Mode und Musik – eine starke Verbindung

Mode und Musik – eine starke Verbindung

Musik und Mode sind auf mehreren Ebenen miteinander verbunden: Das eine beeinflusst das andere und anders herum, in niemals endenden Trendwenden. Wusstest du, dass große Modetrends WEGEN Musik geboren wurden? In das bestimmte Modetrends die Art beeinflusst haben, wie Künstler … Musik schreiben? Schauen wir uns das mal näher an!

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Ist Mode so wichtig für Musik?

Nun, sie ist es tatsächlich – ob du es magst oder nicht – und dies schon seit lange vor der MTV-Revolution. Wie Jon Batiste einst sagte: „Die Leute sehen dich, bevor sie dich hören und wenn sie dich ansehen, muss es wie etwas klingen.“ Ein starkes Image zu haben, kann einem Musiker oder einer Band helfen unter seinesgleichen hervorzustechen, eine bestimmte Message zu vermitteln, die zur musikalischen Darbietung passt.

Mit legendären Künstlern verbindet man ein charakteristisches und ziemlich einzigartiges „Image“ (Slashs Zylinder, Locken und Sonnenbrille, David Bowies exzentrische Designeroutfits, die klassischen lila Anzüge von Prince – das sind die Bilder, die dir im Kopf erscheinen, wenn du an sie denkst), das ihnen half sie für jeden wiedererkennbar zu machen.

Andererseits bist du, als Musikhörer, ganz selbstverständlich dazu geneigt, dich auf eine bestimmte Weise zu kleiden, um dich der Szene, zu der du gehören willst, anzupassen – das Verlangen, mit anderen Individuen zu harmonieren, die den gleichen Geschmack und die gleichen Interessen haben wie du, ist natürlich in unsere DNA geschrieben.


Die 50er

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Der Zweite Weltkrieg war gerade vorbei, Bekleidung gab es wenig und Modedesigner hatten ein Problem. Langsam aber stetig tauchte am Ende der 40er eine Fülle neuer Musikrichtungen und Modetrends bis in die 50er auf.

Der Rock’n’Roll war geboren und die „Bobby soxer“, amerikanische Teenagerinnen, die von männlichen Sängern wie zum Beispiel Frank Sinatra BESESSEN waren, fingen an ihren Stil zu übernehmen. Knöchelsocken, Haarbänder, hochgekrempelte Jeans, Pudelröcke, Schlabberpullis und Elemente, die man sich von der französischen Mode jener Zeit auslieh. Es war auch das erste Jahrzehnt der Teen-pop-Mode, von Elvis Presley: die kleine Revolution, die der größeren Revolution der 60er vorherging: den Beatles.


Die 60er: der goldene Standard

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Die 60er werden gewöhnlich mit drei Haupt-Fashiontrends verbunden: Hippies, Mods und … Beatles. Der Einfluss der Fab Four auf den Stil der Leute war tiefgehend und mit nichts zu vergleichen – so wie sich ihre musikalischen Arbeit entwickelte, taten dies auch ihre Outfits und ihr Einfluss auf die Modetrends der entsprechenden Ära bei Teenagern (und Erwachsenen!).

Mods andererseits sind vielleicht nicht so sehr bekannt beim jüngeren Publikum: Alles fing an in den 50ern, als sich die Londoner eine „modernisierte“ Version des Jazz anhörten und sich selbst „Modernists“ nannten. Die musikalische Seite erweiterte sich schließlich während der 60er zu Ska, R&B und Soul, während man den „Bohemian Lifestyle“ der Beatnik-Generation beibehielt. Die Mod-Mode ist bis heute einer der größten Einflüsse auf moderne Trends geblieben.

Schließlich die Hippie-Bewegung: eine friedvolle und doch visuell auffallende Reaktion auf den Vietnamkrieg. In den Texten drehte es sich um die Realität der Dinge, sowohl mit positiver wie auch negativer Assoziation, während der Aufstieg der Popularität von LSD, Peyote und anderer Drogen ihren Teil zur Entstehung neuer Sounds beitrugen. Alles wurde abgefahren und das kann man definitiv hören.


Die 70er: Punk and Glam

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Wir könnten mindestens 10 Artikel über die Wichtigkeit kultureller Faktoren füllen, die zur Punk-Bewegung führten. Das Genre fing als musikalische Bewegung an, die sich von der Mod-Kultur ableitete, aber mit einem in musikalischer Hinsicht raueren, aggressiveren Schlag, was schließlich anfing, sich im „offiziellen“ Outfit des Genres widerzuspiegeln.

