Die Saiten spielen bei der Akustikgitarre eine zentrale Rolle bei der Klangbildung und der Interaktion mit dem Tonholz. Die Wahl der richtigen Saiten für Western- und Konzertgitarren wird von vielen immer noch unterschätzt, obwohl sie einen riesigen Einfluss auf den Sound hat.
Welche Rolle spielen Saiten für den Sound einer Akustikgitarre?
Im Gegensatz zur E-Gitarre, bei der Faktoren wie der Tonabnehmer und der Verstärker einen großen Anteil am Gesamtsound haben, entsteht der Klang einer Akustikgitarre zu hundert Prozent im Holz. Die Saite bildet dabei das direkte Bindeglied zwischen Finger und Resonanzkörper, indem sie die Vibrationen über die Korpusdecke ins Innere überträgt. Die Eigenschaften einer Saite haben dabei direkten Einfluss auf die Lautstärke, die Dynamik und das Frequenzbild der Gitarre. So können schon kleinste Unterschiede bei der Wahl der Saitenstärke oder des Materials einen großen Einfluss auf den Klang deines Instrumentes haben; ganz zu schweigen vom individuellen Spielgefühl. Mit der richtigen Wahl der Saite kannst du deine Akustikgitarre nachhaltig aufwerten und deinen persönlichen Bedürfnissen anpassen.
Welche Saite ist die richtige für mich und meine Akustikgitarre?
Saiten für Konzert- und Westerngitarren gibt es heutzutage in nahezu jeder Ausführung und Preisklasse. Welche Eigenschaften ein bestimmter Saitensatz in Bezug auf Sound, Spielgefühl und Haltbarkeit erfüllt, ist dabei schwer zu überblicken. Wir haben für dich die wichtigsten Saitentypen für Akustikgitarren unter die Lupe genommen und helfen dir bei der Suche nach der perfekten Saite.
Da die Bezeichnungen von Saitentypen stark variieren können, haben wir den Artikel zur besseren Vergleichbarkeit mit Beispielen aus dem aktuellen Katalog der Firma D’Addario (und einigen Alternativen) ergänzt.
Akustikgitarren-Saiten: Stärke
Die Stärke von Stahlsaiten wird in der Regel in tausendstel Zoll angegeben. Mit Bezeichnungen wie „.011“ oder „011“ ist also ein Durchmesser von 0,011 Zoll (Inch) gemeint. Die meisten Gitarristen schwören bei Westerngitarren auf .011er-Saitensätze (etwa 11–52) oder .012er-Saitensätze (12–53/54), da diese Stärken eine optimale Balance aus Spielbarkeit und Klang bieten. Dünnere Saiten (z. B. .010er-Saiten) erzeugen weniger Lautstärke und Druck, eignen sich aber gut für Anfänger oder Fingerstyle-Techniken. Dickere Saiten (z. B. .013er-Saiten) sorgen für mehr Spannung und Projektion und können eure Westerngitarre beim Strumming noch lauter und kräftiger klingen lassen.
Für viele die erste Wahl: ein .011er-Saitensatz für die Westerngitarre:
Konzertgitarrensaiten werden im Unterschied zu Stahlsaiten nicht nach dem Durchmesser, sondern nach ihrem Härtegrad und der daraus resultierenden Spannung (Tension) kategorisiert. Hier haben sich Bezeichnungen wie light, medium, hard und extra hard durchgesetzt. Weiche Saiten (Low/Light Tension) sind etwas leichter zu greifen und eignen sich daher besonders gut für Anfänger. Härtere Saiten (High/Hard Tension) liefern mehr Druck im Bassbereich und neigen in der Regel weniger zum Schnarren. Für die meisten Hobby- und Profigitarristen haben sich Saitensätze im Hard- oder Medium-Tension-Bereich durchgesetzt.
Ein guter Kompromiss für viele Stile: „Normal Tension“-Nylonsaiten
Daddario
EJ45
Material und Beschichtung
Neben der Stärke, die sich in erster Linie im direkten Spielgefühl niederschlägt, spielt das Material eine entscheidende Rolle beim Klang einer Saite.
Westerngitarrensaiten bestehen wie E-Gitarrensaiten aus einem Stahlkern, der mit einem Wickeldraht umwunden ist. Da die magnetischen Eigenschaften für den rein akustischen Klang der Saite keine Rolle spielen setzen die meisten Akustikgitarrensaitenhersteller bei den umwundenen Saiten (E, A, D, g) auf eine Kupfer-Zinn-Legierung (Bronze).
Bronze-Steel (kurz: Bronze)
Bronze-Saiten gehören zu den am weitesten verbreiteten Stahlsaiten und bestehen in den meisten Fällen aus 80 % Kupfer und 20 % Zinn. Abgekürzt wird diese Materialzusammensetzung oft als Bronze 80/20. Bronze-Saiten gelten als Allrounder und bieten einen sehr direkten und dynamischen Sound, der nach einer gewissen Spielzeit an Wärme gewinnt.
