Ständig benutzen wir unsere Stimme. Erst recht wir Musiker. Für uns Gesangsakrobaten ist sie nicht nur das Mittel der Konversation, sondern unser kostbares Instrument. Und das will, soll und muss pfleglich behandelt werden. Hier ein paar Tipps für deine dauerhaft starke Stimme!
1. Stimmfunktionalität bewusst machen
Um mit deiner Stimme vernünftig umgehen zu können, musst du wissen, wie dein Instrument funktioniert. Eine Herausforderung, die oftmals unterschätzt wird, zumal Singen und Sprechen uns so fraglos selbstverständlich erscheinen. Tatsache aber bleibt: Erst wenn dir die Zusammenhänge der vibrierenden Stimmlippen und Stimmbänder, Kehlkopf-, Rachen-, Mundstellung, Tonbildung, Atmung und vielem mehr bekannt sind, kannst du rational Einfluss auf deine starke Stimme nehmen. Du musst deine Stimme begreifen. Sinnvollerweise nimmst du dafür Gesangsunterricht.

2. Starke Stimme: unbedingt aufwärmen
Sportler kennen das: Vor dem Workout kommt das Warmup. Muskeln, Sehnen, Gelenke und Co. müssen vor den eigentlichen Hoch- und Höchstleistungen behutsam aufgewärmt werden. Gleiches gilt für die Stimme, denn letztlich ist die Stimme die Summe aus Muskeln, Bändern und Schleimhäuten, aber auch Resonanzraum, Atmung und Körperhaltung.
Wenn du vom Kaltstart unmittelbar in die Vollbelastung gehst, weiß deine Stimme gar nicht, was ihr da passiert. Wärme dich bereits zu Hause auf. Ein paar Dehnübungen für den Körper und deine Lieblingsgesangsübungen für deinen Stimmapparat. Du weißt hoffentlich, dass das Warm-up den ganzen Tag hält! Direkt vor der Probe machst du dann nur noch mal ein paar Lipp-Thrills mit Tönen und dein ganzes Potenzial ist da.
3. Lautstärke normalisieren – weder zu laut noch zu leise
Sprachverständlichkeit hat wenig mit Lautstärke zu tun. Eine gute Artikulation ersetzt sogar Lautstärke. Alles, was wir verstehen können, erscheint uns lauter, als das, was wir nicht verstehen können. Eine vernünftige Aussprache hilft dir, dein Sprechen und Singen eine Portion leiser angehen zu können. Alle Extreme, die dauerhaft benutzt werden, sind für deine Stimme anstrengend.
Also zu lautes Alltagssprechen genauso wie langes Flüstern. Es geht um eine Portion Selbstdisziplin. Versuche einfach, dich im alltäglichen Leben mit einem gesunden Lautstärke-Mittelmaß und umso deutlicher auszudrücken.

4. Starke Stimme: kontrollierte Atemtechnik bis zur Perfektion üben
Die kontrollierte Atmung, auch Atem-Support genannt, ist das vermutlich Wichtigste, beim Singen selbst als auch für die dauerhafte Stimmgesundheit. Tatsächlich kann die Bedeutung gar nicht überschätzt werden. Unterstütze deine Stimme mit tiefen Atemzügen. Übe die Atemtechnik als vollkommen eigenständige Disziplin, bis sie dir im wahrsten Sinne des Wortes in Fleisch und Blut übergeht und du im Grunde genommen gar nicht mehr anders kannst, als perfekt atmend deine Stimme zu stützen und zu unterstützen. Halte dich dabei aufrecht und gib der Stimme Raum. Den hat sie verdient.
5. Nicht immer an den Grenzen deines Tonumfangs bewegen
Bei den Stimmakrobaten aus Oper & Co. ist bekannt, dass das ständige Höher, Schneller, Weiter, was viele Partien von Sängerinnen und Sängern verlangen, schon Karrieren viel zu frühzeitig beendet haben. Wenn wir permanent im Grenzbereich ungesunder Höhen singen, darf die Stimme schon mal Frührente beantragen oder sich einen anderen Job suchen. Singe nicht immer so hoch, wie es irgendwie geht.
Weitaus besser ist es, die Songs ein wenig tiefer zu transponieren, als es dein Stimmmaximum nach oben erlaubt, damit du etwas ‚Headroom‘ hast und so deine Technik besser benutzen kannst, als unter Extremen möglich ist. Viel sehr hoch zu singen, verlangt eine gute Koordination und Zusammenarbeit deiner Atmung, deiner Resonanzen und deines Körpers. Außerdem brauchst du richtig viel körperliche Fitness, Kraft und Kondition. Oder würdest du ohne ausreichendes, ausgefeiltes Training Langstrecken-Sprint laufen?

