Sieben Tipps zur Home-Studio-Verkabelung

Sieben Tipps zur Home-Studio-Verkabelung

Die Verkabelung im Home-Studio ist eins dieser Dinge, über die man sich erst Gedanken macht, wenn Gefahr für Leib und Seele besteht: Wenn man über Kabelschlaufen stolpert, oder anstatt Musik nur Brummen aus den Boxen kommt.

Hier sind ein paar Tipps für alle, die eine Neuverkabelung planen oder die bestehende Verkabelung ihres Home-Studios optimieren möchten.



Tipp 1: Wenn möglich: symmetrisch!

Ganz grundsätzlich nutzt man in der Audiotechnik zwei Arten der Signalübertragung: Die symmetrische und die unsymmetrische Übertragung. Unsymmetrische Kabel haben eine Signalader und eine Abschirmung. Man erkennt sie an den Steckern mit zwei Kontakten, zum Beispiel beim Instrumentenkabel oder einem Cinch-Kabel.

 

Das klassische symmetrische Kabel ist das Mikrofonkabel, es besitzt zwei Signalleiter und die Abschirmung. Dementsprechend haben die Stecker eines symmetrischen Kabels  – meist XLR-Stecker – drei Kontakte. Die symmetrische Übertragung ist eine „erdfreie“ Übertragung, es sind nur die beiden Signalleiter der Kabel an der Übertragung beteiligt. Bei der unsymmetrischen Übertragung wird der Kabelschirm als Leiter für das Audio-Signal genutzt, schließlich brauchen wir einen geschlossenen Stromkreis.

Neutrik NC3 MXX-B XLR-male Stecker

Neutrik XLR-Stecker

Eine symmetrische Übertragung mit Stereo-Klinken ist auch möglich. Im Home-Studio werden diese oft verwendet, weil die (symmetrischen) Ausgänge eines Audio-Interfaces oft aus Platzgründen als Klinkenbuchsen ausgeführt sind. Wichtig für ein symmetrisches Kabel sind also nur die Anzahl der Kontakte, nicht die Art des Steckers.

Ob eure Aus- und Eingänge symmetrische Signale liefern, das kennzeichnet ein entsprechender Aufdruck am Gerät. Oft liest man hier die englischen Ausdrücke „balanced“ und „unbalanced“ (für symmetrisch und unsymmetrisch). Steht nichts da, muss man in den technischen Spezifikationen nachsehen.

Nur die symmetrische Leitungsführung bietet wirksamen Schutz gegen elektromagnetischen Einstreuungen: Die Signale auf den beiden Adern werden phasengedreht übertragen und durch die Differenzbildung am Ende der symmetrischen Übertragung löschen sich Störsignale aus. Das klappt ziemlich gut, deshalb solltet ihr im Home-Studio alle Aus- und Eingänge, die symmetrische Signale liefern oder empfangen können, auch entsprechend verkabeln!

Ihr könnt symmetrische mit unsymmetrischen Ein- und Ausgänge verbinden, aber ihr verliert im Zweifelsfall Pegel (-6 dB). Und ihr verliert den besonderen Schutz gegen Einstreuungen! Unsymmetrische Verbindungen sind viel anfälliger gegen Störgeräusche. Jeder Gitarrist kennt das Problem der Single-Coil-Pickups einer Fender Stratocaster. Unsymmetrische Verbindungen sollten im Home-Studio immer so kurz wie irgendwie möglich gehalten werden.

Hier mal zwei typische Beispiele für unsymmetrische Kabel, einmal ein 3-m-Klinkenkabel (the sssnake IPP1030 Klinkenkabelund dazu ein Adapterkabel von Cinch auf Klinke (Cordial CFU 3 PC):

 

Symmetrische Kabel dagegen sind zum Beispiel ein 10-m-Mikrofonkabel wie das pro snake TPM 10 oder das Stereoklinkenkabel CFM 1,5 W von Cordial.

 

 

Tipp 2: Quad-Kabel bei kritischen Anwendungen

Die auslöschende Wirkung einer symmetrischen Verbindung kann man noch verbessern, indem man ein Mikrofonkabel mit vier Innenleitern verwendet, ein sogenanntes Quad-Kabel. Das Sommer „Square“ ist zum Beispiel solch ein vieradriges Kabel. Es besteht aus zwei verdrillten Adern-Paare. Verlötet man diese Adern so, dass ein Steckerkontakt mit je einer Ader aus einem der Paare verbunden wird (man sagt „über Kreuz verlötet“), erhöht sich die Auslöschung von Einstreuungen durch die Phasendrehung der symmetrischen Leitungsführung um bis zu 20 dB. Allerdings sind Quad-Kabel wegen des doppelten Materialaufwands teurer als normale Mikrofonkabel. Aber wenn ihr generell Probleme mit Einstreuungen habt, können solche Kabel die Lösung sein.

 

Tipp 3: Koaxial-Kabel für die S/PDIF-Verkabelung

Die gängige Schnittstelle für digitale Signale im Home-Studio ist die S/PDIF-Schnittstelle. Für die Übertragung haben die Entwickler seinerzeit den Cinch-Stecker gewählt, weil er billig und überall verfügbar war. Das führte dazu, dass noch heute viele digitale S/PDIF-Signale über billige HiFi-Cinch-Kabel übertragen werden. Und zwar erfolgreich, weil die Wege meist sehr kurz sind.

