Durch das Erlernen der geeigneten Atemtechnik schaffst du dir die Basis für Kraft, Ausdauer und Klang in sämtlichen Lautstärkebereichen. 🎺
Jedes Blasinstrument stellt dich vor Herausforderungen und doch sind etliche Grundregeln ähnlich bis gleich. Hier kommen Tipps und Tricks zur Atmung für verbesserte Kontrolle und längere Phrasen.
Erstmal: Aufwärmen!
Ja, wir atmen ununterbrochen. Dabei handelt es sich aber keinesfalls um einen aktiven Vorgang wie beim Blech- oder Holzblasen. Stattdessen füllen und leeren sich die Lungen ganz automatisch. Beim Spielen eines Blasinstruments sind die Anforderungen grundsätzlich andere.

Zunächst geht es beim Warm-up darum, dass du deine Atmung aktivierst, Lippen, Zunge und Co. lockerst und schlussendlich auch dein Instrument auf Betriebstemperatur bringst.
Ganz klar: Aufwärmen ist nicht Üben, und Üben ist nicht Aufwärmen. Vielmehr bereitest du dich mit dem Einen auf alles Andere vor. Lass die Lippen ohne Krafteinsatz flattern, dehne behutsam den Mund, den Kiefer, den Rachen, den ganzen Körper und suche dir gerne weitere Übungen passend zu deinem Instrument.
Erst dann greifst du zum Instrument und spielst beispielsweise langanhaltende Töne, auch das ohne Druck. Deine Lunge wird gleich Höchstleistungen vollbringen.

1. Saxophon – langtönende Atemübungen durch den Mundwinkel
Als Saxophonist atmest du sinnvollerweise durch die Mundwinkel, während du den restlichen Bereich von Lippen und Co. weiterhin am Mundstück hältst. Eine ideale Übung, um mit dem Saxophon deine Atemtechnik zu verbessern, sind lange Töne, bei denen du dich speziell auf den Atem fokussierst.
Du atmest bewusst in den unteren Bereich der Lunge. Ausatmend spielst du anschließend ebenso bewusst einen langen und nicht minder kontrollierten Ton, möglichst ohne Schwankungen und Bewegungen gehalten. Dabei soll die Stütze – der Bereich von Bauchmuskeln, Zwerchfell und mittlerem Rücken – den Luftdruck gleichmäßig halten.

2. Trompete – das Blatt Papier an die Wand geblasen
Strecke deinen Arm aus und wende die Handfläche zu dir. Atme ein, sodass sich der Körper von unten her mit Luft füllt. Nun bläst du wie beim Buzzing und bläst ohne Ton einen dünnen, aber starken Luftstrahl gegen deine Handfläche. Dabei liegt die andere Hand zur Kontrolle von Ein- und Ausatmung auf deinem Bauch.
Im nächsten Schritt machst du diese Übung mit einem leicht geknitterten Blatt Papier, das du etwa auf armlanger Entfernung ausschließlich durch den Luftstrahl an der Wand hältst. Nicht schummeln! Wenn du das Blatt zuvor an die Wand nagelst, bringt das nichts für die Verbesserung deiner Atemtechnik.

3. Querflöte – mit drei Phasen nach Hawaii geatmet
Es gibt unzählige Atemübungen für Holz- und Blechbläser. Im Grunde genommen geht es bei den meisten darum, die Alltagsatmung instrumentenkompatibel zu machen, also durch Ergiebigkeit und Bewusstmachung zu verbessern.
Eine, die gerne von Querflötisten verwendet wird, ist die Atemübung Hawaii. Unterteilt ist diese Übung in drei Phasen. Nach zuvor ausgiebigem Ausatmen atmest du in der „Ha-Phase“ kräftig über das Zwerchfell (also die Beckenboden- und Bauchmuskeln) ein. Darauf folgt die „Wa-Phase“, bei der der Brustkorb durch Auseinanderbewegung der Rippen ausgedehnt und vergrößert wird.
Du atmest in die Flanken. Erst jetzt – in der „ii“-Phase – werden die oberen Spitzen der Lunge mit Luft gefüllt. Die Silben funktionieren so perfekt als Atem-Übung. Vergiss nicht, schlussendlich wieder auszuatmen!

