Symmetrisches oder unsymmetrisches Signal: Eine DI ist eine DI ist eine Di-Box?

Symmetrisches oder unsymmetrisches Signal: Eine DI ist eine DI ist eine Di-Box?

„Weil man’s so macht …“, ist die Antwort vieler Musiker auf die Frage, weshalb sie eine DI-Box verwenden. Tatsächlich ist es so, dass ihr die kleinen Kisten nahezu überall finden könnt, wo Musik gemacht wird: auf Bühnen, in großen Studios und natürlich auch im Bereich des Homerecordings. Gebraucht werden sie aus verschiedensten Gründen und in unterschiedlichen Situationen.

Radial Engineering Pro RMPDer Hauptgrund für den Einsatz von DI-Boxen ist ihre Fähigkeit, ein unsymmetrisches Eingangssignal von einem Musikinstrument in ein symmetrisches Ausgangssignal verwandeln zu können. Was hinter dieser Aussage steckt bzw. die Erklärungen zu symmetrischen und unsymmetrischen Übertragungen, könnt ihr hier nachlesen.

Wie so oft sind technische Grundlagen doch recht trocken. Daher möchte ich euch mit diesem Blog einige praktische Beispiele nennen und euch somit einen Überblick über das riesige Angebot an DI-Boxen geben.

On Stage

Behringer Ultra-DI DI400PDirect-Injection-(„DI“-)Boxen braucht ihr, um mit eigentlich unsymmetrischen Signalen, wie sie Bass, Gitarre oder Keybord liefern, größere Strecken zurücklegen zu können. Das ist etwa dann der Fall, wenn ihr euch mit eurem Instrument auf der Bühne in die Stagebox einstöpseln wollt und das Signal durch das Multicore die oft 20 oder mehr Meter bis zum Mischpult ohne stärkere Blessuren überleben soll.

Außerdem werden auf einer Bühne welche Arten von Signalen in die Mic-Ins gesteckt? Ups … schon verraten: ganz genau, Mikrofonsignale! Und weil diese natürlich zu einem Mic-Preamp geleitet werden, bringen DI-Boxen das Eingangssignal auf die passende Impedanz für den nachfolgenden Anschluss an einem Mikrofoneingang. Somit ist eine DI-Box auch ein Impedanzwandler. Und noch eine weitere Aufgabe gibt es, denn viele Boxen trennen das Signal galvanisch, wodurch ihr euch Brummprobleme vom Hals halten könnt.

Aktiv oder passiv?

BSS AR-133Aktive DI-Boxen brauchen eine Spannungsversorgung, weil sie eine eingebaute Verstärkung bieten. Mit dem Saft aus einem 9V-Block oder der Phantomspeisung des Mikrofonvorverstärkers ist es möglich, den Signalpegel nicht einbrechen zu lassen, wie es meist bei passiven Systemen der Fall ist. Klar: Aktive DIs sind durchschnittlich teurer. Habt ihr aber Instrumente, die wenig Pegel ausgeben und einen sehr hochohmigen Eingang erwarten, also passive Bass- und Gitarren-Elektroniken, dann solltet ihr eher die aktive Variante in Erwägung ziehen – und spaßeshalber mal vergleichen, wie dünn, zerbrechlich und kaputt es dagegen klingt, wenn man diese Instrumente direkt in einen Line-Eingang stöpselt. Spielt ihr Akustikgitarren mit Piezo- oder Kontaktabnehmern, benötigt ihr zwingend eine aktive Schaltung, da ihr sonst das Signal kaum aus dem Störgeräusch gefischt bekommt.

Millenium DI-33Ein absoluter aktiver Klassiker für den Bühnenbetrieb ist die BSS, die man gerne auch wirklich so nennt: „die BSS“. Die BSS AR-133 bietet nicht zuletzt ein stabiles, praktisches Gehäuse, auf dem man sogar mal aus Versehen beim Abbau die dicke Bassbox parken kann. Etwas günstiger geht es mit Millenium DI-33, LD Systems LDI02 oder Behringer DI100 Ultra-DI.

Radial Engineering Pro DIPassive DI-Boxen könnt ihr preiswerter haben. Sie sind einfacher konzipiert und reichen vor allem für aktive Elektroniken und die Ausgänge von Keyboards, Drumcomputern, Workstations, Synths und auch DJ-Mischpulten mit unsymmetrischen Ausgängen aus. Hier ist vor allem die Radial Pro DI zu nennen. Weniger Geld müsst ihr für DI-P von Millenium, Palmer Pan 01 oder  Behringer Ultra-DI DI400P ausgeben.

Audiowerkzeug DuDiFür viele Anwendungen praktisch: Stereo-Symmetrierer wie die ProD2 des kanadischen Herstellers Radial Engineering oder das Audiowerkzeug DuDi. Auch das gibt’s preiswerter (z. B. Palmer Pan 04). Entgegen der Einbahnstraße?

