10 Tipps, um euer Publikum zu begeistern

10 Tipps, um euer Publikum zu begeistern

Die Messlatte, wie ihr als Musiker beim Publikum einen wirklich außergewöhnlichen Eindruck hinterlasst, hängt mittlerweile extrem hoch. Die Crowd ist von bombastischen Veranstaltungen verwöhnt: musikalisch, optisch, technisch und in Fragen von Entertainment und Co. Es soll ja mittlerweile schon den einen oder anderen Star geben, der sich vom Hubschrauber aus ins Stadion abseilt. Dabei hat sich an den Basics eigentlich kaum etwas verändert. Ganz simpel: „Die da unten“ zahlen für eine Show, die ihnen lange im Gedächtnis bleiben soll. Die wollen und sollen richtig was erleben und eine gute Zeit haben. Und ihr werdet ihnen das bieten – aus voller Überzeugung, weil es einfach tierisch Spaß macht und ihr mit eurer Band die nächsten Schritte gehen wollt.

Hier ein paar Tipps, woran ihr bei eurem Gig denken solltet:



1. Ready to take off – punktgenau durchstarten und Spannung aufbauen

Zwischen dem ersten und letzten Song eures Gigs habt ihr reichlich Zeit euch musikalisch und showtechnisch auszutoben. Das Interessante: Opener und Finale sind zugleich die wichtigsten Titel. Genau die bleiben dem Publikum nämlich am deutlichsten in Erinnerung. Am Anfang muss es kesseln! Das will sagen: Ihr müsst auf die Sekunde genau und ohne Fehlstart präsent sein. Bühne mit Nebel fluten, Fader hoch, Spots an – bäm, auf geht’s. Und dann arbeitet ihr Stück für Stück auf das Ende hin, bei dem ihr die Sonne noch mal richtig aufgehen lasst. Und dazwischen?

2. Plant die Show dynamisch und habt Geduld für den passenden Augenblick

crowdDer übermotivierte Kardinalfehler schlechthin lautet: Jede Sekunde restlos ballern. Einerseits pure Reizüberflutung, die das Publikum emotional nicht verarbeiten kann. Außerdem verschießt ihr eure Highlights. Das eigentlich Beeindruckende wird bei Dauerberieselung zur spannungsfreien Dauerschleife. Und ihr habt nichts mehr in der Hand, um das zu toppen. Schöpft ihr pausenlos mit allen erdenklichen Mitteln aus dem Vollen, ist das eine sportlich musikalische Höchstleistung. Allerdings das exakte Gegenteil von Dynamik. Legt Pausen ein und bringt Abwechslung und Spannungskurven ins Spiel.  Gebt dem Programm und eurem Publikum Zeit zum Atmen und Verschnaufen. Ein Konzert ist kein Dauersprint.

3. Präsentiert euch auf gefühlter Augenhöhe und menschlich greifbar

Ein Konzert ist ein Erlebnis – und zwar ein gemeinsames. Für die Band, für das Publikum und für alle gemeinsam. Die Menschen vor euch sind weder Marionetten noch Statisten, die jemand aus Versehen in den Raum gestellt hat. Die kommen wegen euch. Begreift sie als Teil von euch, als Freunde. Egal ob 10 oder 10.000 – es sind diejenigen, die ihr erreichen und mit auf eure Reise nehmen wollt. Und mit Freunden spricht man, man schaut ihnen in die Augen, man gibt ihnen Gelegenheit, dabei zu sein und mitzumachen. Freunden erzählt man zwischen den Titeln auch mal „spontan“ eine humorvolle Geschichte, die ihr natürlich lange vorbereitet habt. Und schon habt ihr die ideale Überleitung zum nächsten Song.


4. Die Menschen wollen beschäftigt werden

Das Zauberwort heißt „Interaktion“. Plant in euren Sets immer wieder Passagen ein, in denen das Publikum mitsingen kann, in denen es zu eurem Groove mitklatscht, organisiert einen Moshpit, eine Polonaise oder was auch immer. 😉 Die Resonanz aus der Menge bekommt ihr nicht alleine durch den Applaus. Ob ihr ankommt, ob der Funke überspringt, seht ihr in den Gesichtern, an der Körperhaltung und vor allem daran, wie die Menschen auf eure Aktionen reagieren und mitmachen. Haltet euch in jeder Sekunde vor Augen: Es geht nicht um euch. Es geht ausschließlich um „die da unten“. Und die müsst ihr mit Sympathie, Ansprache und Ideenreichtum aus der Reserve locken. Fühle den Augenblick, dann ist der Augenblick dein Freund.