Im Punk dreht sich alles darum zu betonen, wie verschieden du vom „Rest“ bist, mit markanten visuellen Statements und kontroversen „Mitten-ins-Gesicht“-Texten. Schließlich gilt Punk als die erste und ehrlichste existierende Musiksubkultur.

Auf der anderen Seite war Glam das Ergebnis der weitergehenden Nachfrage nach „Größer-und-besser“-Effekten, -Auftritten und visuellen Auftritten in der Mainstream-Szene. Um das einzuordnen: Star Wars ist vielleicht eins der auslösenden Momente der Glam-Rock-Bewegung, die stark von Science Fiction beeinflusst wurde.

David Bowie, KISS und Marc Bolan von T.Rex: Der visuelle und Geschichten erzählende Teil ging einher mit der musikalischen Darbietung, was das Genre Glam Rock erschuf. Man sollte allerdings erwähnen, dass die Modeseite des Glam sich nicht wirklich auf die Gesellschaft übertrug, da sie als ein wenig „over the top“ galt.


Die 80er und 90er

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Kaum ein Jahrzehnt ist so abwechslungsreich und bunt in Sachen Musik wie die 80er. Das Jahrzehnt des Pop brachte uns die amerikanischen Megastars wie Madonna, Whitney Houston oder Michael Jackson, den Synthiepop britischer Bands wie Depeche Mode oder OMD und auf der anderen Seite melancholische Gitarrenbands wie The Smiths oder The Cure. Dazu wurde der Hip Hop bekannt und musikalische Tanzbewegungen wie Rap Battles, Turntablism und B-Boying (unter dem umstrittenen Namen Breakdance) gingen um die Welt. Und genauso vielfältig war auch die Mode dieser Zeit: einerseits auffallend und grell bunt bis zu Schulterpolstern und ganz viel Neon, auf der anderen Seite düster und vor allem Schwarz mit der damals entstandenen Goth-Bewegung, die stark mit der Death-Rock-Szene verbunden war. Während die Mode der Popmusiker, die mit MTV und ihre wilden Musikvideos einen neuen Verbreitungskanal gefunden hatte, auch im Mainstream ankam, wurde die Mode des Goth aufgrund der extremen Natur der Outfits nicht ganz so populär.

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Die 90er kann man aus heutiger Sicht in Sachen Musik und Mode ganz grob dreiteilen: Techno, Hip Hop und Grunge. Der Techno und all seine Ableger brachten die Raver-Bewegung hervor, die sich modisch durch einen grellen Stilmix mit dem Ziel aufzufallen auszeichnete. Neben den bunten Shirts sind sicher so manchem noch die Plateau-Sneaker in Erinnerung. Der Hip Hop hatte zwar seinen Ursprung in 70ern und wurde bekannt in den 80ern. Doch erst in den 90ern kam er auch im Mainstream so richtig an. Die von den Stars vorgelebte Mode entwickelte sich ebenfalls bereits seit den 70ern: Street Fashion. Doch auch sie erlebte erst nun ihre Ankunft im Mainstream: Waren es in den frühen 90ern oft in Übergrößen getragene Sportbekleidung wie Eishockey-Hemden oder Trainingsanzüge, entwickelte sich die Mode stetig weiter. Ein typisches Beispiel ist Snoop Dogg, der erst sehr sportiv, später dann im Maßanzug und Pelzmantel auftrat. Hier erleben wir auch eine starke Verbindung mit bekannten Modemarken, die Künstler mit Sponsorenverträgen und ihrer Kleidung ausstatteten. Die Hip-Hop-Kultur übernahm die Welt im Strum und bis heute ist der Hip Hop eins der einflussreichsten Genres, sowohl in der Musik wie in der Mode. Ganz anders ging es im Grunge zu.

In den 90ern übernahm der Grunge und setze dem Gefühl der Angst einer ganzen Generation ein Denkmal. Der Amerikanische Traum fing an zu verblassen, während die Menschen in den Vorstädten mit Rezession und weltökonomischen Veränderungen zu kämpfen hatten. Der Grunge-Look war eine Reflektion davon: grob, unangenehm, zerknitterte Klamotten, mit einer Scheiß-drauf-Attitüde und bloß nicht mit „teurer“ Bekleidung. Grunge erfährt gerade ein großes Comeback, während dieser Artikel geschrieben wird.

Schließlich erlebten die 90er einen großen Peak des Hip Hop und der „Urban Neigbourhood“-Kultur. New York, LA und Detroit waren die Heimat der ersten Rap Battles, Breakdancing, Turntablism und allem, was damit einherging. Unnötig zu erwähnen, dass die Hip-Hop-Kultur die Welt im Sturm eroberte, und die Menschen fingen an die Looks und Trends der Rapper nachzuahmen. Bis heute ist Hip Hop eins der populärsten Genres, sowohl in Sachen Musik wie Mode.


