Indes das Verfallsdatum aktueller Chartsongs immer kürzer wird, sind etliche der klassischen Werke aus der Feder berühmter Komponisten an Langlebigkeit kaum zu überbieten. Die Kompositionen sind mit ungebrochener Beliebtheit gefragt. Das Publikum wird dem Kanon der klassischen Meisterwerke nicht überdrüssig.
Anlass genug, unsere Augen und Ohren auf ein paar wunderbare Werke und deren Komponisten zu werfen. Hier eine kleine Auswahl von zeitlosen Stücken aus dem riesigen Fundus des gigantischen Klassikgebirges.
Claude Debussy: Clair de lune
Der französische Komponist Claude Debussy war der Meister der eindrucksvollen musikalischen Bildsprache und entführte sein Publikum in traumähnliche Welten. Mit der Komposition von „Clair de lune“, dem dritten Satz aus seiner „Suite Bergamasque“, hatte der damals junge Debussy den Mondschein in Töne gegossen. Interessanterweise wurde er als Impressionist bezeichnet, obgleich er diesen Begriff hasste und sich nicht in die damals wenig schmeichelhaft benutzte Schublade stecken lassen wollte. Das änderte nichts daran, dass er bis heute als Begründer und einer der bedeutendsten Vertreter des musikalischen Impressionismus gilt.
Vom Beginn der Komposition bis zur Vollendung von „Clair de lune“ brauchte Claude Debussy satte fünfzehn Jahre. Eigentlich wollte er das Werk gar nicht veröffentlichen. Glücklicherweise hat er sich umstimmen lassen und damit ganze Generationen von Komponisten inspiriert. Ist „Clair de lune“ einfach zu spielen? Die besonderen Anforderungen ergeben sich aus den teils rasanten Arpeggios, den fließenden Läufen und der nuancierten Dynamik. Außerdem ist das Stück in Des-Dur geschrieben und die Tonart hat nun mal fünf Vorzeichen.
„Clair de lune“ ist primär ein Werk für das Klavier, wurde aber auch für andere Instrumente und Besetzungen arrangiert.
2. Georg Friedrich Händel: Der Messias
Zu Zeiten der längst legendären Komponisten war es nicht unüblich, zu Lebzeiten kaum beachtet zu werden. Händel hingegen konnte seinen Ruhm bereits zu Lebzeiten genießen, war in England erfolgreich und weltbekannt. Aus seinem kreativen Kopf stammt „Der Messias“, ein Werk, das sich in insgesamt drei Teilen einem religiösen Thema widmet: dem Heiland. Wer auch nur ansatzweise hineinhört, ist von der virtuosen Komplexität bei zugleich simpel gehaltener Komposition beeindruckt. Händel wollte barrierefrei komponieren. Er wollte, dass das Publikum seine Botschaft versteht. Wie lange hat Händel an Messias geschrieben? Er muss ein echt schnelldenkender Ideenlieferant gewesen sein. Für das monumentale Werk „Messias“ brauchte er gerade mal rekordverdächtige 24 Tage.
Das klangliche Fundament bilden Violinen, Violen und Violoncelli. In den festlichen Sätzen wie beim berühmten „Hallelujah“ geht’s dann mit den Trompeten rund.
3. Sergej Rachmaninow: Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll
Der Oscar-prämierte Kinoklassiker „Shine – der Weg ins Licht“ erzählt die Geschichte des Pianisten David Helfgott, der aufgrund einer schizo-affektiven Störung mehrere Jahre in Nervenheilanstalten verbringt. Obschon die Krankheit nicht vollends auskuriert werden kann, sammelt er Kräfte und kehrt als einstiges Wunderkind triumphal auf die Bühne zurück. Legendäre Filmmusik in diesem cineastischen Melodrama ist das 3. Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow. Ob das Klavierkonzert schwierig zu spielen ist? Der Virtuose hatte das Konzert mit derart hohem Schwierigkeitsgrad und spektakulären Passagen komponiert, dass es als unspielbar galt. Der Filmheld zerbrach an diesem gigantischen Werk, doch Rachmaninow spielte es immer wieder.
4. Antonio Vivaldi: Vier Jahreszeiten
Die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi spiegeln den natürlichen Ablauf des Jahres; und so besteht das Werk dann auch aus vier Konzerten. Dabei greift der venezianische Komponist zu unkonventionellen Stilmitteln. Er imitiert das Singen und Zwitschern von Vögeln und macht auch vor der musikalischen Umsetzung eines Gewitters und eines Schneesturms nicht halt. Das verstrickt er in einer Komplexität, die bereits im Barock für Furore sorgte und die „Vier Jahreszeiten“ bis heute zu einem der meistgespielten Werke des Barocks macht. Ein wunderschönes Stück für die musikalische Schatzkiste.
5. Joseph Haydn: Londoner Sinfonien
Dass Haydn Lehrer von Beethoven und Freund von Mozart war, vermittelt bereits einen kleinen Eindruck seines Könnens und seines Stellenwertes. Tatsächlich war er ein Komponist mit schier unglaublichem Output. Angesichts der mehr als 100 Sinfonien aus seiner Feder könnte man glauben, er lieferte musikalische Fließbandware. Das war bekanntlich nicht der Fall, stattdessen wurde er immer besser. Dennoch schienen seine Kreativität, Schaffenskraft und Perfektion erst wirklich entfacht, als er sich nach einer Entlassung auf Reisen begeben konnte. Seine letzten Sinfonien schrieb er in London. Und diese „Londoner Sinfonien“, insbesondere Nr. 99 – 104, bezeichnet die Fachwelt als die Höhepunkte seines Schaffens schlechthin.
