Game Soundtracks: Musik in Computerspielen

Game Soundtracks: Musik in Computerspielen

Seit es Computerspiele gibt, darf Musik darin nicht fehlen. Während die allerersten Games meist nur einige dünne Pieptöne von sich gaben, machte die Game-Musik bald eine ähnlich rasante Entwicklung durch wie die Grafik. Von den Soundchips der Konsolen und Computer der 1980er Jahre über 8-bit- und 16-bit-Soundkarten bis hin zu modernen Scores, die oft ähnlich aufwändig produziert sind wie die Musik einer Hollywood-Filmproduktion: Die Musik macht oft den ganz besonderen Reiz eines Games aus.

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Mit den technischen Möglichkeiten änderte sich auch die Art und Weise, wie Musik in Games eingesetzt wird bzw. eingesetzt werden konnte. Als Videospiele in den 1980ern zu einem Massenphänomen wurden, kam die Musik zunächst aus einfachen Synthesizer-Chips mit sehr eingeschränkten Möglichkeiten. Heute wird diese Klangästhetik daher liebevoll als „Chiptune“ bezeichnet. Der SID des Commodore C64 – ein 3-stimmiger, analoger Synthesizer auf einem Chip – genießt echten Kultstatus. Führt man sich die rudimentären Möglichkeiten vor Auge, ist es beinahe unglaublich, was die Komponisten diesem Chip alles entlockten.


Dann folgten PC-Soundkarten, die ihre Klänge zunächst per FM-Synthese und später mit PCM-Samples erzeugten. Zu dieser Zeit bestand der Soundtrack der meisten Games aus MIDI-Files, die von der Soundkarte des Computers zum Klingen gebracht wurden. Wie ein Spiel klang, hing also stark von der verwendeten Hardware ab. Erst um einiges später, als der Speicherplatz billiger und die Prozessoren schneller wurden, wurde es möglich, innerhalb eines Games digitale Audio-Dateien abzuspielen. Damit war die Tür geöffnet für aufwändig produzierte Soundtracks, deren Klang nicht mehr von der Hardware abhängig ist.


In frühen Arcade- und Konsolenspielen hatte die Musik oft einen gewissen Cartoon-Charakter. Das lag zum Teil am cheesy Sound der damaligen Chips, zum Teil aber auch an den Kompositionen. In Jump-’n’-Run-Klassikern wie der Super-Mario-Reihe wurden die Soundeffekte für Sprünge, Schüsse, Würfe und andere Aktionen beinahe zum Teil der Musik und animierten zum Laufen und Springen. Schon damals wurde aber deutlich, welchen Anteil Musik an der Wirkung eines Games haben kann. Gerade Mario, die Zelda-Reihe, Mega Man und Final Fantasy setzten hier Maßstäbe, mit Soundtracks, die den einzelnen Levels jeweils eine ganz bestimmte Atmosphäre verliehen. Pixelgrafik und 8-bit-Sound hin oder her – die besten Games jener Zeit zogen den Spieler nicht weniger in ihren Bann als heutige, fotorealistische Spielwelten, und der Sound von Komponistinnen und Komponisten wie Yoko Shinomura, Manami Matsumahe und Koji Kondo trug entscheidend dazu bei.


Der Wechsel zu vorher aufgenommenen, im Studio produzierten Audio-Soundtracks eröffnete den Game-Designern musikalisch völlig neue Möglichkeiten. Nun war soundtechnisch alles möglich, was auch in Filmen verwendet wird, um Szenen musikalisch zu untermalen. Also arbeitet die Musik heutiger Computerspiele mit allen Stilmitteln und Klischees, die auch in der Filmmusik verwendet werden: Von Leitmotiven, die an bestimmte Charaktere oder Aktionen geknüpft sind, über Instrumente wie Streicher oder Hörner, mit denen man instinktiv bestimmte Emotionen verbindet, bis hin zu Stille, die richtig eingesetzt eine mehr als heftige emotionale Wirkung haben kann.


Auch, wenn man sie vielleicht nicht immer bewusst wahrnimmt, hat Musik einen entscheidenden Anteil daran, wie tief man emotional in ein Spiel eintaucht. Das muss nicht immer ein cineastischer Score sein. Einige berühmte Games setzten Musik auf eine andere Weise sehr effektvoll ein, zum Beispiel, indem sie vom Protagonisten in den jeweiligen Szenen direkt erlebt wird. Unvergessen sind die interaktiven Radiosender der Grand-Theft-Auto-Reihe („I’m Hans! This is SF UR! I come to America to bring the love from Europe!“), die ein unvergleichlich immersives Erlebnis schufen. Und sie lösten auf elegante Weise eine Herausforderung, die Game-Musik von Filmmusik unterscheidet: In Games muss sich die Musik dem Spielgeschehen zu jeder Zeit anpassen können. Wenn eine Szene vorbei, ein Kampf zu Ende oder ein Protagonist gestorben ist, wird das Spiel ja nicht angehalten, bis die Musik vorbei ist. Es darf also nicht komisch klingen, wenn die Musik plötzlich aufhört oder wechselt. Neben dem kalkulierten Spiel mit Emotionen ist das eine der anspruchsvollsten musikalischen Aufgaben, mit denen sich Game-Komponisten auseinandersetzen müssen.


Komponisten ✍

Aber wer sind eigentlich die kreativen Köpfe hinter den Game-Soundtracks? Obwohl sich die Videospiel-Musik inzwischen etabliert hat und bestimmt nicht mehr belächelt wird, stehen nur wenige Game-Komponisten im Rampenlicht. Hier stellen wir einige von ihnen kurz vor.