Symmetrierer, die passiv werkeln, lassen sich aber auch in umgekehrter Richtung betreiben. Was das soll? Nun, damit bekommt man ein trocken aufgenommenes Signal aus der DAW mit richtigem Pegel und korrekter Impedanz wieder in die Bodentreter und Gitarren- oder Bassverstärker, um Re-Amping zu betreiben!

Palmer PAN 01Zwar gibt es spezialisierte Re-Amper wie die Palmer DACCAPO oder die Radial Pro RMP, aber auch mit einer Behringer Ultra-DI DI600P oder der beliebten Palmer PAN 01 kann man ordentliche Ergebnisse erzielen.

Eine DI ist eine DI ist eine DI?

Nicht nur die Frage nach der vorhandenen Verstärkung unterscheidet die Symmetrierer, auch die angebotenen Features sind verschieden:

Meist findet ihr ein Pad, also eine Vordämpfung, falls euer Eingangssignal zu „heiß“ sein sollte. Die Möglichkeit zur Massetrennung für die oben genannte Behebung von Brummproblemen nennt sich in der Regel „Ground Lift“.

Für die meisten Verkabelungen ist es notwendig, das eingehende Signal nicht nur in ein Symmetrisches wandeln zu können, sondern auch weiter zum „normalen Bestimmungsort“ zu kabeln, also etwa einem Bassverstärker. Das ist die Aufgabe der „Thru-“ oder „Link-“Buchse. Andere nette Funktionserweiterungen sind, die Box auch zwischen Amp und Lautsprecher verwenden oder Eingangsimpedanzen umschalten zu können.

Preisregionen: von unterirdisch günstig bis hochalpin

Und unterscheiden sich DI-Boxen nun nur durch ihre Features? Mitnichten! Selbst bei gleicher Ausstattung gibt es doch gewaltige Unterschiede, vor allem beim Sound. Die in passiven immer und in aktiven oft verbauten Übertrager beeinflussen den Klang.

Unter schlechter Qualität der verbauten Teile leiden schnell die Bässe, Höhen und Detailzeichnung eures Sounds. Teure Übertrager hingegen haben entweder minimale Auswirkungen oder einen ganz besonderen, charaktervollen Sound. Für den Livebetrieb ist es jedoch meist kein Beinbruch, wenn ihr preiswerte Symmetrierer verwendet, doch macht sich auf der Suche nach hochwertigem Sound der Betrag für eine „ordentliche“ DI schnell bezahlt.

Rupert Neve Designs RNDIHochpreisige DIs braucht ihr vor allem im Studiobetrieb, da sich dort die Unterschiede besonders deutlich zeigen. Hier gibt es leicht edel färbende Lösungen wie die RNDI von Rupert Neve Designs oder das sehr beliebte Schlachtschiff unter den DI-Boxen: Die U5 von Avalon brilliert mit einem irrsinnig guten Frequenzgang, hoher Detailzeichnung, zahlreichen besonderen Features und bietet verschiedene „Tone“-Stellungen an.

Mal ganz direkt gefragt: Muss ich denn unbedingt eine DI im Studio verwenden?

Nein! Um einem Instrumentensignal pegelmäßig unter die Arme zu greifen, muss es verstärkt werden. Und sehr viele Mikrofonvorverstärker besitzen einen „Instrument“-Eingang, der manchmal auch „Hi-Z“ oder „DI“ (aha!) genannt wird. Wenn ihr also sowieso einen hochwertigen Preamp besitzt, probiert diesen doch zunächst aus – oder erwägt die Anschaffung: Ihr schlagt dann zwei Fliegen mit einer Klappe und macht einen qualitativen Sprung gegenüber den meisten Mic-/Instrument-Preamps in Audiointerfaces.

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Dominic hat als E-Gitarrist einer Alternative-Rockband etliche Clubs im deutschsprachigen Raum unsicher gemacht (die wenigsten davon mussten anschließend zu machen). Mit seiner Unplugged-Band steht er auch heute noch regelmäßig auf der Bühne.

4 Kommentare

    Cooler Artikel mit tollen Kaufempfehlungen im unübersichtlichen Dschungel der DI-Boxen-Welt 🙂 Vielen Dank – mehr davon.

    Vielen Dank für das Lob, da wird noch mehr in die Richtung kommen, versprochen. 😉

    Recht nützlicher Artikel, der auch für einen „Ich nehme mal die Gitarre und spiele, den Rest müsste ihr machen, da ich davon nichts verstehe“-Typen verständlich sein sollte.
    Hätte dazu trotzdem eine Frage. Müsste auch bei einem Multieffekt mit REC Out (in meinem Fall ein Boss ME-70) eine DI-Box eingesetzt werden?

    Hi Olaf,

    der Rec Out ist der richtige Ausgang, wenn du ins Interface oder in Pult bei Live-Situationen möchtest. Live kann es aber sein, dass du eine DI-Box brauchst, um evtl. auftretende Störgeräusche zu vermeiden. Eingebaut ist keine.

    Beste Grüße!

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