6. Bedřich (Friedrich) Smetana: Die Moldau
Bei „Die Moldau“ (Vltava) handelt es sich um das bekannteste Stück des tschechischen Komponisten Bedřich Smetana. Es stammt aus dem symphonischen Zyklus „Mein Vaterland“ und vertont auf einzigartige Weise den Lauf des gleichnamigen Flusses, dem größten Fluss in Tschechien, der auch als „böhmisches Meer“ bezeichnet wird. Smetana setzt Naturbilder in Töne und „Die Moldau“ ist längst eine Art Ersatznationalhymne in Tschechien geworden. Ganz nebenbei: Als Smetana das komplexe Werk 1874 das Licht der musikalischen Welt erblicken ließ, war er selbst bereits vollkommen taub.
Smetana stellt in seiner sinfonischen Dichtung die typischen Szenarien des Flusslaufs malerisch dar und nutzt dafür jeweils eigene Instrumente und Instrumentengruppen. So stehen beispielsweise die Flöten für die warme Quelle der Moldau, demgegenüber stehen die Klarinetten für die kalte Quelle. Streicher und Hörner symbolisieren den Lauf durch die Landschaft.
7. Gustav Mahler: Das Lied von der Erde
„Das Lied von der Erde“ von Gustav Mahler zeichnet sich insbesondere durch die einzigartige formale Gestaltung aus. Die Satzfolge lehnt sich an die Symphonie an, gewichtige Ecksätze betonen die Sonatensatzform basierend auf dem Strophenbau. Die Aufhellung von C-Moll zu C-Dur folgt dem Prinzip der Steigerung bis zum finalen Schlusssatz. Interessant in dem Zusammenhang: Mahler stellte in seinen hochkarätigen Werken – so auch beim „Lied von der Erde“ – höchste Anforderungen an die Musiker. Und dabei lotete er die Grenzen verschiedener symphonischer Gattungen aus.
„Das Lied von der Erde“ ist enorm instrumentiert. Zu den Besonderheiten gehört dabei der Einsatz der Holzbläser, so auch der Klarinetten inklusive Es-Klarinette und Bassklarinette, zumal diese den vogelähnlichen und nebelverhangenen Klang liefern.
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8. Pjotr Iljitsch Tschaikowski: Der Nussknacker
Mit „Der Nussknacker“ hat Tschaikowski neben „Schwanensee“ und „Dornröschen“ eines der berühmtesten und bezauberndsten Ballette der Musikgeschichte verfasst, ein Fest für die Sinne, das die Zuhörer mit melodischem Zauber in die Welt der Träume und Fantasie entführt. Typisch für den prägenden Komponisten der Romantik war die Verschmelzung russischer Volksmusik mit westlichen Formen und Elementen. Deutlich zu erkennen beispielsweise auch im „Blumenwalzer“. Um die passende Stimmung zu erzeugen, hatte er mit der Celesta sogar ein bis dato völlig unbekanntes Instrument nach Russland gebracht. Der silbrige Ton des Glockenklaviers schien wie gemacht für die Feenwelt. Und er wurde zur Sensation.
Mit einer echten Celesta, dem historischen Glockenklavier, zu musizieren, ist ein Privileg. Die allermeisten Musiker müssen nach einer bezahlbaren Alternative schauen, so beispielsweise dem Viscount Cantorum VI Plus, das Celesta-Sounds mit an Bord hat.
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9. Wolfgang Amadeus Mozart: Eine kleine Nachtmusik
Noch immer herrscht Unklarheit darüber, wie viele Sätze Mozarts Serenade „Eine kleine Nachtmusik“ ursprünglich hatte. In Mozarts Werkverzeichnis sind es fünf Sätze; nur fehlt leider der zweite Satz. Nicht bekannt ist, ob die Seiten bewusst herausgetrennt wurden. Mag auch sein, dass sie verloren oder vergessen wurden. Die klassische Gerüchteküche brodelt weiterhin. Auf alle Fälle ist die Serenade ein musikalisches Meisterwerk und in sich derart komplex gestrickt wie eine Symphonie. Und sie ist wunderschön.
Geschrieben ist „Eine kleine Nachtmusik“ ursprünglich für Kammermusikensemble mit zwei Violinen, Bratsche, Violoncello und Kontrabass.
10. Ludwig van Beethoven: Freude schöner Götterfunken
Eine sehr spezielle Version der Neunten Sinfonie wurde bereits 2003 für lockere drei Millionen Euro vom Londoner Auktionshaus „Sotheby’s“ versteigert. Der Ton-Titan hatte die 575 Seiten seiner Großsymphonie einst noch einmal durchkorrigiert. Stinkesauer war er darüber, wie miserabel die Kopisten seine Handschrift entziffert hatten. So sind denn auch Beethovens wütende Bemerkungen in diesem Exemplar seines Werkes verewigt; Stoßseufzer, die der Meister einfach mal an den Rand der Noten geschrieben hat. Zu den berühmtesten Stücken gehört natürlich „Freude schöner Götterfunken“. Immerhin ist die vertonte Version der „Ode an die Freude“ von Friedrich Schiller eines der meistgespielten Stücke der Welt und seit 1985 die Hymne der Europäischen Union, die sich damals noch Europäische Gemeinschaft nannte.
In der Instrumentalfassung wird das Thema zunächst von Celli und Kontrabässen vorgestellt, woraufhin Fagotte und Viola übernehmen, anschließend die Holzbläser und schließlich das gesamte Orchester.
Welches klassische Stück ist euer Favorit?
Eine Auflistung der wunderschönen klassischen Werke kann angesichts der Schaffenskraft der Komponisten nur unvollständig sein. Wir sind gespannt auf eure Kommentare, welche Werke und Komponisten es euch besonders angetan haben.
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