2000 – heute

In den letzten 20 Jahren passierte etwas Eigenartiges und das betrifft nicht die Verbindung zwischen Musik und Mode. Die ist immer noch da und Popstars wie Katie Perry tragen immer noch die neuesten Designer-Klamotten oder Hip-Hop-Stars wie P. Diddy haben gleich ihre eigenen Mode-Labels – in seinem Fall heißt es Sean John.

Aber die großen Entwicklungssprünge der vergangenen Jahrzehnte sind im Moment vorbei. Es gab keine neue große Musik- oder Modebewegung mehr. Ja, weder Pop noch Techno oder Grunge klingen heute wie damals, aber es sind eben immer noch Pop, Techno und Grunge. Die Musik des 21. Jahrhunderts hat sich technisch weiterentwickelt, keine Frage. Sie ist lauter, tiefer, breiter geworden und lässt sich inzwischen in hervorragender Qualität auch zu Hause aufnehmen, wie das Beispiel Billie Eilish zeigt, die mit ihrem Look auch mehr an die 70er und 80er erinnert, beweist. Doch wirklich Neues, das aus dem Underground nach oben kam, gab es nicht mehr – weder in der Musik noch in der Mode!

Woran liegt das? War es die Sehnsucht der Menschen nach Vergangenem? Bis zum Jahr 1999 wollte Prince ja in der Zukunft tanzen, ab dem Jahr 2000 besang er in seinem Superhit auf einmal die Vergangenheit! Oder liegt es gar daran, dass wir auf einmal die Zukunft gar nicht mehr haben wollten, weil wir uns fürchteten, eines Tages alle so rumlaufen zu müssen, wie der bereits erwähnte Jean Paul Gaultier es sich im Film „Das fünfte Element“ von 1997 vorstellte? Wohl eher nicht.

Die Zauberworte heißen hier Digitalisierung und Internet. Bekam man bis in die späten 90er die Musik im Radio vorgesetzt und konnte die dazu passenden Bilder mit entsprechend modisch gekleideten Künstlerinnen und Künstlern bei MTV & Co sehen, fiel das mehr und mehr weg. Die berühmteste Musikfernsehsendung der Welt, „Top of the Pops“ der BBC, die es seit 1964 (!) gab, wird seit 2006 statt wöchentlich nur noch als jährliches Special produziert. Die Einschaltquoten von MTV sind zumindest in Deutschland kaum noch messbar.

An ihre Stelle traten in erster Linie digitale Dienste, die sich Algorithmen bedienen, um Menschen Musik anzubieten. Und die funktionieren eben so, dass sie Musik heraussuchen, die mit der gerade gehörten verwandt ist. Auch die großen Plattenfirmen, die den digitalen Wandel mächtig verschliefen, scheuten bei stark sinkenden Einnahmen das Risiko des Neuen und setzten lieber auf Bewährtes.

Die Modewelt hat mit ganz ähnlichen Dingen zu kämpfen. Wie soll sich ein komplett neuer Stil durchsetzen, wenn durch die Digitalisierung nun alles stets im direkten Zugriff ist? Inzwischen können wir uns die schmalen Krawatten der 60er, die Schlaghosen der 70er, die Tennissocken der 80er und die Schlabberpullies der 90er an einem Tag kaufen, oft sogar im gleichen Laden – und bei Bedarf sogar alles miteinander kombinieren (vielleicht besser nicht 😁). Es erscheinen jedes Jahr neue Kollektionen, aber irgendwie kommt einem alles bekannt, ja sogar oft vertraut vor.

Richtig Neues, das mit alten Traditionen bricht und mal einen ganz anderen Weg einschlägt, hat es in beiden Welten inzwischen sehr schwer. Fehlt uns der Mut? Hat es alle möglichen Schnitte in der Mode schon gegeben? Haben wir alle Sounds schon gehört? Oder kommt gerade das nächste neue große Ding und ihr kennt es bereits? Lasst es uns gerne in den Kommentaren wissen. Mal sehen, was die Zeit bringt, es bleibt spannend!


Ist Mode ein starkes Element eures Stils, wenn ihr euren musikalischen Geschmack zur Schau stellt? Wir freuen uns auf eure Kommentare! ✍

Author’s gravatar
Meon ist Gitarrist und Blogger. Er arbeitet seit 7 Jahren bei Thomann und ist permanent von Musik, Musikern und Instrumenten umgeben.

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