Thomann hat rechtliche Schritte gegen Fender eingeleitet

Für Markenvielfalt und Innovation: Warum wir rechtliche Schritte gegen Fenders Abmahnungen eingeleitet haben


Für Markenvielfalt und Innovation: Warum wir rechtliche Schritte gegen Fenders Abmahnungen eingeleitet haben

Die Stratocaster gehört zu den bekanntesten Gitarren der Musikgeschichte.
Sie hat über Jahrzehnte hinweg unzählige Gitarrenbauer und Hersteller inspiriert, eigene Ideen zu entwickeln, weiterzudenken und neue Instrumente zu schaffen.

Genau deshalb verfolgen wir die aktuellen Entwicklungen rund um die von Fender ausgesprochenen Abmahnungen gegen zahlreiche Hersteller, Vertriebe und Händler in Europa und den USA mit großer Sorge.

Fender hat jüngst ein sogenanntes Versäumnisurteil am Landgericht Düsseldorf gegen eine chinesische Handelsfirma von S-Style Gitarren erwirkt. Dieses Urteil basiert auf rein formalen Fristversäumnissen und stellt aus unserer Sicht keine umfassende inhaltliche Prüfung einer Rechtslage dar. Auf dieser Grundlage versucht Fender nun, einen grundsätzlichen Copyright-Anspruch auf die Korpusform der Stratocaster durchzusetzen, und geht parallel dazu gegen europäische Händler und Hersteller vor. Aber auch amerikanische Hersteller, die ihre Instrumente in Europa verkaufen, sind betroffen.

Nach sorgfältiger Prüfung haben wir uns entschieden, rechtliche Schritte einzuleiten. Denn wir sind überzeugt, dass die Fragen, die hier aufgeworfen werden, weit über einen einzelnen Rechtsstreit hinausgehen und die Zukunft von Vielfalt, Innovation und Wettbewerb in unserer Branche betreffen. 

Eine gemeinsame Geschichte seit 1954

1954 war für die Gitarrenwelt ein besonderes Jahr: Fender brachte die Stratocaster auf den Markt.

1954 war auch das Jahr, in dem das Musikhaus Thomann gegründet wurde.
Schon kurz nach der Gründung im Jahr 1954 konnte man bei uns Instrumente mit dem Fender-Logo kaufen. Seit mehr als 70 Jahren führen wir Fender-Instrumente mit Überzeugung und großer Wertschätzung. Viele von uns spielen selbst Fender-Gitarren. Verständlich, dass uns das aktuelle Vorgehen von Fender gegen langjährige Geschäftspartner überrascht und enttäuscht hat.

Form folgt Funktion

Die Stratocaster ist nicht allein deshalb so erfolgreich, weil sie gut aussieht.

Das obere Horn sorgt für eine ausgewogene Balance, die Cutaways erleichtern das Spiel in hohen Lagen, die Konturen des Korpus erhöhen den Spielkomfort.
Die Form der Stratocaster wurde geschaffen, um Musikern ein möglichst funktionales und ergonomisches Werkzeug an die Hand zu geben.

Genau deshalb wurde sie über Jahrzehnte hinweg von Gitarrenbauern auf der ganzen Welt aufgegriffen, weiterentwickelt und neu interpretiert. Viele Innovationen der modernen Gitarrenwelt basieren auf dieser Entwicklung. Von kleinen Werkstätten bis hin zu etablierten Herstellern haben Generationen von Instrumentenbauern dazu beigetragen, das Konzept der S-Style-Gitarre stetig weiterzuentwickeln.

Im Mutterland der Stratocaster gilt ihre Form seit Langem als Public Domain, als Allgemeingut. Die freie Nutzung der Stratocaster als Vorbild für eigene Kreationen war und ist die Grundlage für unzählige Weiterentwicklungen, von denen die gesamte Gitarrenwelt profitiert hat – inklusive Fender selbst. 

Eines der bekanntesten Beispiele ist Eddie Van Halens legendäre Frankenstrat.
Mit ihr entstand die Idee der Superstrat und eine Entwicklung wurde angestoßen, die Generationen von Gitarristen und Gitarrenbauern inspiriert hat. Kaum vorstellbar, wäre dieser Weg bereits im Keim erstickt worden. 

Warum wir handeln

Natürlich betrifft die aktuelle Eskalation der Situation auch uns.

Wir wollen euch auch in Zukunft die gesamte Bandbreite der Gitarrenwelt anbieten können. Als Händler und Hersteller erleben wir die Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven. Auch unsere Marke Harley Benton ist davon betroffen. 

