Synthesizer für Einsteiger

Synthesizer für Einsteiger

Der Synthesizer ist eines der jüngsten Musikinstrumente: Die ersten Modelle, die in nennenswerten Stückzahlen produziert wurden und dem heutigen Verständnis eines Synthesizers entsprachen, kamen in den 1960er Jahren auf den Markt. Trotz seiner relativ kurzen Geschichte war und ist der Einfluss des Synthesizers gewaltig. Ganze musikalische Genres hätten ohne ihn nicht entstehen können und die Art und Weise, wie Musik komponiert und produziert wird, hat sich durch ihn grundlegend verändert.



Analog vs. digital

Die ersten Synthesizer waren vollständig analog aufgebaut und arbeiteten mit spannungsgesteuerten Oszillatoren, Filtern und Verstärkern. Bei modularen Systemen wie dem modularen Moog Synthesizer, der unter anderem durch Keith Emerson von Emerson Lake & Palmer populär wurde, musste man die einzelnen Komponenten des Synthesizers mit Kabeln selbst verbinden, um den Sound zu “programmieren”, aber es gab in den 1960ern und 1970ern auch schon die ersten kompakten Geräte wie etwa den berühmten Minimoog. Frühe analoge Synthesizer hatten aus damaliger Sicht einige entscheidende Nachteile, wie etwa die mangelhafte Stimmstabilität und das Fehlen von Speicherplätzen für Sounds. Außerdem war es mit ihnen kaum möglich, Naturinstrumente halbwegs authentisch zu imitieren und mit Ausnahme einiger sehr teurer Modelle der späten 1970er und 1980er waren die meisten Synthesizer jener Zeit monophon, konnten also nur einen Ton zur Zeit spielen. Deshalb hatten sie kaum eine Chance, als Anfang der 1980er die ersten digitalen Geräte auf den Markt kamen, und viele der heute als legendär angesehenen Synthesizer-Pioniere mussten Insolvenz anmelden. Wie wir heute wissen, war das jedoch nicht das endgültige Ende der analogen Synthesizer: Seit einigen Jahren rollt eine beispiellose Retro-Welle, durch die es heute wieder eine Menge analoge Synthesizer zu kaufen gibt (sogar modulare Systeme sind wieder modern!), und auch einige der berühmten Hersteller aus den frühen Tagen sind wieder aktiv. Doch dazu später mehr.


Als Anfang der 1980er die ersten bezahlbaren digitalen Synthesizer auftauchten, war die Analogtechnik erstmal abgemeldet. Die neuen Geräte – allen voran der 1983 erschienene Yamaha DX7, bis heute einer der meistverkauften Synthesizer aller Zeiten – schienen alles zu bieten, wonach sich die Musiker jener Zeit sehnten: Speicherplätze, Polyphonie und “authentische” Sounds. Der DX7 arbeitete mit der sogenannten FM-Synthese, die auf der Modulation mehrerer Sinusschwingungen basiert, und prägte mit seinem charakteristischen Sound die 1980er Jahre wie kein anderes Instrument.

In der zweiten Hälfte der 1980er kam eine weitere Art von digitalen Synthesizern auf, die mit der Sampling-Technik arbeiteten. Ihre Sounds basierten auf realen Aufnahmen von Naturinstrumenten wie Klavier, Streichern oder Gitarre. Damit erreichte der “Realismus” bei der Abbildung von akustischen Instrumenten einen neuen Höhepunkt. Bis heute sind samplebasierte Synthesizer in vielen Variationen erhältlich. Wer ein Instrument sucht, das möglichst viele natürliche Instrumente möglichst authentisch abbildet, wird in dieser Kategorie fündig.

Eine dritte Art von digitalem Synthesizer begann gegen Ende der 1990er populär zu werden, als dafür genügend Rechenleistung zur Verfügung stand. Beim Physical Modeling wird versucht mechanisch schwingende Objekte wie Membranen oder Saiten und Anreger wie Klöppel, Windgeräusch oder Bogenstrich digital zu simulieren. Auf einem ähnlichen Prinzip basiert die virtuell-analoge Klangerzeugung. Hier wird versucht das verhalten analoger, elektrischer Schaltungen oder Baugruppen nachzuahmen. Der Klang wird also nicht erzeugt, indem ein zuvor aufgenommener Sound abgespielt wird, sondern in Echtzeit errechnet.


