Was zeichnet eigentlich einen guten DJ aus? Sicherlich sein Musikwissen, seine Mixing- und – wenn nötig – auch Moderationsskills und die FĂ€higkeit, das Set dramaturgisch aufzubauen. Aber letztlich steht und fĂ€llt ein erfolgreicher Abend, wenn der DJ auf sein Publikum eingeht und es fĂŒhrt. âRead the Crowd!â lautet die Tugend!
Mit zunehmender PopularitĂ€t als DJ, gar als wahrgenommener KĂŒnstler kann ich dem Publikum schon eher ohne âWenn und Aberâ meinen Stil und damit mein Set aufdrĂŒcken, aber dennoch nicht blind diktieren. Denn selbst auf groĂen Festivals besteht die Gefahr, nicht abgeholt zu werden, wenn das vorproduzierte DJ-Set eben nicht den Nerv des Publikums trifft. Die flaue Stimmung in der Crowd Ă€uĂert sich weniger in der Fluktuation auf dem GelĂ€nde, sondern eher in gelangweilten Gesichtern und starren Blicken auf die Handys.

Viel schwieriger ist es fĂŒr einen DJ, in einer ungewohnten und von der Besucherzahl ĂŒbersichtlichen Umgebung ein musikalisch offenes Format zu bespielen. Hier sind Berufserfahrungen und Intuition gefragt, um die TanzflĂ€che zu fĂŒllen und das Publikum wie folgt zu lesen:
Publikum lesen als DJ: Tipps
1. Beobachtet das Kommen und Gehen auf der TanzflĂ€che in AbhĂ€ngigkeit eurer gespielten Musik. So könnt ihr RĂŒckschlĂŒsse fĂŒr den weiteren Aufbau eures Sets ziehen, welche Musikstile ihr bevorzugen beziehungsweise meiden solltet.
2. SchĂ€tzt die Stimmung ein. Tanzen die Leute emotionslos vor sich hin, schauen sie mitunter permanent auf ihr Handy, so bleiben sie vielleicht aus Bequemlichkeit auf der TanzflĂ€che. Hingegen ein Lachen im Gesicht, energisches Tanzen, Klatschen, in die Höhe gerissene HĂ€nde und lautstarkes Mitsingen bescheinigen, den Nagel musikalisch auf den Kopf getroffen zu haben. Hier ist natĂŒrlich euer Entertainment gefragt, um mit dem Publikum zu interagieren und die Stimmung auf ihren Höhepunkt zu bringen.
3. Achtet auf Gestik und Mimik der GĂ€ste. Der Blick in die Crowd kann durchaus verletzen, wenn euch mit einem nach unten gerichteten Daumen, KopfschĂŒtteln, zugehaltenen Ohren oder einer Kopf-kĂŒrzer-machen-wollen-Geste suggeriert wird, es lĂ€uft der falsche Song. Vereinzelte Reaktionen kann man ignorieren, aber einhergehend mit einer abfallenden Stimmung oder Fluktuation auf dem Dancefloor, sollet ihr reagieren.
4. Kommen permanent GĂ€ste mit ihren MusikwĂŒnschen zu eurem DJ-Booth, könnte dies auch fĂŒr eine Dysbalance zwischen eurem Geschmack und dem des Publikums sprechen. Daher ĂŒberdenkt eure Set-Strategie und passt sie an.
Hercules
DJ Control Inpulse T7 Premium
Publikum lesen als DJ: Seid immer einen Schritt voraus!
5. Seid immer einen Schritt voraus und fĂŒhrt das Publikum an. Spielt nicht immer das, was jeder erwartet. Sondern wagt auch etwas, um anschlieĂend objektiv zu reflektieren, ob es ankam oder in die Hose ging. Entsprechend könnt ihr etwas riskieren und einen Abend fĂŒr die Ewigkeit schaffen oder eine sichere Kugel der Belanglosigkeit schieben.
Denon DJ
Prime 4+ White
Die FĂ€higkeit, das Publikum zu lesen, stĂ€rkt euer Selbstbewusstsein und befĂ€higt euch, erfolgreich durch den Abend zu fĂŒhren. Aber zu Beginn einer Party gibt es nicht viel zu âlesenâ, zumal man auch unabhĂ€ngig der genannten Kriterien einen Plan fĂŒr das Set und die Interaktion mit dem Publikum haben sollte. Entsprechend checkt die Situation unter diesen Kriterien:
Publikum lesen als DJ: Wie viele Leute sind zu Event-Beginn da?
6: Um eine TanzflĂ€che zu fĂŒllen, bedarf es einer gewissen Anzahl von GĂ€sten in der Location. Zu zeitig mit dem Set begonnen, womöglich die falschen Tracks gespielt, fĂŒllt ihr mehr die Bar als die TanzflĂ€che. Vor dem offiziellen Musik-Startschuss sollte die Location schon zu mindestens einem Drittel bis zur HĂ€lfte gefĂŒllt sein. Sofern sich die Leute bereits um die TanzflĂ€che oder sogar auf der TanzflĂ€che scharen, an der Bar mitgewippt wird, ist deine Crowd bereit zum Dancen.
7. Steht der Abend unter einem musikalischen Motto, gar einem speziellen Musikstil, wisst ihr schon im Vorfeld, wohin die Reise gehen soll. Allerdings beispielsweise bei 90er oder 2000er Partys ist das musikalische Spektrum trotzdem sehr vielfĂ€ltig, sodass man auch mit einem gespielten Musikstil aus dieser Zeit danebenliegen kann. Gleiches gilt auch bei schwammigen musikstilbezogenen Events wie etwa âTechno-Partyâ, das viel Spielraum fĂŒr Interpretationen lĂ€sst. Entsprechend gilt, verschiedene Genres auszuprobieren und zu beobachten, wie die Leute darauf reagieren.

