Der Welthit „Bohemian Rhapsody“ von Queen ist ein halbes Jahrhundert alt und gehört noch immer zu den am häufigsten gestreamten Tracks der vergangenen Jahrzehnte. Die Band um Freddie Mercury hatte 1975 nichts Geringeres als einen der größten Rocksongs der Musikgeschichte geschaffen. Musikalisch als auch technisch ein Meilenstein, der bis heute nichts von seinem Glanz verloren hat.
Gegen alle Widerstände durchgesetzt
Die Führungskräfte des Plattenlabels EMI hatten tatsächlich Bedenken, „Bohemian Rhapsody“ als Single zu veröffentlichen. Auch fragten sich die Radiosender, was sie mit einer sechsminütigen Single anfangen sollten. Und sogar Bassist John Deacon meldete seine Befürchtungen an, „(…) dass die Veröffentlichung des Songs sich als der größte Fehler in der Karriere von Queen erweisen würde.“ Die Bedenken waren offensichtlich unbegründet. Der Song entpuppte sich als Queens erster Nummer-Eins-Hit.
Veröffentlichungsdruck durch die Hintertür
Mercury schickte eine Demo-Kassette an seinen Kumpel, den britischen Radio-DJ Kenny Everett, allerdings mit der strikten Anweisung, sie nicht auszustrahlen, sondern ihm lediglich seine Meinung mitzuteilen. Everett war von dem Titel begeistert und spielte ihn entgegen der Weisung an einem Wochenende vierzehn Mal, wobei er seinem Chef gegenüber bei jedem Mal behauptete, ‚sein Finger sei abgerutscht‘. Praktisch wurde die Plattenfirma dadurch dazu gezwungen, den Song direkt der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Aufnahmetechnik am Limit
Bohemian Rhapsody war eine technische Meisterleistung und sprengte die Grenzen der damaligen Aufnahmetechnologie. Aufgenommen in fünf verschiedenen Tonstudios, wurden mehr als 180 Gesangsspuren eingespielt und übereinandergeschichtet. Das Resultat war ein extrem vielschichtiges und nicht minder dichtes Klangbild, das man bis dahin im Rock noch nicht gekannt hatte.
Insbesondere im ikonischen Mittelteil trieben Freddie Mercury und Co. die komplexen Gesangsharmonien auf die absolute Spitze. Die Worte „Galileo Figaro“ wurden derart häufig gedubbt und kaskadiert, dass allein diese opernhafte Inszenierung den Zuhörern Augen und Ohren offenstehen ließ – und bis heute lässt!
Crossover mit unfassbaren Qualitäten
Die Wahrscheinlichkeit, ein Lied zu kennen, das auch nur im Entferntesten an Bohemian Rhapsody erinnert, ist – gelinde gesagt – äußerst gering, eigentlich sogar unmöglich. Immerhin handelt es sich um einen Song, in dem Ballade, Rock, Oper und a cappella synergetisch miteinander kombiniert werden. Und zwar mit geradezu unfassbaren Gesangsqualitäten und Koryphäen an ihren jeweiligen Instrumenten. Ein derartiges Crossover kann die Zuhörenden gefühlt schon mal umhauen.
Der tief berührend intime Songtext
Der Text ist kraftvoll, und immer wieder gab es Versuche, die Bedeutung auf verschiedene Weise zu interpretieren. Am wahrscheinlichsten aber ist, dass er Freddies persönlichen Weg und seinen Kampf mit seinem Coming-out als Bisexueller widerspiegelt. Einige Zeilen lassen sich so deuten, dass er sein früheres Ich zerstört, andere Passagen erzählen davon, was er getan hat, was er ist und wovon er heimgesucht wird.
Die Ballade beginnt sanft und fast deprimierend. Nach 35 Sekunden beginnt Freddie, seine Stimme gedehnter und ausdrucksstärker zu gestalten. Mit noch mehr Kraft und etwas Aggressivität geht er dann in die zweite Strophe über. Für viele ist „Bohemian Rhapsody“ ein Song, der Menschen unterschiedlichster Prägung und Orientierung das Gefühl gibt, dass sie gehört und geliebt werden.
Sämtliche Erwartungen gesprengt
Von einer Rockband hätte in den Siebzigern ganz sicher niemand eine Oper erwartet. Und das war ja auch lediglich ein Teil, wenngleich ein äußerst markanter. Das Beeindruckende am Opern-Part ist, dass es nicht einfach nur ein beliebiger Operntext ist, stattdessen wirklich wie eine echte Oper klingt.
