Die meisten Menschen halten sie für Schwestern, die beiden „Flöten“. Die Blockflöte, der globale Allrounder für den Einstieg in den Instrumentalunterricht und die Querflöte, auf die häufig „umgestiegen“ wird, wenn das Wachstum es zulässt.

In der allgemeinen Wahrnehmung verschmelzen sie zu einer Instrumentengattung, und wer das eine Instrument beherrscht, der kann ohne Probleme auch das andere bedienen. Doch stimmt das?

Gibt es tatsächlich mehr Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Instrumenten als die Namensgebung? Und unterschätzen wir alle die Blockflöte womöglich, wenn wir ihr eine rein pädagogische Funktion zuordnen? 🤔
Vom hohlen Knochen zur Blockflöte
Sicher ist, dass beide Instrumente enorm alt sind und eine lange Tradition haben. Schon zu prähistorischen Zeiten wurden Flöteninstrumente aus hohlen Knochen gebaut, mal nur spielbar mit einer Hand, mal mit beiden. Neben der besonders häufig auftauchenden Panflöte, die aus einzelnen unterschiedlich langen Bambus- oder Knochenröhrchen gebaut ist, waren extrem unterschiedliche blockflötenähnliche Instrumente in Gebrauch.

Spätestens seit dem 14. Jahrhundert ist die Blockflöte auch unter diesem Namen bekannt (engl. „recorder“ von altenglisch „to record“ – „zwitschern“). In den folgenden drei Jahrhunderten war sie das mit Abstand beliebteste Blasinstrument, auch wegen seiner klanglichen Nähe zur menschlichen Stimme.

Während des 18. Jahrhunderts wurde sie jedoch vergessen bzw. durch andere Instrumente verdrängt und erst inmitten des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt und erfreut sich seitdem einer konstanten Beliebtheit, besonders als beliebtes Instrument für den Erstkontakt von Kindern mit dem Instrumentalspiel.

Die Querflöte kommt zurück
Während der Barockzeit kam die bis dorthin etwas in Vergessenheit geratene Querflöte wieder auf. Zum ersten Mal wurde explizit unterschieden zwischen der „flauto dolce“ (Blockflöte) und „flauto traverso“ (Querflöte, damals „Traversflöte“) und explizit für eine der beiden Flöten geschrieben.

Die Traversflöte erwies sich aufgrund ihres präsenteren Klangs als das bessere Orchesterinstrument und entwickelte sich mit der wachsenden Größe der Orchester in Klassik und Romantik hin zur heutigen Böhmflöte, die durch ihre neuen Eigenschaften die Blockflöte vollständig verdrängte: Sie war erstmals aus Metall, womit eine deutliche Steigerung der Lautstärke und Reichweite erreicht werden konnte.

Außerdem wurde eine bis dahin unerreichbare technische Virtuosität durch ein völlig neues Klappensystem ermöglicht, durch die die Literatur der Romantik erst spielbar wurde. Seitdem erfreut sich die Querflöte einer konstant hohen Beliebtheit und ist eines der meistgespielten Instrumente der Gegenwart in Europa.
- Sankyo CF 301 Flute RBE
Blockflöte vs Querflöte: Unterschiede?
Der offensichtlichste Unterschied besteht in der Haltung beider Instrumente: Die Blockflöte wird senkrecht und gerade mit beiden Händen vor den Oberkörper gehalten, während die Querflöte in einer asymmetrischen Haltung vom Mund hin zur rechten Schulter gehalten wird.

Da dies bei mangelhafter Ausführung zu Haltungsschäden an Nacken, Schultern und unterem Rücken führen kann, sind gerade bei Kindern ein guter Unterricht und eine Begleitung zu Hause nötig.
Unterschiedlich ist außerdem das Griffsystem, schon sichtbar durch das bei der Querflöte vorhandene Klappensystem, gegenüber dem die Blockflöte in der Regel gar keine Klappen hat, sondern direkt in das Rohr gebohrte Grifflöcher.
Dies führt dazu, dass bei der Blockflöte teilweise etwas unangenehmere Griffkombinationen nötig sind, um alle Töne der chromatischen Tonleiter spielen zu können. Bei der Querflöte kommt die Mechanik dem Spieler etwas entgegen.
- Blockflöte – Griffsystem
- Querflöte – Griffsystem
Die klangliche Funktionsweise beider Instrumente beruht auf demselben Prinzip: Ein Luftstrom trifft auf eine Anblaskante und wird gespalten. Dies verursacht eine Schwingung der im Instrument befindlichen Luft, durch deren Länge und Geschwindigkeit unterschiedliche Töne erzeugt werden.
Bei der Blockflöte ist der Weg der Luft durch einen Spalt im Mundstück, dem Labium, vorgegeben. Querflötisten müssen diesen Weg mit den Lippen selbst formen. Dadurch wird eine größere Spannung der Lippen sowie des gesamten Atemapparats notwendig.
Insofern muss man festhalten, dass der größte Unterschied in der Handhabung des Instruments die Luftführung ist. Beim Wechsel muss darauf besonders geachtet werden, damit man das klanglich schönste Ergebnis erhält.

Ein Ursprung, zwei Flöten
Es lässt sich also festhalten: Die beiden Instrumente entstammen demselben Ursprung, haben sich allerdings durch die Einflüsse der Jahrhunderte in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Beide haben jedoch ihre vollständige Berechtigung als Instrument, welches man lernen muss zu spielen – und es lohnt sich sehr, zu entdecken, was sie beide können!
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