Twisted Electrons Crazy 8

8-Spur Stepsequencer

  • 4 polyphone MIDI Spuren - an MID Port 1
  • 4 analoge CV/Gate Spuren - liegen zusätzlich an MIDI Port 2 an
  • Sync In/Out (5 Volt Pulse Trigger) 3,5 mm Klinke
  • 2 MIDI Ausgänge (3,5 mm Klinke)
  • MIDI Eingang: Clock - 3,5 mm Klinke
  • unabhängige Länge pro Pattern
  • bis zu 16 Steps pro Pattern
  • Pattern Chain für bis zu 8 Pattern (128 Steps)
  • unabhängige Rates pro Pattern: /4, /3, /2, x1, x2, x3, x4, x8
  • Mute und Transpose
  • Swing mit 8 Stufen und 2 Modi
  • Crazy Effekt pro Pattern
  • 86 dezente weiße LEDs mit 2 Helligkeitsstufen
  • 22 Taster
  • 1 Encoder
  • Abmessungen: 210 x 100 x 45 mm
  • Gewicht: 400 g

Weitere Infos

Audio Player Funktionen Nein
Speichermedium Intern
Video Out Nein
Arrangerfunktion Nein
1 Kundenbewertungen
  • 5
  • 4
  • 3
  • 2
  • 1
3 / 5.0
  • Bedienung
  • Features
  • Sound
  • Verarbeitung
1 Textbewertungen
Gesamt
Bedienung
Features
Sound
Verarbeitung

hat Potential, kann es aber leider nicht auspielen

Philipp Alexander, 09.10.2017
+ solide Verarbeitung
+ bis zu 8 Sequencen gleichzeitig
+ bis zu 4 polyphone Sequenzen
+ wirkt edel
+ cooler Swingmodus
- teilweise scharfe Kanten
- Taster reagieren nicht immer zuverlässig
- nur 15 Speicherplätze für Akkorde
- viele Kombinationen aus kurz und langgehaltenen Tasten mit/ohne Shift
- Miniklinke - 5pol. DIN MIDI-Kabel scheint nur zum Crazy 8 kompatibel zu sein.
- bei einem 2h Test zweimal abgestürzt

Auf der Suche nach einem hardwarebasierenden polyphonen Sequencer (als Ergänzung zu meinem BeatStep Pro) bin ich auf den Crazy 8 gestoßen.

Das auf das wesentliche reduzierte Design gefiel mir auf Anhieb. Die Möglichkeit bis zu vier polyphone Tracks gleichzeitig abzufeuern auch. Zusätzlich noch weitere 4 monophone Tracks über MIDI2 oder CV Ausgang. Toll, Herz, was willst Du mehr.

Nach dem Auspacken stellte ich fest, dass die Kanten zwar nicht so scharf sind, dass man sich die Finger daran verletzt, aber sie sind kantig genug, um im Tisch Kratzer zu hinterlassen. Sicherheitshalber legte ich also ein Gaming Pad unter. Also nicht so schlimm. Leicht abgerundete Ecken auf der unterseite wäre da ganz nett, ist aber nur Geschmackssache.

Wichtiger: Der Test im Solobetrieb ging recht gut voran. Auch wenn ich mich anfangs immer wieder in der Kombination aus kurzem und langem Tastendrücken mit und ohne Shift Funktion irrte, so feuerte schon bald die ersten Sequenzen Richtung Synth. Aber schon hier zeigte sich, dass ein schnelles, intuitives Arbeiten wohl nur mit viel Training möglich ist. Um den Status von Rests visuell abzurufen, muss man die Resttaste 1 Sekunde halten. Um zu einer bestimmten Note zu transponieren muss man eine der Semiton-Transponiertasten halten und gleichzeitig eine Taste der kleinen Klaviatur drücken. Überlegt man es sich anders und will doch nicht die Tonart wechseln und lässt die Semiton-Transponiertaste wieder los, dann hat man um einen Halbton nach oben/unten transponiert. Drückt man Shift und die eine der Transponierttasten, verschiebt man um eine Oktave noch/unten. Wichtig ist hierbei auch, dass man zuvor kontrolliert, ob man im Pattern- oder im Step-Modus, da abhängig vom Modus die Tasten andere Funktionen haben. - Gut das ist halt eine Einlernphase und andere Sequenzer wie der von meinem Mother 32 ist da auch nicht viel anders. Also weitergetestet.

