Im dritten und letzten Teil unserer Serie zu den Subgenres des Techno schauen wir über den Tellerrand hinaus und geben dir einen Einblick in ganz viele Genres, die alle irgendwie miteinander verwandt sind. 🎧
Lost in Genres
Wie viele verschiedene Shades und Flavours es in der Welt der geraden Bassdrums gibt, haben wir schon in Teil 1 und 2 unserer Serie zu den Subgenres des Techno angedeutet. Und oft ist alles nicht einmal so, wie es scheint.
Warum Bezeichnungen wie Trance, Schranz, Tech House, Electro oder Deep House manchmal gekapert und manchmal auch komplett abgelehnt werden, unter anderem davon soll diese dritte und letzte Folge handeln.

DJ Mijk van Dijk on Stage; Bild mit freundlicher Genehmigung von Peter Krell
Tech House
Zu soft für Techno, zu hart für House: Tech House ist ein sehr unscharfer Begriff für alle möglichen Spielarten „dazwischen“. Einige prominente Beispiele: Kompakt Records aus Köln bietet eine riesige stilistische Bandbreite von melodischem Techno über Minimal bis hin zu Ambient. Die Hamburger Labels Poker Flat Records von Steve Bug und Diynamic von Solomun agieren mit minimalen und funktionalen Grooves an der Schnittstelle von Techno und House. Hot Creations und Crosstown Rebels aus England stehen ebenfalls für einen spezifischen Sound, der als Tech House bezeichnet werden könnte.
Nur mag niemand diesen Begriff. Einerseits klingt er den Protagonisten zu unentschlossen, andererseits wurde er ab den 2010er-Jahren auch für EDM-Produktionen genutzt, die für viele Szeneleute als Inbegriff des Ausverkaufs der Underground-Ideale von Techno und House gelten. Viel lieber ordnen sich Producer und Labels eindeutig den Genres Techno oder House zu oder finden ihren ganz eigenen Stilbegriff. Ich sage z. B. gerne „Mijk-Sound“. Gibt’s nur leider noch nicht als Genre auf Beatport.
Wichtige Vertreter: Maceo Plex, Gui Boratto, Steve Bug, Solomun, Kölsch

Sven Väth spielt im Boilerroom, Mijk van Dijk flimmert auf dem Videoscreen.
„Deep House“
Manche Genre-Bezeichnungen werden auch einfach gekapert. Beispiel Deep House: Eigentlich meint das besonders soul- und-jazzbasierte House Music aus Chicago von Artists wie Larry Heard aka Mr. Fingers und Kerri Chandler oder beispielsweise aus Hamburg von Dessous Records.
Auf den führenden Musikportalen wie Beatport oder Traxsource setzte sich Deep House Mitte der 2010er-Jahre hingegen für ganz andere Musik durch: So unterschiedliche pop-orientierte Acts wie Duke Dumont, Robin Schulz oder Lost Frequencies wurden dort als „Deep House“ gelistet. Der Genrebegriff galt als verkaufsträchtig und so wurde er von vielen kritiklos übernommen. Und wenn sich eine per se falsche Bezeichnung erst einmal etabliert hat, fällt es schwer, sie wieder einzufangen.
Wichtige Vertreter: Larry Heard, Kerri Chandler, Vincenzo
So klingt echtes Deep House: Diese superdeepe Perle wurde 1994 ebenfalls von den Dub Techno Pionieren Basic Channel erschaffen
Round One – I’m Your Brother (Club Version)
Electro, Electroclash und Technolectro
Ähnlich war das schon mit dem Begriff „Electro“ in den Nullerjahren. In den 80ern galt Electro als futuristische groove-betonte elektronische Tanzmusik: Mit 808-Drums, Vocoder-Stimmen und Space-Ästhetik führten Pioniere wie Afrika Bambaataa, Cybotron oder Man Parrish die Soundästhetik von Kraftwerk mit damals erschwinglichen Instrumenten wie der Roland TR-808 fort und schufen auch den musikalischen Nährboden für Techno und House.
Bei Interesse: Zum Blogartikel rund um den Drumcomputer Roland TR-808 geht es hier entlang.
