Phil Collins kann seit seinem Einstieg ins Musikbusiness Ende der 1960er-Jahre auf eine erstaunliche Karriere zurĂŒckblicken. Er war Schlagzeuger und spĂ€ter auch SĂ€nger einer der gröĂten Rockbands der 70er- und 80er-Jahre und startete parallel eine phĂ€nomenale Solokarriere, die ihn mit mehr als 100 Millionen verkauften Alben zu einem der erfolgreichsten Popstars der letzten 50 Jahre machte.
Collinsâ gröĂter Hit âIn The Air Tonightâ zĂ€hlt zu den beliebtesten Popsongs der 80er-Jahre und beinhaltet das wohl ikonischste Drumfill aller Zeiten.
Bei Genesis landete Phil per Zeitungsannonce
Phil Collins wurde am 30. Januar 1951 in London geboren und bekam im Alter von fĂŒnf Jahren ein Spielzeug-Drumset zu Weihnachten geschenkt. Als er, gerade volljĂ€hrig geworden, erfuhr, dass die Band Yes einen neuen Drummer suchte, meldete er sich zur Audition an, ĂŒberlegte es sich dann aber anders und erschien nicht zum Vorspielen ⊠im Nachhinein wohl eine goldrichtige Entscheidung, denn die nĂ€chste Audition, die sein gesamtes weiteres Leben massiv prĂ€gen sollte, folgte bereits kurze Zeit spĂ€ter âŠ
Die Band Genesis, die sich mit ihrem 1969er-DebĂŒtalbum âFrom Genesis to Revelationâ bereits einen Namen gemacht hatte, war 1970 auf der Suche nach einem neuen Drummer und veröffentlichte eine Anzeige im britischen Musikmagazin Melody Maker. Gesucht wurde âein fĂŒr akustische Musik empfindsamer Schlagzeugerâ.
Phil fĂŒhlte sich angesprochen und absolvierte erfolgreich die Audition in Peter Gabriels Elternhaus. Sein DebĂŒt mit Genesis war das 1971er-Album âNursery Crymeâ. Nach zwei weiteren Alben lieferten Genesis mit dem Konzeptalbum âThe Lamb Lies Down on Broadwayâ im Jahre 1974 ein Meisterwerk ab, auf dem Phil Collins die ganze Bandbreite seines druckvollen und ideenreichen Spiels prĂ€sentierte.
Genesis live 1974:
Der singende Drummer
âThe Lamb Lies Down on Broadwayâ markierte bei Genesis und vor allem im Leben des Phil Collins einen wichtigen Wendepunkt, denn Peter Gabriel verlieĂ nach der folgenden Welttournee die Band, die nun ohne SĂ€nger dastand. Also veranstaltete Genesis Auditions, um einen neuen SĂ€nger zu finden. Allerdings konnte niemand ĂŒberzeugen und Collins hatte bereits auf den vorherigen Alben den einen oder anderen Song gesungen, sodass sich die Band entschloss, ihm die Doppelrolle des singenden Drummers zu verpassen.
Da Phil Collinsâ Gesang ĂŒberzeugend klang und einen Ă€hnlich hohen Wiedererkennungswert hatte wie Peter Gabriels Stimme, verstummten die Kritiker schnell und auch die Fans gewöhnten sich bereits nach kurzer Zeit an die neue Konstellation.
FĂŒr die Konzerte entschied sich die Band, einen zweiten Schlagzeuger ins Boot zu holen, damit Collins die Gelegenheit hatte, bei den Instrumentaltracks am Schlagzeug zu sitzen und bei den GesangsstĂŒcken als SĂ€nger im Rampenlicht zu stehen. Als zweiter Drummer wurde 1976 zunĂ€chst Bill Bruford engagiert, der in den Jahren zuvor bei Yes und King Crimson getrommelt hatte.