Workstations und digitale “Brot-und-Butter-Synths”

Erinnern wir uns an die erste der beiden eingangs angesprochenen Gruppen von Synthesizern. Wer ein Instrument sucht, das möglichst viele andere Instrumente möglichst authentisch imitieren kann, sollte sich in dieser Kategorie umsehen. Diese Synthesizer erzeugen ihre Sounds zumeist aus einem festen (in der Oberklasse manchmal erweiterbaren) Vorrat von Samples und eignen sich daher gut, um andere Instrumente nachzubilden. Die meisten Geräte in dieser Kategorie sind multitimbral, was bedeutet, dass sie mehrere Sounds gleichzeitig erzeugen können. So kann man die Tastatur auf mehrere Sounds aufteilen (Split) und/oder mehrere Sounds über einander legen. Stichwort Tastatur: Viele Synthesizer dieser Gruppe gibt es in verschiedenen Tastaturvarianten, meistens sind das 61, 73/76 und 88 Tasten. Auch Effekte sind in der Regel in großer Zahl vorhanden.

Eine sogenannte Workstation hat neben einem umfangreichen Synthesizer und Effekten auch noch einen mehr oder weniger kompletten Sequencer an Bord, mit dem man mehrspurige MIDI-Aufnahmen erstellen kann. Im Zeitalter der Computer-gestützten DAW-Softwareprogramme verlieren diese Onboard-Sequencer aber zunehmend an Bedeutung.

Einige Workstations der Oberklasse, wie zum Beispiel der Korg KRONOS und der Yamaha MONTAGE, verfügen neben Samples noch über weitere Verfahren zur Klangerzeugung, beispielsweise eine virtuell-analoge Tonerzeugung, Zugriegelorgel-Emulation oder FM.


Virtuell-analoge Synthesizer

Im Laufe der 1990er Jahre kam im Zuge der Techno-, House- und Hip-Hop-Wellen zunehmend wieder der Wunsch nach starken synthetischen Sounds auf, die die samplebasierten Workstations jener Zeit nicht zufriedenstellend liefern konnten. Der analoge Sound war wieder schwer angesagt. Das Problem: An den alten Synthesizern aus den 1970ern nagte der Zahn der Zeit, sie entwickelten sich langsam zu Sammlerstücken und natürlich litten sie nach wie vor unter den technischen Einschränkungen ihrer Zeit (kein MIDI, keine Speicherplätze, und und und …). Als die DSPs weit genug fortgeschritten waren, machten sich einige Hersteller also daran, die Schaltkreise analoger Synthesizer auf der digitalen Ebene zu emulieren. Der virtuell-analoge Synthesizer war geboren. Anders als bei den Workstations kommen bei dieser Art von Digitalsynthesizer keine Samples zum Einsatz, sondern das Verhalten analoger Schaltungen wird mit Algorithmen möglichst originalgetreu nachempfunden und in Echtzeit berechnet.

Das Interesse an virtuell-analogen Synthesizern hat zuletzt etwas nachgelassen, weil es zunehmend wieder “echte” Analogsynthesizer zu kaufen gibt. Trotzdem sind noch zahlreiche interessante Modelle erhältlich, die oftmals erstaunlich “analog” klingen und dabei alle Errungenschaften der digitalen Technik mitbringen – allen voran eine große Polyphonie, klangliche Flexibilität, viele Speicherplätze und Schnittstellen wie MIDI und USB. Der Korg microKORG, der mit Abstand meistverkaufte Synthesizer der letzten Jahrzehnte, gehört zu dieser Kategorie und hat mit dem microKORG S gerade ein Update bekommen.


