Warum werden Hobbymusiker weniger ermutigt, Musik zu machen oder einfach nur Freude am künstlerischen Schaffen zu haben?
Es gibt dafür mehrere Gründe und im letzten Jahrhundert scheinen Amateurmusiker oder Hobbyisten weniger geneigt zu sein, ein Instrument in die Hand zu nehmen.
Manchmal wird das Erlernen eines Instruments als zu schwer oder als mit zu viel Leistungsdruck behaftet angesehen und stattdessen wird ein anderes Hobby oder, in den meisten Fällen, eine Sportart bevorzugt. 🎸
Viele Anfänger oder fortgeschrittene Spieler wollen eine Band gründen, aber finden keinen Bassisten, Drummer oder Sänger (gut, einen Gitarristen findest du wohl immer 😅) …, aber wie sind wir hierhin gekommen?

Bevor Musik aufgenommen wurde: von Amateurmusikern zu professionellen Musikhörern
Amateurmusiker – der Aufstieg des Recordings
Gehen wir einen großen Schritt zurück vor den Anbruch der Musikaufzeichnung.
Vor 1877 (ca.) hatten Menschen nur durch ihre Gemeinden oder wandernde Musiker, die in ihrer Stadt Halt machten, Zugang zu Musik.
Ein Instrument zu lernen oder das allgemeine Musizieren wurde auch für Amateure nachdrücklich gefördert. Die Betonung des kreativen Prozesses war wichtiger als die fertige Komposition oder eine außergewöhnliche Ausführung, wie sie oft bei heutigen Virtuosen zu sehen ist.

Die Möglichkeit, Musik zu probieren, war nicht nur etwas für die Elite, sondern war für alle da, allerdings änderte sich das, als Radios und Schallplatten weithin für die Öffentlichkeit zugänglich wurden.
Man musste nun nicht mehr am Klavier sitzen und seine Lieblingsstücke spielen, aufgenommene Musik erledigte das nun für einen.
Aufgenommene Musik wurde selbstverständlich von professionellen Musikern eingespielt, die so einen neuen Standard erschufen.
Das spornte die Amateure an, ihre Instrumente zur Hand zu nehmen und sich ganz der Musik zu widmen.
Der Niedergang des Hobbymusikers bzw. Amateurmusikers
Mit dem Wachsen des Kapitalismus veränderte sich die Musik.
War sie einst eine wahre Kunstform, wurde Musik nun ein Produkt, massenhaft produziert in Tonstudios, dann über die Radios übertragen, um auf der ganzen Welt gehört zu werden.
Wenn also professionelle Musiker tolle Kunstwerke „produzierten“, wozu sollte man noch in Amateurmusiker investieren?
Aus Sicht eines Plattenlabels produzieren Amateure nur einen Bruchteil des ökonomischen Werts eines professionellen Musikers, weshalb sie ihr gesamtes Kapital in professionelle Tonstudios und nachhaltige professionelle Künstler investierten.
Wenn wir uns diese Statistiken aus verschiedenen Ländern anschauen, können wir nun sehen, warum Musiker so schwer zu finden sind und warum du keine Bandmitglieder zu finden scheinst.

(Statistik: NEA Arts Basic Survey, 2020, UK Music Education data, Australian Music Association, 2022).
Heutzutage haben sich die Dinge geändert, und auch wenn es nicht mehr so verbreitet ist wie früher, ein Instrument zu erlernen, ermutigen kleinere Gemeinschaften sowohl offline wie online, Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft, sich der Musik zu widmen, selbst wenn man kein Star wird. Diese Gemeinschaften sind klein, aber sehr aktiv, auch wenn die professionellen Musiker, die weithin präsent auf Social-Media-Plattformen sind, die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen.
Wir bei Thomann ermutigen stets dazu, ein Instrument in die Hand zu nehmen und etwas Neues auszuprobieren! Wir haben auch eine Vielzahl von YouTube-Kanälen für angehende Musiker:
Thomann Music: unser Hauptkanal, gewidmet allen Musikern und auch jedem Instrument!
Thomann’s Guitar & Basses: unser spezieller Kanal für Gitarristen und Bassisten, stets offen für Amateurmusiker!
Thomann Bedroom Producers: Wenn Musikproduktion und Synthesizer dein Ding sind, check diesen speziellen Kanal aus!

