100 Jahre Dreadnought

100 Jahre Dreadnought

Vor mehr als 100 Jahren erblickte eine neue Gitarrenform das Licht der Welt und nur wenige der damals beteiligten Personen dürften geahnt haben, welche Bedeutung dieses Instrument in Zukunft einmal haben würde. Ein Jahrhundert später gibt es wohl kaum einen Musiker, für den die legendäre Dreadnought-Akustikgitarre noch nie eine Rolle gespielt hat.


 

Geschichte

Die Dreadnought ist ohne Zweifel eine Ikone unter den Westerngitarren. Sie ist in nahezu jedem Genre zu Hause, vor allem in Pop und Country, wobei die Country-Musik am Anfang ihrer Karriere stand. Wie viele Innovationen, die eigentlich nicht als solche geplant waren, ist die Form der Dreadnought ein Mix aus großartigen Ideen, ausgefallenen Wünschen und Zufällen.

Der Name leitet sich von einem damals hochmodernen britischen Schlachtschiff ab, dem es als erstes Schiff gelungen war, ein Unterseeboot zu versenken. Die Dreadnought war riesig, beeindruckend und respekteinflößend, allesamt Charaktereigenschaften, die man auch in die Konstruktion der neuen Gitarre einfließen ließ.

John Deichmann

Martin gab der Gitarre ihren Namen und startete 1916 mit der Produktion der ersten Dreadnoughts, allerdings nicht unter eigenem Label, sondern im Auftrag der Oliver Ditson Company, einem großen Musikverlagshaus der damaligen Zeit. Harry L. Hunt, Geschäftsführer bei Ditson, besuchte die Martin-Werkstätten in Nazareth, wo er mit John Deichmann zusammentraf, einem Senior-Gitarrenbauer, der diverse Prototypen seiner Gitarren neben seiner Werkbank aufbewahrte. Und was Harry L. Hunter dort sah, das war die Zukunft: eine große, rechteckige Gitarre, die John als Hawaii-Gitarre entwickelt hatte und selbst auf den Knien mit einem Metal-Slide spielte. Die Gitarristen hatten damals das große Problem, nicht laut genug zu sein, weil die Spanische Gitarre mit ihren Darmsaiten erheblich leiser war als ein Banjo – der Hauptgrund für die Entwicklung der Stahlsaitengitarre. Harry L. Hunter bestellte bei John Deichmann eine „normale“ Version dieses Prototyps mit einer Fichtendecke statt der üblichen aus Mahagoni für einen brillanteren Klang: Es war die Geburtsstunde der Dreadnought! Die offizielle Produktion als „Martin“-Gitarre startete Jahre später, weil der Gitarrenbauer trotz des großen Erfolgs skeptisch blieb und erst 1931 die D-1x mit Boden und Zargen aus Mahagoni und die D-2x mit Palisander-Boden und -Zargen präsentierte, beide mit Fichtendecken.

Gibson antwortete 1954 mit der Einführung der Jumbo, allerdings ohne großen Erfolg – erst die Hummingbird eroberte 1960 viele Country-Musiker. Die Gibson-Alternative war in ästhetischer Hinsicht von Anfang ausgereifter, sie hatte Ranken-Intarsien, große Blockeinlagen im Griffbrett und die berühmte Gibson-Kopfplatte. Und mit der J45 baute man eine leistungsfähige und legendäre Gitarre, die zum Traum vieler Sammler auf der ganzen Welt wurde.

Das war der Moment, in dem Martin sich entschied, Lizenzen an alle Hersteller herauszugeben, es gibt kaum einen Gitarrenbauer, der nicht mit einer eigenen Version der Dreadnought aufwarten kann. Unter ihnen auch Taylor, ein amerikanischer Traditionshersteller, der sich einen Namen mit seinen hervorragend gearbeiteten Gitarren gemacht hat und jedem Rock-, Pop- und Countrygitarristen seinen Trademark-Sound leiht. Die Modelle der Marke mit den Bezeichnungen 510, 410 und 610 genießen unter professionellen Gitarristen hohes Ansehen. Aber auch günstigere, nicht weniger sorgfältig gearbeitete Gitarren wie die 110E und 110CE gehören dazu.

2016 feieren wir den 100sten Geburtstag der ersten Dreadnought von Martin, den der Hersteller selbst mit der D-222 100TH Anniversary in einer limitierten Auflage von nur 100 Stück zelebriert. Sie kommt zusammen mit der Dokumentation „The ballad of the Dreadnought“, die das Leben dieses phantastischen Instrumentes aufzeigt, von den frühen Jahren bis in unsere Zeit.