Für die hohen Übertragungsfrequenzen der Digitalsignale gibt es aber spezielle Kabel: die Koaxial-Kabel. Benötigt ihr S/PDIF-Kabel, die länger als etwa drei Meter sind, solltet ihr vom Audio-Cinch-Kabel Abstand nehmen und zum speziellen Koaxial-Kabel greifen. Bei der optischen Übertragung des S/PDIF-Signals über das Toslink-Kabel wurde eine Sicherheitsgrenze von fünf Metern festgelegt. In der Praxis geht da meist mehr, wenn das Kabel nicht stark geknickt wird. Ich persönlich verwende aber kaum optische Kabel, aus dem einfachen Grund: Man kann sie nur sehr schwer selber konfektionieren, und seine Kabel fürs Home-Studio selber löten ist etwas, zudem ich gleich raten werde!

 

1. Cordial CPDS1 CC S/PDIF Interfacekabel

2: the sssnake Optisches Kabel 2m

 


Tipp 4: Signalkabel und Stromkabel nicht parallel verlegen

Elektromagnetische Einstreuungen entstehen durch Magnetfelder. Und die wiederum entstehen überall da, wo Strom fließt. Es ist keine Überraschung: Im Stromkabel fließt ziemlich viel Strom! Liegt ein spannungsführendes Kabel neben einem Audio-Kabel, induziert das Magnetfeld eine Störspannungen im Audio-Kabel. Das Resultat: Störgeräusche.

Nur symmetrische Kabel wirken gegen diesen Einstreuungen, aber irgendwann ist da auch Schluss. Aus diesem Grund solltet ihr Signalleitungen und Stromleitungen so gut es geht räumlich getrennt voneinander verlegen. Im Rack bietet es sich an, die Seite mit den Netzteilbuchsen der Geräte als Stromseite zu reservieren und alle Signalleitungen auf der anderen Rackseite herauszuführen – selbst wenn das manche Kabelstrecke verlängert! Vermeidet auf jeden Fall längere Strecken von parallelliegenden Strom- und Signalkabeln!

 

Tipp 5: Kabelordnung ist Sound-Sache

Eine ordentliche Verkabelung im Home-Studio ist tatsächlich keine rein optische Angelegenheit, sie ist durchaus für sauberen Sound mitverantwortlich. Damit ihr bei den vielen Kabeln, die sich im Laufe der Zeit hinter einem Rack oder unter dem Schreibtisch ansammeln, nicht den Überblick verliert, solltet ihr die Kabel markieren. Im einfachsten Fall mit farbigen Klebebändern, im besten Fall mit Papieretiketten, die ihr mit transparentem Schrumpfschlauch fixiert. Für viele Stecker gibt es auch farbige Codierringe, zum Beispiel für die Neutrik-Stecker. Solche Markierungen könnt ihr aber meist nur anbringen, wenn ihr die Kabel selbst lötet, nachträglich geht das nicht mehr.

Neutrik XXR Green

 


Tipp 6: Selber machen!

Do it yourself ist beim Studioverkabeln eigentlich unumgänglich. Es gibt viele Gründe, warum ich dringend dazu rate sich seine Studio-Verkabelung selber zu löten. Der Größte ist ganz banal: Es ist wesentlich billiger. Außerdem passt die Länge gekaufter Kabel eigentlich nie so richtig. Entweder spannt es oder man hat zu lange Kabel rumliegen, die man am Ende in Rollen irgendwo unterm Rack versteckt. Lose Kabel aufzurollen ist keine gute Idee, denn es verstärkt den Antennen-Effekt. Dann noch unsymmetrische Kabel und die Chance steigen, dass ihr Radio Usbekistan ins Haus bekommt. Meterware bekommt ihr unter diesem Link.

 

 

 

Tipp 7: Keep it simple!

Trotz allem: Macht euch nicht zu viele Gedanken. Der Autor outet sich: Auch bei mir fliegen Kabel manchmal wild durcheinander, weil ständig Equipment dazukommt oder wieder entlassen wird. Aber die Grundverkabelung zum Beispiel der Abhöranlage, die steht und die ist nach all den Kriterien ausgeführt, die ich eben beschrieben hab. Und weil eine Verkabelung ein sich ständig veränderndes Wesen ist, sind Plastik-Kabelbinder aus dem Baumarkt keine gute Idee. Strickt Kabelbäume lieber aus den Klett-Kabelbindern, die kriegt man auch werkzeuglos wieder auf.

 

 

Zugegeben, mit diesen kurzen Zeilen kratze ich nur an der Oberfläche. Über Kabel und die Verkabelung von Tonstudios könnte man ein Buch schreiben …

Falls es euch interessiert, verfolgen wir das Thema weiter!

Weiterführende Links


Hier geht es zu den Kabeln auf thomann.de

Zum Blogartikel „4 Audio-Interfaces“

Zum Blogartikel „10 Helferlein für dein Studio“

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

4 Kommentare

    Tolle Sache, da ist viel Potenzial drin. Und wenn mann dann “Künstler“ sieht wo es knackt und knirscht, weil Gerätschaft marode ist wil Wartung ja nebensache is……. Aber mal ne Frage von mir: wie kann ich einen Behringer Sound Manager der Passwort (habs vergessen)
    geschützt ist, Resetten
    Gruß

    Tolle Sache, da ist viel Potenzial drin. Und wenn mann dann “Künstler“ sieht wo es knackt und knirscht, weil Gerätschaft marode ist weil Wartung ja nebensache is……. Aber mal ne Frage von mir: wie kann ich einen Behringer Sound Manager der Passwort (habs vergessen)
    geschützt ist, Resetten
    Gruß

    Die tips sind gut gewählt.
    Der letzte ist mit Vorsicht zu genießen, denn zu mehr als einer festen Studioverkabelung taugen die thomann kletts leider nicht. Reißen ständig und lassen sich nicht einfach beschriften. Bitte tut doch da mal was ?

    Hallo Manu, danke für dein Feedback, das geben wir weiter. 🙂

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