Das Zeitalter der Algorithmen und Amateurmusiker
Hast du dich vielleicht manchmal gefragt, warum du als Einsteiger-Musiker nicht auf Social Media wachsen kannst?
Instagram, TikTok und YouTube fördern mit ihren Algorithmen ständig die professionellen Musiker oder die Unterhaltsamsten in Bezug auf Engagement und Follower.

Diese Plattformen zielen darauf ab, Nutzer möglichst lange zu binden, um ihnen eine möglichst hohe Anzahl von Werbeanzeigen auszuspielen.
Selbstverständlich tut das Angucken von ein paar Reels nicht weh, obwohl die Plattformen denselben Trend der Plattenlabels verfolgen: Sie rücken die Profis ins Rampenlicht und lassen den Rest im Dunkeln.
Die Folgen, dass man sowohl online als auch offline immer weniger Amateure sieht, wirken sich negativ auf unsere kollektive Kultur als Gesellschaft aus.
Wie du beim Spielen eines Instruments Selbstzweifel überwindest?
Seiner Kreativität Ausdruck zu verleihen, bringt sehr viele Selbstzweifel mit sich, und wenn du nur die Profis sehen kannst, schaust du dich vielleicht um und fragst: „Was soll das Ganze?“
Ein Teil dieser Selbstzweifel kommt vom Perfektionismus. In der Psychologie ist Perfektionismus stark an kreativem Burnout gekoppelt: Menschen beenden Hobbys, wenn sie das Gefühl haben, dass ihre Arbeit nicht mit einem unmöglichen Standard mithalten kann.
Der Spaß am Musizieren verschwindet langsam und Instrumente setzen Staub an, landen dann auf einem alten Dachboden, bevor sie weggeschmissen oder auf dem Flohmarkt verkauft werden.

Wenn du dich aktiv bei einer Musikergemeinschaft engagierst und mit Menschen, die denken wie du, wird das dein Selbstvertrauen stärken, wenn du das Gefühl hast, dass es immer jemanden gibt, der besser ist als du.
Auch Institutionen, Pädagogen und Regierungen sollten versuchen, sich mehr auf die Vorteile des Musikgenusses und die Unterstützung von Gemeinschaften zu konzentrieren, um das „Amateurdasein“ zu fördern.
KI und die Zukunft von Amateurmusikern

Aufgenommene Musik hob zuerst die Messlatte, Social Media verstärkte das Rampenlicht auf Virtuosen und jetzt geht KI einen Schritt weiter, indem sie Tracks produziert, die direkt fertig, auf Hochglanz poliert und oft fast nicht mehr von durch Menschen gemachten Songs zu unterscheiden sind. In jeder Phase war die zugrunde liegende Botschaft an Amateure dieselbe: „Überlass es den Profis … oder jetzt den Maschinen.“
Diese Denkweise passt nahtlos in die heutige „Ich will es jetzt“-Kultur, in der Geschwindigkeit und Perfektion mehr zählen als menschlicher Ausdruck. Doch es sind gerade die Unvollkommenheiten, die Musik lebendig machen.
Den Prozess zu genießen und ein Amateur zu sein, sollte genauso gefördert werden wie ein Fitnessstudio zum Workout zu besuchen.
Der Wert von Kunst und Musik liegt nicht nur in der Perfektion, sondern im Spaß, der Verbundenheit und Menschlichkeit, die sie bringen.
Wir erwarten nicht von jedem Jogger einen Marathon oder dass jeder Maler im Louvre hängt. Aber warum dann bei Musik?

Warum es „immer noch“ toll ist, ein Hobbymusiker zu sein – dein Feedback
Bist du ein Anfängermusiker? Was sind deine Gedanken und Gefühle über deine musikalische Reise? Lass es uns in den Kommentaren wissen!
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