Die 5 besten Rotary-Effekte für jeden Geldbeutel

Die 5 besten Rotary-Effekte für jeden Geldbeutel

Elektronischen Simulationen des legendären Leslie-Effekts wird oft nachgesagt, sie seien nicht realistisch genug. Von wegen! Der Markt der heutigen Zeit bietet eine Auswahl an besonderen Boden-Effektgeräten für Keyboarder und Gitarristen, die sich speziell mit der Emulation des Sounds des berühmten Rotor-Kabinetts befassen, und das in Perfektion.

Wer die Hammond-Orgel liebt, kennt den Sound. Es ist aber nicht die Orgel alleine, die diesen unverwechselbaren Sound zwischen kathedralartiger Schwebung bis hin zum flirrenden Tremolo erzeugt. Diesen Sound erzeugt das mit der Orgel verbundene Leslie-Kabinett, eine spezielle zweikanalige Lautsprecherbox aus den 1940er-Jahren, die für die Wiedergabe der hohen Frequenzen und des Bassanteils mechanische Schallumlenker verwendet, die vor den Lautsprechern sitzen und gegeneinander in der 360-Grad-Ebene rotieren.


Und es dreht sich doch …

Dadurch entsteht eine besondere Modulation der Tonhöhe, durch Ausnutzung des Doppler-Effekts, die sich in Abhängigkeit von der Rotationsgeschwindigkeit in einer Schwebung, oder einem besonderen Vibrato darstellt. Das von dem Amerikaner Don Leslie erfundene Orgelkabinett lässt seine Schallumlenker in zwei Geschwindigkeiten rotieren: CHORALE (ca. 48 UPM) für eine langsame Schwebung und TREMOLO (ca. 380 UPM). In der STOP-Position findet keine Rotation statt.

Neben dem eindrucksvollen Klang, der während der Rotation geboten wird, sind auch die als ‚Rise‘ und ‚Fall‘ benannten Effekte eine typische und obendrein faszinierende Eigenart der mechanischen Schallumlenkung.  Durch die Gewichtsunterschiede der beiden Schallumlenker für den Bassbereich (Drum oder Rotor) und den Hochtonbereich (Horn) entstehen beim Wechseln der Geschwindigkeiten interessante Höreindrücke, da der Bass-Rotor immer langsamer beschleunigt und abbremst als das Hochton-Horn. Du kannst die „Rise-“ und Fall“-Effekte während der ersten 23 Sekunden in diesem Video sehen:


Nicht nur für die Orgel!

Neben Organisten verwenden auch Gitarristen die wuchtige Tonschleuder, deren Sound auch die Gitarre in neuen Dimensionen erklingen lässt. Noch in den 1970er-Jahren versuchten sich wenige Hersteller in der elektronischen Simulation des Leslie-Effekts, was mit analoger Technik nur im Ansatz gelang. Der technische Fortschritt und Digitaltechnik bereiteten das Sprungbrett für intensive Weiterentwicklungen, die sich mittlerweile soft- und hardwareseitig sehen lassen können.

So gibt es heute neben perfekten Hammond-Clons inkl. Leslie-Simulation auch eigenständige Boden-Effektgeräte, die sich größen-, gewichts- und preisreduziert, klanglich dem Effekt der alten Leslie-Box verschrieben haben. Das macht es für Keyboarder und Gitarristen gleichermaßen interessant, den berühmten Sound mit auf die Bühne oder ins Studio zu nehmen.

Damit ihr euch einen Eindruck über das Marktangebot verschaffen könnt, zeigen wir euch hier die fünf besten ‚Rotary Speaker‘ Effektpedale im Preisbereich von knapp 400 bis weniger als 40 Euro.

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NEO Instruments Ventilator II & mini Vent II

NEO Instruments Ventilator II

Es ist kein Geheimnis, dass echte Leslies ebenso schwer zu bekommen wie zu schleppen sind, dass sich aber der von ihnen erzeugte Sound ungebrochener Beliebtheit erfreut. Entsprechend divers ist die Liste der Versuche, den 1940 von Donald Leslie erfundenen Rotationslautsprecher nachzuahmen, und zwar möglichst authentisch, jedoch rückenschonender und viel komfortabler im Handling.

Mit dem Ventilator II setzt der deutsche Hersteller Neo Instruments nach dem ‚Ventilator‘ die Messlatte für elektronische Leslie-Simulationen noch höher, und es kann sich hören lassen, das Leslie im Westentaschenformat. Basierend auf der Simulation eines Leslie 122 Rotorkabinetts, emuliert der Ventilator II mit komplexen Modeling-Algorithmen ein Rotorkabinett, das wie in der Praxis üblich, mit drei Mikrofonen abgenommen wird – eines für den Bass- und zwei für den Hochtonrotor. Beide Rotationseinheiten können dabei unabhängig voneinander justiert werden. Neben einer Drive-Sektion für einen authentischen Overdrive-Effekt bietet der Ventilator II auch eine Steuerung von Rotorgeschwindigkeit und Mix per Expression-Pedal und lässt sich von einem externen Remote-Pedal aus bedienen.

