Blogartikel Wendepunkte in der Rockmusik
9 unterschätzte Wendepunkte, die Rockmusik & Co. verändert haben

9 unterschätzte Wendepunkte, die Rockmusik & Co. verändert haben

Es gab und gibt immer wieder tiefschürfende Ereignisse – teils dramatisch, teils einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort – auch Musiker und deren Alben, von denen die Musikgeschichte nachhaltig geprägt wurde. Alle Wendepunkte aufzuzählen, ist schlichtweg unmöglich. Immerhin dreht sich die musikalische Welt Tag für Tag und in jeder Sekunde. Aber hier kommen einige, ohne die es manche Weichenstellungen nicht gegeben hätte … 🎸


1. Bob Dylan wird elektrifiziert

Eine Ikone der Folkszene, ein Künstler, der als begabtester Protestsänger schlechthin gefeiert wird und als die Stimme der Unterschicht: Bob Dylan war und ist ein Held, allerdings typischerweise von vielen nur mit seiner akustischen Gitarre akzeptiert. Er konnte Gefühle und Gedanken einer Generation in seinen Texten und seiner Musik aufleben lassen und widerspiegeln. Etliche Fans jedoch wollten ihm den Wechsel zur E-Gitarre und zur elektrischen Musik nicht verzeihen. Er wurde von der eingefleischten Akustik-Folkszene ausgebuht. Wäre er allerdings nicht elektrisch geworden, hätte es bedeutende Meilensteine der Musikgeschichte nicht gegeben, beispielsweise Highway 61 revisited oder Blonde on Blonde – zwei der größten Rockscheiben der 1960er-Jahre. Bob Dylan passt in keine Schublade.

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2. Tony Iommi verlor seine Finger

Die Geburt des Metals hängt untrennbar mit einem Unglück zusammen, das Tony Iommi mit gerade einmal 17 Jahren passierte. Der spätere Gitarrero von Black Sabbath verfing sich bei der Arbeit in einer Blechfabrik mit der Hand in einer Maschine und verlor dabei die Fingerkuppen des Mittel- und Ringfingers seiner rechten Hand. Statt aufzugeben, bastelte er sich aus Plastik und Fetzen einer Lederjacke Prothesen. Zumal er aber in den prothetischen Fingerspitzen kein Gefühl hatte, ging er dazu über, die Saiten tieferzustimmen. Es war nichts Geringeres als das Fundament für die bedrohlichen Powerchords und die Geburtsstunde des downgetunten Metal-Sounds.

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3. Als Jimi Hendrix Gott zerstörte

Schlichtweg alles änderte sich mit Jimi Hendrix. Es war 1966, der Ruf von Eric Clapton war gefestigt. Seine Fans verehrten ihn sogar etwas hochtrabend als Gottheit. Er war der personifizierte Gitarrenheld im blues-lastigen Heavy-Rock. Dann bat ein unbekannter amerikanischer Gitarrist darum, in London mit Cream jammen zu dürfen. Es sollte ein schicksalhafter Abend werden. Der Name des Gitarristen war Jimi Hendrix. Clapton war überwältigt. Clapton hatte die Messlatte gesetzt. Durch Hendrix wurde diese Messlatte neu definiert. Und dann verbrannte der 6-String-Magier auch noch seine Gitarre auf der Bühne.

4. Beatles veröffentlichen „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“

Die Pilzköpfe erweiterten 1967 mit Sgt. Pepper nicht nur ihre Songpalette. Zugleich zeigten sie gehörigen psychedelischen Appetit. Tatsächlich vollzogen die „Fab Four“ mit diesem Album den Wandel von liebenswerten Entertainern zu revolutionierenden Künstlern. Von Ideen über das Konzept und Design bis zur Produktionstechnik wurde alles umgekrempelt. Es war eine Explosion der Kreativität. Ein Meilenstein, der andere Bands in seiner Komplexität lange Zeit äußerst blass aussehen ließ. Nur einer ließ sich mal wieder nicht beeindrucken: Jimi Hendrix. Der eröffnete drei schlappe Tage nach dem Release des Beatles-Albums sein Programm mit einer Coverversion des Titelsongs.

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5. Der Aufstieg und Fall von Ziggy Stardust

David Bowie hatte schon fast 10 Jahre lang auf unterschiedlichste Weise versucht, in der Musikbranche Fuß zu fassen. So hatte er Auftritte in Kabarettshows, schieb ein Musikalbum für Kinder, machte sogar Werbung für Eiscreme. Dann erfand er 1972 die Kunstfigur Ziggy Stardust, den androgynen Charakter, der vom Mars kam und auf der Erde landete. Ein Genderspiel, das David Bowie international bekanntmachte und den Grundstein für den Glam-Rock legte, der die frühen 70er dominierte. Ohne den nur kurz währenden Besuch von Ziggy Stardust auf der musikalischen Mutter Erde hätte es etliche Bands mit dieser Ausprägung vermutlich niemals gegeben.

