieren

Basser Lars Lehmann zeigt dir acht Basslines, die zwar kurios sind und doch grooven! 🎸
Basslinien

In meinem heutigen Blogartikel habe ich für dich acht weltbekannte Basslinien zusammengetragen, bei denen man sich zunächst fragt: „Warum?“ Doch dann antwortet der Körper: „Weil’s groovt – und schlichtweg genial ist!“ 🤘

Bassistinnen und Bassisten gelten ja gemeinhin als die entspannten „Zen-Mönche“ jeder Band. Doch mitunter neigt die Bassfraktion dazu, Basslines zu spielen, die beim ersten Hinhören wirken, als hätte jemand die Proberaum-Kaffeemaschine wahlweise auf die Programme „Energy+“ oder „Wake me up when it’s ready“ gestellt. Noch verrückter wird es, wenn man kurz darauf feststellt:

Was auf den ersten Eindruck komplett abwegig erschien, funktioniert innerhalb des Songs ganz fantastisch!

1.) Queen – „Under Pressure“

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„Under Pressure“ entstand 1981 in einer spontanen Jam-Session zwischen Queen und David Bowie in den Schweizer „Mountain Studios“. Die Bassline von „Under Pressure“ erlangte später durch „Ice Ice Baby“ von Vanilla Ice sogar noch ein zweites Mal Berühmtheit. Dieses Zweiton-Bassriff ist eigentlich viel zu simpel, um ikonisch zu werden – aber genau das macht die Bassline eben so „catchy“ und prägt den gesamten Track.

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Info für Gear-Nerds: John Deacon spielte hier einen seiner vielen Fender Precision-Bässe, deren Flatwound-Saiten er mit dem Plektrum beackerte. Wer den Basssound nachbauen möchte, greift natürlich idealerweise zu einem Precision Bass oder probiert alternativ – so vorhanden – den Halspickup eines anderen Modells, z. B. den eines Jazz-Basses. Flatwound Strings können hilfreich sein, sind aber nicht unbedingt ein Muss.

2.) The Beatles – „Come Together“

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Einfach genial, dieser „Sir“ Paul McCartney: Er nimmt eine Basslinie, kippt ein Glas „psychedelischen Blues“ mit vielen prägnanten Slides dazu und lässt sie dann geradezu stoisch den gesamten Song tragen. Die Linie von „Come Together“ ist ebenso schleppend wie melodisch und verspielt.

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Info für Gear-Nerds: „Macca“ setzte bei dem Song seinen Rickenbacker 4001S mit Flatwounds ein und schlug die Saiten mit dem Pick an. Den Ricky-Bass gibt es zum Glück bis heute in modernen Varianten – ideal für warm-melodische Linien mit viel Vintage-Charme!

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3.) Peter Gabriel – „Sledgehammer“

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„Tony Levin being Tony Levin“ – der durch seine Arbeit mit King Crimson und anderen berühmt gewordene Bassist zeigt hier, warum er zu den meistaufgenommenen Tieftönern der Zunft zählt: Er spielt eine prägnante Basslinie, die gegen viele Regeln verstößt, allerdings mit solcher Autorität, dass man nur noch bewundernd lächeln kann.

Info für Gear-Nerds: Auf „Sledgehammer“ kam ein sehr seltener bundloser Music Man Sabre zum Einsatz, den Levin – ebenfalls höchst ungewöhnlich – mit dem Plektrum bediente. Der Sound wurde zudem mithilfe eines Octavers angedickt. Leider wird der Sabre nicht mehr hergestellt, der Music Man Stingray hingegen ist ein echter Evergreen und dem Sabre klanglich nicht unähnlich. Auch bundlose Versionen werden gelegentlich gesichtet.

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4.) Red Hot Chili Peppers – „Around the World“

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Chili-Peppers-Bassist Flea beginnt den Song mit einem Basslauf, der klingt, als hätte jemand einen Funk-Bassisten mit Speedy Gonzales fusioniert. Verboten schnell, absurd verspielt – und dann wieder ultrafett im Groove!

Info für Gear-Nerds: Flea nutzte bei den Recordings einen Modulus Flea Bass – ein Modell, das im Grunde einen Music Man Stingray mit einem Graphithals kombiniert. Um diesem Sound nahezukommen, sollte man daher gerne auf einen Stingray oder alternativ auf ein Instrument zurückgreifen, das mit einem Humbucker in der Stegposition bestückt ist, etwa den erstaunlich günstigen Z3 des koreanischen Herstellers Sire.

