Ein Riff, ein dezenter Klangteppich, eine simple Hook aus wenigen Tönen? Wir haben hier ein paar Gedanken und eine Auswahl unserer Top 10 Songs mit legendären Intros für dich.
Was ein großartiges Intro ausmacht
Hätte irgendwer die absolute Zauberformel, was ein wirklich zündendes Intro ausmacht, wäre das wohl ein Illusionist. Eine unumstößliche Gebrauchsanweisung kann es kaum geben, ein paar Tipps dafür durchaus. Der wohl wichtigste: Bereits nach ein bis drei Sekunden sollte jedem klar sein: Das ist der Song. Ob das Intro livetauglich ist, merkst du, wenn die Crowd bei den ersten Tönen sofort reagiert.
Intro als roter Faden für den Song
Funktionieren kann das etwa mit einem ikonischen Riff, das sich am Gedächtnis der Zuhörer festklammert wie beim Klassiker „Smoke on the Water“, mit einer markanten Bass-Line wie bei „Billie Jean“ oder einem besonders prägnanten Sound, zu hören beispielsweise in „Blue Monday“. Ein wirklich geniales Intro eignet sich als Leitmotiv, taucht im ganzen Song in unterschiedlichen Variationen auf, ohne ihn damit zu überfrachten.
Radikal reduzieren, Spannung aufbauen
Die legendären Beispiele der Vergangenheit – und hoffentlich auch der Zukunft – machen uns vor, dass es immer auch um Kontraste und die Kunst der Reduktion aufs Wesentliche geht. Schließlich ist dein Hauptziel, Spannung mit Wiedererkennungsfaktor aufzubauen, also die Dynamik zu steigern. Wie willst du noch was draufpacken, wenn der Anfang bereits zu vollgestopft und komplex ist? Frag dich nicht, was du noch alles dort hineinpacken könntest, stattdessen was du weglassen kannst! Und dann mach es mit speziellen Sounds identifizierbar und einzigartig! Schauen wir uns ein paar Beispiele an:
1. Endzeit von Heaven Shall Burn
Geradezu cineastisch mit melancholischer Ruhe liefert das Intro von „Endzeit“ den absoluten Kontrast zu dem, was die Fans anschließend erwartet. Es ist gekonnt minimalistisch und episch und erzeugt eine geradezu apokalyptische Atmosphäre. Eine dezente Pianomelodie, zu der sich zarte Streicher gesellen. Und dann geht’s plötzlich in die Vollen.
Heaven Shall Burn | Endzeit | Official Livevideo Vainstream 2016
2. Blue Monday von New Order
Bei den ersten Tönen von „Blue Monday“ weiß jeder sofort, welcher Song sich da zu Wort meldet. Da wird mit der Synthi-Melodie auch nicht lange gefackelt. Die anfängliche Reduktion wird bereits nach wenigen Sekunden gesteigert, moduliert und an andere Sounds übergeben. Gerade weil die Hook am Anfang so simpel klingt, ist sie ein echtes Intro-Meisterwerk.
New Order -– Blue Monday ’88 (Official Music Video HD Upgrade)
3. Volny von Molchat Doma
Mit dem wabernden Synthi-Sound, beinahe wie auf nassen Sand schlagenden Wellen, beginnt das Intro von „Volny“, gefolgt von einer distanzierten Melodie mit identifizierbarer, weil ungewöhnlicher Modulation. Kurz darauf folgt auch schon der spartanische Einsatz des Drumcomputers mit typischen Anleihen an die 80er-Jahre. Das Resultat: ein Gefühl von Leere im Stil der apokalyptischen Sowjet-Ästhetik.
Molchat Doma – Volny (Official Lyrics Video) молчат дома – волны
4. Billie Jean von Michael Jackson
Der King of Pop war ein Zauberkünstler von Instrumentierung und Dynamik. Zu den wohl legendärsten Beispielen gehört der Anfang von „Billie Jean“. Ein simples Drum-Pattern, eine minimalistisch treibende Bassline: Erst 30 Sekunden später setzt Michael Jackson mit dem Gesang ein. Der Aufbau ist extrem markant und sofort erkennbar. Das Intro ist zweifellos ikonisch und bis heute unverwechselbar.