6. Für eine starke Stimme: gesund leben
Ja, die folgenden Fakten sind überhaupt nicht Star-like, sind aber die nackte Wahrheit, je bekannter du werden wirst. Erfolgreiche Sängerinnen und Sänger gehen als Erste abends schlafen, trinken keinen Alkohol, machen Sport und ernähren sich gut. Anders ist der moderne Tourwahnsinn kaum stimmlich gesund durchzustehen. Sänger sind wie Sportler. Die Maschine braucht die richtige Nahrung, um lange und ausreichend Leistung bringen zu können.
Das heißt, frisch gekochte Mahlzeiten, Ballaststoffe, gute Kohlenhydrate, genug Proteine. Generell und am Auftrittstag mindestens 1,5 Stunden vor der Show, damit das Essen genug verdaut ist und dir die Energie voll zur Verfügung steht.
7. Hydriert bleiben: sowohl unmittelbar als auch räumlich
Stimmlippen und Stimmbänder dürfen nicht trocken aneinander reiben. Trinke viel Wasser und halte die Stimmlippen permanent feucht. Bedenke dabei, dass es circa 1,5 Stunden braucht, bis die Flüssigkeit in deinen Schleimhäuten, Muskeln und Sehnen ankommt. Last-Minute-Trinken bringt nicht viel. Lade dir lieber eine Wasser-App aufs Handy und trinke regelmäßig über den Tag verteilt ausreichend Wasser, ungesüßte Tees und Schorlen. Sorge zudem mit einem Luftbefeuchter dafür, dass die Luftfeuchtigkeit im Raum bei etwa 30 Prozent liegt.

8. Dehydrierung gar nicht erst zulassen
Auch in deinem weiteren Verhalten solltest du Dehydrierung vermeiden. Falls du koffeinhaltige Getränke oder Alkohol trinkst, solltest du das durch reichlich Wasser ausgleichen. Ebenso solltest du die Einnahme von Medikamenten vermeiden, die die Stimmlippen austrocknen könnten. Zu solchen stimmschädigenden Medikamenten gehören übrigens auch einige Erkältungs- und Allergiepräparate. Frag lieber deinen Arzt, um auf der sicheren Seite zu sein.
9. Rauchen ist der qualmende Feind der starken Stimme
Dass Rauchen grundsätzlich die Gesundheit schädigt, ist allgemein bekannt. Das besondere Problem für deine Stimme ist, dass der Qualm inklusive des Nikotins und sonstiger Zusatzstoffe deine Stimmlippen reizt. Die feinen Flimmerhärchen in deinen Atemwegen, die Schleim und Schmutz von der Stimme wegtransportieren, legen sich beim Rauchen flach hin und es braucht bis zu einer Stunde, bis sie wieder einsatzbereit sind.
Also rauche nie direkt vor dem Singen, wenn du unbedingt rauchen musst. Völlig regeneriert sind deine Flimmerhärchen erst nach ein paar Tagen Rauchstopp! Und Kehlkopfkrebs willst du logischerweise auch nicht haben. Die Stimmlippen gehören zu den krebsanfälligsten Körperteilen. Also lieber gar nicht erst anfangen. Lass es lieber.
10. Für eine starke Stimme: Signale nicht verdrängen und schnellstens reagieren
Verbleibt die Frage, an welchen Signalen du ablesen kannst, dass mit deiner Stimme etwas nicht in Ordnung ist. Neben deinem Gefühl, wenn du in dich und deinen Körper hineinhorchst, gibt es Indikatoren, die du nicht übersehen solltest, zumal es sich tatsächlich um Warnzeichen handelt. Das beginnt damit, wenn deine Stimme auch nur ansatzweise heiser oder haspelnd geworden ist oder plötzlich tiefer klingt und endet bei der verlorenen Fähigkeit, beim Singen hohe Töne zielsicher anzuvisieren, noch lange nicht. Gleiches gilt, falls du dich dabei ertappst, dass das Sprechen zu einer Anstrengung wird oder du dich immer wieder räusperst. Von alleine wird’s nicht besser; lass die Ursachen von deinem HNO-Arzt abklären!

11. Tontechniker und Mikro nicht betrügen
Dir ist hoffentlich bewusst, dass die wirklich offene und zugleich gesunde Gesangsstimme mit deiner Mikrofontechnik steht und fällt. Dabei handelt es sich weniger um übungsintensive Aspekte, stattdessen um solche, die du dir lediglich vergegenwärtigen musst. So singst du bereits beim Soundcheck mit der Lautstärke, wie sie anschließend im realen Bühnenszenario stattfinden wird. Gib der Tontechnik die Chance, die Intensität deiner Stimme realistisch einzupegeln.
* Der unverbindlicher Verkaufspreis (UVP) ist der Preis, den der Hersteller als Verkaufspreis Kunden empfiehlt.
Das Mikrofon hältst du bitte am Schaft und stülpst die Hand nicht ansatzweise über den Mikrofonkorb. Auch wirst du das Mikrofon nicht auffressen und die gebührende Distanz zwischen Mund und Mikro einhalten, als Ausgangspunkt empfehle ich 3 Finger breit Abstand zwischen Lippen und Mikrofon. Und nein, du stellst dich selbstverständlich nicht vor die PA-Boxen und hast auch sonst dein Mikrofon im Griff, wenn du gerade nicht singst. Denn, wenn das große Feedback das Publikum niederpfeift, brauchst du auch keine Stimme mehr.
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