Das Teufelsintervall? Die Wahrheit hinter dem Tritonus

Was ist der Tritonus und warum wird er Teufelsintervall genannt? 😈 Wir gehen dem Mysterium auf den Grund! 👇
Das Teufelsintervall? Die Wahrheit hinter dem Tritonus

Du hörst ihn bei den Simpsons, bei Purple Haze und Black Sabbath … Warum nicht bei der eigenen Musik nutzen? Hier mehr zum musikalischen Mysterium ..

Wie klingt der Tritonus?

Bevor wir in die Theorie eintauchen, … drücke auf Play, um zu verstehen, wie der Tritonus tatsächlich klingt.

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Nach dem Regen und der läutenden Kirchenglocke spielt Tony Iommi drei Noten: ein tiefes G, das gleiche G eine Oktave höher und dann ein C♯, das durch den Boden zu krachen scheint. Dieser letzte Drop ist der Tritonus, und er eröffnet, was viele den ersten Heavy-Metal-Song nennen.

Probiere nun, selbst diesen Klang zu machen:

  • Keyboard: Spiele C, dann das F♯ sechs Tasten höher, wobei du alle schwarzen und weißen Tasten mitzählst. Spiel sie nacheinander, dann zusammen.
  • Gitarre: Spiele irgendeinen Ton, dann auf derselben Saite den Ton sechs Bünde höher. Oder spiele die offene tiefe E-Saite mit B (oder englisch mit einem Bâ™­) im ersten Bund der A-Saite. Genau diese Kollision eröffnet „Purple Haze“.

Beachte, wie dieser Klang sich einfach nicht beruhigen will. Er hängt in der Luft wie eine Frage, die bis jetzt noch niemand beantwortet hat. Merke dir dieses Gefühl: Am Ende dieses Artikels wirst du es sofort erkennen.

Was exakt ist ein Tritonus?

Ein Tritonus ist ein Intervall, das aus drei Ganztonschritten besteht, was sechs Halbtonschritten entspricht. Eine Oktave hat zwölf Halbtonschritte, also teilt sie der Tritonus genau in zwei Hälften.

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Zähle es von C: C–D, D-E und E–F♯ sind drei ganze Schritte, also ist C nach F♯ ein Tritonus. Abhängig davon, wie du die obere Note nennst, hat er zwei Namen:

  • Übermäßige Quarte (A4), C–F♯: eine reine Quarte, erweitert um einen Halbton.
  • Verminderte Quinte (d5), C–Gâ™­: eine reine Quinte, verengt um einen Halbton.

Auf einem Klavier oder in deiner DAW sind F♯ und G♭ die gleiche Taste. Der Name sagt dir nur, in welche Richtung sich der Ton bewegen will.

IntervallHalbtöneVon CWie es klingt
Reine Quarte5C–Fstabil
Tritonus (A4/d5)6C–F♯/G♭rastlos, ungelöst
Reine Quinte7C–Gstark, aufgelöst

Zwei weitere wissenswerte Fakten: Jede Dur-Tonleiter enthält einen Tritonus zwischen ihrem vierten und siebten Ton: F und H in C-Dur. Und es ist das einzige Intervall, das in sich selbst umgekehrt wird: Drehe C–F♯ in F♯–C, und du hast immer noch sechs Halbtöne.

Wie die Spannung aufgelöst wird: der Tritonus innerhalb des V7-Akkords

Die Rastlosigkeit des Tritonus ist der Motor der westlichen Harmonik. Seine wichtigste Heimat ist der Dominantseptakkord (V7), der Akkord, der deinem Ohr sagt: „Als Nächstes kommt Zuhause“.

In C-Dur ist der V7-Akkord G7: G, H, D und F. Zwischen H und F sitzt ein Tritonus, und jeder dieser beiden Töne ist nur einen Halbton entfernt vom Grundakkord:

H, der Leitton, steigt um einen Halbton zu C an.

F, die Septime des Akkords, sinkt um einen Halbton zum E ab.

Der Tritonus mündet in eine große Terz, C–E, den Kern des C-Dur-Akkords. Das ist das „Aah“, das du am Ende zahlloser Songs fühlst.

Probier es: Spiele G7, dann C, und achte darauf, wie sich H und F bewegen. Dann spiele G7 und stoppe. Das unbeendete Gefühl, das in der Luft hängt, ist der Tritonus. Die gleiche Spannung lebt im verminderten Dreiklang H-D-F, weshalb verminderte Akkorde immer so klingen, als wären sie kurz davor, sich irgendwohin zu bewegen.

Warum wurde der Tritonus das Teufelsintervall genannt?

Weil frühe Musiker ihn als schwer zu singen empfanden und er sich nur umständlich in ihr System einfügen ließ, und später gaben Autoren diesem Umstand einen teuflischen Namen. Die gruselige Geschichte, die du vielleicht schon mal gehört hast über die Kirche, die den Tritonus verboten hat, ist größtenteils ein Mythos.