DJ Hell mit seinem Label Gigolo Records steht wie kein anderer für den Sound von Electroclash
YouTube ToYKillAS, DJ Set @ Citrus Club, Größenwahn Tour (Ulm, Germany) 2005-11-25
The French Touch
Frankreich hatte schon früh mit Laurent Garnier einen Vorzeige-DJ, der auf seinen Labels fnac und F-Com seine Liebe für Detroit Techno und Chicago House in einen eigenen französischen Sound übersetzte. Daft Punk haben das Genre French Filter House quasi erfunden und wurden spätestens, als sie sich die Robotermasken aufsetzten, zu absoluten Superstars. Und im Rahmen der Electroclash-Phase stürmten neben Miss Kittin & The Hacker und David Carretta auch das Label Ed Banger und das Duo Justice ganz nach vorn. Terrence Fixmer brachte die rohe Energie von EBM wieder zurück in den harten Techno (siehe Subgenres Teil 1).

Techno-Platten aus Frankreich
Schranz
Gerade stilbewusst geführte Labels wie Gigolo Records waren auch eine Gegenbewegung zu dem sich immer schneller, härter und mechanischer gebärdenden Techno der Jahrtausendwende. Als der Frankfurter DJ Chris Liebing 1999 einen bestimmten, besonders schroffen Techno-Sound in einem Radiointerview lautmalerisch als „Schranz“ bezeichnete, setzte sich dieser Begriff schnell für verzerrten Techno ab 140 BPM durch.
Obwohl Liebing den Begriff nie für seinen eigenen Sound übernahm, stand „Schranz“ seitdem für repetitiven, industriell klingenden deutschen Techno der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre. Seit der Pandemie greifen Hard Techno und Hardtekk die Schranz-Ästhetik wieder auf.
Wichtige Vertreter: Chris Liebing, Felix Kröcher, Sven Wittekind, Robert Natus, DJ Rush, Pet Duo
Auch Schranz is back, hier in einem aktuellen DJ-Set von Altmeister Felix Kröcher
Minimal
„Minimal“ entstand in den frühen 2000ern als Gegenbewegung zum oft als zu schnell und überladen empfundenen Sound von Techno, Rave, Trance und Schranz. Wie schon der Name verrät, werden die Beats und Sounds auf ihre wesentlichen Elemente und subtile Variationen reduziert, sodass jede kleine Veränderung bedeutsam wird und eine hypnotische Wirkung erzeugt.
Wichtige Wegbereiter für Minimal Techno waren Produktionen von Richie Hawtin (Plastikman), Robert Hood, Daniel Bell (DBX) und Basic Channel, die mit “Phylyps Trak” eigentlich die Impulsgeber von Dub Techno (s. u.) waren.
Der Begriff „Minimal“ wird oft auch mit einem organischen House-Sound verbunden, wie er Mitte der 2000er-Jahre populär wurde. Wegweisend waren unter anderem Get Physical Records aus Berlin, die im Sommer 2005 maßgeblich den Sound auf Ibiza prägten und vom englischen DJ-Mag zum Label des Jahres gekürt wurden.
Wenn „Minimal“ auch minimalistisch im Sound und Arrangement daherkommt, so sind die Tracks oft maximal lang. Der Meister der langen Stücke ist zweifelsohne Ricardo Villalobos. Sein “Fizheuer Zieheuer” von 2006 deckt zwei LP-Seiten ab und ist auf CD 37:09 Minuten lang.
Oft werden Musikstile von bestimmten Instrumenten geprägt (so wie Acid House von der Roland TB-303, mehr dazu in Techno Subgenres Teil 1 und 2.) Und vielleicht agierte für die Entwicklung von Minimal ja auch ein wenig die DAW Ableton Live als Geburtshelfer, die im Oktober 2001 erschien, das Arbeiten mit Audioloops revolutionierte und ideal für die Produktion von frickeligem Minimal geeignet ist.
* Der unverbindlicher Verkaufspreis (UVP) ist der Preis, den der Hersteller als Verkaufspreis Kunden empfiehlt.
