8 abgedrehte und informative Fakten zum Mysterium Ohrwurm

8 abgedrehte und informative Fakten zum Mysterium Ohrwurm

Eine Melodie, die man stunden- oder tagelang nicht mehr loswird. Ein Song, der langsam anfängt zu nerven, weil er sich wie eine Klette an die Hirnwindungen klammert. Aber du findest in dir selbst keinen Knopf zum Ausstellen. Anfangs war’s ja ganz witzig. Aber ab der sechsundneunzigsten Wiederkehr würdest du die Melodie am liebsten erwürgen. Ist nun mal ein wenig problematisch, mit der Endlosschleife von „Die immer lacht“ oder dem grölenden Döpdöpdöp Döbödöpdöpdöp aus „Maria I like it loud“ von Scooter einzuschlafen oder treffender ausgedrückt: nicht einzuschlafen. Hier ein paar Informationen zum Thema Ohrwurm … ??

#ThePowerOfMusic




1. Eine Ohrwurm-Formel gibt es nicht

Könnte man exakt definieren, wie ein Ohrwurm funktioniert, würde man damit vermutlich einen Haufen Geld verdienen. Schließlich wäre damit das Geheimnis gelüftet, wie man einen Welthit schreibt. Funktioniert so natürlich nicht. Zwar gibt es Studien von diversen Wissenschaftlern. Da wird über spezielle Intervalle, die Reduktion auf das Wesentliche und vieles mehr gefachsimpelt. Theorien können das Phänomen nur oberflächlich eingrenzen und sind für uns Musiker schwer greifbar.


2. Musikalischer Minimalismus

Das Kuriose an Ohrwürmern: Es sind meistens die besonders einfachen Melodien, die uns nicht mehr loslassen. Laut dem kognitiven Musikwissenschaftler Dr. John Ashley Burgoyne von der Universität Amsterdam ist die möglichst simple Melodie – und nur die Melodie (!) – ausschlaggebend für die Geburt eines Ohrwurms. Leicht nachvollziehbar, dass Schlager und Co. sich eher zum Ohrwurm eignen als komplexe Jazz-Stücke, der Raver-Teppich oder Rap-Songs.


3. Hommage an die Komplexität des Gehirns

Einige der Ohrwurmklassiker schlechthin stammen interessanterweise aus Kindergeschichten und Kinderfilmen. Kindermusik ist leicht verständlich und für das Gehirn geradezu barrierefrei. Wer hat nicht das legendäre „Mahna Mahna“ von den Muppets mitgeträllert oder den Pippi-Langstrumpf-Song „Zwei mal Drei macht Vier. Widdewiddewitt und Drei macht Neune!“ Erkennt man sofort. Und schon steckt der Ohrwurmspeicher wieder voll. Und nun alle mal raten, weshalb deutsche Schlager derartiges Ohrwurm-Potenzial haben.


4. Unfertiges haftet im Kopf

Und verlasst euch drauf: Ist der Ohrwurm erst mal da, geht er auch nicht so schnell wieder weg. Das liegt am sogenannten Zeigarnik-Effekt, benannt nach der russischen Psychologin Bljuma Wulfowna Zeigarnik. Die Theorie besagt, dass man sich an unterbrochene, unerledigte Aufgaben und unvollendete Gedanken besser erinnert als an abgeschlossene, erledigte Aufgaben. Meistens erinnert man sich nur an ein kurzes Fragment des Songs. In unserem Hirn ist der Song also nicht vollendet. Das Resultat ist die nervige Dauerschleife.


5. Von der Endlos-Party zum Endos-Ohrwurm

In den meisten Fällen verbinden wir mit dem Ohrwurm eine bestimmte Situation, ein Erlebnis, eine Emotion. Erleben wir das Gefühl nun in irgendeinem Kontext wieder neu, wird der Ohrwurm wieder abgerufen. Beispielsweise die Erinnerung an den letzten Party-Urlaub. Die berauschenden Substanzen flossen in Strömen; es war einfach eine geile Zeit. Bei der nächsten Fete kommt die Erinnerung wieder zurück. Im kühlsten Norddeutschland wird plötzlich „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“ gegrölt und du bist gefühlt wieder in El Arenal.


6. Keine Angst, du bist nicht allein

Interessant ist, dass der Ohrwurm sich häufig bei mehreren Personen gleichzeitig wieder abrufen lässt. Leicht nachvollziehbar, weil er meistens an eine bestimmte Situation und Erinnerung gekoppelt ist. Und wenn man gemeinsam gefeiert hat, hat man nun mal auch die gemeinsame Erinnerung, die sich immer wieder aktivieren lässt. Stell‘ dir vor, du steigst in die U-Bahn und dir entschlüpft ein automatisiertes „Mahna Mahna“. Schon brummeln mindestens zehn Leute neben dir: „Ba Dee Bedebe“. Herzlichen Glückwunsch.


7. Und wie werde ich das Ding wieder los?

Eine Möglichkeit ist es, Kaugummi zu kauen. Damit betrügen wir uns vorsätzlich selbst. Das Kaugummikauen suggeriert dem Gehirn, dass wir etwas vor uns hermurmeln und beeinflusst das akustische Kurzzeitgedächtnis. Der aktive Abschied vom Ohrwurm.


8. Auch denken kann helfen

Ideal ist es auch, wenn man dem Gehirn etwas zu denken gibt. Ein Rätsel, eine Beschäftigung mit einem interessanten Thema. Ohrwürmer treten vor allem dann auf, wenn das Gehirn gerade wenig zu tun hat wie bei monotoner Arbeit oder dem entspannten Autofahren. Gebt dem Denkapparat also Futter – möglichst nicht zu leichte oder zu schwere Kost – dann schafft ihr den gedanklichen Reset.


Macht euch keine Gedanken; ihr seid ganz sicher nicht die einzigen Betroffenen, sondern um es mit den Worten eines immer noch aktuellen Ohrwurms zu sagen: „Einer von 80 Millionen“. ?

Welches sind eure nervigsten Ohrwürmer und wie schafft ihr es, euch wieder davon zu befreien? Schreibt uns unten in den Kommentaren! ?✍

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

4 Kommentare

    Den nervigsten Ohrwurm hatte ich von der Oreo Keks Werbung aber mir hilft es immer das Ende des Liedes zu Singen

    Netter Artikel! Ich vertreibe einen Ohrwurm meistens mit einem anderen (wenn mir einer einfällt). Gemeine Methode: ihn jemandem vorsummen. Auch gemein: wenn man innerlich eine Melodie summt, und jemand anders eine simple unerwünschte Melodie laut summt.

    Einen Ohrwurm mit einem anderen vertreiben? Hm … 🙂

    Einen Ohrwurm mit dem anderen vertreiben kann klappen. Aber was, wenn plötzlich 2 davon asynchron auf verschiedenen Spuren durch den Kopf geistern? Neulich: TNT meets Angie…

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