Michael Jackson – Billie Jean (Official Video)
5. Cloud Connected von In Flames
Elektronische Sounds vereinen sich minimalistisch mit einer melodischen Gitarrenlinie bei „Cloud Connected“ von In Flames. Dass der Song von Menschen handelt, die in ihrer eigenen Traumwelt leben und den Kontakt zur Außenwelt ablehnen, ist beinahe schon bei den ersten Tönen erkennbar. Zumindest ist das Intro die perfekte Einleitung für alles, was da noch kommen wird.
In Flames – Cloud Connected (Official Music Video)
6. Smells Like Teen Spirit von Nirvana
Nur wenige reduzierte Gitarrenakkorde am Anfang von „Smells Like Teen Spirit“ und schon fangen alle an zu hüpfen. Geradezu brachial geht’s weiter und jeder weiß, gleich kommt der Stopp. Nirvana um Kurt Cobain haben die Grunge-Kontraste zelebriert. Zu den typischen Merkmalen zählen, dass die Band sich im Verlauf des Songs auch immer wieder zurücknimmt und den Aufbau wieder von vorne beginnt.
Nirvana – Smells Like Teen Spirit (Official Music Video)
7. Lose Yourself
Das Intro von „Lose Yourself“ markiert zweifellos einen der ikonischsten Rap-Einstiege der Musikgeschichte. Beginnend mit einer melancholisch barocken Klavier-/Workstation-Melodie, schafft es eine durchaus traurige Atmosphäre. Sobald die Gitarre einsetzt, wird es nicht minder kämpferisch. Das Intro ist ein Paradebeispiel für den gekonnt dynamischen und kontrastreichen Aufbau.
Eminem – Lose Yourself [HD]
8. Seven Nation Army von The White Stripes
Für das Intro von „Seven Nation Army“ hat Produzent Jack White ein DigiTech Whammy-Pedal genutzt und damit eine halbakustische Kay-Hollowbody-Gitarre aus den 50ern eine Oktave tiefer gestimmt. Daraufhin klang der hypnotische Sound wie von einem Bass erzeugt. Das unverkennbare Riff machte den Song zum Hit und wurde zugleich zur Hymne in Fußballstadien auf der ganzen Welt.
The White Stripes – Seven Nation Army (Official Music Video)
9. Sandstorm von Darude
Ebenfalls stadiontauglich wurde das Intro von „Sandstorm“, und zwar durch das Setting mit minimalen Mitteln. Aufgebaut wird eine außerordentliche Spannung, insbesondere durch den Distortion-lastigen Synthesizer-Sound und die daraufhin einsetzenden Reverse-Cymbals. Fun Fact am Rande: Die Melodie wurde nicht bewusst komponiert, entstand stattdessen aus einem versehentlich aufgenommenen Muster. Die Wirkung war und ist geradezu hypnotisch. Erzeugt wurde der Sound übrigens mit einem Roland JP-8080 Synthesizer.
Darude – Sandstorm
10. Smoke on the Water von Deep Purple
Und dann gibt es noch das wohl berühmteste Gitarrenintro aller Zeiten, das Riff von „Smoke on the Water“. Es ist das typische Beispiel für die Riffs, die man in Gitarrenläden lieber nicht mehr spielen sollte, weil es schon viel zu oft gespielt wurde. Das ändert nichts daran, dass bereits bei den ersten drei Powerchords klar wird, welcher Song sich da ankündigt. Entstanden aus einer genialen Idee von Ritchie Blackmore, wurde es zu dem Paradebeispiel schlechthin für eine simpel zu merkende und zugleich kraftvolle Hook, dem Inbegriff des Rock. Technische Einfachheit trifft auf absoluten Wiedererkennungswert.
Deep Purple – Smoke On the Water (Official Music Video)
Schreib uns gerne in die Kommentare, welche ikonischen Riffs dir einfallen und was dich daran besonders beeindruckt. Übrigens haben wir dazu auch eine Umfrage auf Facebook gestartet. Du möchtest dabei sein? Dann kommt hier für dich der direkte Link.
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