Eine kleine Beckenkunde für Drummer

Eine kleine Beckenkunde für Drummer

Neben der Snare bestimmen die Becken maßgeblich euren Drumsound, denn ihr präsenter Klang gräbt sich tief in die Gehörgänge ein. Bei der enormen Auswahl fällt es allerdings fast allen Trommlern schwer, schnell das richtige Modell zu finden. Soll es dann neben dem persönlichen Geschmack auch noch zur bevorzugten Musikrichtung (oder sogar zu mehreren) und zu unterschiedlichen Locations passen, wird es noch komplizierter. Damit ihr euch in diesem Dschungel besser zurecht findet, haben wir hier ein paar Informationen zu den „Blechen“ zusammengetragen.



Welches Material: Messing, B8- oder B20-Bronze?

Die Legierung, aus der ein Becken hergestellt wird, hat großen Einfluss auf seinen Sound. Die meisten professionellen Modelle bestehen aus einer Bronzelegierung mit einem Zinnanteil von 20 Prozent. Diese Zusammensetzung nennt sich B20 und ihr findet sie bei praktisch allen Herstellern, ein preiswertes Beispiel wäre das Millenium 16″ B20 Crash und im Profibereich das Zildjian 18″ K-Custom Dark Crashbecken. B8-Becken mit acht Prozent Zinnanteil unterscheiden sich optisch durch ihren leichten Rotstich von den B20-Kollegen. Klanglich sagt man den B8-Versionen einen helleren, silbrigeren Klang nach, B20-Becken dagegen erzeugen einen wärmeren, weicheren Ton. Während Firmen wie Zildjian und Sabian in ihren Mittel- und Oberklasse-Serien konsequent auf B20-Bronze vertrauen, gilt der Schweizer Hersteller Paiste als B8-Pionier. So basiert auch seine legendäre 2002-Reihe auf diesem Material, beispielsweise das Paiste 2002 Classic 18″ Medium Crash. Messing hingegen wird ausschließlich bei Einsteigermodellen verwendet. Ein Beispiel wäre das Sabian 18″ SBR Crash/Ride. Das Material ist günstiger und kann mit relativ wenig Aufwand in Form gepresst werden. In Profi-Setups sieht man Messingbecken in der Regel nur als Effekt-Sounds.

Millenium 16″ B20 Crash:

Zildjian 18″ K-Custom Dark Crashbecken:


Paiste 2002 Classic 18″ Medium Crash:


Sabian 18″ SBR Crash/Ride

 


Je schwerer, desto lauter!

Ein ganz wichtiger Faktor für Spielgefühl, Lautstärke und Durchsetzungskraft ist das Gewicht des Beckens. Hier helfen euch oft schon die Bezeichnungen bei der Einordnung. Begriffe wie Heavy, Power, Rock oder Metal zeigen, dass ihr hier entsprechend kräftige Modelle erwarten könnt. Hier haben wir ein paar Beispiele für euch: Das Meinl 14″ Byzance Hi-Hat Heavy eignet sich (wie der Name schon sagt) für „heavy“ Sounds, das Paiste 2002 Classic 18″ Power Crash für „Power“, das Sabian 20″ AA Rock Crash für „Rock“ und
Sabian 20″ AAX Metal Ride für  Überraschung – „Metal“.

Aufdrucke wie Medium, Medium-Thin, Thin oder Jazz deuten auf Modelle im mittleren bis leichten Gewichtsbereich hin. Ein schweres Becken wird tendenziell metallischer und lauter klingen als ein ansonsten baugleiches, leichtes Modell. Gleichzeitig wird es langsamer ansprechen und länger ausklingen. Die „Fuhre“ muss also erst einmal in Bewegung gebracht werden, braucht dann aber auch länger bis zum Stillstand. Dementsprechend eignen sich schwere Becken besser für kräftig spielende Drummer und lautere Bands. Auch auf großen Bühnen profitiert die Durchsetzungskraft vom höheren Gewicht. Aber Vorsicht: Übertreibt ihr es mit dem Gewicht, lauft ihr Gefahr, dass euer Gesamtsound zu beckenlastig wird und eure Bandkollegen sowie früher oder später auch euch selbst nervt.