Wir sind natürlich daran interessiert, den von Fender erhobenen Vorwurf einer angeblichen Urheberrechtsverletzung in einem neutralen gerichtlichen Verfahren klären zu lassen. Ebenso wie wir, hat Fender die Möglichkeit, dem Gericht alle Argumente vorzulegen. Das Gericht wird dann ggf. eine Beweisaufnahme durchführen, was bisher nicht geschehen ist.

Doch für uns geht es nicht nur um die Auswirkungen auf unser eigenes Unternehmen.

Unser CEO Hans Thomann bringt es auf den Punkt:


„Wir waren selbst einmal ein kleines Musikgeschäft und wissen genau, wo wir herkommen. Vielfalt, Fairness und ein respektvoller Umgang miteinander gehören seit jeher zu unserem Selbstverständnis. Viele Betroffene haben nicht die finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten, einen solchen Rechtsstreit zu führen.
Wir sehen es deshalb als unsere Verantwortung, diese Angelegenheit nicht nur für unser eigenes Unternehmen, sondern für alle Beteiligten gerichtlich klären zu lassen.”

Ganz bewusst setzen wir uns für die vielen großartigen Hersteller, Gitarrenbauer und Händler ein, deren Arbeit für die Vielfalt unseres Marktes unverzichtbar ist.
Und das unabhängig davon, ob sie Teil unseres Sortiments sind. Ikonische Custom-Shop-Hersteller, Traditionsmarken oder innovative Weiterentwickler wie Taylor, Tom Anderson, Suhr, LSL, Maybach, Pensa, FGN oder PRS und viele andere stehen für das facettenreiche Gitarren-Ökosystem, das wir so schätzen.
Aus unserer Sicht steht genau diese Vielfalt durch die aktuellen Entwicklungen auf dem Spiel. 

Unser Appell

Die Geschichte der Stratocaster wurde nicht allein von einem Unternehmen geschrieben. Sie wurde von Musikern, Gitarrenbauern, Entwicklern und Herstellern auf der ganzen Welt geprägt. Ihre Bedeutung für die Musikwelt entstand auch durch die vielen Menschen, die darauf aufgebaut und neue Ideen daraus entwickelt haben.

Diese Vielfalt sehen wir als eine der großen Stärken unserer Branche.

Deshalb werden wir den eingeschlagenen rechtlichen Weg konsequent weitergehen. Nicht nur für unser eigenes Unternehmen, sondern auch für die vielen Hersteller, Händler und Gitarrenbauer, die unsere Branche Jahrzehnte geprägt haben und weiterhin prägen.

Wir fordern Fender nachdrücklich auf, die Abmahnungen gegen Hersteller, Vertriebe und Händler einzustellen und zu einem fairen, partnerschaftlichen Miteinander zurückzukehren.

Denn wir sind überzeugt: Die Zukunft der Gitarrenwelt lebt von Vielfalt, Innovation und der Freiheit der Kreativität. 

Euer Thomann-Team


Auch interessant

Kennst du den Newsletter schon?

Abonniere unseren Newsletter und bleib auf dem Laufenden mit den neuesten News, Artikeln und Sonderangeboten!

Melde dich beim Newsletter an

Wir respektieren deine Privatsphäre und geben deine Daten niemals an Dritte weiter.

Entdecke alle unsere Deals!