Eigenschaften & bekannte Modelle

Erster Prototyp von Deichmann (1916)

Die Hauptmerkmale der ersten Dreadnoughts setzen sich auch in den aktuellen Modellen fort: Mahagoni-Boden und -Zargen sowie Fichtendecken, 12 oder 14 Bünde „clear to the body“, also vor dem Hals-Korpusübergang, sowie ein größerer Korpus, verglichen mit Gitarren, die bis zu jenem Zeitpunkt gebaut wurden.

X-brace-System

Die Dreadnought musste konstruktionsbedingt verstärkt werden, um nicht unter der extrem starken Zugspannung der Stahlsaiten zu reißen. Während klassische Gitarren bis zu diesem Zeitpunkt mit quer unter die Decke geleimten Holzleisten gebaut wurden, kam bei Akustikgitarren ein sogenanntes X-brace-System zur Anwendung, bei dem die Holz-Beleistung kreuzweise angebracht wurde, wie in der Abbildung rechts oben zu sehen ist. Für den Hals war es eine Stangenkonstruktion aus Metall, die unter das Griffbrett eingelegt wurde und bis heute wird und den Hals gerade hält. Falls er sich doch unter der starken Spannung verziehen sollte, kann er mithilfe dieses sogenannten Halsstellstabes nachjustiert werden. So gut wie jede akustische und elektrische Gitarre ist heute mit einem solchen „Truss Rod“ ausgestattet.

Der Klang einer Dreadnought-Akustikgitarre ist voll, obertonreich und in den unteren Mitten und im Bass sehr präsent, aber trotzdem jederzeit transparent und klar. Die Mitten sind angenehm, die Höhen nie schrill. Insgesamt ist der Klang so, dass man ihn als „genau richtig“ bezeichnen könnte, perfekt ausbalanciert und sehr gefällig. Kaum möglich, diesen Klang nicht zu kennen, denn er findet sich in zahllosen Aufnahmen und Songs wieder. Vielleicht ist es eigentlich sogar das Instrument mit dem größten Wiedererkennungswert.

Die bemerkenswertesten Modelle in der Geschichte der Dreadnought sind in der Tat die Hummingbird, die Gibson in Bozeman, Montana baut, und die D-28 (oder HD28) von Martin aus Nazareth, Pennsylvania. Beides sind bis ins Detail meisterlich hergestellte Instrumente und über Qualitätsunterschiede gibt es nichts zu diskutieren. Aber trotzdem unterscheiden sie sich in ihrem Äußeren, im Spielgefühl und im Klang.

Martin D28
Die Ästhetik dieses Gitarre könnte man mit den Attributen bescheiden und schlicht beschreiben. Abgesehen von der Tonholz-Kombination, von der bereits die Rede war, finden sich nur wenige kosmetische Zugeständnisse. Die Griffbretteinlagen sind Punkte, das Holz ist schön anzuschauen und ohne Makel, aber spezielle Verzierungen sucht man vergeblich. Was die Konstruktion anbelangt, ist sie definitiv schwerer (immerhin besteht sie aus Palisander) und der Hals ist schmaler und kommt Flatpickern und kleineren Händen entgegen. Der Klang ist sehr ausdrucksstark und üppig und funktioniert sehr gut auch ohne Gesangsstimme.

Gibson Hummingbird
Die Gibson ist leichter, weil sie mit Mahagoni-Boden und -Zargen ausgestattet ist. Die attraktiv gemaserte Fichtendecke ist mit einem Pickguard in Übergröße geschmückt, das die berühmten Hummingbird-Einlagen zeigt. Normalerweise präsentiert sich die Hummingbird im Gegensatz zum Naturholz der Martin in einem zarten Kirschrot. Der Hals ist breiter und damit besser für Fingerpicking-Spieler geeignet. Ihr Klang wurde um die menschliche Stimme herum entwickelt, warum auch Bass und Höhen stärker ausgeprägt sind. Die Hummingbird ist das perfekte Instrument für die Begleitung, auch die eigene, oder das Rhythmusspiel.