Kurz danach folgte dann Chester Thompson, der bereits fĂŒr Weather Report und Frank Zappa hinter den Drums saĂ. Thompson blieb Genesis bis zum Jahr 1992 treu (und feierte auf der 2007er-Tour nochmal ein kurzes Comeback) und sorgte bei den Konzerten zusammen mit Phil Collins regelmĂ€Ăig fĂŒr spektakulĂ€re Drum Duets.
Genesis live 1976:
Mit âFace Valueâ begann 1981 die Solokarriere
Ab 1976 ging Phil Collins fremd und schloss sich fĂŒr die nĂ€chsten vier Jahre der britischen Jazzrock-Band Brand X an, die gröĂtenteils instrumentale Musik auf technisch sehr hohem Niveau spielte. Hier konnte Collins seine instrumentalen FĂ€higkeiten voll zur Geltung kommen lassen. Kurz nach dem Ausstieg bei Brand X schmiedete er dann PlĂ€ne fĂŒr ein Soloalbum, welches schlieĂlich unter dem Namen âFace Valueâ im Jahr 1981 erschien. Collins war zu dieser Zeit nach wie vor festes Mitglied bei Genesis.
Das Album prĂ€sentierte ihn mit einer ĂŒberraschenden Stilvielfalt, mit der er sein Prog-Rock-Image locker vom Tisch fegte. In Tracks wie âI Missed Againâ beispielsweise kam die BlĂ€ser-Section der Funk-Soul-Gruppe Earth, Wind & Fire zum Einsatz, und mit dem Beatles-Cover âTomorrow Never Knowsâ begab sich Collins gar in psychedelische Gefilde.
Das unumstrittene Highlight dieses Albums aber war natĂŒrlich der Megahit âIn the Air Tonightâ, der wohl ebenso viele âLuftschlagzeugerâ hervorgebracht hat wie Deep Purpleâs âSmoke On The Waterâ Luftgitarristen.
Phil Collins âIn The Air Tonightâ live 1982:
Mit Ăberschallgeschwindigkeit um die Welt
Mit Genesis veröffentlichte Phil Collins auch in den 1980er-Jahren weitere erfolgreiche Alben, wĂ€hrend parallel seine Solokarriere mehr und mehr Fahrt aufnahm und ihm zahlreiche Chart-Erfolge bescherte, darunter das Supremes-Cover âYou Canât Hurry Loveâ, die Ballade âAgainst All Oddsâ aus dem gleichnamigen Film oder Phils Statement zum Thema Obdachlosigkeit âAnother Day in Paradiseâ.
Auch als Gastdrummer wurde Collins gerne angeheuert. So spielte er beispielsweise auf dem SolodebĂŒt des ehemaligen Led-Zeppelin-Frontmanns Robert Plant und trat mit diesem und den nach John Bonhams Tod verbliebenen Bandmitgliedern Jimmy Page und John Paul Jones sogar beim Live Aid-Konzert im Jahr 1985 auf. Collins schaffte es, an diesem Tag sowohl beim Londoner Live-Aid-Konzert als auch bei der Parallelveranstaltung in Philadelphia aufzutreten, indem er sich direkt nach dem Londoner Gig an Bord einer Concorde in die USA fliegen lieĂ.
Mit Genesis hatte Phil Collins Anfang der 90er-Jahre nochmal einige groĂe Hits â âI Canât Danceâ, âJesus He Knows Meâ oder âNo Son of Mineâ â, bevor er 1996 die Band verlieĂ. Kurz danach kehrte er mit seiner Phil Collins Big Band fĂŒr einige Jahre zu seinen frĂŒhesten musikalischen Wurzeln zurĂŒck und im Jahr 2000 folgte mit âYouâll Be in My Heartâ aus dem Film âTarzanâ nochmal ein Riesenhit, der ihm sogar einen Oscar bescherte.
Einen weiteren Schritt in die Vergangenheit tat Phil Collins 2010 mit seinem letzten Studioalbum âGoing Backâ, welches durchzogen ist vom Sound der 1960er-Jahre mit einem besonderen Fokus auf den Motown-Sound, der schon bei seinen ersten Soloalben eine wichtige Rolle spielte.