Auch begannen zu jener Zeit immer mehr DJs mit Software wie Final Scratch/ Serato oder Native Instruments Traktor aufzulegen. Erste digitale Labels entstanden, Napster (und später Mega Upload) ermöglichte das (illegale) kostenlose Downloaden von Musik in WAV-Qualität, noch bevor 2004 mit Beatport eine legale Alternative online ging. Eine neue Generation eroberte die Clubs.
Mehr DJ-Equipment und Software rund um DJing gibt’s hier im Shop bei Thomann.
Nach wie vor sind Minimal oder auch Deep Tech wichtige Genres, die als cool und experimentell wahrgenommen werden und vor allem in Open Air Clubs und auf Festivals ihren Platz finden.
Wichtige Vertreter: Ritchie Hawtin, Robert Hood, Ricardo Villalobos
* Der unverbindlicher Verkaufspreis (UVP) ist der Preis, den der Hersteller als Verkaufspreis Kunden empfiehlt.
Ricardo Villalobos produziert nicht nur halbstündige Tracks, er legt auch selber stundenlang auf.
Melodic Techno/ Minimal Trance
Dieser Stil kam Mitte der 2000er-Jahre auf, als mit James Holdens „A Break In The Clouds“, Booka Shades „Mandarine Girl“, Âmes „Rej“ und Patrick Chardronnets „Eve By Day“ erfahrene Producer die spröden Rhythmen und aufgeräumten Strukturen von Minimal mit filigranen Melodien und emotionalen Klanglandschaften bereicherten.
Tanzbar, aber gleichzeitig melancholisch, verträumt und introspektiv bauen zwischen 120 und 130 BPM warme Basslines und Synth-Arpeggios lange, harmonische Arrangements und oft dramatische Breakdowns auf, die jedoch auf spektakuläre Drops weitgehend verzichten. Über Festivals, Outdoor Clubs und Streaming-Angebote wie Boilerroom hat sich der Stil Anfang der 2010er-Jahre weltweit etabliert. DJ-Duos wie Tale Of Us, Mind Against und Liveperformer wie Stephan Bodzin haben dem Genre ihren Stempel aufgedrückt und bilden eine ideale Referenz.
Wichtige Vertreter: Tale Of Us, Mind Against, Âme, Stephan Bodzin, ARTBAT, Afterlife Records, James Holden
Deepe Sounds ohne Eskalation: Tale Of Us spielen beim Boilerroom.
Dub Techno
Dub Techno ist eng mit Minimal verwandt und verbindet monotone, spröde Rhythmen mit tiefen, pulsierenden Basslinien und dem intensiven Einsatz von Delays, wie man sie von Dub und Reggae kennt. Auch hier ist weniger mehr.
Der Besitzer des Berliner Plattenladens Hardwax, Mark Ernestus, und der ehemalige Palais-Schaumburg-Schlagzeuger Moritz von Oswald schufen mit ihren Projekten Basic Channel, Maurizio und Rhythm & Sound seit 1993 quasi im Alleingang die Blueprints für Dub Techno. Das Genre selbst bewegt sich in engen klanglichen Grenzen, aber den Flavour von Dub findet man in vielen Techno-Genres wieder.
Wichtige Vertreter: Basic Channel, Chain Reaction, Echospace, Deepchord, Etui Records

Zwei Platten, die Dub Techno definierten: „Phylyps Trak“ von Basic Channel und „Domina“ von Maurizio.
Breakbeat und Dubstep
Broken Beats waren immer ein wichtiges Element in vielen Techno-Stilen. Gern wird immer mal wieder der Amen-Break über eine Four-to-the-Floor-Bassdrum gelegt, und Bands wie The Prodigy haben mit ihrer einzigartigen Symbiose aus Breaks, Techno und Rock nicht nur viele Producer beeinflusst, sondern auch den Mainstream erobert.
Der legendäre Amen-Break aus dem Song „Amen, Brother“ von The Winstons
Jungle und Drum ‘n’ Bass sind ganz eigene Genres, die schon aufgrund ihrer völlig anderen Geschwindigkeit nur schwer in Techno-Sets zu mixen sind. Dubstep zeigte sich jedoch recht anschlussfähig und hatte kurz seinen Auftritt im Techno-Universum. Diese Phase (ca. 2009–2012) war wirklich kurz, aber einflussreich.