Unangenehm viel mir dabei der Druckpunkt der Tasten auf. Tippt man mittig oder mehr auf der unteren Seite (näher beim Benutzer) auf die Tasten, so reagieren sie nicht immer gleich. Tippt man eher auf das obere Ende, reagieren sie besser. - Das ist ehrlich gesagt schon ein bisschen enttäuschend. - Aber gut, wenn man es weiß, bekommt man das auch in den Griff. Nervig ist aber der anscheinend sehr kurze Unterschied zwischen kurz drücken und lang drücken einer Taste. So muss man wirklich staccato auf die Tasten drücken. Ein einfaches kurzes Drücken, wie zum Beispiel bei einer Playtaste auf der DAW wird schon als langer Tastendruck interpretiert. Hier scheint mir der Milisekundenbereich etwas zu kurz bemessen zu sein. Hier geht es wirklich nur um einen kleinen Augenblick, der aber entscheidend ist.

Die echten KO Kriterien waren aber, dass die mitgelieferten MIDI (MIniklinke - DIN) Kabeln anscheinend eine Spezialanfertigung sind. Während meine bisherigen Kabeln dieser Art problemlos an Beatstep Pro und Faderfox UC4 funktionierten, war mit dem Kabel nichts zu wollen. Weder Beatstep Pro noch Faderfox UC4 reagierten darauf. Und umgekehrt, meine Arturia bzw. Faderfoxkabeln wollten auf dem Crazy 8 nicht reagieren. - Ist das wichtig? Naja, ich wollte eine reine Miniklinken MIDI Verbindung zwischen Crazy 8 und Beatstep Pro aufbauen. Hatte aber keinen Erfolg. Erst als ich den Arturia Adapter auf ein mit dem Crazy 8 MIDI Kabel zusammenschloss gab es Signale zwischen den beiden.

Nachdem nun endlich die MIDI Daten übertragen wurden, die nächste Ernüchterung: Ein Sync über MIDI schien nicht möglich zu sein. Angeblich ist das aber schon mit der nächsten Firmware behoben. Über Synckabel raste der Crazy 8 dann davon. Da ich normalerweise nur über MIDI synchronisiere, lag der Fehler wohl bei meiner Unwissenheit. Im Nachhinein ergab die Recherche, dass ich wohl übersehen hatte, dass man die Puls-Art im Beatstep Pro (MIDI Control Center) einstellen kann/muss. Hier wäre vielleicht auch im Crazy8 eine Konfigurationsmöglichkeit für die verschiedenen Arten von Sync-Impulsen wünschenswert. Laut Manual macht er nur 1 Puls pro Step. - Wie auch immer, trotz mehrerer Versuche schaffte ich es zwar, dass die beiden gemeinsam starteten und stoppten, aber Zusammenspiel war mir nicht vergönnt. Also, teste ich im Stand-Alone Modus weiter.

Was mir garnicht gefällt ist die Handhabung der Pattern. Die Auswahl eines der Pattern erfolgt mit dem Encoder. Durch Drehen wählt man einen der 16 Pattern aus. Solange die Pattern nebeneinander liegen, kein Problem, sind die Pattern aber weiter von einander entfernt, so springt er (je nachdem wie schnell man dreht) alle dazwischen liegenden Pattern an. Hier wäre zum einen ein Auswahlmodus, dass erst der Pattern angespielt wird, den ich wirklich ausgewählt habe wünschenswert, zum anderen eine Einstellung, dass die Pattern erst nach Beendigung des gerade gespielten Patterns angewählt werden und nicht sofort. Einzige Rettung scheint hier derzeit der Chaining Modus zu sein, was die Sache aber ob des beschränkten visuellen Interfaces (hier entpuppt sich das schlichte Design als etwas kontraproduktiv) für meinen Geschmack recht unübersichtlich macht.