NEO Instruments mini Vent II

Noch kleiner in den Abmaßen und günstiger als der Ventilator II zeigt sich der mini Vent II. Klanglich auf demselben Level wie der große Bruder, ist der mini Vent II im Bereich der Einstellungen abgespeckt. Ihm fehlen die Potis zur Parameter-Justierung sowie der physische Stop-Taster für die Rotor-Stop-Steuerung. Diese lässt sich allerdings durch gleichzeitiges Drücken des Bypass und des Slow/Fast-Tasters aufrufen. Damit der Sound individuell eingestellt werden kann, wird der mini Vent II durch eine besondere Tastenkombination beim Einschalten in den Programmierbereich gebracht. Hier lassen sich dann alle Einstellungen innerhalb einer Editroutine vornehmen und abspeichern. Wer sich mit der Art der Programmierung des mini Vent II anfreundet, kann dabei ca. 130 Euro gegenüber dem Ventilator II sparen.


Boss RT-20 Sound Processor

Auch das Boss RT-20 Bodeneffekt-Pedal hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Sound des mächtigen Leslie-Kabinette in einem handlichen Format Keyboardern und Gitarristen zugänglich zu machen. Unter Zuhilfenahme der bosseigenen COSM-Technik stellt der Boss RT 20 eine Weiterentwicklung der Leslie-Simulation aus den Roland Orgeln VK-7, VK-77 und VK-8 dar, welche auch eine Emulation des bewährten 122er Leslies ist. Zur Ausstattung des RT-20 gehören auch ein Overdrive, um die warme Verzerrung des Leslie-Kabinetts zu imitieren, diverse Einstellmöglichkeiten für die Abstimmung der simulierten Rotoren und einen Anschluss für ein optionales Expression-Pedal zur manuellen Geschwindigkeitssteuerung. Auch können Direkt- und Effektanteil getrennt justiert werden. Durch den im Zentrum befindlichen ‚Virtual Rotor‘ erhält der Spieler obendrein eine farbenfrohe Darstellung des Klanggeschehens. Dank der robusten Ausführung ist das Boss RT-20 Effektpedal für den harten Bühneneinsatz gewappnet.


Electro Harmonix Lester G and Lester K

Mit dem Modell ‘Lester’ bietet der amerikanische Hersteller Electro Harmonix eine Stomp-Box zum Erzeugen des berühmten Leslie-Effekts. Das Lester Effektpedal ist in zwei Ausführungen erhältlich: ‚K für die Verwendung mit Keyboards und ‚G‘ für den Einsatz mit der E-Gitarre. Beide unterscheiden sich in der Eingangsimpedanz und dem Frequenzspektrum, in welchem die ansteuernden Instrumententypen liegen. Das Bedienpanel des Pedals ist sehr einfach gehalten und bietet Einstellmöglichkeiten für die beiden Rotorgeschwindigkeiten, den Overdrive und die Balance zwischen den beiden Rotoren. Das wiederum sind Standard-Einstellungen, welche die zuvor beschriebenen Pedale auch bieten. Zu seinen Besonderheiten gehören ein röhrenemulierter Overdrive sowie ein warm klingender Rotary-Sound. Ob man als Gitarrist nun die ‚G‘- oder die ‚K‘-Ausführung wählt, sollte das eigene Ohr entscheiden.


tc electronic Vibraclone Rotary

Der Vibraclone Rotary des dänischen Herstellers TC Electronic stellt die preiswerteste Lösung dar, um an den Sound rotierender Lautsprecher zu gelangen. Als Clone des in 1968 hergestellten Fender Vibratone Speaker-Kabinetts, simuliert der ‚Vibraclone‘ den Sound des recht kurzlebigen Originals auf eindrucksvolle Weise. Im Gegensatz zu einem Leslie-Kabinett wurde der originäre Fender Vibratone nur mit einer einzigen rotierenden Trommel vor dem Lautsprecher ausgerüstet und speziell für den Gitarrenbetrieb vorgesehen. Ausgerüstet mit zwei Potis für die Geschwindigkeitsregelung des Rotors und einem warmen Drive, bietet das Vibraclone-Pedal einen Toggle-Schalter zur Umschaltung zwischen den Chorale- oder Tremolo-Einstellungen sowie einen Bypass-Taster.

Während alle anderen genannten Effektpedale für den Einsatz mit Orgel und Gitarre geeignet sind, ist das Vibraclone Rotary Pedal als preisgünstige Alternative eher für den Gitarrenbetrieb vorgesehen und erfüllt diesen Zweck hier ausgesprochen gut.


Was halten Sie vom Leslie-Effekt? Ist er veraltet, nicht modern genug für Ihre Ohren oder so fantastisch wie eh und je? Welches Pedal bevorzugt ihr persönlich und warum? Habt ihr hier etwas vermisst?? Lass es uns in den Kommentaren wissen 👇 

Author’s gravatar
Dominic hat als E-Gitarrist einer Alternative-Rockband etliche Clubs im deutschsprachigen Raum unsicher gemacht (die wenigsten davon mussten anschließend zu machen). Mit seiner Unplugged-Band steht er auch heute noch regelmäßig auf der Bühne.