Publikum lesen als DJ: Achtet auf das Alter der GĂ€ste
8. JĂŒngere Leute bevorzugen modernere Musik, Ă€ltere dagegen aus ihrer Jugend, wobei diese Vorurteile nicht gĂ€nzlich zu verallgemeinern sind. Denn auch die Generation Z steht auf 80s und 90s. Legt ihr vor einem verstĂ€rkt Ă€lteren Publikum auf, passt den Musikstil entsprechend an. VerkĂŒrzt Songs nicht unangemessen, das könnte man euch ĂŒbelnehmen. Es gibt Klassiker mit einzigartigen Solos beziehungsweise Bridges, auf die die GĂ€ste förmlich warten. Beendet ihr diese Songs vorzeitig durch euren Mix, fallt ihr in Ungnade beim Publikum.

9. Ist der Veranstaltungsort besonders groĂ, dazu noch ĂŒberfĂŒllt, sodass es fĂŒr den Weg von der Bar zur TanzflĂ€che mehr Zeit bedarf, ballert die Hits nicht im Sekundentakt raus, sondern gebt den Leuten auch die Möglichkeit, den Dancefloor zu erreichen. KĂ€mpfen sich die GĂ€ste von der Bar auf die TanzflĂ€che und erreichen diese erst bei der Blende zum nĂ€chsten Track, frustriert dies und killt langfristig die Stimmung.
Denon DJ
SC6000 Prime
Publikum lesen als DJ: Die kritische Masse
10. Dass eine TanzflĂ€che mal mehr oder weniger gefĂŒllt ist, gehört zum Risiko eines DJs. Aber es darf nicht die kritische Masse unterschritten werden, auf die eine Massenflucht folgt. Es setzt eine Art Herdentrieb ein, der vor allem durch die Angst geschĂŒrt wird, sich plötzlich auf der TanzflĂ€che allein und beobachtet zu fĂŒhlen. Wenn 80 Prozent der GĂ€ste von der TanzflĂ€che verschwinden, mĂŒsst ihr nicht zwingend etwas falsch gemacht haben, vielmehr ist mit einem anderen Song schnell zu reagieren, um das Ruder wieder herumzureiĂen und nicht noch die restlichen 20 Prozent zu verlieren.

Publikum lesen als DJ: Warum musikalische Abwechslung wichtig ist
Habt ihr euch musikalisch eingegroovt und gerade mit einer vollen TanzflÀche den Volltreffer gelandet, achtet auf die Zeit, wie lang ihr schon auf dieser Welle reitet. Ist das Tempo auf Dauer zu schnell, wird das Publikum vor Erschöpfung die TanzflÀche verlassen, wie auch bei einem recht langsamen und damit einschlÀfernden Musik-Stil. Auch solltet ihr vorausschauend auflegen, nicht erst den Wechsel einleiten, wenn sich die TanzflÀche bereits leert, sondern wenn es von eurer Intuition her an der Zeit ist.
Publikum lesen als DJ: gesunde Fluktuation
Zwischen Bar und TanzflĂ€che solltet ihr fĂŒr einen regelmĂ€Ăigen, aber unauffĂ€lligen Austausch sorgen. Denn jeder Tanzende geht auch mal gern an die Bar und umgekehrt. Mit einem krassen Stilwechsel riskiert ihr eine temporĂ€r leere TanzflĂ€che, die nicht nur peinlich, sondern auch schwieriger zu fĂŒllen ist. Daher sollte der Wechsel zwischen den Stilen dezent erfolgen und so die Bar mit einbeziehen. Dadurch kommt keine Langeweile auf und das Event bleibt lĂ€nger gut besucht.

Publikum lesen als DJ: So erkennst du, was die Crowd wirklich will
Habt ihr schon Erfahrungen darin gemacht, ein Publikum zu lesen? Habt ihr noch weitere Tipps? Dann lasst es uns in einem Kommentar wissen!
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