Sonderangebote und Aktionen in unserem Shop erhältlich

Kommentare 48

  1. Stefan sagt:
    ich bin Marken- und Urheberrechtler und als Anwalt im IT- und Datenschutz unterwegs... aber eben auch Musiker. Ohne die jur. Details & Fragen hier nochmals ausbreiten zu wollen - als Gitarrist schätze ich nicht nur Thomann als Dienstleister mit entsprechend robustem Auftreten am Markt, sondern eben gerade auch die Vielfalt der "nennen wir sie mal 7ender-inspired" Hersteller, von Henry's über Jet (ok, gibt's bei T. nicht) Yamaha Pacifica (gibt's auch schon ewig), Ibanez, Charvel bis hin zur Eigenmarke Harley Benton. Innovation zugunsten des Users findet und fand in den letzten Dekaden häufig/meistens außerhalb der Marke Fender statt, schon Leo hat "außerhalb von Fender" weiter verbessert... Die Kopfplatte ist geschützt und einige übertreiben es mit der 1:1 Nachbauten auch nach meiner Sicht... aber Innovation lebt auch von Inspiration und steter Fortentwicklung. Die "Strat-Idee" ist fast eine Art "open Source Baukasten" mit vielen Weiterentwicklungen und drastischen Verbesserungen von Drittherstellern, die sonst unmöglich gewesen wären. Die Strat ist das wohl erfolgreichste „Accidental Open Source“-Projekt der modernen Industriegeschichte! Pickups, Bridge (Vega trem, Gotoh, Fl-Rose, LockingTuners, Electronics - alles gibts besser von Dritten. Fender hat es in den 1950er und 60er Jahren versäumt, die reine Korpusform der Stratocaster rechtlich als Geschmacksmuster oder Marke zu schützen, anders als Firmenlogo, Bezeichnung und Headstock... deswegen muss man jetzt auch für Rechtsklarheit sorgen und den User-Händler- und PRoduzenten-feindlichen Ansprüchen von F. klar entgegen treten. Gut, wenn das "der Große T" macht, bevor die Vielfalt und der Wettbewerb verschwindet - das nutzt keinem ernsthaft! Danke Thomann!
  2. Mr. Invictus sagt:
    Hey Dominic, du hast ja folgendes geschrieben: „Form folgt Funktion. Die Stratocaster ist nicht allein deshalb so erfolgreich, weil sie gut aussieht. Das obere Horn sorgt für eine ausgewogene Balance, die Cutaways erleichtern das Spiel in hohen Lagen, die Konturen des Korpus erhöhen den Spielkomfort. Die Form der Stratocaster wurde geschaffen, um Musikern ein möglichst funktionales und ergonomisches Werkzeug an die Hand zu geben.“ Hier muss ich dir und Thomann musikhistorisch widersprechen. Rein theoretisch muss das Gericht bei dieser Klage nämlich auch den Fender Precision Bass berücksichtigen! Die Kontur der Stratocaster basiert direkt auf dem 1951er Precision Bass. Die Umrisskonturen vom 51er Precision Bass und der 1954er Stratocaster passen ziemlich genau übereinander, völlig unabhängig von der Bodygröße. Ab 1954 erhielten der Precision Bass wie die Stratocaster die berühmten Rundungen. Euer Argument mit der rein funktionalen Entstehung bricht hier also historisch komplett ein. Die ikonische Silhouette mit den zwei Hörnern war zuerst ein reines Design-Element beim Bass und wurde erst danach auf die Gitarre übertragen ;)
  3. J.E. sagt:
    😉 Test bestanden. Ich hätte meinen ersten Kommentar auch nicht öffentlich gemacht. Großes Lob dafür und und auch für euere Einleitung rechtlicher Schritte gegen Fender. Gruß J.E.
  4. Michael Lamberty sagt:
    Ich glaube, dass es jetzt auch im Management von Fender ankommen wird, dass man Bockmist gebaut hat. Wenn der größte Online-Musikhändler der Welt eine Klage gegen die Firma anstrengt, ist das ein starkes Signal in die Branche. Ich finde, und fand schon immer die Einstellung von Hans Thomann zum Kunden aber auch zur Branche gut. Größe bedeutet eben nicht nur Gewinn über alles, sondern auch Verantwortung zu übernehmen. Dies macht aktuell Thomann mit dieser Klage klar. Hierfür zolle ich ihm echten Respekt! Ich spiele selbst seit über 30 Jahren u. a. eine Original-Strat und würde wahrscheinlich nie wieder etwas von dieser Marke kaufen, sollte die von Fender in die Welt gesetzte Abmahnwelle tatsächlich vor Gericht Bestand haben.
  5. J.E. sagt:
    Nicht lange zögern. Fender aufkaufen. Qualität erhöhen und zeitgleich durch das Umgehen des Zwischenhandels die Preise von Fenderinstrumenten so anpassen, dass nicht ein Großteil des Kaufpreises für das Firmen Logo gezahlt werden muss.
  6. Matthias sagt:
    Top, auch wenn ich gefühlt eine Ewigkeit auf diese Ankündigung gewartet habe. Habe hier zwei S-Styles als Lernklampfen in zwei unterschiedlichen Mensuren von euch stehen - verschrotten von Musikinstrumenten ist Frevelei und kommt für mich nicht in Frage. Wird die Kriegskasse für Zustupf öffentlich gemacht? Ich nehme an ich bin nicht der Einzige der da etwas dazugeben möchte…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit einem * markiert.