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5. Sorgt für Emotionen

Nach dem Gig wollen und sollen die Gäste vor allem eines haben: ein gutes Gefühl. Entscheidend dafür ist neben eurem harten bis verträumten Songmix vor allem eure Light- und Effektshow. Stellt euch einen coolen Kinofilm vor. Da werden die Bilder und Szenen von der jeweils passenden Musik untermalt, also sämtliche Sinne angesprochen. Bei euren Live-Events steht dieses Prinzip auf dem Kopf, hat aber den gleichen Effekt: Die Musik wird in Lichtbilder und Scenes eingerahmt – möglichst abwechslungs- und kontrastreich. Damit packt ihr euer Publikum bei den emotionalen Hörnern und die merken das nicht mal, bestenfalls unterbewusst. Ein Löffel Romantik, ein Häppchen Überraschung, eine Riesenportion Licht auf dem Beat – ihr deckt wie mit einem Equalizer des Unterbewusstseins das komplette Gefühlsspektrum ab. Das Angenehme dabei ist: Gerade mit der aktuellen LED-Technik lässt sich das ziemlich kostengünstig umsetzen. Viele der angebotenen LED-Pars, Moving-Heads, Washing-Lights, Goboprojektoren und mehr sind für eure Reibung zwischen Daumen und Zeigefinger verkraftbar und reichen für kleinere bis mittlere Clubs oder die Stadtfestgarnitur völlig aus.

6. Musik ist Bewegung – Live-Musik ist Entertainment

Stillstand gibt es in der Musik nicht. Und das ist gut so. Abgesehen von bewusst gesetzten Akzenten darf es auch on Stage keinen Stillstand geben. Selbstverständlich steht ihr auf der Bühne nicht unbeweglich wie die Pappkameraden herum. Kein Grund, um permanent herumzuzappeln wie ein Haufen aufgescheuchter Pinguine. Sänger oder Sängerin könnten beispielsweise ein Sendermikro nutzen, um dann bei passender Gelegenheit von einer Bühnenseite zur anderen zu sprinten, also auch um dort mit dem Publikum Kontakt aufzunehmen. Die ganze Truppe macht gemeinsam bei einem Titel einen choreographischen Ausfallschritt oder wirbelt die Köpfe headbangend durch die Luft. Die Instrumentalisten treten bei ihren Soli in den Mittelpunkt und werden mit Spots in Szene gesetzt. Euer Vorteil am Rande: Ein Gig ist anstrengend – auf diese Weise können diejenigen, die gerade nicht im Zentrum stehen, sich mal kurz zurückziehen und neue Energie tanken.

7. Transparenter Sound beginnt beim Monitorsystem

stage-blogLogo, dass ihr eure Instrumente beherrscht und im Proberaum alles auf den Punkt gebracht habt. Im Übungskeller war der Sound noch nebensächlich. Ging ja nur um die Abstimmung und ihr wusstet nach dem 96. Anspielen einigermaßen, was das sein soll. Jetzt – vor der Menge – ist der Sound elementar. Der muss transparent und deutlich sein. Nicht ganz einfach, wenn jeder seine eigene Suppe auf der Bühne köchelt. Man kennt das: Drummer sind immer die Lautesten und die Saitenakrobaten erst recht. Spätestens nach dem dritten Song klingt der wehrlose Sänger wie eine Nebelkrähe auf Borkum. Also muss der Sound- und Lautstärke-Besen erst mal radikal durch die Anlage fegen. Alle Geräuschquellen, die zwangsläufig über die Mikros mit übertragen werden, werden auf das geringste nötige Maß reduziert. Jetzt macht es sich bemerkbar, wenn Ihr statt traditioneller Floormonitore In-Ear-Systeme verwendet. Umso einfacher ist es damit auch, die Backline so leise wie möglich zu fahren. Der Drummer kann zum Beispiel ein E-Drum spielen oder ihr sperrt ihn einfach in einen Plexiglaskäfig. 😉

8. Klangausbeute mit Fingerspitzengefühl

Ob ihr euch selbst abmischt oder sogar den Luxus habt, mit einem FOH-Mischer zu arbeiten: Die Basis für den sauberen Mix ist nun geschaffen. Für das begeisternde Klangerlebnis bei eurem Publikum teilt ihr jedem Instrument seinen eigenen Frequenzbereich zu, wobei die Bänder sich nur leicht überlappen dürfen. Kaum zu glauben, aber Tatsache: Klingen beispielsweise Keyboard und Klampfen auf demselben Frequenzspektrum, sind sie zwar zu hören, aber nicht zu identifizieren. Für Studiotechniker ist das eine Selbstverständlichkeit. Die nutzen dafür beispielsweise Analyzer, Equalizer und weiteres Equipment, die ihnen den Mix grafisch anzeigen. Das Angenehme für euch und die begeisterte Menge: Plötzlich wird aus einem bis dato unförmigen Haufen ein Gebilde, das druckvoll ineinander verzahnt ist. Die Soundwand spüren manche auch noch direkt im Magen.

