Legendäre Konzerte: Wacken 1990 \m/

Legendäre Konzerte: Wacken 1990 \m/

Treffen sich der Bassist einer Rock- und Coverband und ein Heavy-Metal-DJ in einer Kneipe. Sagt der eine zum anderen: „Man müsste mal ein Festival veranstalten.“ Sagt der andere: „Klar, dann los!“ 

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So hat es sich 1989 tatsächlich abgespielt. Nachdem Thomas Jensen und Holger Hübner, die stets zu „Monsters of Rock“ und diversen Metal-Konzerten fuhren, 1988 bei legendären Werner-Rennen und dem zugehörigen Konzert mit 200.000 Zuschauern waren, war ihnen klar, dass sie ein Metal-Festvial organisieren wollten.

Das Ergebnis: Jahr für Jahr pilgern 75.000 Heavy-Metal-Fans in den kleinen Ort in Schleswig Holstein mit seinen nicht mal 2.000 Einwohnern, um drei Tage lang ihre Lieblingsbands zu genießen. Und alle waren sie schon da: Megadeth, Motörhead, Helloween, Judas Priest, Accept, Alice Cooper, Scorpions, Deep Purple, Oomph!, Steel Panther, Kreator, aber auch Bands wie Die Kassierer, Broilers, Eskimo Callboy, Foreigner oder Dream Theater. Und nicht vergessen wollen wir die örtlicher Feuerwehrkapelle W:O:A Firefighters und das langjährige Maskottchen Mambo Kurt an seiner Heimorgel. Das jährliche Lineup liest sich regelmäßig wie das aktuelle Who’s who der Szene. Wacken ruft – und sie alle kommen!

Wenn Musiker an eine Sache glauben und mit Herzblut drangehen, können sie alles erreichen. Oft ist es steiniger Weg, aber mit der Kraft der Musik geht es. #ThePowerOfMusic


Die Anfänge

Dabei hatte es alles andere als groß angefangen. 800 Besucher fanden sich am 24. und 25. August 1990 in einer alten Kiesgrube, um sich sechs Bands anzuhören und dort zu campen. Die Bands mit Namen 5th Avenue, Axe’n Sex, Motoslug, Sacret Season, Skyline und Wizzard hatten damals zwar nicht so viele Zuhörer wie die Bands heute, dafür aber sicher mehr Spielzeit. Skyline war übrigens die Band des Bassisten aus dem Kneipengespräch. Und auch wenn Thomas Jensen dort inzwischen nicht mehr die Saiten zupft, sondern als Wacken-Chef hinter den Kulissen die Fäden in der Hand hält, so spielt die Band nach wie vor regelmäßig in Wacken – inzwischen halt vor ein paar Zuschauern mehr.

Fotocredits: Fotos ICS Festival Service GmbH

Holger Hübner erzählt: „Das war ein steiniger Weg. Aber wir waren von der Idee angefixt, hatten da Bock drauf und das nötige Herzblut dafür. Wir haben uns halt mit allen Konsequenzen reingehängt in die Nummer. Wir hatten zehn harte Jahre, bis das erfolgreich wurde.“

Und der Zusammenhalt war da. Holger: „Jeder musste am Anfang alles machen. Heute haben wir Leute dafür, aber damals hat jeder die Bühne mit aufgebaut und Müll eingesammelt. Man hat uns zwar in der Gegend nicht ernst genommen und sich gefragt, ‚was machen die Jungs denn da?‘, aber viele aus dem Dorf haben auch mitgemacht. Zu verdienen gab’s eh nix, aber es hat Spaß gemacht und wir haben ordentlich gefeiert. Und so sind wir die Nummer auch angegangen. Mit der Zeit ist das dann gewachsen, es wurde größer und professioneller, aber wir haben bis heute alle diese Leidenschaft dafür.“

Fotocredits: Fotos ICS Festival Service GmbH


Lass mal den Job kündigen …

Irgendwann war das Festival schließlich so groß, dass die Veranstalter ihre regulären Jobs kündigten und sich ausschließlich aufs Wacken Festival konzentrierten. Und es wuchs weiter: Die Zahl der Bands, die an den inzwischen drei Tagen in Wacken spielen, ist stetig gewachsen. Den Rekord hält bisher 2015 mit 158 Bands.

Dabei haben die Veranstalter das am Anfang keineswegs so geplant. Holger: „Als wir Anfang der 90er anfingen, war Heavy Metal eigentlich tot. Stadionrock a la Guns’n’Roses, Metallica oder AC/DC war angesagt. Wir waren mit Heavy Metal zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Und wir mussten das erst mal wieder von Grund auf aufbauen. Als dann das Internet kam und wir mehr und mehr auch ausländische Gäste hatten, ging’s nach vorne.“

Inzwischen sehen die Gäste schon von Weitem, wo ihr Ziel liegt. Das Silo der örtlichen Raiffeisenhauptgenossenschaft wurde 2012 schwarz gestrichen, erhielt das berühmte W:O:A-Logo mit dem brennenden Schädel und grüßt nun die ganze Welt mit dem legendären Spruch „Freu dich, du bist in Wacken.“

Du siehst: Wenn Musiker an eine Sache glauben und mit Herzblut drangehen, können sie alles erreichen. Oft ist es steiniger Weg, aber mit der Kraft der Musik geht es. #ThePowerOfMusic

Ein Ende des Wacken-Festivals ist übrigens nicht in Sicht und auch nicht geplant. Mitgründer Thomas Jensen bestätigte in einem Interview mit dem hauseigenen Sender WackenTV, dass er W:O:A für die Ewigkeit plant. Somit wandeln wir den Spruch für alle um, die noch nicht da waren oder wieder hinwollen: Freu dich, du kannst nach Wacken.


Warst du schon mal auf Wacken? Wenn ja, wie war’s? ✍

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Franziska startete ihre Musiklaufbahn an der Violine und ist heute musikalisch zwischen Smetana und In Flames zu Hause. In ihrer Freizeit engagiert sie sich in allerlei Kulturbereichen und lebt ihre Leidenschaft - die Kunst - in all ihren Facetten.

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