Die Polyphone ist mit 15 Speicherplätzen für verschiedene Akkorde dann auch eher bescheiden. Ich hätte gehofft, dass man direkt im Step den Akkord setzen kann. Dem ist aber nicht so, vielmehr muss man erst im Chord-Modus auf 15 Speicherplätzen die Akkorde definieren, dann im Stepmodus kann man durch Gedrückhalten einer beliebigen Klaviaturtaste und gleichzeitiges betätigen des Encoders einen Akkord dem aktuell ausgewählten Step zuordnen, wobei die erste Position der 16 Stellen dann wieder kein Akkord ist. - Intuitiv ist in meinen Augen etwas anderes.

Eine Kleinigkeit noch am Rande, die Status-LEDs für den Encoder befinden sich auf der rechten Seite des Encoders während die gesamte Bedienung auf der linken ist. Sofern man nicht über den Crazy8 gebeugt steht, sondern z.B. im Studio davor sitzt, verdeckt entweder der Encoder oder die eigene Hand die StatusLEDs, man sieht dann nicht auf einen Blick, ob man gerade im Pattern oder Step Modus ist. Es kam nicht einmal vor, dass ich mir gewünscht hätte, dass die LEDs links vom Encoder sind. - Vielleicht nur ein Problem der Einlernphase, ich fande es aber tierisch nervig, zum der Modus essenziell für die Bedienung im Livebetrieb ist.

Während des Tests kam es mehrmals zu einem Systemabsturz, der nur noch durch Steckerziehen behoben werden konnte. Somit eigentlich nicht im Livebetrieb verwendbar. Allerdings dürfte der Programmierer sehr bemüht sein, solche Fehler möglichst schnell aus der Welt zu schaffen. Man muss halt mit öfteren Firmware-Updates rechnen.

Nach 2 bis 3 Stunden überwogen für mich persönlich leider die Nachteile und so kam ich recht rasch zu dem Schluss, dass ich mit diesem Sequencer nicht arbeiten möchte. Mir ist die Verschachtelung der Bedienebenen, die teilweise schlechte Haptik der Tasten, das Staccato beim Auswählen und die Abstürze zu nervig. Ich erkenne hierbei leider noch keinen Vorteil gegenüber softwarebasierenden Step Sequencern.

So schön das schlichte Design wirkt, so schwierig ist es dann rein nur auf Basis einer 4x16 weiße LED Matrix abzulesen, was gerade vor sich geht, zumal es ja bis zu 8 Tracks sind und die ersten 4 auch noch polyphon sein können. Auf einen Blick erkennt man da leider nicht mehr, welcher Step polyphon und welcher monophon ist. Und sofern polyphone welcher der 15 gespeicherten Akkorde es nun ist. Meiner Meinung nach muss man schon im Vorfeld genau wissen, wohin die Reise gehen soll, um diesen Sequenzer sinnvoll zu programmieren. Das ist aber dann nicht mehr intuitiv, sondern eben programmieren.

Ich möchte hier keinen wirklichen Vergleich zum Beatstep Pro vornehmen, da die Geräte doch sehr unterschiedlich sind, so verbraucht der Beatstep Pro für gerade einmal 2 monophone Spuren und eine Drumspur mindestens die 5fache Fläche am Tisch, aber in Bezug auf das visuelle Feedback hätten dem Crazy8 farbige LEDs (zwar auf Kosten des schlichten Designs) die Chance auf leichtere Lesbarkeit gegeben, z.B. um zwischen den MIDI und CV Spuren zu unterscheiden, um zwischen monophonem und Akkord-Step zu unterscheiden, etc.

FAZIT: Das Gerät ist für meinen Geschmack recht hübsch anzusehen und wirkt auch edel verarbeitet. Softwareseitig sind wohl noch einige Updates notwendig bis es sein Potential ausschöpfen kann. Die Übersichtlichkeit des visuellen Feedbacks und eine intuitive Bedienung ist meiner Meinung nach dem schlichten Design geopfert worden. Ich stelle es mir Livebetrieb schwierig vor. Und im Studio scheint mir die Unübersichtlichkeit einem intuitivem Arbeiten im Weg zu sein. Es tut mir für Twisted Electons leid, denn die haben sich sichtlich Mühe gegeben und viel überlegt, aber derzeit wirkt das Gerät mehr wie eine Designstudie, denn ein praxistaugliches Gerät.
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