Zählt ihr euch zum breiten Feld der Rock-, Pop-, Funk-, Soul-, oder HipHop-Drummer, werdet ihr vermutlich mit Modellen der mittleren Gewichtsklasse am besten zurechtkommen. Absolut im Trend sind für diese Styles aber auch sehr dünne, teilweise roh oder trashig klingende Modelle, die schnell ansprechen und ebenso schnell wieder abklingen. Spielt ihr viel in kleinen Clubs, begleitet Singer-Songwriter, würdet euch als Jazzer bezeichnen oder tretet gerne mal in Kirchen auf, dann bieten sich dünne Becken an, die wenig Anschlagsenergie benötigen und ihren vollen Sound schon auf einem geringen Lautstärke-Level erreichen.

Heavy – Meinl 14″ Byzance Hi-Hat Heavy

Power – Paiste 2002 Classic 18″ Power Crash

Rock – Sabian 20″ AA Rock Crash

Metal – Sabian 20″ AAX Metal Ridebecken


Wie wichtig ist der Durchmesser?

Passt das kleine 14er Crash besser zur Musik als ein 18er? Auch hier solltet ihr überlegen, was für ein Spielertyp ihr eigentlich seid. Wenn ihr gerne ordentlich zulangt, sind Crash-Becken unterhalb von 16 Zoll möglicherweise nicht die beste Wahl, denn sie übersteuern bei harter Spielweise schneller und klingen weniger voll als größere Modelle. Ein großes Becken transportiert seinen Sound meist auch besser, was wichtig ist, wenn die Umgebung laut und die Location groß ist. Andererseits lieben gerade leiser spielende Drummer den vollen, weichen Klang großer und dünner Becken. Seid ihr euch noch gar nicht sicher, wohin die musikalische Reise gehen soll, werdet ihr mit einer 14er Hi-Hat, einem 20 Zoll Ride-Becken und Crashes zwischen 16 und 18 Zoll sicherlich nichts falsch machen.


Je größer die Kuppe, desto lebendiger wird das Becken klingen

Auch wenn man vielleicht gar nicht allzu oft auf den Kuppen von Becken spielt, haben die kleinen Hügel doch einen erheblichen Einfluss auf den Sound des Beckens. Sie addieren nämlich die Obertöne, welche dafür sorgen, wie präsent und damit durchsetzungsfähig ein Becken klingt. Ein Beispiel ist das Zildjian 21″ A-Series Mega Bell Ride.
Wer mal auf ein Flat-Ride (also ein Ride ohne Kuppe) gehauen hat, wird wissen, was gemeint ist. Solche Modelle klingen im Vergleich zu normalen Rides eher belegt und leise und gehen in lauteren Kontexten schnell unter. Wenn ihr versuchsweise die Hand auf die Kuppe eures Rides legt und es dann anspielt, könnt ihr einen ähnlichen Effekt hören. Ein schweres Becken mit großer Kuppe wird also deutlich lauter, „pingiger“ und obertonreicher daher kommen als eines, das dünn gearbeitet ist und nur eine kleine Kuppe besitzt.

Zildjian 21" A-Series Mega Bell Ride

Becken mit Kuppe: Zildjian 21″ A-Series Mega Bell



Lieber einzelne Becken oder gleich ein komplettes Set kaufen?

Diese Frage stellt sich immer dann, wenn bei einem gekauften Schlagzeug keinerlei Becken dabei sind oder wenn es um eine komplette Neuorientierung in Sachen Blech gehen soll. Generell gilt hier, dass ein vorab zusammengestelltes Set einen oft erheblichen Preisvorteil im Vergleich zu einzeln gekauften Becken bietet. Wenn ihr allerdings schon sehr klare Vorstellungen davon habt, wie eure Becken klingen sollen, steigt bei einem Komplett-Set natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass euch ein Teil daraus nicht so gut gefällt wie der Rest. Ein Kauf kann sich aber trotzdem noch lohnen, wenn ihr das betreffende Becken aus dem Set wieder verkauft und euch stattdessen das Modell eurer Träume einzeln dazu holt. Hier kommen ein paar Vorschläge für verschiedene Budget-Bereiche:

Paiste Set 3 201 Bundle: Für unter 200 Euro gibt es hier einen vernünftigen, sehr gut verarbeiteten Einsteigersatz, der sich für die meisten Musikrichtungen eignet.

Paiste Set 3 201 14"HH/ 16"C / 20"R

Paiste Set 3 201 14″HH/ 16″C / 20″R

 

Zultan Rock Beat: Mit knapp 370 Euro bietet dieser Beckensatz ein fast unschlagbares Verhältnis von Preis und Sound. Diese Becken sind bereits professionell einsetzbar.


