Trip zu Gibson: Custom Guitars, Kuddel & Rock me Mama

Trip zu Gibson: Custom Guitars, Kuddel & Rock me Mama

Andi on stage

Andi on stage

Andi Arneth, Baujahr `87, ist einer unserer zwei Mitarbeiter im Guitar Custom Shop hier in Treppendorf. Neben dem Verkauf vor Ort gehören auch der Einkauf und die Bestellung von Sonderanfertigungen direkt bei den Herstellern zu seinen Aufgaben.

Daher besucht er beispielsweise mehrmals im Jahr die Firma Gibson in den USA. Und dieses Mal hatte er einen zusätzlichen Auftrag: zwei limitierte Modelle zum 60-jährigen Firmen- jubiläum von Thomann an Land zu ziehen.

Wie er die Tage mit Kuddel von den Toten Hosen bei amerikanischem Bier verbrachte und trotzdem einiges an Arbeit leistete, erzählt euch Andi hier:

Anreise und amerikanisches Bier

Auch 2014 stehen bei mir wieder einige Events und Trips zu Gitarrenherstellern im Kalender. Zum Auftakt ging es für mich mal wieder zu Gibson nach Tennessee. Anlässlich des 60jährigen Thomann-Jubiläums bieten wir unseren Kunden zwei Gibson-Sondermodelle an, die es zu bestücken galt.

Mit vollgepackten Koffern  begann  unsere Reise mit einem 12stündigen Flug in Richtung Südstaaten. Und von wegen „Bright Sunny South“: Als wir bei 6°C in Nashville ankamen, empfing uns ein vor Kälte klappernder Thom Fowle des Gibson Custom Shops. Thorsten, mein treuer Begleiter von Gibson Europe, und ich bezogen unsere Zimmer im Downtown Hotel in der Country Music Hall of Fame. Yeah – Gibson hatte mir mal wieder was Besonderes gegönnt. Das Hotel liegt direkt neben der riesigen Bridgestone Arena mitten im Knotenpunkt der Szene am Broadway.

Andi wurde mit offenen Armen und Getränken empfangenNach dem Dinner hat uns die tosende Country Metropole feierlich mit ihrem Evergreen „Rock Me Mama“ bei einem krachkaltem Rock Bottom White Ale begrüßt. Der  Versuch, uns Bayern mit einer Bierprobe ihrer besten Sorte der Hausbrauerei rumzukriegen, war wirklich knuffig.  Aber naja … anyway.

Im Anschluss folgte ein herrlicher Abend, auf dessen Details ich an dieser Stelle aber nicht weiter eingehen möchte… 😉

Hier kommt … Kuddel

Am nächsten Morgen wartete auf uns ein besonderer Gast, der aus seinem Zweitwohnsitz Miami zugereist war. Kuddel von den Toten Hosen ist ja bekanntlich begeisterter Gibson-Spieler und wurde eingeladen, uns auf diesem Trip zu begleiten um die ein oder andere Lefthand-Gitarre frisch zu pflücken.

Also hieß es: Frühstück, Taxi zum Elm Hill Pike und ab ins Werk. Über 1.500 Ahorn Planken warteten darauf, mehrfach von uns rumgewuchtet zu werden. Doch zuerst sortierten wir die Hälfte aus, um aus mehreren Hunderten die Schönsten zu besprühen. Und zwar mit „herrlich duftendem“ Benzin, denn nur so kommt die Maserung optimal zum Vorschein. Es wurde geprüft, geklopft, gewogen und die Guten gingen ab  auf den „Yeah-Baby-Stapel“, welcher dann für die Thomann Anniversary Selection in die Produktion wanderte.

Als ich die Handschuhe schon in die Ecke geworfen hatte und mein einziger Gedanke einer kühlen Dose Mountain Dew aus dem Getränkeautomaten galt, winkte Thorsten grinsend von einem Stapel Mahagonibodys rüber und ergötzte sich an meinen Gesichtszügen, die mir kurzfristig komplett entgleisten. Bodys wuchten, wiegen und stapeln – heieiei. Das hätte ich beinahe vergessen. Also ab in Runde zwei!

Der Tag war zwar sehr anstrengend und ich konnte dadurch nachts auch richtig gut schlafen. Allerdings sollte der spannende Teil der Reise noch auf mich warten. Jetzt hieß es erst mal lecker essen, neue Kräfte sammeln um mich gestärkt ins Nachtleben mit absolut umwerfender Live-Musik am Broadway stürzen zu können. Und da war er wieder. Der Südstaatenklassiker. „Rock me Mama“. Und zwar over and over again.

Bei dieser Gelegenheit ein Tipp unter Musiker-Kollegen: Ein Jüngling der Musikerszene in Nashville namens JD Simo krempelte mein Gitarristen-Dasein innerhalb kürzester Zeit komplett um. Absolut irre der Kerl – zieht euch das mal rein!

Ab nach Memphis – und zwar im Gibson-Bus

Am nächsten Morgen war ich immer noch vom Können der Musiker vor Ort völlig demoralisiert. Auf den Lippen hatte ich wieder einmal den  Refrain von „Rock Me Mama“, der uns  zu verfolgen schien. Beflügelt durch die Südstaaten-Euphorie  ging es nochmal in den Custom Shop. Heute war gehirn-zertrümmender Bürokratiepunkrock vom Feinsten angesagt!

Welche Decke kommt auf welches Les Paul Modell? Welche Farbe wird das Baby bekommen? Wie passt die Maserung zur Burstlackierung? Welches Halsprofil soll es sein?