Harley Benton D-120CE BK
Der Name Harley Benton steht grundsätzlich für ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis, was auch für die D-120CE BK gilt, die als coole Alternative vor allem für Anfänger interessant ist. Bei ihr kommt statt Palisander für die Zargen ein preiswerteres, aber genauso leistungsfähiges Mahagoni zum Einsatz. Ein Cutaway sorgt für komfortablen Zugang zu den höheren Lagen – ideal für fortgeschrittene Gitarristen, die sich dem Solieren auf der Akustischen verschrieben haben. Der Steg besteht aus Palisander, wie das Griffbrett, das mit klassischen Punkteinlagen bestückt ist. Ein zeitloser Klassiker in einem modernen, hochglänzenden Schwarz.

Harley Benton HB Custom Line CLD-1048SCE NS
Ein äußerst günstiger Preis bei gleichzeitig hochwertiger und professioneller Ausstattung hat die CLD-1048SCE aus der Harley Benton Custom Line Serie zur bevorzugten Dreadnought vieler Gitarristen werden lassen. Mit einer massiven Fichtendecke, Mahagoni-Korpus mit Binding, einem Mahagonihals und Palisandergriffbrett besitzt sie nicht nur alle konstruktiven Merkmale einer Dreadnought, sie bietet auch den typischen vollen, obertonreichen und ausgewogenen Klang des Klassikers. Die attraktive Gitarre in Natur matt mit einem Cutaway überzeugt darüber hinaus durch eine sehr gute Bespielbarkeit und ist für den Bühneneinsatz mit einem Fishman-Isys-Preamp-System mit Stimmgerät ausgestattet.

Taylor 110e
Taylor hat seinen Platz im Herzen vieler Gitarristen gefunden. Als einer der erfolgreichsten Akustikgitarren-Hersteller bietet Taylor eine konstante, kompromisslose Qualität. Das gilt auch für die 100er-Serie und die hervorragende 110e. Boden und Zargen bestehen aus Sapele, einer leichteren Mahagoni-Variante, und das Griffbrett aus Ebenholz. Mit einer massiven Decke aus Sitkafichte und einem modernen Piezo-System klingt die Taylor so opulent wie sie aussieht. Der Klang dieses Instrumentes ist sehr ausgeglichen und eignet sich für jede musikalische Ausdrucksform.


Andere populäre Modelle

Aktuell bieten Marken wie Guild, Harley Benton, Takamine, Cort, Yamaha, Fender, Ibanez und andere diverse Modelle in Dreadnought -Form an.

 



Zum Schluss …

Schon immer waren es Akustikgitarren, die Songschreiber beim Komponieren ihrer Meisterwerke unterstützt haben. Es ist das gewisse Etwas, das zwischen Finger und Griffbrett erwächst, wenn du ein perfektes Stück Holz umfasst, und die Inspiration ist nur wenige Akkorde entfernt. Deshalb lass deine Kreativität fließen, spiele ein paar Akkorde und singe ein paar Melodien und schreib es dir vom Herzen.

Welche Akustikgitarre und welchen Stil spielst du? Wir freuen uns auf deinen Kommentar!

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

5 Kommentare

    Hallo !
    Habe die Tage bei ihnen einen Hummingbird Pro erworben. Schönes Teil !
    Nur die hintere Seitenlage ist was zu hoch und im oberen Bundebereich ist sie nicht rein. Dazu scheppert bei Soli noch die Bu. E Seite den kanzen Korpus durch.
    Was tun???
    Horst Pieper-Patalas

    Hallo Horst, am besten machst du von deiner 30-Tage-Rückgabe-Garantie Gebrauch und schickst das Instrument zurück. Du kannst dir auch ein neues Exemplar zuschicken lassen. Am besten wendest du dich an die Kollegen vom Kundenservice, sie helfen dir gerne weiter: Sende einfach eine E-Mail an sc.kundenservice@thomann.de oder rufe kurz durch unter 09546/9223-68.

    Hallo Franziska, ich habe letzte Woche eine Harley Benton Custom Line CLD-41SE gekauft. Wie immer war der Service von Thomann einzigartig. Die Gitarre war aus dem Karton super eingestellt. Ich hab Sie gleich zum ersten Live Gig mitgenommen.
    Das war sozusagen der Härtetest. Ich gebe diese Dreadnought nicht mehr her. Der Klang ist bombastisch und Sie lässt sich so leicht spielen. Vielen Lieben Dank

    Hallo Joachim, wir freuen uns über deine wertschätzenden Worte und dein Feedback, lieben Dank! Na dann noch wunderbare Gigs und beste Grooves mit deiner neuen Gitarre! Liebe Grüße vom Thomann-Team

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