Zultan Rock Beat Profi Cymbalset

Zultan Rock Beat Profi Cymbalset

 

Istanbul Mehmet Samatya Cymbal Set 1-18: Ein Bestseller unter den Cymbal Bundles ist das Istanbul Mehmet Samatya Set. Hier gibt es den warmen und komplexen Sound handgearbeiteter türkischer Becken zum sehr guten Kurs.

Istanbul Mehmet Samatya Cymbal Set 1-18

Istanbul Mehmet Samatya Cymbal Set 1-18

 

Sabian AAX Special Cymbal Set: Im Thomann-Sortiment gibt es zusätzlich viele exklusiv von Mitarbeitern zusammengestellte Beckensets, die es so anderswo nicht zu kaufen gibt und in denen die Bestseller der jeweiligen Reihen miteinander kombiniert werden. So zum Beispiel dieses Set, das sich extrem vielseitig einsetzen lässt und dabei preislich weit unterhalb der Summe der Einzelpreise angesiedelt ist.

Sabian AAX Special Cymbal Set

Sabian AAX Special Cymbal Set

 

Zildjian K-Series Profi Promo-Pack: Höchste Ansprüche, was Klang und Vielseitigkeit angeht, erfüllt auch das Zildjian K-Series Profi Promo Pack. Die K-Serie ist eine der legendären Serien mit warmem, klassischem Sound.

Zildjian K-Series Profi Promo Pack

Zildjian K-Series Profi Promo Pack

 

Meinl Byzance Thomann Edition Set: Nicht nur Benny-Greb-Fans können mit diesem – nur bei Thomann erhältlichen ? – Set kaum etwas falsch machen. Dunkle, schnell ansprechende Sounds werden hier durch eine spezielle, sandgestrahlte Oberfläche erreicht.

Meinl Byzance Thomann Edition Set

Meinl Byzance Thomann Edition Set

 


Euer Set klingt langweilig? Checkt die Effekt-Becken!

Ihr habt euer Basis-Set zusammen und fragt euch, wie ihr eure Sound-Palette um interessante Klänge erweitern könnt? Vor 20 Jahren wäre die Antwort leicht gefallen: Probiert doch mal ein China- oder ein Splash-Becken aus! Mehr gab es damals jenseits von Hi-Hats, Crashes und Rides nämlich nicht. Das sieht heute ganz anders aus, und damit ihr den Überblick behaltet, stellen wir euch die wichtigsten aktuellen Effekt-Sounds kurz vor.

Gelochte Becken: Dave Weckl war der erste bekannte Drummer, der sich von der Firma Sabian Becken mit Löchern anfertigen ließ. Diese „O-Zone“ genannten Kreationen, beispielsweise das Sabian 18″ HHX Evolution O-Zone Crash, waren die Vorreiter für den „Lochfraß“, den praktisch alle Hersteller mittlerweile im Programm haben. Meistens handelt es sich um normale Crash-, Splash- oder Ride-Becken, die mit Löchern versehen wurden, aber auch Chinas und Hi-Hats sind vor dem Bohrer nicht mehr sicher. Die eingestanzten Löcher sorgen einerseits für ein geringeres Gewicht, andererseits für einen trashigen und rauen Sound, der deutlich weniger Ton, dafür aber mehr Rauschen besitzt als ein unversehrtes Modell. Auch der Ausklang ist weniger klar und brillant als bei normalen Becken.

Sabian 20" AAX Metal Ridebecken

Stacks: Der englische Begriff „stack“ bedeutet „aufstapeln“, so ist es kein Wunder, dass es sich bei den gleichnamigen Sound-Kreationen um übereinander gelegte Becken handelt. Nicht nur Progressive-Drummer wie Mike Portnoy verwenden die schmutzig zischenden Effekte wie das Sabian HH Max Stax Low, auch Ash Soan, seines Zeichens vielbeschäftigter Studiodrummer im weiten Feld zwischen Soul und Rock, schwört auf diese Kombinationen, die bei ihm sogar oft das Ride-Becken ersetzen. Das Tolle an den Stacks ist, dass ihr sie einfach selber bauen könnt. Einfach zwei Becken aus eurem Sortiment übereinander legen und checken, welche Kombination am besten klingt. Hierfür könnt ihr auch gerissene Becken verwenden, die auf diese Weise zu neuem Leben erwachen können. Natürlich gibt es im Handel auch speziell aufeinander abgestimmte Versionen zu kaufen, die den Vorteil haben, dass sie meistens schon „aus der Verpackung heraus“ gut klingen, wie zum Beispiel diese Kombination von Paiste: Paiste 14″ PSTX Swiss Flanger Stack.

