Zum Seiteninhalt

Korg Phase8

Synthesizer

  • elektro-mechanische Klangsynthese
  • 8-stimmig polyphon
  • 8 austauschbare Metallresonatoren und 5 Resonatoren für die Halbtöne
  • Envelope Shaping, Wavefolding, Tremolo und tonhöhenabhängige Modulationen im Audiobereich
  • intuitive Klangveränderungen durch physische Interaktion mit den Resonatoren
  • integrierter Sequenzer mit 8 Stimmen, 8 Steps und 8 Speicherslots
  • „Air“-Slider zum Verstärken oder Abschwächen der akustischen Ansprache auf externe Objekte, die mit dem Instrument in Berührung gebracht werden
  • „Shift“-Regler zum Verzögern der Trigger-Signale relativ zum gewählten oder synchronisierten Tempo
  • Parameteränderungen im Sequenzer aufnehmbar
  • Line Ausgang: 6,3 mm Klinke
  • Stereo Kopfhörerausgang: 3,5 mm Miniklinke
  • Sync Ein- und Ausgang
  • CV Eingang (+/- 5 V)
  • MIDI Ein- und Ausgang (Miniklinke / TRS-A)
  • USB-C (für USB-MIDI und Firmware-Updates)
  • Abmessungen (B x T x H): 231 x 236,5 x 46 mm
  • Gewicht: 1,71 kg
  • inkl. externem Netzteil DC 12 V und Innensechskantschlüssel
  • Erhältlich seit Mai 2026
  • Artikelnummer 635811
  • Verkaufseinheit 1 Stück
  • Bauweise Desktop
  • Anzahl der Stimmen 8
  • Tonerzeugung elektro-mechanisch
  • MIDI Schnittstelle 1x In, 1x Out
  • Speichermedium Intern
  • USB Anschluss Ja
  • Effekte Nein
  • Arpeggiator Nein
  • Anzahl der analogen Ausgänge 0
  • Digitalausgang Nein
  • Display Nein
  • Optionale Erweiterungen Keine
  • Besonderheiten 13 austauschbare Metallresonatoren
969 €
Alle Preise inkl. MwSt.
Sofort lieferbar
1
MM
Beginn einer neuen Ära
Manuel Mühl 14.06.2026
Mit dem Phase8 eröffnet KORG Berlin eine neue Ära der elektro-akustischen Synthesizer. Selbstverständlich gab es schon etliche Versuche und Prototypen in diese Richtung - allerdings sehr selten in Serie und wohl kaum so durchdacht wie dieses Instrument.

Ich gehe hier weniger auf die technischen Funktionen sondern eher auf die wichtigsten Möglichkeiten der kreativen Anwendung ein. Die Funktionen kann man im Manual selbst nachlesen.

1.) Klangvielfalt
Das Reizvolle am Phase8 ist natürlich die reichhaltige Klanggestaltung durch elektro-akustische Klangerzeugung inkl. der Möglichkeit diese mit Gegenständen oder Händen zu präparieren und zu manipulieren. So entsteht eine Lebendigkeit der erstellten Pattern, die mit einem Filter und auch mit sehr komplexen Sample Libraries einfach nicht zu erfüllen wären. Der Unterschied zu einem von einem ausgebildeten Perkussionisten an präpariertem Vibraphon oder Marimba ist natürlich noch immer gegeben, und kein Komponist würde dies durch den Phase8 ersetzen. Das Experimentierfeld deckt aber eben diese Richtung der klanglichen Vielfalt ab. So wandelt man hier schnell auf den Pfaden von John Cage, Carola Bauckholt oder Philipp Sollmann - wenn auch in eingeschränkter Form. Für einen Synthesizer stellt der Phase8 also eine klangliche Erweiterung dar, wie meiner Kenntnis nach bisher kein anderes Gerät auf dem Markt.
Zusätzlich zur akustischen Klanggestaltung bietet KORG hier gleich mehrere Modulationsmodi, die aus kompositorischer Sicht vor allem dann interessant werden, wenn sie die vermeintlich hoch klingenden Stimmzungen durch einen ungeahnten Bassbereich erweitern und dem Phase8 dadurch mehr Substanz (oder in anderen Modi etwas Glockenhaftes) verleihen. Hier gilt: Ausprobieren und genießen.

2.) Verdichtung
Nach den ersten Versuchen von 8-Step-Sequenzen wünscht man sich eine Verdichtung der Signale. Diese kann auf zwei Weisen erzeugt werden. Der Shift-Regler führt Doppelschläge aus, die in ihrer Rhythmik (also im Abstand zum ersten Anschlag) von Flam über saubere 16tel bis Shuffle oder Swag eingestellt werden können. Der zweite Weg einer Verdichtung ist das direkte Einspielen kleinteiligerer Rhythmen, die auf 16tel quantisiert werden können (oder eben nicht).