6. Als die Punk-Bestie geboren wurde

Der Punk war rau, direkt und unangepasst. Laut Joe Strummer von Clash war es das Debütalbum der Ramones, das 1976 die positive Büchse der Pandora öffnete und den Boden für Bands wie die Sex Pistols, The Clash und etliche weitere ebnete. Die anfänglichen Verkaufszahlen waren definitiv schlecht. Das änderte nichts daran, dass die Ramones mit ihren nicht mal drei Minuten langen Songs frei von überzogener Lyrik und musikalischer Komplexität exakt den Zeitgeist der Jugend trafen. Rudimentäre, aber eingängige Akkordfolgen ohne Anspruch auf artistische Virtuosität, auf den Punkt gebrachte minimalistische Aussagen über jugendliche Rebellion und das Leben in New York. Es ging nicht mehr darum, als Star bewundert zu werden, nicht einmal darum, was die Musik aussagte. Es ging um Punk.

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7. Der erste Rap-Song entert die Top 40

Als die Sugar Hill Gang 1979 Rapper’s Delight veröffentlichte, war das der erste Rap-Song, der es in die Top-40 schaffte. Was heute für viele eine Selbstverständlichkeit ist, war damals vollkommen neu und bis dato ungehört. Der Song machte Hip-Hop einem breiteren Publikum bekannt. Nicht wenige hielten dieses Musik-Genre für eine Eintagsfliege, die bald wieder vorüber sein würde. Tatsächlich allerdings wurden sie – wie wir alle wissen – eines Besseren belehrt. Rap und Hip-Hop haben sich entgegen aller Unkenrufe mit gigantischen Verkaufszahlen durchgesetzt. Nicht selten sind das Zahlen, von denen andere Genres von Rock bis Pop und mehr allenfalls träumen können.

8. Der Tod von Ian Curtis und die Geburt von New Order

Ein tragischer Moment für die Geschichte des Rock war der frühe Tod von Ian Curtis. Die Band Joy Division hinterließ mit ihrer dunklen, bassgetriebenen und zugleich energiegeladenen Musik und den Lyrics von Ian Curtis einen starken Eindruck. Dann das Drama: Als Curtis im Mai 1980 Suizid beging, wurde die wahre Tragweite der Subtexte deutlich. Aus der Asche stieg der Phönix, um die alternative Dance-Musik der 1980er-Jahre anzuführen: New Order. Es entstand die Verschmelzung gitarrenlastiger New-Wave-Musik mit Electronica und House-Einflüssen; es entstand die Madchester-Szene und damit das Fundament für die ein Jahrzehnt später aufkeimende Britpop-Ära. Ian Curtis ist zu früh gestorben, aber er hat ein unbedingt prägendes Vermächtnis hinterlassen.

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9. Nirvana zerstörten den Hair-Metal

In den 80ern bis Anfang der 90er dominierte die vielfach als oberflächlich und übertrieben kommerzialisierte Hair-Metal-Musik. Die Hardrock-Klischees von endlosen Partys mit bewusstseinsverändernden Substanzen, Leggings mit Leopardenmustern und Co. waren aufgebraucht. Dann kamen die Alternate-Bands, die sich um diesen uniformierten Nimbus nicht mehr scherten: Grunge wurde aus der Wiege gehoben. Allen voran Nirvana um die Ikone Kurt Cobain. Sie waren ab 1991 die neuen Vorbilder, die ihr Ding machten, unbequeme Wahrheiten ansprachen und damit eine komplette Generation prägten.

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Dominic hat als E-Gitarrist einer Alternative-Rockband etliche Clubs im deutschsprachigen Raum unsicher gemacht (die wenigsten davon mussten anschließend zu machen). Mit seiner Unplugged-Band steht er auch heute noch regelmäßig auf der Bühne.

9 Kommentare

    Wenn ich es recht verfolgt habe, war das Riff von You Really Got Me Startpunkt für den Hardrock.

    Die Erfindung des floyd rose wimmerhakens revoluzzionierte das gitarrenspiel.

    Wo ist Frank Zappa mit seinem epochalen Einfluss auf die Rockmusik⁉️

    Das Fingertapping in Verbindung mit dem Floyd Rose Tremolo von Eddie Van Halen war Revolutionär.

    I was too young for the yardbirds … aber als die sich trennten, entstand ein Feuerwerk neuer Bands … und eine davon – vielleicht die bekannteste von ihnen – definierte den kompletten Metal-Kanon, der danach nur noch endgültig ausgearbeitet wurde. Aber auch sonst bin ich mit den neun Steps hier gar nicht einverstanden – da fällt einfach zu viel Wichtiges unter den Tisch.

    Nirvana… ich kann es echt nicht mehr hören! In der Indie-Grunge-Szene gab es zuvor schon weitaus mächtigere und meiner Meinung nach einflussreichere Bands, wie z.B. die Melvins, Sonic Youth, Green River… die haben sich allerdings nicht in die Charts verirrt. Was damals eigentlich zum „guten Ton“ gehörte.

    Der bedeutendste Wendepunkt der Rockgeschichte war, als ein durchgeknallter Künstler eine Band mit einem schwulen jüdischen Gitarristen, einem klassischen Streicher und einem Kölner Model zusammenstellte.

    Vor dem Floyd Rose gab es schon das Rockinger Tru Tune, das auch van Halen zunächst benutzte.

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