Paiste 14" PSTX Swiss Flanger Stack

Paiste 14″ PSTX Swiss Flanger Stack



Sonstige Effekte: Es gibt noch weitere, hochinteressante Kuriositäten für Freunde der individuellen Klänge, zum Beispiel Zildjian’s Spiral Trash Modell, welches aus einem spiralförmig aufgeschnittenen Crash-Becken besteht und tief modulierende Sounds erzeugt.

Zildjian 18" A-Series Spiral Trash

Zildjian 18″ A-Series Spiral Trash

Eine sehr preisgünstige, aber äußerst effektive Art der Beckensound-Modifikation besteht auch darin, Meinl’s Ching Ring über die Kuppen von Hi-Hats, Rides und Crashes zu legen. So bekommt ihr im Handumdrehen eine Kombination aus Becken und Schellenkranz.

Meinl CRING Ching Ring

Meinl CRING Ching Ring


Beratung

Falls du noch Fragen hast oder beraten werden möchtest, dann sind wir gerne als Ansprechpartner für dich da! Komm bei uns in der Schlagzeugabteilung in Treppendorf vorbei oder melde dich per E-Mail oder telefonisch unter (09546) 9223 40 bei uns! 🥁

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Vom 5. bis 11. März 2018 steigen unsere #ThomannDrumDays, insbesondere auf Facebook und Instagram. Es dreht sich alles rund um die Welt der Dums.

Für Drumheads und Schlagzeugbegeisterte haben wir exklusive Deals , VIP-Artist-Videos, hilfreiche Artikel hier auf dem t.blog und Unterhaltsames im Gepäck.

Schaut vorbei und haut rein 🥁🙌

 

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 6 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

7 Kommentare

    Gute Übersicht, v. a. für Einsteiger. Schön, dass Soundsamples dabei sind.

    Danke für dein Feedback, Wolfgang! 🙂 //Franziska

    Sehr gut gemacht und immer (mal) hilfreich – nicht nur für den Einsteiger sondern auch für den geneigten schon-jahrelang-immer-das-gleiche-Blech-Spieler-und-mal-was-neues-Sucher. 😉

    Aloha Thomas, schön, dass wir dir mit unserem Artikel weiterhelfen konnten. Bei weiteren Fragen – hast du ja unsere Nummer. 😉 Wir wünschen dir einen phänomenalen Start in die neue Woche! //Franziska

    Schöner Artikel. Sicher viel Neues für denjenigen, der sich mit Beckensounds noch nicht auskennt.
    Habe den Link aus den Hot Deals vom April. Es wäre cool, wenn ihr zum Link auch noch einen QR Code drucken würdet. Für die mobile Fraktion.

    Grüße

    Super Info! Ich war kürzlich beim Musicstore in Köln und da hat man mir nichts zu den Becken sagen und mir anhand meiner Klangwünsche empfehlen können (oder wollen „Ist Geschmackssache und kommt aufs Set an. Da werden wir uns eher bei einer Frau einig!“ hä?)
    Hier habe ich endlich mal die Grundinformationen bekommen, die ich brauchte um zu wissen in welche Richtung es für mich klanglich und in Sachen Material geht – So soll´s sein, super und danke!!

    Guter Artikel, nur ein Hinweis fehlte mir bzw. wurde nicht deutlich genug: Auch Metal Drums müssen erst mal nicht laut sein. Nein, sie müssen zunächst mal eher das Gegenteil sein. Gerade Metal Bands spielen viel in kleinen Clubs, und wenn ein Drummer mit seinen AAX-Gewaltbecken in nen 200PAX Schuppen kommt, besteht der Sound bei 99dBA nur noch aus Becken, egal wie leise und kontrolliert der Drummer spielen kann. Nehmt doch vielleicht in ein kleines Update hier noch eine Empfehlung für Becken rein, die zwar hart klingen, aber dabei leise sind und nicht noch 10 Sekunden im Raum stehen bleiben.

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