1. Jesper Kyd

Der dänische Komponist ist hauptsächlich für seine bahnbrechenden Scores für die Assassin’s-Creed-Serie bekannt. Sein Portfolio aus beinahe 30 Jahren Musik für Videospiele umfasst aber auch andere populäre Titel wie die Hitman-Reihe, Borderlands und State of Decay. In seinen Kompositionen kombiniert er klassische Instrumente wie Orchester und Chor mit elektronischen Elementen.


2. Harry Gregson-Williams

Der Brite ist eigentlich eher Filmkomponist und schrieb die Musik für etliche Hollywood-Blockbuster, darunter Shrek, Spy Game und Phone Booth. Seine Musik für die Metal-Gear-Solid-Reihe (ab Folge 2) darf aber als wegweisend bezeichnet werden. Die Scores von Harry Gregson-Williams zeigten, wie Musik in heutigen Computerspielen wirken kann – mit allen Hollywood-Stilmitteln und viel Power.


3. Jeremy Soule

Sein meisterhafter Einsatz der klanglichen Möglichkeiten eines Orchesters hat dazu geführt, dass der Amerikaner Jeremy Soule oft als „John Williams der Game-Musik“ bezeichnet wird. Zu seinen bekanntesten Titeln zählen die Guild-Wars- und Elder-Scrolls-Reihen, sowie Total Annihilation. Insgesamt schuf Soule die Musik zu über 60 Spielen.


4. Darren Korb

Mit „Bastion“ und „Transistor“ schuf Darren Korb die Musik für zwei viel beachtete Indie-Games. Er arbeitet viel mit gesampelten Beats und rhythmischen Elementen, die mit akustischen Instrumenten und Synthesizern kombiniert werden.

 


5. Austin Wintory

Mit der Musik zu „Journey“ war Austin Wintory der erste Game-Komponist, der für einen Grammy nominiert wurde. Und hört man sich den Soundtrack des Spiels an, ist das auch absolut verdient. Hier kommen orchestrale Elemente mit Folk-Einflüssen zusammen und schaffen eine einzigartige Klangwelt.


6. Yoko Shinomura

Die Japanerin gehört zu den Musiker/innen, die bereits in den 1980er Jahren den Grundstein für die heutige Game-Musik legten, mit damals bescheidenen technischen Mitteln. Die Scores von Yoko Shinomura sind unvergessen, allen voran Street Fighter 2 und „Final Fight“. Später schrieb sie u. a. die Musik für „Super Mario RPG“ und die „Mario & Luigi RPG“ Serie.


In welchem Videospiel gefällt euch die Musik besonders gut und warum? 🤔 Wir freuen uns auf eure Kommentare! ✍

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Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

7 Kommentare

    Netter Blog – Daumen hoch.
    Hab die ganze Entwicklung selbst miterlebt und finde es richtig klasse, dass man heute per VST Plugins auch wieder auf die alten Original-Sounds zurückgreifen kann.
    Im Zuge der RETRO-Game Welle ist es wieder interessant geworden mit Chip Tunes zu arbeiten.
    Das zu tun ohne die gewohnte Arbeitumgebung zu verlassen ist einfach genial. 🙂

    Mein größter Traum ging in
    Erfüllung!

    Das ist schön! 😉 Wie sieht dein größter Traum aus?

    Da hätte jetzt aber mindestens ein Composer aus der besagten C64 Ära erwähnt werden müssen !
    Rob Hubbard (u.a. Commando), Matt Gray (Last Ninja), Jeroen Tell/Maniacs of Noise (Cybernoid II) und auch mit Chris Hülsbeck ein Deutscher der zu den Allstars gehört 🙂

    Hab ich das jetzt zu schnell überflogen? Irgendwie fehlt mir in den Aufzählungen Troels Folman, der mit Tomb Raider, eigentlich DEM ersten Open World Game einen Soundtrack abgeliefert hat, wie soll ich sagen, das war schon ganz großes Kino und die Musik konnte man unmittelbar mit diesem Abenteuerthema in Verbindung bringen. Ich will nicht sagen, dass nachfolgende Spiele und Spielegenerationen da an Pomp gespart hätten, gerade genannter Jeremy Soule hat das ja in Skyrim ebenfalls wunderbar unter Beweis gestellt, aber Tomb Raider legte da aus meiner Sicht einen Grundstein.

    Hallo Toni,
    danke für dein Feedback. Mal sehen, vielleicht gibt es einen zweiten Teil und dann packen wir deine Beispiele vielleicht mit rein? 😉
    Liebe Grüße

    Ich sehe es kritisch, dass sich Gamesoundtracks Hollywood Scores immer mehr annähern. Für mich haben Spielesoundtracks am meisten Charme, wenn sie gekonnt mit den individuellen Soundchips einer Konsole oder eines Computers arbeiten und somit unverkennbare Stimmungen erzeugen. So waren der C64 oder der Mega Drive echte Analog/FM Synths und der Amiga und das Super Nintendo gingen schon als Sampler durch! Hier ein aktuelles Projekt was ich sehr interessant finde – hier hat sich ein Künstler die Mühe gemacht ein komplettes Album fürs Mega Drive zu schreiben und stilecht auf Modul zu veröffentlichen: https://www.google.com/amp/s/www.golem.de/news/retro-technoalbum-auf-mega-drive-cartridge-veroeffentlicht-1903-140313.amp.html

    Gamesoundtracks sollten auf eine absolute eigene Ästhetik setzen. Genauso wie Games eigentlich auch. Hollywood, who cares?

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