Es war eine Übergangszeit, in der Dubstep sich vom reinen 140-BPM-Wobble-Sound zu etwas Abstrakterem entwickelte – und Techno offener für Bassmusik wurde. Aus dieser Reibung entstanden neue Impulse für experimentellen Techno, der bis heute nachwirkt, z. B. bei Labels wie Livity Sound, Ilian Tape, Hotflush Recordings oder dem Modeselektor-Label 50 Weapons).
Wichtige Vertreter: Scuba, Martyn, Shackleton, Skream, Skrillex
Dubstep ist eng mit Jungle und Drum n’Bass verwandt. Da darf dann auch der MC nicht fehlen.
Afro House/ Organic House
Afro House ist seit einiger Zeit sehr populär. Das Label Keinemusik hat mit dem Riesenhit „Move“ einen Sound in den Mainstream gehoben, den man bereits vorher als „Organic House“ kannte. Außer den afrikanisch inspirierten Rhythmen hat aktuelles „Afro House“ jedoch oft nur wenig mit dem Original zu tun, für das exemplarisch südafrikanische Artists wie Culoe De Song und Black Coffee oder Osunlade aus den USA stehen.
Manche sehen die Umdeutung von ästhetischen Elementen afrikanischer Sounds, ohne ihre soziokulturellen Kontexte einzubinden, als kulturelle Aneignung an. Mit diesem Vorwurf sehen sich auch andere Genres konfrontiert, bis hin zu Detroit-Techno, der von europäischen Artists gemacht wird.
Mein persönlicher Kommentar dazu: Techno und House haben schon immer vom weltweiten Austausch profitiert. Schwierig wird es, wenn ein Underground-Genre vom Mainstream okkupiert und zu Geld gemacht wird, eine Geschichte, die sich zugegebenermaßen bereits seit 100 Jahren immer wiederholt. Daher: „Don‘t steal, be real, find your own feel!“
Wichtige Vertreter: Osunlade, Culoe De Song, Black Coffee, Hyenah, Keinemusik
Afro House Set von Osunlade, einem der wichtigsten Vertreter des Genres
Techno (Driving, Peaktime)
Weil es so viele verschiedene Formen von Techno gibt, wird auf den großen Download-Portalen seit einigen Jahren der jeweilige Flavour in Klammern dazu gesetzt. Die Begriffe Driving, Peaktime oder Mainroom haben sich für die meisten Techno-Styles durchgesetzt, die eine ausgewogene Mischung aus fetten Bässen, markanten Stabs und Vocals bei einer Geschwindigkeit zwischen 130 und 140 BPM mitbringen.
Techno (Driving, Peaktime) klingt meist recht vorhersehbar, weist häufig lange Breaks auf und kann Spuren von Hardtrance enthalten. Die Playlists „Techno Bunker“ und „Electronic Rising“ auf Spotify bieten eine gute Übersicht. Auf diese exklusiven Listen möchte es jeder Driving/Peaktime-Producer gerne schaffen.
Wichtige Vertreter: Charlotte de Witte, Amelie Lens, Adam Beyer, Reinier Zonneveld, Space 92, I Hate Models, Anfisa Letyago, Nina Kravitz, Deborah De Luca

„Technobunker“ ist die vielleicht wichtigste Playlist für Techno (Driving, Peaktime) auf Spotify. Laptop mit Spotify Playlist
„Business Techno“ und EDM
Parallel zur zunehmenden Festivalisierung und Kommerzialisierung der Techno-Szene kam ab 2017 für besonders formelhaft produzierten Peaktime-Techno mit großen Breakdowns und einfachen Drops der ironisch-kritische Begriff „Business Techno“ auf. Zu hören von DJs mit hohem Marktwert und Social-Media-Marketingpräsenz auf gigantischen Festivals wie Tomorrowland, Ultra und mittlerweile auch in strikt autoritären Ländern, deren Alltagsleben sonst eher wenig mit den freiheitlichen, queer-offenen Werten der Technokultur zu tun hat.
