Interessanterweise machen Anfänger wie auch Fortgeschrittene beim Bass-Üben häufig dieselben Fehler. Selbst bei meinen Bass-Studentinnen und -Studenten an der „Popakademie“ in Mannheim sowie an der „Hochschule für Musik, Theater und Medien“ in Hannover beobachte ich die unten aufgeführten Punkte nicht selten noch zu Beginn des Studiums.
Die gute Nachricht: Wer diese typischen Übe-Fallen kennt, kann deutlich effektiver lernen und mit weniger Zeitaufwand bessere Ergebnisse erzielen. Hier sind sie, die fünf häufigsten Fehler beim E-Bass-Üben, außerdem sinnvolle praktische Tipps, wie du sie vermeidest.
Fehler Nr. 1: einfach drauflos spielen, statt gezielt zu üben
Viele Musikerinnen und Musiker verwechseln Üben mit Spielen. Natürlich macht es Spaß, seine Lieblingssongs zu zocken oder bekannte Basslinien immer wieder durchzugehen. Doch wer ausschließlich das spielt, was bereits funktioniert, kann sich eben auch nur schlecht weiterentwickeln.
Der wesentlich bessere Ansatz ist, die eigene Übungszeit bewusst zu strukturieren. Eine gute Möglichkeit wäre etwa, Übe-Blöcke vorzuplanen, zum Beispiel wie folgt:
- 10 Minuten Spieltechnik
- 10 Minuten Timing und Rhythmus
- 15 Minuten Songarbeit
- 10 Minuten Improvisation oder „freie Kreativität“

Schon eine grobe Struktur sorgt dafür, dass alle wichtigen Bereiche regelmäßig trainiert werden. Natürlich kann man vor jeder Übe-Session auch gerne ein noch konkreteres Ziel definieren, beispielsweise so:
- „Heute übe ich die Achtelnoten sauber zum Metronom bis zum Tempo XY.“
- „Heute lerne ich endlich den schwierigen C-Teil dieses Songs fehlerfrei.“
- „Heute übe ich den Fingersatz der Dur-Tonleiter und deren Vierklangs-Arpeggios in allen Lagen über das gesamte Griffbrett.“
Merke: Wer mit einem klaren Ziel startet, übt deutlich konzentrierter! Schöne Anregungen können hier die zahlreichen Bassbücher auf dem Markt gaben, die sich zum Teil ja auch interessanten Spezialthemen widmen.
Fehler Nr. 2 beim Bass üben: Zu schnell spielen
Kaum ein Fehler ist so verbreitet wie dieser! Viele Musikerinnen und Musiker (nicht nur Bassleute) erhöhen das Tempo, bevor sie eine Passage wirklich beherrschen. Das Ergebnis ist leider: Ungenauigkeiten schleichen sich ein und werden unbewusst mittrainiert.
So machst du es besser: Spiele neue Übungen zunächst deutlich langsamer, als du eigentlich könntest und stelle dir selbst dabei die folgenden Fragen:
- Sitzt der Fingersatz?
- Laufen beide Hände wirklich zu 100 % synchron?
- Sind alle Töne gleich laut und klingt jede Note sauber?
- Bleibt mein Timing in verschiedenen Tempi stabil?
Erst wenn alles kontrolliert funktioniert, sollte das Tempo schrittweise erhöht werden.
Und hier gleich noch ein ganz wichtiger Punkt: Vielfach hört oder liest man in Interviews den Tipp, dass man bei jeglichen Übe-Sessions immer sofort alles mit dem Metronom üben sollte. Mach das bitte nicht! So sinnvoll der Einsatz dieser kleinen Helferlein auch ist: Wenn deine Hände noch gar nicht wissen, was eigentlich von ihnen gefordert wird, erzeugst du durch ein Metronom einfach nur eine zusätzliche Stressebene. Mein Tipp: Arbeite zunächst an der Motorik und bring die Metronom-Ebene erst deutlich später hinzu, um rhythmische Feinheiten zu checken und das Tempo in kleinen Schritten (hier reichen 2 bis 5 bpm locker) zu erhöhen.
Fehler Nr. 3: Das Timing wird vernachlässigt
Eigentlich wissen es ja alle: Bassistinnen und Bassisten bilden gemeinsam mit dem Schlagzeug das rhythmische Fundament einer jeden Band. Trotzdem konzentrieren sich viele Tieftöner fast ausschließlich auf Tonmaterial, Technik oder Geschwindigkeit. Dabei entscheidet oft das Timing darüber, ob ein Groove professionell oder amateurhaft klingt.
Wenn du also die motorischen bzw. spieltechnischen Hürden genommen hast (aber erst dann, siehe letzter Punkt) solltest du regelmäßig mit einem Metronom, zu Drum-Loops oder Backing Tracks spielen.
Besonders effektiv ist dieser Tipp: Lass das Metronom nicht auf allen Vierteln, sondern nur auf der 2 und 4 laufen. Wem das zu einfach ist, der kann sich den Ticker auch auf unterschiedliche „Zwischenstationen“ innerhalb des Taktes stellen. Hast du schon mal einen einfachen Bassgroove zu einem Metronom gespielt, das nur einen einzigen Impuls pro Takt auf dem vierten Sechzehntel der zweiten Zählzeit abgibt? Oha!!! Auf diese Weise kannst du dein internes Gefühl für Time und Groove definitiv auf die nächste Stufe heben.
