Namen wie Moog, Oberheim, ARP oder Sequential sind Musik in den Ohren aller Synthesizer-Fans und die analogen Legenden aus den 1970ern und 1980ern genieĂen bis heute Kultstatus. Doch wie kann man ihre mĂ€chtigen Sounds umsetzen, ohne ein Vermögen in jahrzehntealte und oft reparaturbedĂŒrftige MuseumsstĂŒcke zu investieren? Wir haben ein paar Tipps fĂŒr Vintage Synthesizer Sounds mit modernem Equipment!
Warum klingen Vintage-Synthesizer so einzigartig?
Anders als die digitalen Instrumente, die ab den 1980ern aufkamen, erzeugen analoge Synthesizer ihre Sounds mittels analoger Schaltungen. Das bedeutet, dass der Klang nicht etwa durch eine Formel, einen Algorithmus oder gar ein zuvor aufgenommenes Sample bestimmt wird, sondern direkt durch die Spannungen und Ströme in den elektronischen Bauelementen entsteht. Die verwendeten Kondensatoren, Transistoren und WiderstĂ€nde sind also unmittelbar dafĂŒr verantwortlich, wie der Synthesizer klingt.
Daran liegt es auch, dass keine zwei Analogsynthesizer exakt gleich klingen. Denn alle elektronischen Bauteile haben gewisse Toleranzen und der tatsĂ€chliche Wert eines Widerstands oder Kondensators kann geringfĂŒgig vom angegebenen Nennwert abweichen. Und wenn man sich vor Augen fĂŒhrt, dass ein Synthesizer aus Hunderten oder sogar Tausenden solcher Komponenten besteht, dann wird schnell deutlich, dass keine zwei auf dem Papier identischen Schaltungen auch exakt identisch klingen.
Besonders stark fĂ€llt dieser Effekt bei polyphonen Synthesizern ins Gewicht, denn hier weichen auch die einzelnen Stimmen geringfĂŒgig voneinander ab. Und was zunĂ€chst vielleicht wie ein Nachteil erscheint, hat einen groĂen Anteil daran, dass die mĂ€chtigen polyphonen Analogsynthesizer der spĂ€ten 1970er und frĂŒhen 1980er ganz besonders verehrt werden. Die subtilen Unterschiede zwischen den einzelnen Stimmen ergeben einen Sound, der extrem organisch, lebendig und âwarmâ wirkt und auf digitalem Weg bis vor nicht allzu langer Zeit nur schwer nachzuahmen war.
Vintage Synthesizer Sounds mit modernem Equipment: Reissues und Nachbauten
Der naheliegendste Ansatz wĂ€re es natĂŒrlich, die damals von den Synthesizer-Pionieren ersonnenen Schaltungen einfach mit modernen Bauteilen nachzubauen. Und genau das machen einige Hersteller. Der Vorteil: Dank moderner Technologien lassen sich die Schaltungen heute oft kompakter und gĂŒnstiger realisieren. Und mit den typischen âKrankheitenâ alter Synthesizer wie auslaufenden Kondensatoren oder Speicherbatterien muss man sich auch nicht herumplagen.
Besonders eindrucksvoll, aber auch besonders teuer sind die Neuauflagen einiger der gröĂten Klassiker von den Originalherstellern selbst. So hat Moog den Minimoog mehrfach wieder aufgelegt, zuletzt im Jahr 2022. Dave Smith krönte mit der Neuauflage des Sequential Prophet-5 sein Lebenswerk. Und der OB-X8 vereint die Schaltungen dreier berĂŒhmter Oberheim-Synthesizer der 1980er in sich.
Deutlich gĂŒnstiger geht es mit den sogenannten âKlonenâ. Beispielsweise orientieren sich viele Synthesizer von Behringer eng an den Schaltungen begehrter Vintage-Klassiker.
Vintage Synthesizer Sounds mit modernem Equipment: Die virtuell-analoge Alternative
Analog ist jedoch nicht der einzige Weg. Inzwischen lassen sich die typischen Nuancen, die fĂŒr den satten Analogsound verantwortlich sind, auch mittels digitaler DSP-Technik immer ĂŒberzeugender emulieren. DafĂŒr wird das Verhalten der analogen Bauelemente prĂ€zise analysiert und durch einen Algorithmus digital nachgebildet, sodass auch die charakteristischen Schwankungen und Ungenauigkeiten reproduziert werden. Ein virtuell-analoger Synthesizer berechnet also in Echtzeit, wie sich die Schaltungen eines Analogsynthesizers verhalten wĂŒrden.
Beliebte Beispiele sind der Dauerbrenner microKORG, der Roland GAIA 2 oder der KORG multi/poly. Die virtuell-analoge Technik hat mehrere Vorteile: Mit ihr lassen sich deutlich höhere Stimmenzahlen realisieren als auf analogem Wege, und das zu deutlich gĂŒnstigeren Preisen. Und da ohnehin digital gearbeitet wird, bieten viele Synthesizer auch Kombinationen mit anderen digitalen Klangerzeugungen wie Wavetables oder FM an.
