"Frau, ich habe zu viel 'The Dark Side of the Moon' gehört, ich muss mir leider einen Phaser kaufen!" - "Noch ein Effektgerät? und was soll das kosten?" - "Keine 50 Euro!" - "Na, dann geht's ja..."
Wenige Tage später konnte ich testen, ob der kleine schwarze Kasten der Firma Artec wirklich die frühen 70er in mein Kellerstudio zaubern konnte. Ich muss sagen, er kann.
Phaser gibt es ja in verscheidensten Ausführungen von spartanisch bis komplex. Bei Artec hat man sich für einen gesunden Mittelweg entschieden. Drei Potis lassen einiges an Gestaltungsspielraum, ohne dass es unübersichtlich und das Ergebnis unvorhersehbar wird.
Die Regler "Speed" (Geschwindigkeit) und "Depth" (Effekttiefe) erklären sich eigentlich von selbst. Hier sind die Kombinationen der Extreme reizvoll. Minimale Geschwindigkeit bei maximaler Effekttiefe verändert den Klang subtil, fast unhörbar und macht in sehr lebendig, hohe Geschwindigkeit bei geringem Effekt gibt ein dezentes Schweben. Hebt man den Effekt an, wird es zu einem Flirren, bevor es spacig klingt.
Für das Vorbild aus "Breathe" empfehle ich Speed auf 10 Uhr, Depth auf 13 Uhr.
Das dritte Poti "Reso" (Resonanz) intensiviert den Effekt ähnlich wie der Feedback-Regler beim Flanger. Tatsächlich erinnern die Klänge bei aufgedrehtem Reso-Poti stark an bekannte Flanger-Sounds, vor allem wenn die Geschwindigkeit nicht zu hoch gewählt wird. Da insgesamt hier die mittleren Frequenzen resonant verstärkt werden, lässt sich dem Gitarrensound mehr Körper verleihen. Wenn man zu extrem zu Werke geht, klingt es allerdings schnell nasal, künstlich und roboterhaft.
Alles bisher gesagte gilt vor allem für cleane, höchstens angezerrte Klänge und das macht der Vintage Phaser großartig.
Hängt man einen Phaser vor einen Verzerrer (in meinem Fall ein Tubescreamer-Klon), gibt es wunderbar schwebende, lebendige Leadsounds. (Dave Murray lässt grüßen). Hier liegt der einzige Nachteil des analogen Geräts: das moderate Rauschen wird durch den Overdrive enorm verstärkt.
Aber es ist nun mal ein analoger Vintage-Phaser zu einem sensationellen Preis, da geht das Rauschen absolut in Ordnung. Wer den zuletzt beschriebenen Sound als Hauptzweck des Ohasers ansieht, muss wohl ins digitale Fach und damit deutlich tiefer in die Tasche greifen.