Ein guter Tipp in diesem Zusammenhang ist auch, sich selbst regelmäßig aufzunehmen. Manche Timing-Probleme fallen nämlich erst bei der späteren Nachkontrolle so richtig auf. Nicht wenige Looper-Geräte sind beispielsweise heutzutage echte Alleskönner, die ein Metronom, Drumloops und Aufnahmemöglichkeiten umfassen, ideale Übe-Partner also!
* Der unverbindlicher Verkaufspreis (UVP) ist der Preis, den der Hersteller als Verkaufspreis Kunden empfiehlt.
Fehler Nr. 4: Spieltechnische Probleme werden ignoriert
Gerade Fortgeschrittene neigen dazu, kleinere spieltechnische Schwächen zu überspielen, frei nach dem Motto: „So lange es groovt, ist doch alles in Ordnung.“ Typische Beispiele hierfür sind unnötig große Bewegungen der Finger oder im Handgelenk, generell verkrampfte Hände, schlechte Abdämpftechnik (Leersaiten schwingen mit), unsaubere Lagenwechsel usw. Diese Probleme bremsen langfristig deine Entwicklung und können schlimmstenfalls sogar zu körperlichen Beschwerden führen.
Wesentlich besser ist es, wenn man seine Bewegungen bewusst kontrolliert und sich folgende Fragen stellt:
- Wie viel Kraft setze ich gerade ein – und wie viel Kraft wäre in Wahrheit ausreichend?
- Sind meine Bewegungen ökonomisch?
- Wie steht es um meine Unterarmstellung (beide Arme!)
- Ist mein Schulter-Nackenbereich entspannt, oder ziehe ich vielleicht unbewusst die Schulter(n) nach oben?
Ein Blick in den Spiegel oder ein eigenes Smartphone-Video offenbart hier nicht selten so einige Mankos!
Fehler Nr. 5: Nur Technik üben und die Musik vergessen
Natürlich sind Tonleitern, Arpeggios und Technikübungen wichtig. Doch Bassspielen sollte nicht ausschließlich aus Übungen bestehen, sondern aus Musik! Manche Bassistinnen und Bassisten verbringen Monate oder gar Jahre damit, sich technische Fertigkeiten zu trainieren, ohne sie jemals in handfesten musikalischen Kontexten anzuwenden. Die Folge: Die Finger werden zwar schneller, die Musikalität aber nicht!
Besser wäre es hier, jede Technikübung gleich auch mit einem musikalischen Ziel zu verbinden. Zum Beispiel könntest du bewusst versuchen, eine bestimmte Tonleiter oder Arpeggios zum Improvisieren zu benutzen oder damit eigene Grooves oder Licks erfinden. Je früher Technik und Musik zusammenspielen, desto nachhaltiger ist der Lernerfolg.
Noch ein Extra-Tipp: Eine schöne Sache ist es, wenn jede Übungseinheit per se einige Minuten freies Spiel enthält. Nicht selten entstehen dabei die kreativsten Ideen. Auch hierbei kann wieder der weiter oben schon erwähnte Looper ein tolles Hilfsmittel sein, um an neuen Ideen zu arbeiten.
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Und noch ein letzter Gedanke: Lieber regelmäßig kurz, statt 1 x pro Woche stundenlang üben.
Wir alle kennen es: Die meisten von uns stehen durch Job, Familie etc. zeitlich massiv unter Druck. Nicht selten kommt man unter der Woche gar nicht dazu, das Instrument anzufassen. Stattdessen nimmt man sich dann vielleicht einen Tag in der Woche, an dem dafür mehrere Stunden am Stück geübt wird.
Ich kann dir versichern: 15 bis 30 Minuten strukturiertes und regelmäßiges Üben bringt definitiv mehr als drei Stunden unkonzentriertes Herumspielen einmal pro Woche: Kontinuität schlägt immer Intensität! Wer regelmäßig übt, entwickelt bessere Gewohnheiten, baut langfristig eine saubere Spieltechnik auf und bleibt dauerhaft motivierter.

Fazit: Die 5 größten Fehler beim Bass-Üben
Effektives Bass-Üben bedeutet nicht zwangsläufig mehr Zeitaufwand und mehr Druck, sondern vor allem mehr Bewusstsein für die eigene Lernstrategie. Wer gezielt übt, langsam beginnt, sein Timing trainiert, auf saubere Technik achtet und den musikalischen Kontext nicht aus den Augen verliert, wird fraglos schneller Fortschritte machen. Am Ende gilt: Nicht die Anzahl der geübten Stunden entscheidet über deine musikalische Entwicklung – sondern vielmehr die Qualität der Zeit, die du mit deinem Instrument verbringst.
Die 5 größten Fehler beim Bass-Üben: dein Feedback
Wie übst du das Bassspiel? Hast du weitere Tipps? Dann lass es uns in einem Kommentar wissen!
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