Vintage Synthesizer Sounds mit modernem Equipment: Outboard und Effekte
Du besitzt bereits einen oder mehrere Synthesizer, aber der Sound ist dir zu clean und steril? Dann probiere es doch einmal mit analogen Effekten. Zum Beispiel kann es einen groĂen Unterschied machen, wenn du deinen Synthesizer nicht einfach ĂŒber den Line-Eingang deines Audiointerfaces aufnimmst, sondern vorher durch einen analogen VorverstĂ€rker oder einen Channel-Strip schickst. Viele dieser GerĂ€te sind ganz bewusst so aufgebaut, dass sie den Klang geschmackvoll âfĂ€rbenâ.
Auch analoge Effektpedale aus dem Gitarrenbereich können Synthesizern ganz neue Klangfarben entlocken. Lass die internen Effekte mal ausgeschaltet und schicke deinen Synthesizer zum Beispiel durch ein Delay-Pedal, einen analogen Chorus oder einen Overdrive â vielleicht erkennst du ihn kaum wieder!
Die Auswahl ist riesig. Allerdings solltest du beachten, dass viele Gitarreneffekte nur einen Mono-Eingang haben. Falls du ein Stereo-Signal bearbeiten möchtest, dann achte darauf, dass das Pedal entsprechende EingĂ€nge bietet. Ein speziell fĂŒr Synthesizer und elektronische Musik entwickeltes Hardware-MultieffektgerĂ€t ist das Elektron Analog Heat +FX.
Vintage Synthesizer Sounds mit modernem Equipment: Software
Zu guter Letzt gibt es noch einen ziemlich einfachen und unschlagbar gĂŒnstigen Weg, um dir den Sound berĂŒhmter Vintage-Synthesizer in dein Studio zu holen: Software! Die meisten der analogen Legenden aus den 1970ern und 1980ern gibt es inzwischen als hochwertige Software-Emulationen von Herstellern wie Arturia, Softube oder Cherry Audio.
Und man muss schon ziemlich puristisch veranlagt sein und ein gutes Ohr haben, um da noch einen Unterschied zu hören. Vorteil: Die Software-Versionen bieten oft Features, die es bei den Originalen nicht gab, wie zum Beispiel mehr Stimmen, integrierte Effekte oder einen Arpeggiator.
Junge KĂŒnstler und Bands, bei denen der Vintage Synthesizer Sound weiterlebt
Du kennst sicher den ikonischen 70er- und 80er-Sound der Legenden wie Kraftwerk oder Depeche Mode. Die SynthklĂ€nge leben heute weiter, aufgegriffen und neu interpretiert von jungen KĂŒnstlern – nostalgische Ăsthetik inklusive.
Gelegentlich kommen bei den neuen Bands die legendĂ€ren Synthesizer von damals zum Einsatz, meist wenn jemand aus Familie oder Freundeskreis so einen noch besitzt. Doch dank der zahlreichen Nachbauten, Klone und Maschinen, die sich entweder als Hard- oder Software auf den Sound der Vintage-Modelle spezialisiert haben und die wir hier vorgestellt haben, nutzen sie die typischen KlĂ€nge der legendĂ€ren Ăra im neuen Gewand. Gemischt wird heute meist in der DAW im Rechner, doch auch beim Mix kommen viele Nachbildungen der alten EffektgerĂ€te zum Einsatz.
Edwin Rosen
Der in Stuttgart geborene Edwin Rosen macht eine Mischung aus New Wave und Synthie-Pop mit Post-Punk-EinflĂŒssen. Sein Musikstil gilt als eine Art Neue Neue Deutsche Welle, was zur Bezeichnung des ganzen Genres wurde.
Molchat Doma
Seit 2017 ist die im belarussischen Minsk gegrĂŒndete Band Molchat Doma mit ihrer Mischung aus Dark Wave und Post Punk unterwegs. Molchat Doma bedeutet sinngemÀà etwa âDie HĂ€user schweigenâ, doch ist die inzwischen hauptsĂ€chlich in Los Angeles lebende Band alles andere als leise.
Pastel Ghost
Vivian Moons aka Pastel Ghosts Sound vereint Elemente aus Dreamrave, Synthwave, Witch House und Shoegaze. Chorus und Delay schaffen einen tranceartigen Klangraum. Eine trĂ€umerische, Ă€therische, fast cybermĂ€Ăige AtmosphĂ€re wird geschaffen.
Lebanon Hanover
Die Deutsch-Schweizerin Larissa Iceglass und der Brite William Maybelline bilden das Dark-Wave-Duo Lebanon Hanover. Ihre minimalistische Musik ist geprÀgt von einfach programmierten Rhythmen, analogen Synthesizern und der besonderen Stimme Larissas.
Tame Impala
Die AnfĂ€nge von Tame Impala aus Perth in Australien reichen bis in die Schulzeit zurĂŒck, als Multiinstrumentalist und SĂ€nger Kevin Parker mit einem MitschĂŒler die ersten musikalischen Schritte machte. Inzwischen produziert und spielt Parker alle Songs selbst, deren Stil als eine Mischung aus Psychedelic-Rock und Disco beschrieben wird.
Vintage Synthesizer Sounds: Was nutzt du?
Welche Synthesizer, Effekte oder Techniken setzt du ein, um Vintage-Sounds zu kreieren? Schreib uns gerne einen Kommentar!
Kommentare 10