4. Oboe – höchste Anforderungen an die Atemtechnik
Um nicht einfach hyperventilierend umzufallen, ist Atmung bei der Oboe alles. Die plakative Faustformel lautet: „(…) mit dem Instrument zu atmen“. Du musst lernen, langsam ein- und auszuatmen.
Durchgesetzt hat sich inzwischen, ausschließlich durch den Mund zu atmen. So ist die Atmung durch den Mund tiefer und ermöglicht zugleich mehr Luftkapazität. Aufgrund des erforderlich hohen Anblasdrucks musst du als Oboist exakt abschätzen, wieviel Luft du für die zu spielende Phrase benötigst. Beim Ausatmen erreichst du den Luftdruck durch punktuelles Ausstoßen der Luft.
Schultern weder gebeugt noch angehoben, Oberarme leicht zur Seite gewinkelt, sodass der Brustkorb als Luftspeicher ausreichend Volumen zur Verfügung stellen kann: Die Oboe ist lediglich das ausführende Werkzeug. Du selbst bist das eigentliche Instrument.

5. Klarinette – die imaginäre Flaumfeder im Atemstrom halten
Bei der Klarinette benötigst du eine kontrollierte und nicht minder präzise Atemtechnik insbesondere aufgrund der häufig rasanten Passagen. Anfangs übst du das betonte Ausatmen und lässt danach gefühlt einfach alles los.
Über das Körpergefühl willst du zur sogenannten Vollatmung kommen, die du über die gut sichtbare – oder per Handauflegen gut spürbare – Weitung am Bauch erkennst. Du benötigst eine gut disponierte, spannkräftige Haltung, frei von Verspannungen.
Nun stelle dir vor, eine kleine Flaumfeder würde langsam vom Himmel vor dein Gesicht segeln. Versuche jetzt, diese imaginäre Feder so behutsam und zart anzupusten, dass sie von deinem feinen Atemstrom in der Luft gehalten wird, darauf gewissermaßen tanzt, ohne weggepustet zu werden.

6. Tuba – körperliches Instrument mit reichlich Luftbedarf
Als Tubist hast du das größte Brass-Instrument in der Hand und vor der Lunge. Du benötigst ein optimales Luftmanagement und willst zugleich wohlklingende Töne liefern. Dafür muss der Atem nicht nur voll, sondern auch angenehm und natürlich sein. Darüber hinaus willst du lernen mit großen Luftmengen umzugehen und ein Körpergefühl für deine eigene Lunge zu bekommen.
Versuche dies: Atme einige Sekunden lang die Luft ein und gewöhne dich an das Gefühl des vollen Atemzugs. Nun bläst du die Luft in einen Breathing Bag (509481), der sich immer weiter füllen wird. Der aufschlussreiche Effekt: Du bekommst eine körperliche Vorstellung davon, wie viel Luft du rein- und rausbewegen kannst.

7. Blockflöte – Spucken ohne Spucke
Zu den vergleichsweise simplen Übungen zur Verbesserung von Atmung und Ausdauer bei der Blockflöte gehört etwa diese: Du stellst dir vor, ein Haar würde auf deiner Zunge kleben. Allerdings hast du gerade keine Hand frei, um es zu entfernen.
Wäre es wirklich vorhanden, würdest du versuchen, es auszuspucken, so zumindest der vollkommen menschliche Reflex. Horche nun bei diesem Vorgang – dem Spucken ohne Spucke – in dich hinein. Spüren wirst du exakt die richtige Stütze. Zugleich beteiligt sich deine Beckenbodenmuskulatur ganz automatisch an diesem Bewegungsablauf.

8. Waldhorn – Atmung als Fundament für alles Weitere
Ein echtes Paket der Atemtechnik ist die sogenannte Zirkularatmung. Die ist durchaus anspruchsvoll und wird auch längst nicht von jedem Hornisten eingesetzt. Bekannt ist sie vor allem als die Atemtechnik beim Didgeridoo, aber wenn du sie als Hornist – und auch bei manch anderen Blasinstrumenten – beherrscht, kommst du mit Atmung und Ausdauer ein gehöriges Stück voran. Die zirkuläre Atmung basiert auf dem Prinzip, zeitgleich durch die Nase ein- und durch den Mund auszuatmen. Wobei du genau genommen die Luft nicht aus-„atmest“, sondern durch die Muskeln im Mund herauspresst.
Sobald du diese spezielle Atmung beherrscht, kannst du lange Passagen ohne Atempause spielen und deine Ausdauer deutlich steigern. Die Umsetzung braucht Übung:
Du nimmst den Mund voller Wasser und spuckst einen dünnen, gleichmäßigen Strahl. Während dieses „Spuckens“ atmest du ein und aus. Das trainierst du solange, bis du bei der Übung ganz normal weiteratmen kannst. Erst anschließend setzt du diese Technik auf dem Waldhorn um. Letztlich kannst du auf diese Weise atmen, wann immer es nötig ist.

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Atmung bei Blasinstrumenten: dein Fazit
Hast du weitere Tipps für Atemübungen? Wir freuen uns auf ergiebige und lehrreiche Kommentare!

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