3.) Automation - ungeahnt flexibel
Der gerade genannte Shiftregler verdoppelt also die Anschläge unserer 8er-Sequenz - dies allerdings global. Schnell ärgert sich der Komponist, da er das ja gerne pro Step entscheiden würde. Ein Blick ins Manual sagt: das geht! Nicht nur der Shift-Regler lässt sich pro Step / Stimme automatisieren, sondern auch die zu mehr Schwingung/Resonanz führenden Regler "Air" und "Envelope". Sogar ein sich während des getriggerten Tons öffnender Klang, also ein anschwellender Ton ist umsetzbar - was für mich aus technischer Sicht nicht weniger ist als MINDBLOWING! Damit sind auch 8-stimmige Drones möglich.
Die Automation lässt sich auf sogar auf die Modulation (rate/depth) anwenden. Schon jetzt also eine Flut an möglichen Kombinationen von Automation, Manipulation und Sequenzgestaltung.

4.) Polyrhythmik
Diesem Kompositionsansatz wurde hier eine eigene Bedienebene gewidmet. Die 8-Step-Sequenz (inkl. aller oben genannten Möglichkeiten der Doppelschläge, Modulation und Automation) jeder Stimme lässt sich über Subtraktion in der Skip-Funktion verkürzen. Und zwar nicht nur in der Länge, sondern beliebig pro Step (ähnlich wie beim Doepfer Dark Time). Man kann beispielsweise aus einer 8er-Sequenz auf Stimme 1 Step 2 und 5 herausnehmen (skippen) und erhält so eine 6er-Sequenz auf Stimme 1, die gegen die 8er-Sequenz der anderen Stimmen läuft und sich damit verschiebt. So landet man schneller als gedacht bei Philip Glass.

5.) A/B - der Philip Glass Schalter
Einer der interessanteren Tricks in der Musik von Glass (z.B. zu Koyannisquatsi) ist der Wechsel zwischen rhythmischen Pattern die Spannung erzeugen (durch Polyrhthmik, nicht aufgelöste 3er-Verschiebungen, etc.) und der selben Sequenz (dann ohne Spannung, oder mit Auflösung der Verschiebung, oder in Double Time). Es wirkt wie ein mechanisches Hin- und Herschalten zwischen zwei Versionen einer Sequenz. Und genau das wird hier möglich. Für Experimente und Live-Performances: tolle Funktion!

6.) Live-Funktion und Live-Recording
In der Live-Funktion (in Abgrenzung zur Skip- oder Sequenzer-Ebene) kann man - wer hätte es gedacht - Sequenzen auch live einspielen - und das in deutlicher höherer rhythmischer Auflösung als es mit dem Sequenzer ginge - also so schnell man die Taster eben bespielen kann. Ob man das danach dann noch quantisiert (dann eben wieder auf 16tel), automatisiert, es einfach nur einmalig live spielt oder eben gleich in die Sequenz aufnimmt (via Recording Schalter) ist einem selbst überlassen. Was mich hier besonders beeindruckt hat: Bei einem Gerät, das die Manipulation der Klanggestaltung als eine seiner wichtigsten Funktionen bietet, wollte ich natürlich auch diese live recorden - und siehe da, es geht! Über einen extra Taster neben den Stimmzungen, kann man eine beliebige Manipulation der Stimmzungen aufnehmen, die dann tatsächlich - und das grenzt an Magie - wiedergegeben wird. Hier sind dem Gerät ein paar physikalische Grenzen gesetzt, aber die dabei entstehenden Happy Surprises lohnen sich allemal.

7.) Tonarten, Tuning und Mikrotonalität
Kommen wir zum anstrengenden aber durchaus wichtigen Part des Reviews: Der Phase8 kommt mit 8 Stimmen die sich durch Austausch der Stimmzungen in (relativ) beliebige Tonarten konfigurieren lassen. Jeder unserer 12 Halbtöne ist also als Stimmzunge vorhanden - allerdings eben nur in einer bestimmten Lage, womit wir ein wenig die Grenzen des Phase8 erreichen. Nicht nur das Wechseln in andere Tonarten und harmonische Modes erfordert ein gewisses musiktheoretisches Verständnis (soweit so gut) sondern eben auch einiges an Geschick beim Umbau, Konfigurieren und Tuning. Den Versuch, den Phase8 auf eine bestehende Komposition anzuwenden und sauber dazu zu tunen habe ich noch nicht unternommen, ahne aber, dass dies eine eher anstrengende Aufgabe werden dürfte. Das Tuning der Stimmzungen ist nicht leicht und so entsteht - wenn man sich nicht viel Mühe gibt - unweigerlich eine Mikrotonalität, die für mich aber Feature und nicht Bug ist, vor allem dann, wenn man diese kompositorisch beabsichtigt.

Einziger Wunsch meinerseits (zu diesem frühen Moment des Ausprobierens): eine kleinteiligere Quantisierung als das 16tel-Raster beim live Einspielen.
0
0
Bewertung melden

Bewertung melden