Der Rock ‘n’ Roll gilt als der Startschuss für die moderne Pop- und Rockmusik und als Wurzel für all das, was danach kommen sollte.
Entstanden Ende der 1940er- und Anfang der 1950er-Jahre, löste er zunächst bei den frustrierten Jugendlichen in Nordamerika einen echten Hype aus und schwappte danach rasant über den gesamten Globus. Die Zeit war heiß! 🎸

Ventil und rebellierendes Massenphänomen
Rock ‘n’ Roll war weitaus mehr als eine Musikrichtung – er war ein Lebensgefühl der Jugend, eine Protestkultur gegen das damalige Establishment und gesellschaftliche Zwänge. Rock ‘n’ Roll wurde zum Ausdruck einer ganzen Jugendkultur.
Auf der einen Seite herrschten Aufbruch- und Wirtschaftswunderstimmung, auf der anderen Seite Prüderie und Konformismus. Die Jugend wollte das nicht. Der Rock ‘n’ Roll wurde zum Ventil für die Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen und entwickelte sich zu einem echten Massenphänomen.
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Amerika brennt: Elterngeneration ist erschüttert
Die konventionelle Elterngeneration war erschüttert und empfand die neue Jugendkultur als haltlos, unmoralisch und sittenverderbend. Die in den Texten enthaltenen sexuellen Anspielungen galten als vulgär. Kein Wunder: Immerhin soll die Bezeichnung „Rocking and Rolling“ – Wiegen und Wälzen – ein Synonym für den Beischlaf sein.

Es drehte sich darum, den gewohnten Status quo infrage zu stellen, die Suche nach persönlichem Sinn auszudrücken und vor allem wilden, ungezügelten Spaß zu haben. Die Kleidung passte sich dem neuen Freiheitsgefühl an, mit langen Haaren. Die Frauen trugen Petticoats und Pumps, die Männer Jeans, enge Lederjacken sowie Frisuren mit Pomade und der typischen Elvis-Tolle.
Der Urknall: Wie alles begann …
Anfang der 1920er-Jahre entwickelten sich die ersten Vorboten des Rock ‘n’ Roll aus der Synergie von Swing, Country und Blues. Obschon zuvor ähnliche Songs gespielt und veröffentlicht worden waren und der Begriff erstmals in den 1930er-Jahren auf „Rock ‘n’ Roll“ von den Boswell Sisters auftauchte, sollte es bis zu den frühen Fünfzigern dauern, bis der DJ Alan Freed eine spezielle Musikrichtung so bezeichnete.
„Rock Around the Clock“ von Bill Haley & The Comets markierte dann am 12. April 1954 als offiziell erster internationaler Rock ‘n’ Roll-Hit den eigentlichen Urknall. Rund ein Jahr später schaffte der Song als Soundtrack zum Film „Blackboard Jungle – Saat der Gewalt“ den weltweiten Durchbruch und löste ein Beben aus, wie es in der Geschichte der populären Musik niemals zuvor und danach gesehen wurde.
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Bill Haley & His Comets – Rock Around The Clock (1955) HD
Jung, wild und ungezügelt
Die jungen Wilden ließen die etablierten Stars im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Jerry Lee Lewis hämmerte geradezu aggressiv auf die Boogie-Tasten und sang kaum falsch zu verstehende Worte wie „Great Balls of Fire“.
Chuck Berry schoss rasiermesserscharfe Gitarrenriffs in die Crowd und erfand den Entengang. Ebenso gehörte Little Richard zu den unangefochtenen Rock ‘n’ Roll-Ikonen. Und neben diesen und zahlreichen weiteren tauchte plötzlich ein gewisser Elvis Presley auf – eigentlich ein gutaussehender Lkw-Fahrer. Mit unglaublicher Stimme, etlichen Hits wie „Heartbreak Hotel“, „Tutti Frutti“ oder „Jailhouse Rock“ sowie seinem typischen Hüftschwung avancierte er zum King of Rock ‘n’ Roll.
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Elvis Presley – Jailhouse Rock (Music Video)
Die Instrumente im Wandel der Elektrifizierung
Zweifellos spielte auch die technische Entwicklung der Instrumente eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Entstehungsgeschichte des Rock’n’Roll. Es war die Zeit, in der erste E-Gitarren aufgrund der verbauten Tonabnehmer bühnentauglich wurden und ohne Mikrofone direkt über die ebenfalls langsam größer werdenden Boxen und Verstärker geschickt werden konnten.