Das Analog-Revival

Während noch in den 2000er Jahren die virtuell-analoge Klangerzeugung als der Weg der Zukunft erschien, hat in den letzten Jahren ein starker Trend zurück zu echt analogen Synthesizern eingesetzt. Befeuert wurde diese Entwicklung durch Hersteller wie Korg und Arturia, die bewiesen, dass analog nicht automatisch teuer und exklusiv sein muss. Durch technische Fortschritte und die Kombination von analoger und digitaler Technik sind die heutigen, neuen Analogsynthesizer zudem frei von den meisten Schwachpunkten ihrer Vorbilder aus den 1960er und 1970er Jahren. So bieten sie oft (nicht immer!) Speicherplätze und ihre Oszillatoren sind zumeist recht stimmstabil. Unter einem “Analogsynthesizer” versteht man heute ein Instrument, dessen klangerzeugende Bausteine mit analoger Technik aufgebaut sind. Das heißt aber nicht, dass das Gerät komplett analog ist: Oftmals kommen für die Steuerung digitale Komponenten zum Einsatz, was unter anderem Speicherplätze und MIDI ermöglicht.

Analogsynthesizer unterscheiden sich in einem ganz wesentlichen Punkt von den eben beschriebenen Workstations: Hier geht es nicht darum, natürliche Instrumente nachzubilden, sondern um die Erzeugung von möglichst charakterstarken und manchmal neuartigen, synthetischen Klängen. Viele meinen, dass analoge Synthesizer druckvoller und organischer klingen als ihre digitalen Artgenossen – eine Frage, die letztlich jeder für sich selbst beantworten muss. Fest steht: Analoge Synthesizer sind heute so populär wie nie zuvor und während sie lange Zeit sehr teuer waren, gibt es sie inzwischen auch für den kleineren Geldbeutel. Der neuerliche Erfolg hat einige ehrwürdige Firmen aus der Analogära der 1960er und 1970er zurückgebracht: Moog Music sind heute erfolgreicher denn je und haben vor Kurzem sogar den legendären Minimoog Model D neu aufgelegt, Korg hat mit dem MS-20 und dem ARP Odyssey ebenfalls zwei analoge Legenden zurückgebracht und auch der Name Sequential ist wieder da.

Die Qualität und die Fähigkeiten eines analogen Synthesizers lassen sich nur schwer an festen Kriterien messen. Für den Sound ist es vor allem entscheidend, wie die einzelnen Schaltungen aufgebaut und miteinander verknüpft sind – und nicht zuletzt, wie man den Synthesizer bedient. So muss ein Synthesizer mit drei Oszillatoren nicht zwangsläufig “besser” sein als einer mit nur zweien. Jeder analoge Synthesizer hat einen eigenen Charakter und individuelle Stärken und Schwächen.

Bei der Anschaffung eines Analogsynthesizers muss man sich zwischen monophonen und polyphonen Geräten entscheiden. Noch heute gibt es viele monophone Analogsynthesizer, die nur eine Note zur Zeit erzeugen können. Das liegt zum einen daran, dass die Umsetzung von Polyphonie mit analoger Technik sehr viel teurer ist als in der digitalen Welt, zum anderen aber auch daran, dass sich monophone Synthesizer für das Spielen von Dingen wie Bässe und Lead-Sounds ganz besonders gut eignen. Polyphone Synthesizer sind dagegen ideal für Aufgaben wie Flächensounds (Pads), Strings und Chords.


Monophone Analogsynthesizer

Der Einstieg in die Analogwelt kann heute erfreulich preisgünstig sein. Den Taschen-Synthesizer Korg monotron, der maßgeblichen Einfluss auf die Welle günstiger Analogsynths hatte, gibt es schon für unter 50 Euro. Auch “richtige” analoge Synthesizer bekommt man schon für wenig mehr, und es ist mitunter erstaunlich, wie “groß” der Sound aus diesen “kleinen” Synthesizern klingen kann.


Polyphone Analogsynthesizer

Trotz des Preisrutsches ist ein Prinzip aus der goldenen Analogära der 1970er Jahre auch heute noch zu beobachten: Polyphone Analogsynthesizer, die mehrere Noten auf einmal erzeugen können, sind deutlich teurer als monophone. Das liegt daran, dass die entsprechenden Schaltkreise bei polyphonen Analogsynths tatsächlich mehrfach vorhanden sein müssen, während die Polyphonie bei einem Digitalsynth lediglich eine Frage der Rechenleistung ist. Aber auch hier ist zu beobachten, dass die Preise sinken, und Hersteller wie Korg und auch Behringer bieten inzwischen polyphone Analogsynths zu Preisen an, von denen man noch vor Kurzem nur träumen konnte.

 

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

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