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5.) Michael Jackson – „Billie Jean“

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Okay, technisch gesehen ist dieses Riff aus den Händen von Altmeister Louis Johnson (R.I.P.) super simpel – aber gerade deswegen ist die Bassline der Inbegriff von „weniger ist mehr“. Kurios? Ja, weil sie so verdammt minimalistisch ist, dass jeder Musikschüler sagt: „Das kann doch nicht schon der ganze Groove sein?“ Doch, ist es – und in der Bridge mit Fis-Moll und D-Dur wird die Basslinie sogar noch einfacher.

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Info für Gear-Nerds: Auch Louis Johnson war bekannt für seine Liebe zu Stingrays – bevorzugt mit (hellem) Ahorngriffbrett. Ja, ich weiß, schon wieder der Stingray – aber hey, the funk doesn’t lie, does it?

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6.) The Temptations – „Papa Was a Rollin‘ Stone“

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James Jamerson, seines Zeichens Haus-und-Hof-Bassist von Motown Records, wird häufig fälschlicherweise mit der legendären Basslinie von „Papa Was a Rollin‘ Stone“ von The Temptations in Verbindung gebracht. In Wahrheit wurde die Bassline jedoch von seinem Kollegen Bob Babbitt eingespielt, der ebenfalls zur festen Motown-Studiocrew „The Funk Brothers“ gehörte.

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Babbitt spielt auf diesem Track tatsächlich fast nichts! Eine Basslinie mit derart viel Platz, dass man meint, man könne einen Kleintransporter zwischen den Tönen parken. Aber genau dieser Minimalismus trägt den gesamten Song.

Info für Gear-Nerds: Wie James Jamerson war auch Bob Babbitt ein früher Verfechter des Fender Precision mit Flatwound-Saiten, den er mit den Fingern spielte. Und tatsächlich ist dieser Sound wie geschaffen für luftige „Weniger ist mehr“-Bassgrooves!

7.) Primus – „Tommy the Cat“

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Okay, jetzt wird’s absurd: Primus-Aushängeschild Les Claypool ist bekannt für Basslines, die sich anhören wie ein hyperaktiver Außerirdischer auf einem maximal drehenden Bootsmotor. Ist das noch Bass? Ja, klar – wenn auch höchst außergewöhnlich gespielt. Und doch funktioniert die Sache ganz fantastisch!

Info für Gear-Nerds: Les Claypool ist bekannt für seine Zusammenarbeit mit dem US-Edelbass-Pionier Carl Thompson. Aber auch ein herkömmliches Bassmodell wie z. B. ein Jazz Bass von der Stange – natürlich gerne in bundloser Ausführung – bringt einen näher in diese Welt. Und wer dazu noch ein abgedrehter Charakterkopf wie Herr Claypool ist, hat hier fraglos die besten Chancen!

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8.) Muse – „Hysteria“

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Die Bassline von „Hysteria“ ist berühmt für ihren aggressiven, synthesizerähnlichen Sound, der durch eine komplexe Kombination aus E-Bass, Effekten sowie einer zusätzlichen Synthie-Spur im Studio realisiert wurde. Muse-Bassist Chris Wolstenholme spielte zur damaligen Zeit hauptsächlich einen Pedulla Rapture RB5, bei den Recordings zu „Hysteria“ wurde aber auch ein fünfsaitiger Status Stealth gesichtet.

Info für Gear-Nerds: Angesichts des hohen Verzerrungs- und Verfremdungsgrades ist das Bassmodell, das du zum Nachbauen des Sounds verwendest, tatsächlich weitaus weniger wichtig als ein gutes Fuzz-Pedal! Ein Schritt in die richtige Richtung ist der Big Muff von Electro Harmonix (EHX) – bzw. eines seiner zahlreichen Derivate am Markt, die es größtenteils zu sehr attraktiven Preisen gibt!

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Acht Basslinien: Fazit

Tja, und was lernen wir nun aus diesen abgefahrenen Basslines? Vielleicht, dass guter Humor und Mut, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, sich definitiv lohnen können! Die hier vorgestellten Basslinien sind witzig (zum Teil sogar geradezu aberwitzig!), brechen Regeln, besitzen Charakter und bleiben genau deswegen sofort im Kopf.

Verschiedene Bassmodelle in der heimischen Sammlung zu haben, kann zweifellos helfen, um sich bestimmte klangliche Türen zu öffnen. Letztlich ist es aber egal, ob du einen Stingray, einen Rickenbacker, einen Jazz-Bass, einen Preci oder irgendein anderes Modell spielst. Entscheidend bist vielmehr du, deine Hände und dein musikalisches Gespür. Ich wünsche dir viel Spaß beim Experimentieren und beim Blick über den bassistischen Tellerrand!

Acht Basslinien: dein Feedback

Hast du einen Lieblings-Bassgroove? Und welchen Bass und welche Effekte setzt du dafür ein? Lass es uns in einem Kommentar wissen!


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