9. Der schmale Grat zwischen Lautstärke und Hörbarkeit

on-stage-2Physik und Akustik können einem schon manchmal den Nerv töten – und das nicht nur in der Schule. Ihr wollt, dass das Publikum euch in jeder Ecke gut hören kann. Bässe, Mitten und Höhen perfekt abgemischt und in den Saal geschickt. In den ersten Reihen vor der Bühne ist alles gut zu hören. Hinten kommt nix an. Also denkt der geneigte Mucker: hoch die Fader bis zum Anschlag, damit es ganz weit hinten laut genug ist. Ergebnis: Ganz weit hinten hört man vor allem die tiefen Bässe, die Gäste in den vorderen Reihen werden förmlich umgepustet, der Sound wird zum undefinierbaren Brei. In kleineren Clubs stellt sich diese Frage nicht. Bei größeren Events begegnet ihr dem Phänomen, dass Frequenzen sich unterschiedlich schnell ausbreiten, mit einer Delay-Line. Ganz simpel bedeutet das, dass im entsprechenden Abstand zur Bühne weitere Boxen aufgestellt oder geflogen werden, die mit einem Delayline-Controller angesteuert werden, der die Zeitdifferenz der Strecke ausgleicht. Schon könnt ihr überall laut sein – aber eben angemessen laut, ohne dass die Lautstärke-Ambitionen den Sound zermatschen.

10. Bereitet euch vor und seid motiviert bis in die Fingerspitzen

Wollt ihr wirklich beeindrucken, ist das lange vor und auch nach dem Auftritt eine Frage der inneren Einstellung. Das fängt damit an, ausgeschlafen, fit und rechtzeitig beim Gig zu erscheinen. Vom Bühnen-Outfit über den Sound habt ihr alles durchdacht, auch den Equipment-Ersatz wie die Ersatzsaiten, das Ersatzmikro usw. im Gepäck. Für das Eingrooven nutzt ihr die Zeit Backstage oder beim Soundcheck, wenn es die stressige Taktung hergibt. Die mit Menschen befüllte Location ist für das Warming-Up denkbar ungeeignet. Und dann spielt, singt und rockt ihr den Gig, als ob er der geilste, beste und größte eurer gesamten Musikerlaufbahn wäre. Wenn ihr euer Publikum wirklich perfekt unterhaltet und die Menge euch trägt, wird das das Leben eurer Band ganz weit nach vorne bringen. Viel Erfolg!

Habt ihr noch Tipps auf Lager oder könnt von euren Erfahrungen berichten?

Wir freuen uns auf eure Kommentare! 🙂

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Dominic hat als E-Gitarrist einer Alternative-Rockband etliche Clubs im deutschsprachigen Raum unsicher gemacht (die wenigsten davon mussten anschließend zu machen). Mit seiner Unplugged-Band steht er auch heute noch regelmäßig auf der Bühne.

7 Kommentare

    E-Drum? Mir dem Plexiglaskäfig kann ich mich ja anfreunden, dann hab auch ich meine Ruhe. Aber ein E-Drum? Niemals!! ?

    Hahaha ?, na klar, jeder wie er will ?

    Moin!
    Ok, ich bin noch R.i.P. (Rockstar im Praktikum) und habe gerade mal zwei Auftritte hinter mir. Einmal Solo und einmal mit einer Band. Aber mit erfreulichem Feedback und nur eigenen Stücken.

    Mein Tipp:
    Wer auf eine Bühne geht stand selbst schon oft davor und weiß was ihm gefällt, was er doof fand und natürlich hat jeder auch schon vor dem Spiegel geübt was zu ihm passt.

    Mehr braucht es eigentlich nicht.
    Man macht nur was man selbst gut findet. Es gefällt auch anderen! Bestimmt! So kommt man auf jeden Fall authentisch rüber.

    Jeder kennt Künstler, die sich gewollt in Szene setzen und zu wichtig nehmen. Keiner mag die! Sei nicht wie die! Sei Du selbst, halt nur in einer anderen Rolle.

    Vor den Auftritten habe ich mir immer wer weiß was vorgenommen, nur um mich am Ende auf das Nötigste zu beschränken. Gibt einen unterstützenden Adrenalinkick, wenn man unvorbereitet ist und natürlich übermüdet aber auch nüchtern! ?

    Ein wenig Schlagfertigkeit und der ein oder andere Spruch in der Hinterhand hilft wenn etwas schief geht. Geplante Patzer wirken hingegen leicht als wären sie einstudiert.

    Nix erwarten und sich einfach vornehmen die Leute für eine bestimmte Zeit zu unterhalten. ?

    Ein klasse Blogartikel!!
    Gefällt mir als Anregung richtig gut. Die Tipps sind auch super brauchbar für meine SchülerInnen (ich bin Vocal Coach), egal ob Anfänger oder schon fortgeschritten.
    Dann kommt der Input nicht nur immer von meiner Seite 😉 😉

    Vielen Dank für das Feedback und viel Spaß beim Unterrichten! 🙂

    Es gibt kaum was schlimmeres für einen Drummer, als auf einem Live-Auftritt E-Drums zu spielen. Auf einer Bühne muss das Schlagzeug prägnant und authentisch klingen. Ein unechter Drum-Feel zerstört auch den Hype und die Laune eines jeden Schlagzeugspielers. Ein Plexiglaskäfig ist da schon etwas eher angebracht.

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