Phil Collins Big Band âPick Up The Piecesâ live 1982:
Phil Collins Lebensmotto: Not dead yet
Nach einer langen Pause stellte Phil Collins in den Jahren 2017 bis 2019 noch einmal eine Tour unter dem Namen âNot Dead Yetâ â entsprechend des Titels seiner 2016 erschienenen Autobiographie â mit einer 14-köpfigen Band auf die Beine, bei der aufgrund von Phils gesundheitlichen Problemen sein damals noch nicht volljĂ€hriger Sohn Nicholas âNicâ Collins an den Drums saĂ.
Und auch mit Genesis ging es in den Jahren 2021/2022 noch ein allerletztes Mal auf die BĂŒhne. Mit dabei waren die Originalmitglieder Tony Banks und Mike Rutherford sowie an den Drums wieder Nic Collins. Phil hatte zu dieser Zeit bereits so gravierende Probleme mit dem RĂŒcken, dass er die Konzerte im Sitzen absolvierte. Seitdem hat sich Phil Collins aus der Ăffentlichkeit zurĂŒckgezogen und verbringt seinen Lebensabend am Genfer See in der Schweiz.
Doku zur âThe Last Domino?â Tour:
Phil Collins: sein Equipment
WĂ€hrend seiner frĂŒhen Jahre bei Genesis benutzte Phil Collins recht konventionell konfigurierte Drumkits der Marken Gretsch oder Premier, kombiniert mit Becken von Paiste und Zildjian sowie einer 14â x 6,5â Ludwig Super Sensitive Snaredrum. Anfang der 1980er-Jahre folgte ein kurzes Intermezzo mit Pearl, bevor er dann etwa 1983 wieder zu Gretsch wechselte, der Marke, der er bis ans Ende seiner Drummerkarriere treu blieb. Als Snaredrum spielte er ab dieser Zeit eine 14â x 8â Gretsch mit Holzkessel und ab etwa 1990 eine Noble & Cooley mit einem 14âx 3 7/8â Maple Solid Shell.
* Der unverbindlicher Verkaufspreis (UVP) ist der Preis, den der Hersteller als Verkaufspreis Kunden empfiehlt.
Die Becken stammten ab Mitte der 80er-Jahre von der Firma Sabian, die ihm sogar ein Signature-Modell, das 21â HH Raw Bell Dry Ride, kreiert hat. Phil Collins spielte ĂŒbrigens fast wĂ€hrend seiner gesamten Karriere ein altes Ludwig Speed King Bassdrum-Pedal. Auch seinem geliebten Beyerdynamic M88 Mikrofon, welches er fĂŒr die meisten seiner Gesangsaufnahmen benutzte, blieb er lange Zeit treu.
* Der unverbindlicher Verkaufspreis (UVP) ist der Preis, den der Hersteller als Verkaufspreis Kunden empfiehlt.
Das charakteristische Merkmal an Phil Collinsâ Drumkits seit Ende der 70er-Jahre waren die mit Remo Ambassador Clear Fellen ausgestatteten Concert Toms, meistens sechs StĂŒck mit Durchmessern von 8 bis 18 Zoll. Diese Drums erzeugten aufgrund der fehlenden Resonanzfelle den typischen knalligen Sound, den man auf Tracks wie âIn the Air Tonightâ oder âI Donât Care Anymoreâ in Reinkultur erleben kann.
Wer sich noch eingehender mit dem ikonischen Phil Collins Drumkit beschĂ€ftigen möchte, sollte sich unbedingt die Videos seines Sohnes Nic anschauen, der bei den Auftritten mit seinem Vater bzw. der Band Genesis als Hommage an Phil ein identisch konfiguriertes weiĂes Gretsch USA Custom Kit benutzte.
Nic Collins auf Drumeo 2023:
Phil Collins wird 75 Jahre: dein Feedback
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