EDM steht für „Electronic Dance Music“ und legt keinen großen Wert auf die Traditionen von Techno. Während sich „Business Techno“-DJs niemals als solche bezeichnen würden und auf ihre Verwurzelung im Underground Wert legen, gibt sich die EDM-Szene seit ca. 2007 komplett kommerziell offen und hat sich vor allem in den USA in den Charts und auf riesigen Festivals etabliert – deren Betreiber sich dann wiederum in europäische Festivals eingekauft oder diese komplett übernommen haben.
Wichtige Vertreter: Martin Garrix, Hardwell, Swedish House Mafia, David Guetta, Tiësto, Dimitri Vegas & Like Mike, Skrillex
Die US-Satire-Show „Saturday Night Live“ hat das EDM-Genre in einem Spot mit der ihr eigenen Ironie persifliert: „When Will the Bass Drop?“ Achtung, nichts für schwache Nerven!
Gabber
Gabber entstand Anfang der 90er in den Niederlanden. Als Techno in Deutschland gerade bei 140 BPM auf die Bremse trat, schraubte man in Rotterdam und anderswo das Tempo noch ein wenig höher und produzierte programmierten Wahnsinn mit dröhnenden Bassdrums, krassen Hooks und ironischen Vocals zwischen 160 und 200 BPM. Mit „I Wanna Be A Hippie“ gelang Technohead aus Amsterdam sogar ein veritabler internationaler Hit.
Wichtige Vertreter: Paul Elstak, The Speed Freak, Lenny Dee, Technohead, Angerfist
Euromasters – Alles Naar De Klote (Rotterdam Mix)
Happy Hardcore
Der lustige Bruder von Gabber: Seit den frühen Neunzigern wurden „Hardcore Vibes“ mit Eurodance vermischt und schafften es bis in die europäischen Pop-Charts. „Somewhere Over The Rainbow“ von Marusha und „Tears Don’t Lie“ von Mark Oh – erschienen beide auf Westbams Label Low Spirit Records – lieferten die Hits für die Rave-Szene und mischten mit hochgepitchten Vocals, plakativen Stabs, knackigen Breakbeats und vor allem sehr eingängigen Melodien die Pop-Charts auf.
Der sogenannte „TikTok Rave“-Trend schließt 30 Jahre später mit Remakes von bekannten Charthits der Achtzigerjahre nahtlos an die euphorische Candy-Rave-Ästhetik von Happy Hardcore an. Ilsa Gold aus Wien machten das schon 1994 vor, als sie frech „La Boom“ für ihren Hit „Silke“ sampleten.
Wichtige Vertreter: Marusha, Charly Lownoise & Mental Theo, Dune, Scooter, Blümchen, Ilsa Gold
Happy Hardcore geht auch mit Humor, wie Christopher Just und Peter Votava mit ihrem Projekt Ilsa Gold zeigen.
Techno (Raw, Deep, Hypnotic) und „Berghain Techno“
Das coole Gegenstück zu Techno (Driving/ Peaktime). Hier finden wir ernsthafteren, minimalistischeren Techno, der nicht rein nach Peaktime-Funktionalität produziert ist. Steht auch gern als Oberbegriff für hier bereits erwähnte Genres wie Detroit, Acid, Hardgroove, Dub-Techno und Minimal-Techno.
„Berghain Techno“ gibt’s natürlich nicht wirklich als Genre, aber gerade in den 2010er-Jahren galt für viele Techno-Fans aus dem Ausland der apokalyptische, basslastige Sound auf dem Mainfloor des Berliner Clubs Berghain als Referenz für eben diesen Begriff. Lineare, monotone Strukturen und düstere Hallräume erzeugen eine coole Härte, die ohne vordergründig-aggressive Sounds, dramatische Breakdowns oder andere plakative Effekthascherei auskommt. Und das natürlich raw, deep und hypnotic.