Der Allrounder für die Westerngitarre: Bronze 80/20
Daddario
EJ11
Phosphorbronze
Stahlsaiten aus Phosphorbronze haben einen höheren Kupfer- und zusätzlichen Phosphoranteil und gelten als härter und langlebiger als reine Bronze-Saiten. Dazu klingen sie in den Ohren vieler Gitarristen wärmer, mittenbetonter und ausgeglichener als reine Bronze-Saiten. Phosphorbronze-Saiten kann man getrost als die beliebteste Saite für Westerngitarren bezeichnen.
Die beliebteste Westerngitarrensaite: Phosphorbronze
Beschichtete Saiten
Als beschichtete Saiten werden reguläre Bronze- oder Phosphorbronze-Saiten bezeichnet, die bei der Herstellung einer speziellen Oberflächenbehandlung unterzogen wurden. Diese Beschichtung (coating) macht die Saite besonders langlebig und resistent gegen Korrosion und Verschmutzungen. In der Folge klingen beschichtete Saiten deutlich länger frisch und brillant, kosten dafür aber auch etwas mehr als reguläre Saiten.
Langlebigkeit und brillanter Sound: beschichtete Stahlsaiten
* Der unverbindlicher Verkaufspreis (UVP) ist der Preis, den der Hersteller als Verkaufspreis Kunden empfiehlt.
„coated strings“ müssen nicht gleich teuer sein:
Konzertgitarrensaiten wurden früher aus Tierdärmen gefertigt und bestehen heute zum überwiegenden Teil aus Nylon, Nylonfaser oder verwandten Materialien wie Nylgut. Für die Umspannung der Basssaiten wird in der Regel ein versilberter oder vergoldeter Kupferdraht verwendet.
Nylonsaiten
Saiten aus Nylon gelten immer noch als Standard für die Konzertgitarre. Sie lassen sich vergleichsweise leicht greifen und klingen ausgewogen, warm und weich. Die Unterschiede zwischen Nylonsaitensätzen betreffen vor allem die Qualität der Nylonfaser und die Art der Ummantelung (Basssaiten).
Die erste Wahl für Anfänger und Fortgeschrittene: Nylonsaiten
Carbonsaiten
Konzertgitarrensaiten aus Fluorcarbon werden gemeinhin als „Carbonsaiten“ bezeichnet und klingen in den Ohren vieler Gitarristen brillanter und ausgewogener in Bezug auf das Lautstärkeverhältnis zwischen Bass- und Diskantsaiten. Da sie aber gleichzeitig eine höhere Saitenspannung haben, gelten sie nicht als erste Wahl für Anfänger.
Mehr Spannung und Durchsetzungskraft: Carbonsaiten
Daddario
EJ45FF
Beschichtete Konzertgitarrensaiten
Auch bei den Konzertgitarrensaiten erfreuen sich beschichtete Saiten wachsender Beliebtheit. Durch die Oberflächenbehandlung der Basssaiten halten diese Sätze länger als andere Saiten und sind widerstandsfähiger gegen Abnutzungen durch Schmutz und Korrosion.
Weniger Abnutzung, längere Haltbarkeit: beschichtete Saiten für die Konzertgitarre
Daddario
XTC45 Normal
Welcher Saitentyp passt zu meiner Akustikgitarre?
Abgesehen von der Unterscheidung zwischen Stahl- und Nylonsaiten gibt es keine festen Regeln, welche Saite am besten zu deiner Gitarre passt.
Als Anfänger auf der Westerngitarre solltest du am besten mit einem regulären .011er-Saitensatz aus Phosphorbronze beginnen und sehen, ob sich diese Saiten mit deinen Händen und deinen Soundvorlieben vertragen. Wer gerne laut und vorrangig mit dem Plektrum spielt, könnte wiederum mit einem stärkeren Saitensatz glücklich werden. Und wenn dir deine Gitarre zu dumpf und undefiniert klingt, lohnt sich vielleicht der Griff zu beschichteten Saiten.
Auf der Konzertgitarre sollte man ebenfalls mit einem regulären Medium-Tension-Satz aus Nylon beginnen. Klingen die Diskantsaiten in deinen Ohren zu leise oder unterpräsent, könnten Carbonsaiten die richtige Wahl sein. Für Vielspieler, bei denen sich die umwundenen Basssaiten schnell abnutzen, kann sich auf lange Sicht der Umstieg auf beschichtete Nylonsaiten lohnen.
Dein Feedback: Saiten Akustikgitarre
Mit welchen Akustikgitarrensaiten bist du bisher am glücklichsten geworden? Schreib es uns in die Kommentare.
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