Ca. 60 Sheets wurden mit Spezifikationen der Modelle ausgefüllt und eine der ausgesuchten Decken dem entsprechenden Body zugeordnet. Anschließend verhandelte ich mit dem Chef des Custom Shops, führte diverse Bestellungen aus und vereinbarte noch eine Sonderproduktion. Um welche Gitarre es hier geht, kann ich euch an dieser Stelle aber noch nicht verraten 😉 Sobald die letzten Feinheiten gefixt sind, erfahrt ihr im Thomann Online-Shop und sicherlich auch auf unserem Blog davon.

Bevor es weiter nach Memphis ging, machte ich die Gibson-Jungs noch kurz beim Hacky-Sack fertig und testete mit Kuddel ein paar neue Prototypen.

Wenn man schon einmal in der Stadt ist, muss ein kleiner Abstecher natürlich auch sein: Das Studio schlechthin. Hier begann alles. Sun Studio – ein Backsteinhäuschen voller Geschichte. Das Geburtshaus des Rock’n’Roll und das Karriere-Sprungbrett des „Million Dollar Quartets“ Elvis Presley, Carl Perkins, Johnny Cash und Jerry Lee Lewis. Wirklich erstaunlich.

Das Memphis Werk von Gibson ist im Gegensatz zum Nashville Custom Shop unübersehbar und liegt mitten in der Bealstreet, der Partyzentrale in Memphis. Das Gebäude sieht schon von außen sehr cool aus, macht richtig was her und wirkt mit seinem riesigen Ballsaal fast schon pompös. Ein gut sortierter Gibson Shop mit sämtlichen Instrumenten und Zubehör ist im Eingangsbereich für Jedermann zu besichtigen.

Gibson ESMeine Aufgabe hier war es, mit dem General Manager des Werks David Winters und dessen Berater Mike Voltz neue ES-Modelle zu kreieren. Die Köpfe rauchten und wir diskutierten eifrig.

Nach der anschließenden Werksführung ging es für mich natürlich auch noch auf Beutezug in Sachen Gitarren.

Wie auch in Nashville, habe ich dem Werksleiter einen ganz besonderen Deal anlässlich des Thomann-Geburtstags aus dem Kreuz leiern können. Einzelheiten hierzu gibt’s in Kürze – vorab kann ich euch aber immerhin schon mal folgenden Schnappschuss anbieten.

Während unseren Verhandlungen über Modelle, Farben, Formen und Preise durfte sich Kuddel – der eine ganze Reihe an Lefthand ES-Modellen zur Verfügung gestellt bekam – eine ES aussuchen, die er dann direkt mit zurück nach Miami nehmen durfte. Welch‘ ein Glückspilz.

Kuddel übte sich zwischenzeitlich im  Selbstversuch ein überlackiertes Binding per Handklinge wieder freizuschaben. Ähm, ja…seht selbst! 😉

Bevor wir uns auf die Partymeile Bealstreet wagten, gab es noch ein leckeres Dinner. Feierlich ließen wir den letzten Tag in den Südstaaten mit Wein und Gesang ausklingen, bevor es wieder zurück über den großen Teich ging.

Mein Trip war zwar kurz und vollgepackt mit Arbeit – aber wie immer herrlich! An dieser Stelle nochmals vielen Dank an unsere Freunde von Gibson, Kuddel (es war eine absolut coole Zeit) und Thorsten (der mich immer bei der Hand nahm und schön aufpasste, dass ich nicht verloren ging).

Bis zum nächsten Mal,

Euer Andi

Vor dem Gibson-Bus (von links nach rechts): Thorsten Büttner (Gibson EU), Kuddel (Die Toten Hosen) und Andi Arneth (Thomann Custom Guitar Shop)

Vor dem Gibson-Bus (von links nach rechts): Thorsten Büttner (Gibson EU), Kuddel (Die Toten Hosen) und Andi Arneth (Thomann Custom Guitar Shop)

 

 

 

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Dominic hat als E-Gitarrist einer Alternative-Rockband etliche Clubs im deutschsprachigen Raum unsicher gemacht (die wenigsten davon mussten anschließend zu machen). Mit seiner Unplugged-Band steht er auch heute noch regelmäßig auf der Bühne.

3 Kommentare

    Hi,

    richtig, richtig cooler Artikel – und super interessantes Thema obendrauf! Macht weiter so…als nächstes währe doch ein Bericht über Fender eine Idee, oder?

    Euer Blog ist übrigens hervorragend!!! Ich freue mich über jeden neuen Bericht 🙂 Macht weiter so!!!

    Ein musikalisches Hallo,
    wenn ich das lese, wie und mit welchen Enthusiasmus die 3 durch das Werk ziehen dürfen, erfasst mich der blanke Neid. Ich möchte auch einmal ins Gibson Werk. Bis Dato hat es nicht geklappt, leider. Ihr kennt das ja, irgend etwas kommt immer dazwischen was einen davon abhält….
    Schon der Gedanke daran, dass ich alles ausgiebig und was das Herz begehrt testen kann, lässt mich nicht los. Ich würde mich wie im Schlaraffenland fühlen.
    Einmal in der Halle stehen und den Geruch von nagelneuen LP´s in allen Varianten und Ausstattungen zu sehen und zu riechen- das wäre es. Eine schöner als die Andere, probieren bis der Arzt kommt. Bestimmt ist eine genau nach meinem Geschmack dabei, ich denke dabei an eine HCS im kräftigen Rot mit schöner Decke, eine LP-PF, eine ES-LP oder eine LP-WR mit drei PU´s.
    Vielleicht nimmt mich ja einmal der Gibson Manager an die Hand und macht mit mir eine Privatführung durchs Werk mit ausgiebig Zeit. Tja, die Träume sterben zuletzt und daran halte ich fest….

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