Wichtige Vertreter: Marcel Dettmann, Ben Klock, Len Faki, Rødhead
Wie klingt’s im Berghain? Schwer zu beschreiben für Leute, die niemals dort waren. Aber hier wäre mal ein Versuch: ein DJ-Set von Len Faki bei der TimeWarp 2018.
Hardcore Techno/ Industrial Techno
Mit „We Have Arrived“ schuf Marc Arcadipane aka Mescalinum United 1990 einen stilbildenden Klassiker des Genres. Auf seinem Label PCP (Planet Core Productions) veröffentlichte er unter vielen Aliases wie T-Bone Castro, The Mover und dutzenden weiteren Namen harten, düsteren Techno, der Genres wie Gabber, Doomcore, Industrial Hardcore, Schranz bis hin zu Hardtekk beeinflusste.
DJ Tanith aus Berlin galt in den Neunzigern als „Herr der fiesen Töne“ und der „härteste DJ der Welt“, weil er alle Facetten von Hardcore Techno über Breakbeat („Breakcore“) bis hin zu Gabber in seinen Sets verarbeitete. Aktuell setzen DJ/Producer wie Paula Temple, BEC und Kobosil den Standard für harten Industrial Techno.
Wichtige Vertreter: Marc Arcadipane, Mescalinum United, Aphex Twin, Adam X, Paula Temple, BEC, Kobosil, Tanith
„We Have Arrived“ von Mescalinum United aka Marc Arcadipane gilt als stilbildender Klassiker des Hardcore-Techno-Genres
Hardstyle
Ebenfalls in den Niederlanden groß geworden, langsamer als Gabber, aber nicht weniger intensiv. Hier vermischen sich Trance, EDM und schneller, harter Techno zu einem massentauglichen Sound, der maximale Eskalation fordert und fördert. Erwähnenswerte Subgenres sind Donk und Hardbass.
Wichtige Vertreter: Headhunterz, Brennan H, Klubbheads
Hardtekk
Geht’s noch etwas krasser? Ja klar, Hardtekk! Das freche, borstige Enkelkind von Gabber schmirgelt krass verzerrte Bassdrums, Punk und Indie-Vocals bis auf 200 BPM hoch und ist vor allem in ostdeutschen Kollektivstrukturen groß. Hier spielt auch der Spaß am Krach eine wichtige Rolle, Manchmal auch Kapitalismuskritik. Aber immer willenloses Abgehen. Quasi der Gegenentwurf zu EDM und Business Techno.
Wichtige Vertreter: EntzugszKlinique, Cracky Koksberg, C.Z‑KiND, Der Kleine Mann
Magdeburg ist eine der Hardtekk-Hochburgen in Deutschland
IDM/ Leftfield/ Listening Techno
Zum Schluss noch etwas Chillout: IDM steht seit den frühen Neunzigern für „Intelligent Dance Music“. Nun ist die Musik selbst nicht intelligent, oft nicht einmal ihre Hörer. Es geht um elektronische Musik abseits der Partyfunktionalität, Musik zum Hören, Chillen, Experimentieren.
Aphex Twin, B12, Autechre, Future Sound of London, The Black Dog, das Projekt Leftfield oder frühe Platten von Warp sind gute Beispiele für Techno, zu dem man nicht tanzen muss.

Compilations von Warp und New Electronica und Alben von Autechre, B12, Future Sound of London und Aphex Twin (im Uhrzeigersinn), stellvertretend für IDM und Leftfield.
Thomann DJ Days vom 19. bis 20. Juni
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Subgenres des Techno: alle Teile der Artikelserie
Teil 1: Techno und House: Entstehung und Subgenres
Teil 2: die Raving Society und ihre Kinder
Famous Last Words
Ich hoffe, dir hat unser kleiner Überblick über die vielen Subgenres von Techno mit manchmal notwendigen Querverweisen zur House Music gefallen. Sicher konnte ich in der Kürze nicht jedes Mikro-Genre erwähnen oder allen wichtigen Artists und Labels genügend Wertschätzung zukommen lassen.
Dafür schreibe ich dann vielleicht mal ein dickes Buch und freue mich bis dahin auf deinen Kommentar. And don’t forget to dance!
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