Es bleibt nicht bei der Symbiose aus Ballade und Oper; im letzten Teil wird’s rockig, der Startschuss zum Headbangen. Brian May, Roger Taylor, John Deacon und auch Freddie Mercury zeigen, was sie an den Instrumenten draufhaben und wie sie den typischen Queen-Sound zelebrieren. Freddie dreht mit seiner Stimme richtig auf. Der Gong zum Finale des Songs ist ohnehin berüchtigt.
Adaptionen, Choreos und Receptions
Immer wieder ist der längst legendäre Queen-Hit auch Grundlage von faszinierenden oder humoristischen Choreos und Receptions geworden. So beispielsweise in der Komödie Wayne’s World, die bei vielen Kultstatus erlangte, in der Muppet Show oder bei einem Flashmob mit Julien Cohen und rund 30 Sängerinnen und Sängern sowie zahlreichen Instrumentalisten inmitten der Straßen von Paris. Hier eine Auswahl:
Gesangsakrobat und Pianist Freddie Mercury
Freddie Mercury benutzte hauptsächlich das Shure 565SD Unisphere Mikrofon für seine Auftritte und Aufnahmen. Es ist ein dynamisches Mikrofon, das sich durch seine Vielseitigkeit und seinen guten Schutz vor Rückkopplungen auszeichnet. Freddie spielte vor allem einen schwarzen Yamaha G2 Baby Grand Piano, den er 1975 kaufte und auf dem er fast alle seine Werke komponierte, darunter Hits wie eben auch „Bohemian Rhapsody“. Er benutzte ihn bis zu seinem Tod, und das Instrument wurde später für eine hohe Summe versteigert.
Der bodenständige und melodische Bassist John Deacon
John Deacon spielte hauptsächlich einen Fender Precision Bass und einen Music Man StingRay, üblicherweise beide als 4-Saiter. Sein Fender Precision Bass war das Arbeitspferd seiner Karriere und wurde ihm 1972 von der Plattenfirma geschenkt. Den StingRay-Bass nutzte er für Songs wie den Hit „Another One Bites the Dust“ und in den späteren Jahren mit Queen. John Deacon war als Bassist von Queen für seine melodischen und einprägsamen Basslinien bekannt, die das Fundament vieler Hits bildeten. Dabei galt er als das ruhige, bodenständige Mitglied der Band.
Rock-Drumming und Kniff mit der Hi-Hat von Roger Taylor
Roger Taylor spielte in den frühen Queen-Tagen (1973-1975) ein schwarzes, großes Ludwig-Schlagzeug mit einer 26-Zoll-Bassdrum. Über die Jahre nutzte er verschiedene Sets, unter anderem auch solche von Pearl und diverse Becken von Zildjian, die für seinen charakteristischen Sound bekannt sind.
Was andere Drummer an Roger Taylor lieben, sind keine irrwitzigen Fills oder komplexe Grooves, sondern sein straightes, musikdienliches Rock-Drumming, sein einzigartiges Feeling, sein fetter Sound und dieser ganz spezielle Kniff mit der Hi-Hat. Was das ist? Er öffnet sie nahezu immer, wenn er die Snare spielt!
Sound-Gigant und Tüftler Brian May
Brian May, Gitarrist der legendären Rockband Queen, ist nicht nur für seine markanten Riffs und Soli bekannt, sondern auch für einen extrem charakteristischen Gitarrensound. Hauptsächlich spielt er seine selbstgebaute „Red Special“-Gitarre, die er in den 1960er-Jahren mit seinem Vater gebaut hatte, wobei sie unter anderem Teile aus Mahagoni eines alten Kamins und von einem Motorrad verwendeten.
Fester Bestandteil seines Equipments ist seit Jahrzehnten der Vox AC30, meistens neun Stück davon übereinander geriggt. Inzwischen gibt es den Sound auch mit einer Signature-Version als Kopfhörerverstärker. Und eine ehrfürchtige Verbeugung vor dem Großmeister gibt’s auch mit der Harley Benton BM-75 Trans Red.
Bohemian Rhapsody von Queen: dein Feedback
Was verbindest du mit dem Megahit „Bohemian Rhapsody“, welche sind die speziellen Parts, über die du gestaunt hast? Schreib es uns gerne in die Kommentare!
Kommentare 11