Im elften Jahrhundert entwickelte Guido von Arezzo das Hexachordsystem, den Vorfahren von Do-Re-Mi. Der F–H-Tritonus fügte sich nicht nahtlos ein, also lernten Sänger, ihn zu vermeiden, meist indem sie das H auf ein B verminderten. Dieser Konflikt wurde bekannt als Mi contra Fa: „Mi“ von einem Hexachord gegen „Fa“ vom nächsten.

Die berühmte lateinische Bezeichnung Diabolus in Musica hat keinen mittelalterlichen Ursprung. Sie taucht zum ersten Mal in Schriften aus dem 18. Jahrhundert auf und wird in der Regel Musikern der Vergangenheit zugeschrieben:

WannWerWas passierte
Elftes JahrhundertGuido von ArezzoSein Hexachordsystem steuert Sänger um den F-H-Tritonus
1702Andreas WerkmeisterFrüheste dokumentierte Nutzung von Diabolus in Musica, älteren Autoritäten zugeschrieben
1725Johann Joseph FuxZitiert die Phrase in seiner Abhandlung über den Kontrapunkt Gradus ad Parnassum
1739Johann MatthesonSchreibt, dass frühere Musiker Mi contra Fa „den Teufel in der Musik“ nannten
19. JahrhundertLiszt, Wagner, Saint-SaënsBenutzen den Tritonus absichtlich, um Hölle, Bedrohung und Tod zu suggerieren
1970Black SabbathEröffnen ihr Debütalbum damit und helfen bei der Entstehung von Heavy Metal

Geschichten über Sänger, die für das Singen eines Tritonus exkommuniziert wurden, sind mit ziemlicher Sicherheit erfunden. Was wahr ist: Vom Mittelalter bis zur Renaissance behandelten Theoretiker ihn als zu vermeidende Dissonanz. Komponisten im Barock und in der Klassik setzten ihn daraufhin innerhalb des Dominantakkords ein und die Romantiker machten sich seinen düsteren Ruf zunutze. Liszt verwendete ihn, um die Hölle in seiner Dante-Sonate darzustellen, und Wagner stimmte für den düsteren Auftakt zu Akt 2 von Siegfried die Pauken in C und F♯.

Beachtenswerte Beispiele des Tritonus in der Musik

Wenn du erst einmal den Klang kennst, findest du ihn überall: in Cartoons, Rock-Riffs, am Broadway, in der Klassik und sogar in der Disco-Musik. Hier sind sieben Beispiele zum Hören, von unheimlich bis heiter.

Das Simpsons-Theme – Danny Elfman (1989)

Sowohl der Eröffnungschor wie auch die Hauptmelodie stützen sich auf C und F♯, die einen Tritonus voneinander entfernt sind. Die Basslinie ersetzt sogar den in Marching-Bands üblichen Wechsel von Grundton und Quinte durch einen Wechsel zwischen Grundton und Tritonus. Das gesamte Thema basiert auf der lydisch-dominanten Skala, einer Dur-Tonleiter mit erhöhter vierter und erniedrigter siebter Stufe, der Tritonus ist also eingebacken. Hör selbst:

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Purple Haze – The Jimi Hendrix Experience (1967)

Vor dem berühmten Riff spielt Hendrix B-Oktaven auf der Gitarre, während Noel Reddings E auf dem Bass spielt. Das ergibt zwei ganze Takte reinen Tritonus von der ersten Sekunde an. Hör selbst:

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Maria – Leonard Bernstein, West Side Story (1957)

Wenn Tony den Namen „Maria“ singt, springen die ersten beiden Silben um einen Tritonus nach oben und die letzte gleitet um einen Halbton hoch. Spannung und Auflösung passieren innerhalb eines einzigen Worts. Bernstein baute große Teile der West Side Story auf diesem Intervall auf, vom Prolog bis zu „Cool“. Hör selbst:

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Danse Macabre – Camille Saint-Saëns (1874)

Nachdem die Harfe Mitternacht schlägt, stimmt der Tod seine Geige. Die oberste Saite ist von E auf E♭ runtergestimmt, sodass die offenen A- und E♭-Saiten einen Tritonus erklingen lassen. Es ist das Teufelsintervall, gespielt vom Teufel persönlich. Hör selbst:

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Sir Duke – Stevie Wonder (1976)

Im Refrain springt der Bass auf einen Tritonus, wenn die Harmonie von H-Dur zu einem unerwarteten F-Moll wechselt. Das klingt hell und überraschend, nicht dunkel. Hör selbst:

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Möglichkeiten, den Tritonus in deinen Songs oder Kompositionen zu verwenden

