Die Saitenhelden gehören zu denen, die sich die allermeisten Sprüche anhören müssen. Nur logisch, schließlich stehen sie ähnlich im Mittelpunkt des Bühnengeschehens wie die Sänger und Sängerinnen. Sie werden umrankt von Klischees und der eine oder andere möchte seinem Status als Bühnenheld auch durchaus gerecht werden. ? Dabei gibt es wiederkehrende Sprüche, die Gitarristen schon lange aus den Ohren hängen:
1. „Du bist zu laut“
Saitenakrobaten sind nicht unbedingt für zurückhaltende Lautstärke bekannt. Warum auch? Der Gitarrist gehört zu den tragenden Säulen einer Band schlechthin. Was soll passieren, wenn er sich mit zarten Tönen unter den anderen Instrumenten verkriecht? Gerade wer mit Röhrenverstärkern arbeitet, kriegt den warmen und durchsetzungsfähigen Sound nur dann hin, wenn Vor- und Endstufe nahezu an den Leistungsgrenzen gefahren werden. Um die Lauscher deiner Bandkollegen nicht zu sehr zu strapazieren, solltest du einen Lautstärkekompromiss machen. Wenigstens, bis es auf die große Bühne geht.
2. „Mach mal weniger Effekt“
Immer wieder Freude macht die Unterhaltung mit dem Typen am FOH, wenn er dem Mann (oder der Frau) an der Klampfe sagt: „Dein Sound ist matschig, mach’ mal weniger Effekt.“ Unter vollem Einsatz hast du am Sound getüftelt, ihn richtig schön breit gemacht. Hall rein, Chorus, Flanger und was die Wursttheke sonst noch so hergibt. Im Proberaum oder beim kleinen Gig ohne PA kann das funktionieren und sogar angesagt sein. Sobald du die größeren Bühnenbretter betrittst, hat sich das erledigt. In der Reduktion der Raumeffekte auf das Wesentliche liegt die Kunst. Du wirst dir ansonsten den Spruch anhören müssen.
3. „Deine Klampfe ist verstimmt“
Du hast ein Hammer-Solo abgeliefert und richtig abgefeuert. Eigentlich ein Wunder, dass die Finger sich nicht verknotet haben oder gleich abgefallen sind. Sweeping, Tapping, Shredding und mehr. Alles, was in deiner Trickkiste vorhanden ist. Und dann bist du fertig und blickst in die Gesichter der anderen. Ein wenig Anerkennung wäre jetzt nicht schlecht. Und was kommt? „Deine Klampfe ist verstimmt“. Nein, das wolltest du jetzt ganz sicher nicht hören. Wie kann man nur so kleinlich sein.
4. „Hör dir noch mal das Original an“
Ihr habt einen Coversong eingeübt, der für die nächste Show unbedingt gefragt ist. Den Rhythmus lieferst du exakt wie auf der Aufnahme. Obschon du den Gitarristen auf der CD für leicht minderbemittelt hältst. Spätestens beim Lead-Part zeigst du dann, was du auf der Pfanne hast. Und packst noch gehörig improvisierte Töne mit rein. Die Reaktion: „Hör dir noch mal das Original an.“ Keiner sagt konkret, dass es scheiße war. Aber es sagt auch keiner, dass es besser als das Original war. Was für Ignoranten.

5. „Das Lied kenne ich“
In kreative Gedanken versunken hast du auf deiner Klampfe einen neuen Song komponiert. Langsam spielst du dich in Rage und freust dich darüber, dass sich alles im Flow miteinander verbindet. Kannst dir super vorstellen, welche Lines der Bass dagegenhält und wie der Drummer dazu groovt. Dann bist du fertig und stellst deine Idee den anderen vor. Kaum fünf Takte gespielt, sagt der pedantische und musikalisch hochgebildete Bassist ganz stumpf: „Das Lied kenne ich“. Warum darf der das? Das macht der immer so. Ist nicht irgendwie alles schon mal auf irgendeine Weise irgendwo gespielt worden?
6. „Deine Klampfe klingt immer gleich“
Der Gitarrist hat sich verschiedene Soundbänke zusammengebastelt. Eine Zerre, eine Clean-Abteilung, und dann noch Delay und Lautstärken variiert. Dann geht’s bei der Probe durch die gesamte Set-List und zum Schluss darf er sich anhören, die Gitarre klinge immer gleich. Also erstens, liebe Leute, ist das faktisch nicht wahr. Außerdemist es natürlich immer dieselbe Gitarre (auch dieselben Finger). Und drittens: Klingen etwa das Schlagzeug oder der Bass immer anders?
7. „Kannst du da noch was anderes anbieten?“
Du kannst es nicht mehr hören; diese synthetische Musikersprache, die doch allenfalls ins Studio gehört. Ihr probt einen neuen Titel ein. Du spielst, was dir in den Sinn und die Finger kommt. War nicht so perfekt, aber das geht nun mal auch nicht immer beim ersten Take. Und dann kommt dieses „Kannst du noch was anderes anbieten?“. Was heißt denn hier „anbieten“? Bist du eventuell ein Kellner? Oder verwechseln die dich mit einem Multiple-Choice-Quiz, bei dem man an geeigneter Stelle nur ein Kreuz machen muss? Die anderen können es gut oder schlecht finden, was du da machst. Aber „anbieten“? Nee, das machst du nicht. Bist ja nicht die Getränkekarte vom Stammitaliener.
Schon einmal einen der Sprüche gehört? Oder einen anderen? Wir freuen uns auf eure Kommentare. ✍





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