Bei den meisten elektrischen Gitarren handelte es sich um Hollow-Bodys wie etwa die damals auch schon im Blues beliebte ES-335 oder ES-355 von Gibson, die Modelle von Hagstrom, Gretsch und Co. Die Beschallungssysteme waren mit denen der heutigen PAs noch nicht ansatzweise vergleichbar; also kam der Sound größtenteils von der Backline, die in der Regel mit Vollröhrenverstärkern von Stacks bis Combos bestückt war.

Das Resultat war der so überhaupt nicht digitale Club-Sound, den viele heutzutage mit Vintage oder Retro bezeichnen und den sie gerne wieder zurück hätten. Plötzlich war es möglich, für damalige Verhältnisse vergleichsweise laut zu spielen. Und das kosteten die Bands zum Leidwesen der Elterngeneration auch vollends aus. Die Instrumente machten es auch mit aufgrund der Konstruktionsweise geringer werdenden Feedback möglich.

Eine Ära, geprägt von zahlreichen Acts
Die Stars des Rock ‘n’ Roll aufzuzählen, kann angesichts der unzähligen damals angesagten Künstler und Hits nur lückenhaft sein. Beispielsweise gehörten dazu Roy Orbison mit dem unvergessenen „Pretty Woman“, Carl Perkins mit „Blue Suede Shoes“, Buddy Holly mit „Peggy Sue“ oder die Beach Boys mit ihrem unfassbaren Satzgesang etwa in „Barbara Ann“.

Etwa um 1960 – der Rock ‘n’ Roll-Zug hatte längst an Fahrt aufgenommen – wurde die Musik zunehmend kommerzieller und auch akzeptierter. Die Bands und Solo-Acts lieferten weiterhin Evergreens am Fließband. Erst in den 1960er- und 1970er-Jahren ebbte die Welle langsam ab, und der ursprüngliche Rock ‘n’ Roll wurde von Beatmusik, Soul, Pop und Rock abgelöst.
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Buddy Holly & The Crickets – „Peggy Sue“ on The Ed Sullivan Show
Das musikalische Geheimnis des Rock ‘n’ Roll
Die Musik war vor allem tanzbar und eingängig. Neben den hochemotionalen Balladen waren die Songs von einem ganz besonderen Drive geprägt – eben der Zügellosigkeit des Lifestyles. Oftmals basierend auf relativ einfachen Harmonien und Melodien, die sich als Ohrwürmer festklammerten und mitgesungen werden wollten, waren die Rock ‘n’ Roll-Hits direkt für die Fans geschrieben.

Kommerz hatte keinen negativen Touch – ganz im Gegenteil. Und spätestens als die Labels begriffen hatten, welche auf sie zurasende Welle sie zu verschlafen drohten, gaben sie furchterregt ihren Widerstand auf und warfen reihenweise Rock ‘n’ Roll-Songs auf den Markt. Die Elterngeneration war nicht ganz einverstanden, doch die Kassen klingelten.
Als der Rock ‘n’ Roll langsam verging
Tatsächlich begann dann der schleichende Niedergang des ursprünglichen Rock ‘n’ Roll. Elvis verlor zeitweilig an Glamour und ging als GI zum Militär. Viel zu viele Stars verstarben deutlich zu früh – so etwa Buddy Holly und Ritchie Valens bei einem Flugzeugabsturz oder der hochbegabte Eddie Cochran bei einem Autounfall.
Die Beatles traten ins Rampenlicht und servierten die englische Beatmusik; die Rolling Stones widmeten sich gewissermaßen als Gegenpart eher dem Rhythm and Blues. Neben der Beatles-Mania entwickelte die Musik sich darüber hinaus in Richtung härterer Gangart.

Wenn deine Eltern ihn nicht mögen, ist er gut!
Dass der klassische Rock ‘n’ Roll vor allem einem Lebensgefühl entsprungen war, zeigt sich übrigens auch daran, dass er weiterhin von vielen Musikern und Nichtmusikern späterer Generationen als Ausdruck ihrer Lebenseinstellung und häufig auch für diverse weitere Subgenres genutzt wird: „It’s only Rock ‘n’ Roll, but I like it!“

Und wenn dir jemand entgegenruft: „Rock ‘n’ Roll“, weißt du auch ohne weitere Worte, was gemeint ist. Oder um es mit den Worten von Lemmy Kilmister zu sagen: „Rock ‘n’ Roll: Wenn deine Eltern ihn nicht mögen, dann ist er gut.“
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Feedback: Wie der Rock ’n‘ Roll erfunden wurde
Welche sind deine Lieblinge der ursprünglichen Rock ’n‘ Roll-Ära? Schreib es uns gerne in die Kommentare!
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