Der Tritonus ist nicht nur für Horror da. Mit Absicht eingesetzt, verleiht er jedem Stil Anziehungskraft, Farbe oder eine bedrohliche Note. Fünf Wege, wie du ihn sofort ausprobieren kannst:

  1. Gebe deinen Kadenzen mehr Zugkraft. Schreibe V7–I und lass die Tritonus-Stimmen sich um einen Halbton bewegen: H hoch auf C, F runter auf E. Um mehr Drama zu erzeugen, hältst du den V7 einen Takt länger, bevor du ihn auflöst.
  2. Versuche es mit einer Tritonussubstitution. Tausche eine Dominatseptime mit der, die einen Tritonus weg ist. G7 und D♭7 teilen sich denselben Tritonus (H und F, geschrieben C♭ und F in D♭7), also funktioniert Dm7–D♭7–Cmaj7 und ergibt eine geschmeidige chromatische Basslinie D–D♭–C. Das kannst du in The Girl from Ipanema hören, wo ein G♭7 anstelle von C7 nach F gleitet.
  3. Schreibe ein Heavier-Riff. Kombiniere auf einer Gitarre in Standardstimmung das offene tiefe E mit einem B auf dem ersten Bund der A-Saite: die Noten von Purple Haze. Spiel es langsam und abgedämpft für Verderben, schnell für Thrash.
  4. Verwende die Blue Note. Die â™­5 ist die Extranote in der Blues-Skala (in A: A, C, D, Eâ™­, E, G). Bende hinein oder durchquere sie auf dem Weg zur 5., halt nicht drauf an.
  5. Erzeuge Spannung mit verminderten Akkorden. Ein verminderter Septakkord schichtet zwei Tritonusse übereinander. H–D–F–A♭ enthält H–F und D–A♭. Das ist mehrdeutig genug, um in fast jede Richtung führen zu können, weshalb Film- und Spielekomponisten das für Cliffhanger lieben.

Zurück zum Klang vom Anfang: Haben deine Ohren ihn gelernt?

Geh noch mal zurück zu Black Sabbath und drück erneut Play. Höre nach dem Regen und der Glocke den Moment, in dem das Riff vom hohen G auf C♯ fällt. Das ist dieselbe unbeantwortete Frage, die du selbst mit C und F♯ gestellt hast, und jetzt weißt du, warum sie so klingt.

Teste nun deine Ohren:

  • Singe „Maria“ und stoppe auf der zweiten Silbe. Du hältst einen Tritonus. Singe die letzte Silbe und fühle, wie er sich auflöst.
  • Spiele die ersten fünf Sekunden von Purple Haze und brumme die beiden dissonanten Töne B und E.
  • Bitte einen Freund, C–F, C–F♯ und C–G in zufälliger Reihenfolge zu spielen. Benenne jeweils: offen, rastlos oder aufgelöst?
  • Spiele G7 und stoppe. Kannst du hören, welche beiden Töne sich bewegen wollen und wohin?
  • Hör dir das Simpsons-Theme an und erfasse den Tritonus in den allersten gesungenen Tönen.

Wenn du jedes Mal den Sog gespürt hast, haben deine Ohren das Teufelsintervall gelernt. Von jetzt an wirst du es in Filmmusiken, Riffs und Jazzfolgen hören, und du wirst es in deiner eigenen Musik zu nutzen wissen.

FAQ

Wie viele Halbtöne sind in einem Tritonus?

Sechs. Das sind drei Ganztöne, exakt die Hälfte einer Oktave.

Ist ein Tritonus eine übermäßige Quarte oder eine verminderte Quinte?

Beides. C–F♯ ist eine übermäßige Quarte und C–G♭ ist eine verminderte Quinte. In gleichstufiger Stimmung klingen sie identisch; die Schreibweise hängt von der Tonart ab und wohin sich der Ton auflöst.

Hat die Kirche den Tritonus verboten?

Es gibt keinen Beweis für ein formales Verbot. Sänger im Mittelalter vermieden ihn aus musikalischen Gründen und Geschichten über Bestrafung sind mit ziemlicher Sicherheit erfunden.

Warum klingt der Tritonus angespannt?

Er teilt die Oktave exakt in zwei Hälften, sodass er nicht eindeutig auf eine bestimmte Tonart hinweist. Innerhalb eines Dominantseptakkords befinden sich seine beiden Töne einen Halbton entfernt vom Grundakkord, also erwarten deine Ohren, dass sie sich bewegen.

Was ist eine Tritonussubstitution?

Eine Jazztechnik, bei der du einen Dominantseptakkord mit dem einen Tritonus entfernt austauschst, zum Beispiel D♭7 anstelle von G7. Beide Akkorde teilen sich den gleichen Tritonus, also löst sich das Substitut auf dieselbe Weise auf.


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